Wie Gott sein Haus renoviert – Ein Leitfaden für Kirchen und Gemeinden im Umgang mit Reform, Mission und Aufbau

Die Metapher „Gott renoviert sein Haus“ hat in kirchlichen Kreisen, besonders in der katholischen und evangelischen Gemeinde, eine tiefe Bedeutung angenommen. Sie bezieht sich nicht nur auf die materielle Sanierung von Kirchengebäuden, sondern auf einen umfassenderen Prozess des Wandelns, des Erneuerns und des Wachstums – sowohl spirituell als auch organisatorisch. In einem Zeitalter, in dem kirchliche Strukturen und Glaubenspraxis stärker denn je mit Herausforderungen konfrontiert sind, gewinnt die Idee der „Divine Renovation“ an Relevanz. In diesem Artikel wird untersucht, was diese Begriffe konkret bedeuten, wie sie praktisch umgesetzt werden können und welche Rolle sie in der Zukunft kirchlicher Arbeit spielen könnten – unter Berücksichtigung der Erkenntnisse und Erfahrungen, die in den Quellen dargestellt werden.

Die Idee der Divine Renovation

Die Begriffe „Divine Renovation“ oder „Wenn Gott sein Haus saniert“ beziehen sich auf einen geistlichen Prozess der Erneuerung, der sowohl auf individueller als auch auf Gemeindeebene stattfindet. Im theologischen Kontext ist „Haus“ hier mehrfach interpretierbar: als Kirche im engeren Sinne – also das Gebäude –, aber auch als die Gemeinde selbst, als die Kirche als Ganzes. Die Sanierung ist also nicht nur physisch, sondern spirituell und sozial.

James Mallon, der katholische Priester aus Halifax in Kanada, der in seinem Buch „Wenn Gott sein Haus saniert“ diese Vision beschreibt, betont, dass die Aufgabe der Kirchengemeinden nicht primär darin besteht, ihre Gebäude zu instandhalten oder ihre Mitglieder zu betreuen, sondern vielmehr darin, Jünger zu machen. Er schreibt: „Die eigentliche Aufgabe der Pfarren ist es, Räume zu schaffen, in denen die Menschen Jesus als lebendigen Herrn begegnen können.“

Mallon beschreibt in seinem Buch, wie die Pfarrei St. Benedict, in der er tätig ist, diese Vision umsetzt. Sie geht nicht nur davon aus, dass die Kirche eine rituelle oder soziale Einrichtung ist, sondern dass sie ein Ort der Begegnung mit Gott sein muss, der den Menschen Jesus näherbringt und sie ermutigt, selbst Jünger zu werden. Dieser Prozess ist nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich sichtbar: In St. Benedict hat sich das Gemeindeleben verändert, und die Kirchengemeinde wachsen nicht nur in der Zahl der Mitglieder, sondern in ihrer Tiefe und Lebendigkeit.

Die Herausforderungen der heutigen Kirchengemeinden

Die kirchlichen Gemeinden in Westeuropa und Deutschland stehen vor grundlegenden Herausforderungen. Die Zahl der Gottesdienstbesucher stagniert oder sinkt, das Durchschnittsalter der Kirchenmitglieder steigt, und die kirchliche Praxis wird oft als zu formal oder abgehoben wahrgenommen. Mallon betont, dass es nicht ausreicht, die kirchliche Struktur einfach so zu lassen, wie sie ist, sondern dass sie aktiv umgestaltet werden muss, um der heutigen Zeit gerecht zu werden.

Ein zentraler Punkt ist die Frage: „Was genau messen wir?“ In der Kirche wird oft die Anzahl der Gottesdienstbesucher, die Zahl der Beitragszahler oder die Anzahl der Taufen und Beerdigungen gezählt. Mallon kritisiert diese Form des Messens als unzureichend, da sie nicht auf das Wesentliche abzielt. Stattdessen müsste die Kirche messen, wie viele Menschen in echte Beziehung mit Jesus kommen, wie viele zu Jüngern werden und wie viele dieser Jünger sich wiederum dafür einsetzen, andere zu begeistern.

Diese Sichtweise ist nicht leicht umzusetzen, aber sie ist notwendig, um die Kirche in der modernen Welt relevant zu halten. Mallon betont, dass die Kirche nicht nur eine Institution ist, sondern eine lebende Gemeinschaft, die im Dienste des Evangeliums steht. Und wenn die Kirche ihr Wesen verliert, wenn sie nur noch auf Selbsterhalt aus ist, dann kann sie keine Erneuerung erfahren, wie er in einem Interview sagt: „Solange wir vom Selbsterhalt motiviert sind, wird Gott der Kirche niemals Erneuerung schenken.“

Praktische Umsetzung: Beispiele aus der Gemeindearbeit

Die Praxis der Divine Renovation ist nicht bloß eine Theorie. Sie wird in vielen Gemeinden in Deutschland und Europa bereits gelebt. Ein Beispiel ist die Christuskirche in Hennef, wo die Kirchengemeinde aktiv an der Gestaltung ihres Glaubenslebens arbeitet. In einem Gottesdienst wird beschrieben, wie die Kirche nicht nur als physischer Ort, sondern auch als dynamische Gemeinschaft verstanden wird – ein Ort, an dem Menschen ihre Gaben einbringen, ihre Interessen teilen und neue Formen der Gemeinschaft entstehen.

