Einführung
Die Stadthalle in Bad Godesberg, ein zentraler Kultur- und Veranstaltungsort im Stadtbezirk, befindet sich seit mehreren Jahren in einem Zustand, der eine umfassende Sanierung erforderlich macht. Nachdem der Betrieb im Frühjahr 2020 pandemiebedingt eingestellt wurde und der Pächter in die Insolvenz geriet, stellte sich heraus, dass der Große Saal einsturzgefährdet ist. Seither wurde intensiv an der Zukunft der Stadthalle gearbeitet: Planerische und bautechnische Schritte wurden eingeleitet, ein Projektbeirat eingesetzt, und die ersten Baumaßnahmen sind in die Wege geleitet worden.
Der vorliegende Artikel beleuchtet die Planungen, den aktuellen Stand der Sanierung sowie die Herausforderungen, die sich im Zuge des Projekts ergeben. Besondere Aufmerksamkeit wird der baulichen Umgestaltung, der Sicherung des Großen Saals, der Energiekonzepte und der Nutzungskonzeption gewidmet. Darüber hinaus werden auch die zukünftigen Perspektiven der Stadthalle in den Kontext ihres Umfelds gestellt.
Aktueller Planungsstand
Planerische Entwicklung und Projektbeirat
Die Sanierung der Stadthalle wird von einem Projektbeirat begleitet, der seit Anfang 2024 seine Arbeit aufgenommen hat. In der zweiten Sitzung, geleitet von Hillevi Burmester, wurden erste konkrete Schritte in Richtung Sanierung vorgestellt. Das Kölner Architekturbüro V-Architekten um Tim Denninger, Sohn des Stadthallenerbauers Dirk Denninger, unterstützt die Stadtverwaltung bei der Planung. Dabei stehen die bauliche Sicherheit, die multifunktionale Nutzung sowie die Flexibilität im Vordergrund.
Ein zentraler Aspekt der Planung ist die Entscheidung, ob der einsturzgefährdete Große Saal erhalten bleibt oder abgerissen werden muss. Die Stadt und das beauftragte Unternehmen Procagon arbeiten an einer Prüfung der Tragstruktur, die von der Sicherung des Hallendachs abhängt. Dazu kommen Autokrane zum Einsatz, um die notwendige Stabilisierung sicherzustellen. Die endgültige Entscheidung hierzu ist noch ausständig.
Raumprogramm und Nutzungskonzept
Die künftige Nutzung der Stadthalle wird von einem klar definierten Raumprogramm abgedeckt. Ziel ist es, die Stadthalle multifunktional und flexibel zu nutzen, sodass sie sowohl für große Veranstaltungen wie Kongresse als auch für kleinere Events durch lokale Vereine genutzt werden kann. Der Große Saal, falls er erhalten bleibt, soll weiterhin als Veranstaltungsort dienen, jedoch unter Sicherheitsbedingungen und nach notwendiger Sanierung.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Gastronomie. Die Stadthallen-Gastronomie wird auf eine Vollküche ausgestattet, ergänzt durch Räume für Catering-Küchen, um verschiedene Dienstleister parallel arbeiten zu lassen. Dies ermöglicht eine bessere und vielfältigere Bewirtung der Besucher. Im ehemaligen Bereich der Stadthalle sind zudem eine Bierstube und eine Kegelbahn vorgesehen, die neu eingerichtet werden sollen.
Ein Neubau im hinteren Bereich ist geplant, der der Bewirtschaftung und der Tagungszentrale angegliedert ist. Der sogenannte Karajanflügel wird als Backstagebereich dienen. Diese Planung zielt darauf ab, die infrastrukturellen Anforderungen an eine moderne Veranstaltungshalle zu erfüllen.
