Zementfliesen, die in der Vergangenheit vor allem im 19. Jahrhundert in westlichen Mittelmeerregionen und später auch in Deutschland verbreitet waren, erleben aktuell eine Renaissance. Sie werden sowohl in Neubauten als auch bei Sanierungsprojekten geschätzt – nicht zuletzt, weil sie durch ihre handwerkliche Herstellung historische Fliesen nachbilden können. Ihre langlebige, robuste Struktur und ihre charakteristische, samtweiche Oberfläche machen sie zu einer attraktiven Wahl, sowohl für den privaten als auch für den gewerblichen Bereich.
Allerdings ist die Renovierung von Zementfliesen oft eine anspruchsvolle Aufgabe, da sie oft durch unsachgemäße Pflege oder Imprägnierung beschädigt werden. In diesem Artikel werden die typischen Probleme, die sich bei der Pflege und Renovierung von Zementfliesen ergeben, sowie bewährte Techniken und Vorgehensweisen anhand von konkreten Beispielen detailliert beschrieben.
Geschichte und Eigenschaften der Zementfliese
Die Zementfliese hat eine lange Tradition. Sie war bereits im 19. Jahrhundert in westlichen Mittelmeerregionen und später auch in Frankreich verbreitet. In Deutschland fand sie während der Gründerzeit und im Jugendstil vermehrt Verwendung. Im Gegensatz zu keramischen Fliesen, bei deren Herstellung ein Brennvorgang nötig ist, entsteht die Zementfliese durch eine zementäre Bindung. Sie wird in Formen gefüllt, gepresst, um die Luft zu entweichen, und dann handwerklich gefertigt.
Ein markantes Merkmal der Zementfliese ist ihre samtweiche, lebendige Oberfläche mit weichen Übergangskanten und lebendigen Farben. Zudem ist sie fleck- und kratzunempfindlich. Viele Jahre entstandene Gebrauchsspuren können abgeschliffen werden, und nach einer Imprägnierung mit Wachs oder Hartöl kann die Fliese ihr ursprüngliches Aussehen wiedererlangen.
Diese Eigenschaften machen die Zementfliese besonders attraktiv für Sanierungsarbeiten historischer Böden oder Wände. Sie wird daher oft von Architekten oder privaten Bauherren für neue Projekte gewählt.
Typische Probleme bei Zementfliesen
Zementfliesen sind zwar robust, aber sie sind empfindlich gegenüber falscher Pflege. Typische Probleme, die bei der Renovierung auftreten können, sind:
- Zementschleier: Ein weißlicher, feiner Schleier auf der Fliese, der durch unvollständige Aushärtung oder fehlende Nachbehandlung entsteht.
- Einimprägnierter Schmutz: Schmutz, der in die Poren der Fliese eingedrungen ist und sich durch normale Reinigung nicht mehr entfernen lässt.
- Übermäßige Öl- oder Wachsanwendung: Unkontrollierte oder unsachgemäße Imprägnierung kann die Fliese verschmutzen und die Optik beeinträchtigen.
- Fugenprobleme: Fugen, die falsch verfugt wurden (z. B. mit Farbe, Öl oder unpassenden Fügemitteln), können optisch störend wirken und den Befestigungsgrad der Fliesen beeinträchtigen.
- Kalk- oder Salzausblühungen: Besonders in Bädern und Kellern können Kalk- oder Salzausblühungen entstehen, die die Fliesenoberfläche trüben.
Diese Probleme treten oft zusammen auf und machen eine sorgfältige und professionelle Renovierung erforderlich.
Renovierungstechniken für Zementfliesen
Die Renovierung von Zementfliesen erfordert ein systematisches Vorgehen. Die folgenden Schritte sind dabei entscheidend:
1. Vorbehandlung: Zustand beurteilen und planen
Eine genaue Beurteilung des Materials und der Schadensbilder ist unerlässlich. Dazu gehört, zu prüfen, ob die Fliese beschädigt ist (z. B. Risse, Brüche), ob Schmutz oder Fett in die Poren eingedrungen ist, und ob Fugen korrekt verfugt wurden.
2. Reinigung: Schmutz, Öl, Wachs entfernen
Vor jeder Renovierungsmaßnahme müssen die Fliesen gründlich gereinigt werden. Dies umfasst das Entfernen von altem Wachs, Öl oder Fugenmitteln, die sich über die Jahre angesammelt haben. In vielen Fällen wurde die Fliese unsachgemäß geölt oder gewachst, was zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Trübungen oder Schlieren führt.
In der Praxis wurden beispielsweise Fliesenböden, die mit Plattenöl behandelt wurden, oft nur unvollständig abgewischt, sodass der Ölrest in die Poren der Fliese eingedrungen ist. Solche Fälle erfordern eine sorgfältige Entfettung mit speziellen Reinigungsmitteln.
3. Entfernen von Zementschleier
Der Zementschleier ist ein typisches Problem bei Zementfliesen. Er entsteht, wenn die Fliese nach der Herstellung nicht ausreichend nachbehandelt wurde oder wenn die Fliese nicht vollständig ausgehärtet war. Der Schleier kann auf der Fliese liegen oder in die Poren eingedrungen sein.
Um den Zementschleier zu entfernen, werden oft spezielle Reinigungs- und Entfernermittel verwendet. In einigen Fällen ist es notwendig, die Fliese zu schleifen, um die Schicht zu entfernen. Nach dem Schleifen wird die Fliese in der Regel nochmals gründlich gereinigt, um übrige Partikel oder Schmutz zu entfernen.
