Der Trend zum Bauen im Bestand hat sich in den letzten Jahren zunehmend verstärkt – vor allem vor dem Hintergrund der Klima- und Ressourcenproblematik, aber auch aus wirtschaftlicher und sozialer Perspektive. Statt stets Neubauten in den Fokus zu rücken, werden heute Umbauten, Sanierungen und Modernisierungen als zentraler Baustein einer nachhaltigen Baukultur betrachtet. Um diese Themen aufzugreifen und zu fördern, finden in Deutschland zahlreiche Wettbewerbe statt, die Bauherren, Planer und Architekten bei ihren Projekten anregen, prämieren und sichtbar machen. Diese Wettbewerbe tragen nicht nur dazu bei, Innovationen im Bereich Umbau und Renovierung hervorzuheben, sondern auch, bestmögliche Praxisbeispiele zu dokumentieren und weiterzugeben.
In diesem Artikel werden die wichtigsten Wettbewerbe im Bereich Umbau und Renovierung vorgestellt, mit Schwerpunkt auf jenen, die sich explizit auf Bestandsgebäude beziehen. Dabei werden die Zielsetzungen, Bewertungskriterien und Preise der Wettbewerbe herausgearbeitet, sowie deren Bedeutung in der aktuellen Baupolitik und Baukultur dargestellt.
Wettbewerbe als Anreiz und Impulsgeber
Wettbewerbe für Umbau und Renovierung dienen nicht nur der Anerkennung individueller Leistungen, sondern auch der Förderung innovativer Lösungen. Sie regen zur Weiterentwicklung bestehender Gebäude an, um sie energieeffizienter, barriereärmer und zukunftsfähiger zu gestalten. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, bestehende Ressourcen bewusst zu nutzen und so zur Reduktion des Ressourcen- und Energieverbrauchs beizutragen.
Ein weiterer Aspekt ist die Vorbildfunktion solcher Wettbewerbe: Durch die Verbreitung von prämierten Projekten können andere Bauherren, Handwerker oder Architekten inspiriert werden, ähnliche Maßnahmen in die Wege zu leiten. Zudem bietet die Teilnahme an Wettbewerben oft eine Plattform, um das eigene Projekt einem breiteren Publikum vorzustellen, wodurch auch wirtschaftliche Vorteile entstehen können.
Wichtige Wettbewerbe im Überblick
Der KfW-Award: Umbauen statt Neubauen
Der KfW-Award ist eine langjährige Initiative der KfW Förderbank, die sich auf innovative Bau- und Wohnideen konzentriert. Ein zentrales Thema ist hierbei „Umbauen statt Neubauen – Mehrwert durch Revitalisierung von Wohnimmobilien der 50er und 60er Jahre“. Ziel ist es, durch Sanierungen und Umbauten den bestehenden Gebäudebestand lebenswert und zukunftsfähig zu machen.
Zum Beispiel stand der KfW-Award 2017 unter dem Motto „Ausbauen, Anbauen, Umbauen – effizient Wohnraum schaffen und modernisieren“. Teilnehmen konnten Bauherren, die in den vergangenen fünf Jahren ein Gebäude erweitert, umgewidmet, modernisiert oder belebt haben. Die Bewertung erfolgte anhand von Kriterien wie Energie- und Kosteneffizienz, Raum- und Flächennutzung sowie individueller Wohnlichkeit. Der Wettbewerb bot insgesamt 30.000 Euro an Preisgeldern.
Ein weiteres Beispiel ist der KfW-Award 2006 mit dem Motto „Europäisch Leben – Europäisch Wohnen“, der innovative Bau- und Wohnideen auszeichnete. Der Schwerpunkt lag hier auf Revitalisierungen von alten Wohnimmobilien, insbesondere solchen aus den 50er und 60er Jahren. Die Teilnahme war für Bauherren, die in den letzten fünf Jahren Sanierungen durchgeführt hatten, möglich.
Der Bundespreis UMWELT & BAUEN
Der Bundespreis UMWELT & BAUEN wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) und dem Umweltbundesamt (UBA) ausgelobt. Er zielt auf die Förderung nachhaltiger Bau- und Sanierungsprojekte ab und ist in vier Kategorien unterteilt: „Wohngebäude“, „Nichtwohngebäude“, „Quartiere“ und „Sonderpreis für Bauprodukte sowie bautechnische und digitale Innovationen“.