Machbarkeitsstudien und Zeitplanung
Für das Jahr 2025 ist eine Machbarkeitsstudie zur Sanierung oder zum möglichen Neubau des in die Jahre gekommenen Bautrakts A geplant. Die Ergebnisse dieser Studie sollen innerhalb von drei bis sechs Monaten vorliegen. Erst danach kann ein konkreter Zeitrahmen für die weiteren Maßnahmen festgelegt werden. Dieser Planungsansatz sichert ab, dass Entscheidungen auf fundierten Analysen basieren und Ressourcen effizient eingesetzt werden können.
Baumaßnahmen und technische Herausforderungen
Sicherung des Großen Saals
Die Sicherung des einsturzgefährdeten Großen Saals ist ein zentraler Punkt der Sanierungsarbeiten. Die Ausschreibungen zur Stabilisierung des Daches sind abgeschlossen, und die Arbeiten sollen im September 2025 beginnen. Diese Maßnahmen sind Voraussetzung für weitere Prüfungen an der Deckenkonstruktion. Die Entwässerung des Gebäudes muss zudem vollständig erneuert werden, da sie als ein weiterer Faktor für die bauliche Stabilität gilt.
Energiekonzept
Im Rahmen der Sanierung ist auch ein Energiekonzept in Entwicklung. Ziel ist es, die Stadthalle energieeffizient zu gestalten und den CO₂-Ausstoß zu reduzieren. Dazu gehören Maßnahmen wie die Modernisierung der Heizungs- und Lüftungsanlagen, die Installation von effizienten Beleuchtungssystemen sowie die Nutzung erneuerbarer Energien. Diese Schritte sind üblich in modernen Sanierungsprojekten und entsprechen den gesetzlichen Vorgaben zum Klimaschutz.
Umfeldplanung und Infrastruktur
Kurpark und ÖPNV
Die Sanierung der Stadthalle ist nicht isoliert von ihrer Umgebung zu betrachten. Der Kurpark, der sich in unmittelbarer Nähe befindet, ist ein zentraler Bestandteil der Planung. Der große Brunnen im Kurpark soll so schnell wie möglich instand gesetzt werden. Darüber hinaus sind weitere Ertüchtigungen der Grünanlagen vorgesehen, um den Park attraktiver und besser nutzbar zu machen.
Die Beleuchtung im Kurpark ist ein weiteres Projektziel. Eine bessere Ausleuchtung soll die Sicherheit erhöhen und die Nutzung des Parks im Abend- und Nachthours stärker ermöglichen. Die Optimierung der ÖPNV-Verbindungen ist ein weiterer Fokus der CDU-Fraktion Bad Godesberg. Nach ihrer Auffassung muss die Stadthalle auch weiterhin für den Autoverkehr gut erreichbar bleiben. Gleichzeitig sollen die öffentlichen Verkehrsmittel verstärkt genutzt werden, um den Verkehr in der Region zu entlasten.
Nutzung durch Schulkinder und Vereine
Ein weiteres Ziel der Planung ist die Integration der Stadthalle in das kulturelle und schulische Leben des Stadtbezirks. So sollen den Schülerinnen und Schülern der nahe gelegenen Musikschule Aufführungsräume zur Verfügung stehen. Dies stärkt die kulturelle Vernetzung und ermöglicht jungen Künstlern, ihre Talente unter professionellen Bedingungen zu präsentieren.
Kritische Bewertung der Planungsansätze
Einsturzgefährdung des Großen Saals
Der Zustand des Großen Saals ist derzeit noch unklar. Die Entscheidung, ob er erhalten bleibt oder abgerissen wird, hängt von den Ergebnissen der baulichen Prüfungen ab. Die Sicherung des Hallendachs ist ein notwendiger, aber noch nicht ausreichender Schritt. Es bleibt abzuwarten, ob die Struktur des Saals nach den Sanierungsmaßnahmen stabil genug ist, um als Veranstaltungsort weiter genutzt zu werden. Dieser Aspekt wird als besonders kritisch angesehen, da der Große Saal ein zentraler Bestandteil der Stadthalle ist.