4. Fugenbearbeitung
Fugen spielen eine wichtige Rolle bei der Optik und Funktion der Zementfliesen. Falsch verfugte Fugen – z. B. mit unpassenden Fügemitteln wie Farbe, Öl oder nicht wasserbeständigen Materialien – müssen korrekt ersetzt werden.
In einigen Fällen wurden Fugen mit schwarzer PCI-Nanofuge oder weisser kunststoffvergüteter Fügemittel verfugt, was optisch störend oder unpassend war. In solchen Fällen ist es erforderlich, die Fugen herauszuschneiden, zu reinigen und mit einem geeigneten Fügemittel neu zu verfugen.
5. Nachimprägnierung
Nach der Reinigung und Bearbeitung der Fugen ist die Imprägnierung entscheidend für die Langlebigkeit und die optische Wirkung der Fliese. Zementfliesen müssen mit speziellen Mineralimprägnierungen oder Hartölen behandelt werden, um sie schutz- und wasserfest zu machen.
Die Imprägnierung muss sorgfältig angewendet werden, um keine übermäßigen Schichten zu bilden, die die Fliese trüben. In einigen Fällen wurde die Fliese mehrfach imprägniert, was zu überlagerten Schichten führte, die die Fliese stumpf wirken ließen. In solchen Fällen ist es notwendig, die übermäßigen Schichten zu entfernen, bevor eine neue Imprägnierung erfolgt.
6. Wachsen für die Optik
Nach der Imprägnierung kann die Fliese mit Wachs behandelt werden, um sie auf Glanz zu bringen. Dies ist insbesondere in Bädern oder in Bereichen mit hohem Verkehrsspielraum sinnvoll. Wachsen sorgt für einen gleichmäßigen Schutz und eine optisch ansprechende Oberfläche.
In einigen Projekten wurden die Fliesen nach der Imprägnierung mit pastösem Deckwachs behandelt und auf Hochglanz poliert, um eine besonders edle Optik zu erzielen.
Praxisbeispiele: Wie wurden Zementfliesen erfolgreich renoviert?
Im Folgenden werden konkrete Beispiele aus der Praxis beschrieben, die typische Renovierungsschritte und Herausforderungen verdeutlichen:
Beispiel 1: Zementfliesen in Düsseldorf – mehrfach imprägniert und gewachst
Ein Boden aus Bisazza-Zementfliesen in einer Diele, Garderobe und einem Gäste-WC in Düsseldorf war durch unsachgemäße Pflege stark verschmutzt. Die Fliese war mit einem unbekannten Mittel gereinigt und unsachgemäß gewachst worden. Anschließend wurden weitere Reinigungsversuche unternommen, bis schließlich mit Lösefix und Farbvertiefern gearbeitet wurde. Nach intensiver Reinigung mit speziellen Mitteln wurde die Fliese erneut imprägniert, und die optische Qualität wurde wiederhergestellt.
Beispiel 2: Zementfliesen in Goch – unsachgemäße Ölung
In Goch wurde ein Fliesenboden aus VIA-Zementfliesen unfachmännisch geölt. Der Überschuss wurde lediglich mit einem Lappen abgerieben, sodass ein grober Schliereneffekt entstand. Nach der Reinigung mit speziellen Mitteln wurden die Fliesen neu imprägniert, und die Fläche erhielt wieder eine gleichmäßige, glänzende Oberfläche.
Beispiel 3: Zementfliesen in Aachen – Zementschleier und Schmutz
Ein Küchenboden aus Zementfliesen in Aachen war stark verschmutzt und zudem mit Zementschleier imprägniert worden. Nach der Reinigung und Entfernung des Schleiers wurde die Fliese erneut imprägniert, sodass sie wieder ihre ursprüngliche Struktur und Farbgebung erhielt.
Beispiel 4: Zementfliesen in Berlin – unpassendes Fügemittel
In Berlin wurden zwei Bäder mit Zementfliesen von KaroIstanbul ausgestattet. Die Fugen waren mit Zementschleier imprägniert, was optisch störend war. Nach Reinigung und Imprägnierung wurden die Fliesen wieder sauber und strukturiert.
Beispiel 5: Zementfliesen in Oldenburg – Fugen und Zementschleier
In Oldenburg wurden Zementplatten in einer Praxis von Zementschleier befreit. Die Fugen wurden herausgeschnitten, neu verfugt, imprägniert und gewachst. Das Ergebnis war eine saubere, optisch ansprechende Fläche, die den hohen Anforderungen der Praxis entsprach.
Fazit
Zementfliesen sind ein wertvolles Material, das sowohl in historischen Sanierungsprojekten als auch in neuen Bauten eine wichtige Rolle spielt. Sie bieten eine einzigartige Kombination aus Robustheit, Ästhetik und handwerklicher Qualität. Allerdings erfordert ihre Pflege und Renovierung einiges an Wissen und Erfahrung.
Die typischen Probleme wie Zementschleier, einimprägnierter Schmutz, falsche Fugen oder übermäßige Öl- oder Wachsanwendungen können mit den richtigen Techniken und Materialien behoben werden. Die Renovierung von Zementfliesen ist ein mehrstufiger Prozess, der von der gründlichen Reinigung über die Fugenbearbeitung bis hin zur Imprägnierung und Wachsanwendung reicht.
Durch die richtige Behandlung kann der ursprüngliche Glanz und die Langlebigkeit der Zementfliese wiederhergestellt werden. Es ist daher wichtig, bei der Renovierung von Zementfliesen fachmännische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, insbesondere wenn die Schäden aufgrund unsachgemäßer Pflege entstanden sind.