Im Jahr 2025 hat der Wettbewerb das Thema „Bauen im Bestand“ in den Mittelpunkt gestellt. Gesucht werden Projekte, die Klimaschutz, Energieeffizienz, Kreislauffähigkeit, Biodiversität sowie soziale Aspekte miteinander verbinden. Die Jury, bestehend aus Experten aus Politik, Wissenschaft und Praxis, vergibt Preise an Projekte, die beispielhaft für eine nachhaltige Bauweise im Bestand stehen.
Ein weiteres Ziel ist es, den Wettbewerb als Impulsgeber für zukünftige Projekte zu nutzen. Schirmherrin ist Bundesumweltministerin Steffi Lemke, und die Juryvorsitzende ist Prof. Christa Reicher, eine renommierte Städtebau-Expertin. Die Jury hofft, dass durch die Auszeichnung von Best Practice-Beispielen eine „Next Practice“ für die Zukunft des Bauens entsteht.
Der db-Wettbewerb „Respekt & Perspektive“
Der db-Wettbewerb „Respekt & Perspektive“ wird in Kooperation mit Saint-Gobain Weber ausgelobt und richtet sich an Planer, die Sanierungen, Umbauten und Erweiterungen durchgeführt haben. Ausgezeichnet werden dabei Projekte, die über technisch etablierte Standards hinausgehen und gleichzeitig durch herausragende Gestaltqualitäten überzeugen.
Der Wettbewerb thematisiert die Herausforderung, dem baulichen Erbe Respekt zu zollen und gleichzeitig neue Perspektiven zu eröffnen. Dabei ist es wichtig, baugeschichtliche Bedeutung, emotionale Bindung oder landschaftliche Relevanz mit aktuellen Anforderungen wie Energieeinsparung, Brandschutz oder technischer Ausstattung zu verbinden. Eingriffe in die Substanz sind dabei oft unvermeidlich, jedoch müssen sie sensibel und nachhaltig gestaltet werden.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Zusammenarbeit zwischen Architekten und Energieplanern, wobei auch Projekte, die den Einsatz von Technik minimieren, als besonders wertvoll angesehen werden. So kann beispielsweise eine Sanierung durch cleveres Planen und umsichtiges Handeln dazu beitragen, schützenswerte Architektur zu erhalten, ohne sie durch übermäßige Technik überladen zu müssen.
Der VPB-Wettbewerb „Die transparenteste Bau- und Leistungsbeschreibung“
Der VPB (Verband Privater Bauherren) hat in der Vergangenheit Wettbewerbe ausgelobt, die sich auf die Verbesserung der Baukommunikation konzentrieren. Ein Beispiel ist der Wettbewerb „Die transparenteste Bau- und Leistungsbeschreibung“, der von der VPB-Jubiläumsfeier 2006 vergeben wurde. Schirmherr war Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee, und Vorschlagsberechtigt waren Architekten, Bau-Ingenieure, Bauherren, Bauträger und VPB-Regionalbüros.
Der Wettbewerb zielt darauf ab, Bau- und Leistungsbeschreibungen zu verständlich, übersichtlich und vollständig zu gestalten. Zielgruppe sind vor allem Laien, die sich ohne fachliche Vorkenntnisse im Bauwesen zurechtfinden können. Der Wettbewerb fördert somit auch die Transparenz in der Bauplanung und trägt zur Qualitätsverbesserung in der Baukommunikation bei.
Der Sanierungspreis
Der Sanierungspreis wird von der Zeitschrift „Althaus modernisieren“ und „Bauen & Renovieren“ vergeben. Er richtet sich an Bauherren, die ihr Zuhause saniert oder umgebaut haben. In der Vergangenheit gab es Preise für Profis aus den Bereichen Holz, Dach und Metall, sowie für Bauherren mit besonderen Modernisierungsleistungen.
Ein Beispiel ist der Sanierungspreis 2013, bei dem drei Preise im Wert von insgesamt 10.000 Euro an Profis vergeben wurden. Ein weiterer Preis ging an einen Bauherren, dessen Modernisierung besonders gelungen war. Die Teilnahme erfolgt über das Internet, was den Wettbewerb für viele Bauherren zugänglich macht.
Der Wettbewerb „Das goldene Haus“
Der Wettbewerb „Das goldene Haus“ wird von der Landesbausparkasse LBS und der Zeitschrift „Das Haus“ ausgelobt. In der aktuellen Runde dreht sich das Motto um „Bauen im Bestand: Neustart für den Altbau – Erneuert, erweitert, ertüchtigt!“. Der Einsendeschluss für die Teilnahme ist der 11. März 2025.