Ein weiteres Beispiel ist die Christus-Zeugen-Vereinigung (CZV) in Crailsheim, die mit einem Opfer Gelder für die Sanierung ihres Gemeindehauses sammelt. Die Kosten für die Renovierung der Außenfassade und des großen Saals belaufen sich auf ca. 40.000 Euro. Dieser Betrag mag hoch erscheinen, doch die Investition ist nicht nur materieller Natur: Sie ist ein Symbol für die Bereitschaft der Gemeinde, sich für die Zukunft ihres Glaubens zu engagieren. Zudem plant die CZV auch kreative Projekte wie die „Advent im Hangar“-Veranstaltung, bei der die frohe Botschaft auf nicht-konventionelle Weise vermittelt wird – mit kreativen Ideen, die die Gemeinde in Bewegung bringen.

Diese Beispiele zeigen, wie die Divine Renovation nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis umgesetzt werden kann. Die Kirchengemeinden investieren nicht nur in Gebäude, sondern in Menschen, in Beziehungen und in die Zukunft ihres Glaubens. Das Ziel ist es, Räume zu schaffen, in denen die Begegnung mit Jesus stattfinden kann, und in denen die Menschen ermutigt werden, aktiv zu werden, zu dienen und zu evangelisieren.

Die Rolle des Fundaments – Stabilität und Wandel

Ein zentraler Gedanke, der in mehreren Quellen auftaucht, ist die Frage nach dem Fundament der Kirche. Wenn man mit der Renovation beginnt, ist es verlockend, sich auf äußere Aspekte zu konzentrieren – die Wände zu streichen, den Fußboden zu erneuern oder das Sofa zu ersetzen. Doch wenn das Fundament beschädigt ist, kann auch die schönste Fassade nicht verbergen, dass etwas nicht stimmt. In der Kirche bedeutet das, dass es nicht ausreicht, die äußere Form zu retten, wenn das innere Wesen der Kirche nicht mehr mit dem Evangelium übereinstimmt.

In einem Interview betont Mallon, dass die Kirche immer und stets auf Reformierung angewiesen ist – auf eine Erneuerung, die nicht nur auf die Strukturen, sondern auf die Herzen der Menschen abzielt. Er sagt: „Wir müssen Gott bitten, unsere Herzen zu verwandeln, und bereit sein, um des Evangeliums willen unser Vorgehen zu verändern.“

Dieser Gedanke ist auch in der Nordkirche aufgegriffen, wo in einem Gottesdienst die Frage gestellt wird: „Was ist denn das für ein Haus, das ihr mir bauen könntet, oder welches ist die Stätte, da ich ruhen sollte?“ Diese Worte aus dem Alten Testament (1. Könige 8,27) werden in der Predigt interpretiert als Aufforderung, nicht nur an die materielle Form der Kirche zu denken, sondern daran, dass Gott nicht auf äußere Zeichen angewiesen ist. Er ist der Schöpfer, der alles gemacht hat, und doch wendet er sein Auge auf die Elenden und auf dieerzitternden Seelen, die auf seine Botschaft hoffen.

Für die Kirchengemeinde ist das ein Mahnmal: Der kirchliche Raum muss nicht nur als Architektur existieren, sondern als Ort, an dem Gott wirklich präsent ist und in dem die Menschen seine Gegenwart erfahren können. Das Fundament der Kirche muss also nicht nur stabil sein, sondern lebendig – es muss aus dem Evangelium bestehen, das in Wort und Tat verkündet wird.

Die Rolle der Gemeindemitglieder – Von der Passivität zur Aktivität

Ein weiterer Aspekt, der in mehreren Quellen angesprochen wird, ist die Rolle der Gemeindemitglieder. Mallon betont, dass viele Gläubige noch nicht einmal Jünger geworden sind. Sie kennen die Wahrheiten des Glaubens, aber sie haben keine lebendige Beziehung mit Jesus. Diese Situation führt dazu, dass die Kirchengemeinden nicht nur in der Zahl der Mitglieder, sondern auch in ihrer spirituellen Tiefe schwach sind.