Machbarkeitsstudie zum Bautrakt A
Die geplante Machbarkeitsstudie für den Bautrakt A ist ein weiterer Schwerpunkt, der noch auf Klärung wartet. Da der Bautrakt in die Jahre gekommen ist, ist es möglich, dass eine Sanierung nicht wirtschaftlich oder technisch umsetzbar ist. In diesem Fall wäre ein Neubau alternativ. Die Studie soll diese Frage beantworten und eine Entscheidungsbasis für die Stadtverwaltung schaffen. Da die Studie noch nicht abgeschlossen ist, bleibt der Zeitrahmen für weitere Maßnahmen unklar.
Finanzielle Aspekte
Kostenschätzung
Die Kostenschätzung für die Sanierungsvariante 1 wurde konkretisiert und soll im Herbst 2025 den politischen Gremien vorgelegt werden. Obwohl konkrete Beträge noch nicht bekannt sind, ist zu erwarten, dass die Kosten im mittleren sechsstelligen Bereich liegen. Dieser Betrag ist für Sanierungsprojekte dieser Größenordnung typisch. Die Finanzierung wird wahrscheinlich aus kommunalen Mitteln, staatlichen Förderungen und möglichen Sponsoren erfolgen.
Haushaltsplanung
Die Haushaltsplanung für die Sanierung der Stadthalle ist ein politisch sensibles Thema. In der Vergangenheit gab es Diskussionen über Kürzungen in der Jugend- und Kulturarbeit, weshalb die Entscheidung für die Sanierung der Stadthalle auch symbolisch von Bedeutung ist. Der Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie hat einstimmig entschieden, dass der Jugendzeltplatz in Bad Godesberg erhalten bleibt, was zeigt, dass die Stadtverwaltung auch bei knapper Kasse Prioritäten setzt.
Politische Haltung und Stellungnahmen
CDU-Bezirksfraktion Bad Godesberg
Die CDU-Bezirksfraktion Bad Godesberg hat sich intensiv für die Sanierung der Stadthalle eingesetzt. Sie fordert nicht nur eine zügige Erneuerung, sondern auch eine bessere Ausstattung der Spielplätze und Schulhöfe im Stadtbezirk. Diese Haltung spiegelt den breiteren Kontext wider, in dem die Sanierung der Stadthalle stattfindet. Die CDU-Fraktion betont zudem die Bedeutung der Stadthalle als kultureller Ankerpunkt im Stadtbezirk und möchte, dass sie weiterhin für den Autoverkehr gut erreichbar bleibt.
Projektbeirat
Der Projektbeirat „Sanierung Stadthalle Bad Godesberg“ unter Vorsitz von Hillevi Burmester hat sich als zentraler Beratungsorgan etabliert. Die Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung, Planern und lokalen Interessenvertretern ist ein Erfolgsfaktor des Projekts. Die Transparenz und Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, wie sie im Rahmen der Bürgerinformationsveranstaltungen gewährleistet wird, trägt zur Akzeptanz des Projekts bei.
Fazit
Die Sanierung der Stadthalle Bad Godesberg ist ein komplexes und vielschichtiges Projekt, das sowohl bauliche als auch organisatorische Herausforderungen aufgreift. Nach mehreren Jahren der Unsicherheit und Stilllegung ist es gelungen, erste konkrete Planungsschritte zu setzen. Der Projektbeirat, die Planer und die Stadtverwaltung arbeiten eng zusammen, um die Stadthalle fit für die Zukunft zu machen. Obwohl noch viele Fragen offen sind – insbesondere im Hinblick auf den Zustand des Großen Saals und die Machbarkeit der Sanierung des Bautrakts A – ist die Dynamik des Projekts spürbar. Die Stadthalle soll nicht nur wieder eröffnet werden, sondern auch modernisiert und multifunktional genutzt werden können. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass die Planungen nicht nur baulich, sondern auch sozial und kulturell angepasst werden, um den Bedürfnissen der Zukunft gerecht zu werden.