Bei der Beurteilung der Projekte werden folgende Kriterien berücksichtigt: - Erweiterung - Aufteilung - Energieeffizienz - Technik - Ästhetik - Kreislauf - Neue Wohneinheit
Der Wettbewerb ist insbesondere für Bauherren interessant, die sich im Bereich Bestandsbau engagieren und ihre Projekte in die Öffentlichkeit tragen möchten. Die Teilnahme ist dabei eine Gelegenheit, nicht nur finanzielle Preise zu gewinnen, sondern auch die eigene Arbeit einem breiten Publikum zu präsentieren.
Bewertungskriterien und Fokus
Die Wettbewerbe unterscheiden sich in ihren Bewertungskriterien, teilen sich aber einige gemeinsame Fokussierungen:
Energieeffizienz
Ein zentraler Punkt in den Wettbewerben ist die Energieeffizienz der Umbaumaßnahmen. Ob im KfW-Award, im Bundespreis UMWELT & BAUEN oder im db-Wettbewerb – hier wird Wert auf die Reduktion des Energieverbrauchs, die Nutzung erneuerbarer Energien und die Minimierung von CO₂-Emissionen gelegt. Energieeffiziente Sanierungen tragen nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern senken auch langfristig die Betriebskosten für den Bauherren.
Barrierefreiheit und generationengerechte Planung
Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Barrierefreiheit und generationengerechte Planung. Insbesondere der KfW-Award betont, dass Sanierungen und Umbauten nicht nur energetisch, sondern auch hinsichtlich der Zugänglichkeit für alle Altersgruppen durchdacht sein müssen. So können Gebäude durch gezielte Umbauten barrierefrei gemacht werden und so länger genutzt werden, was den Wert des Gebäudes steigert.
Ästhetik und Gestaltung
Neben technischen und funktionalen Aspekten ist auch die Gestaltung und Ästhetik der Umbauprojekte ein Bewertungskriterium. So fordert der db-Wettbewerb beispielsweise, dass Projekte durch „herausragende Gestaltqualitäten“ überzeugen müssen. Ästhetik spielt dabei eine Rolle, um das Gebäude nicht nur funktional, sondern auch visuell ansprechend und wohnlich zu gestalten.
Kreislauffähigkeit
Kreislauffähigkeit und Nachhaltigkeit im Umgang mit Ressourcen sind ebenfalls ein Schwerpunkt. Der Bundespreis UMWELT & BAUEN betont, dass Sanierungen, Umbauten und Erweiterungen Klimaschutz, Kreislauffähigkeit und Biodiversität miteinander verbinden müssen. Dies betrifft beispielsweise die Verwendung von回收材料, die Reduktion von Abfällen oder die Optimierung der Energiekreisläufe.
Soziale Aspekte
Auch soziale Aspekte wie die Schaffung von Wohnraum oder die Bewahrung von baulichem Erbe sind in den Wettbewerben von Bedeutung. So betont der db-Wettbewerb, dass Respekt für das bauliche Erbe eine zentrale Rolle spielt, und dass Planer diese mit neuen Perspektiven verbinden müssen. Zudem wird in einigen Wettbewerben explizit auf die Schaffung oder Aufwertung von Wohnraum hingewiesen.
Fazit
Wettbewerbe im Bereich Umbau und Renovierung spielen eine wichtige Rolle in der heutigen Baukultur. Sie regen nicht nur zur Weiterentwicklung bestehender Gebäude an, sondern tragen auch dazu bei, Innovationen in der Sanierung und Modernisierung hervorzuheben. Durch die Vergabe von Preisen und die Vorbildfunktion der prämierten Projekte können Bauherren, Architekten und Handwerker inspiriert werden, zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln.
Die Wettbewerbe, die in diesem Artikel vorgestellt wurden, teilen sich einige gemeinsame Themen wie Energieeffizienz, Barrierefreiheit, Kreislauffähigkeit und soziale Verantwortung. Gleichzeitig unterscheiden sie sich in ihren Bewertungskriterien und Zielgruppen, wodurch sie unterschiedliche Aspekte der Umbaupraxis abdecken. Für Bauherren und Planer ist es daher sinnvoll, sich über die verschiedenen Wettbewerbe zu informieren und gezielt jenen zu wählen, der am besten zu ihrem Projekt passt.
Neben der finanziellen Anerkennung bieten die Wettbewerbe auch die Möglichkeit, das eigene Projekt einem breiten Publikum vorzustellen. Dies kann nicht nur eine sinnvolle Anerkennung für die geleistete Arbeit sein, sondern auch neue Chancen eröffnen – sei es durch Medienaufmerksamkeit, Netzwerkarbeit oder zukünftige Projekte.