Die Divine Renovation zielt daher darauf ab, die Menschen aus der Passivität herauszubringen und sie in die Rolle der Jünger zu transformieren. Das bedeutet nicht nur, dass sie an Gottesdiensten teilnehmen oder in kirchlichen Gremien sitzen, sondern dass sie aktiv in die Mission eingebunden werden. Sie sollen Jesus begegnen, ihn lieben lernen und anderen diese Begegnung weitergeben.

In der Praxis bedeutet das, dass die Kirchengemeinde neue Formen der Gemeinschaft schaffen müssen – nicht nur kirchliche Veranstaltungen, sondern auch soziale und dienstliche Angebote, die die Menschen einbeziehen und bei denen sie ihre Gaben einbringen können. In Hennef, wie in der Predigt beschrieben, gibt es eine reiche Gemeinde, in der viele Angebote gemacht werden und genauso viele Angebote angenommen werden. Dies ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer gezielten Strategie, die darauf abzielt, die Menschen in das kirchliche Leben einzubeziehen.

Die Zukunft der Kirche – Was bleibt und was sich verändert

Die Kirche der Zukunft wird nicht die Kirche der Vergangenheit sein. Sie wird sich anpassen müssen an die neuen Realitäten, an die gesellschaftlichen Veränderungen und an die Erwartungen der Menschen, die heute noch nicht in kirchlichen Strukturen zu Hause sind. Mallon betont in seinem Buch, dass die Zukunft der Kirche davon abhängt, dass sie jetzt beginnt, Jünger zu machen. „Es ist Zeit, dass wir damit beginnen, Jünger zu machen. Die Zukunft der Kirche hängt davon ab.“

Dieser Gedanke ist nicht neu, aber er gewinnt in der heutigen Situation eine besondere Dringlichkeit. Die Kirchengemeinden müssen sich fragen, ob sie noch im Dienste des Evangeliums stehen oder ob sie nur noch eine Form von sozialem und kulturellem Erhalt betreiben. Wenn die Kirche ihr Wesen verliert, dann kann sie auch keine Erneuerung erfahren.

Die Divine Renovation ist also nicht nur eine Metapher, sondern eine konkrete Aufforderung, die Kirche neu zu denken und neu zu gestalten. Sie bedeutet, dass die Kirchengemeinden nicht nur ihre Gebäude sanieren, sondern auch ihre Strukturen, ihre Angebote und ihre Beziehungen. Sie bedeutet, dass die Kirche nicht nur ein Ort ist, an dem Menschen Gottesdienst feiern, sondern ein Ort, an dem sie Jesus begegnen, ihn lieben lernen und andere zu Jüngern machen.

Fazit

Die Idee der Divine Renovation ist nicht nur eine spirituelle Metapher, sondern ein konkreter Prozess der Erneuerung, der sowohl auf individueller als auch auf Gemeindeebene stattfindet. Sie beschreibt einen Weg, der nicht nur auf die Bewahrung der kirchlichen Tradition abzielt, sondern auf ihre Transformation im Dienste des Evangeliums. In einem Zeitalter, in dem kirchliche Strukturen und Glaubenspraxis stärker denn je mit Herausforderungen konfrontiert sind, gewinnt dieser Prozess an Relevanz.

Die kirchlichen Gemeinden, die sich auf diesen Weg begeben, investieren nicht nur in Gebäude, sondern in Menschen, in Beziehungen und in die Zukunft ihres Glaubens. Sie schaffen Räume, in denen Jesus begegnet wird, und in denen die Menschen ermutigt werden, aktiv zu werden, zu dienen und zu evangelisieren. Sie fragen nicht nur nach dem Fundament, sondern auch nach der Tiefe ihres Glaubens. Und sie erkennen, dass die Zukunft der Kirche davon abhängt, dass sie jetzt beginnt, Jünger zu machen.

In diesem Sinne ist die Divine Renovation nicht nur ein Programm, sondern eine Haltung – eine Haltung, die darauf abzielt, Gott in die Mitte zu stellen und alles, was getan wird, um seiner Liebe willen zu tun. Und das, so sagt James Mallon, ist die eigentliche Aufgabe der Kirche: „Wir müssen alles unternehmen, um Räume zu schaffen, wo die Menschen Jesus als den lebendigen Herrn begegnen können.“


Quellen

  1. James Mallon | Divine Renovation - Wenn Gott sein Haus saniert
  2. Divine Renovation - Wenn Gott sein Haus saniert
  3. Thema · Wenn Gott sein Haus saniert – Interview mit James Mallon
  4. CZV Crailsheim – Projekte und Renovierung
  5. Evangelisch in Hennef – Kirche als Baustelle
  6. Nordkirche – Was ist denn das für ein Haus, das ihr mir bauen könntet?

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