Einleitung
In den letzten Jahren hat sich ein neuer Trend in der Wohnraumplanung etabliert: Das gemeinschaftliche Wohnen und der Selbstbau. In Deutschland sind verschiedene Projekte entstanden, die diese Ideen in die Praxis umsetzen. Die aktuelle Wohnungsbausituation und die wachsende Nachfrage nach preisgünstigem, aber barrierearmem Wohnraum haben dazu geführt, dass vermehrt Cohousing-Projekte, WG-Baugruppen, Genossenschaften und Refugien entstehen, in denen Menschen eng zusammenarbeiten, um gemeinsam zu wohnen, zu bauen und zu leben.
Die vorliegenden Quellen zeigen, dass in verschiedenen Regionen Deutschlands – insbesondere in Hamburg, Köln, Bad Harzburg und anderen Städten – Projekte entstanden sind, die den Wunsch nach selbstbestimmtem, barrierearmem, nachhaltigem Wohnen verfolgen. In einigen Fällen ist die Selbstrenovierung ein zentraler Bestandteil, in anderen Projekten steht der Gemeinschaftsraum im Fokus.
Diese Artikel bietet einen Überblick über aktuelle Projekte, Herausforderungen und Chancen des gemeinschaftlichen Wohnens und Selbstbaus in Deutschland. Ziel ist es, einen praxisnahen und fachlichen Einblick zu geben, der für Hauseigentümer, Mieter, Selbstbauer und Interessierte am gemeinschaftlichen Wohnen hilfreich ist.
Konzepte und Projekte zum gemeinschaftlichen Wohnen
Cohousing- und Klimaschutzsiedlungen
Ein prominentes Beispiel ist die Cohousing- und Klimaschutzsiedlung PrymPark. Dieses Projekt ist ein Modell für nachhaltiges und barrierearmes Wohnen in der Stadt. Die Siedlung bietet:
- Freie Baufelder mit verschiedenen Größen
- Gemeinschaftsräume wie Kreativ- und Werkraum, Coworking-Bereich, Wasch-Café und Mobilitätsverein
- Barrierearmes Design und Ressourcenschonung
- Gemeinschaftliche Nutzung von Räumen und Ressourcen
Besonders interessant ist, dass es noch freie Baufelder gibt, was den Zugang zu einem solchen Projekt für neu gegründete Baugruppen erleichtert. Für Interessierte, die selbst eine Baugruppe gründen möchten, wird Unterstützung angeboten – von der Suche nach Mitbegründern bis zur Finanzierungshilfe.
Genossenschaften und gemeinschaftliche Immobilien
Ein weiteres Projekt ist das Elsa-Knabe-Haus, das aktuelle Mietwohnungen anbietet. Die Wohnungen sind barrierearm und verfügen über:
- Aufzug und Tiefgarage
- Gemeinschaftliche Außengelände mit Terrasse, Spielplatz und Blühgärten
- Hobbykeller mit Tischtennisraum, Werkstatt und Küche
- Coworking-Spaces und Carsharing-Möglichkeiten
Die Wohnungen sind ideal für Familien, Paare oder Freunde, die gemeinsam wohnen und trotzdem eine gewisse Privatsphäre wahren möchten. Es handelt sich um ein Genossenschaftsmodell, bei dem die Mitgliedschaft nicht zwingend erforderlich ist.
Ein ähnliches Projekt ist das Haus der Horizonte in Norddeutschland. Es bietet:
- Apartments von ca. 30 m² mit hochwertiger Ausstattung
- Gemeinschaftsküche, Gästezimmer und Garten
- Glasfaseranschluss und E-Carsharing-Möglichkeit
- Probewohnen und keine Pflicht zur Genossenschaftsmitgliedschaft
Diese Projekte zeigen, dass es verschiedene Wege gibt, um gemeinschaftliches Wohnen in die Praxis umzusetzen – von Genossenschaften über Genossenschaftsmodelle bis hin zu privaten Baugruppen.
Praktische Aspekte des gemeinschaftlichen Wohnens
Finanzierung und Kostenaufteilung
Bei der Gründung einer Wohngruppe oder Baugruppe spielen die Finanzierungsmodelle eine zentrale Rolle. In den Projekten wird oft auf eigene Finanzierungen zurückgegriffen, manchmal ergänzt durch Genossenschaftsmodelle oder Förderungen. In einigen Fällen ist es möglich, Finanzierungsberatungen in Anspruch zu nehmen.
Ein typischer Finanzierungsplan könnte beispielsweise folgende Elemente enthalten:
- Eigenkapital der Gruppe
- Baufinanzierung über Banken oder Kreditinstitute
- Förderungen durch Kommunen oder Landesprogramme
- Miteinander geteilte Mietkosten oder Kostenaufteilungen
In einigen Projekten, wie im PrymPark, wird explizit auf die Selbstfinanzierung durch Gruppen hingearbeitet, wobei auch Finanzierungsberatungen angeboten werden.
Vorteile gemeinschaftlichen Wohnens
Die Projekte zeigen, dass es mehrere Vorteile gibt, gemeinsam zu wohnen:
- Kosteneinsparung durch gemeinsame Nutzung von Räumen und Geräten
- Gemeinschaftliche Pflege von Gärten, Werkstätten und Räumen
- Soziale Sicherheit durch den Austausch mit Nachbarn
- Flexibilität durch zeitlich begrenzte Mietverträge mit Verlängerungsoptionen
- Barrierearmes Design für alle Altersgruppen
Ein weiterer Vorteil ist die ökologische Nachhaltigkeit, die durch Energieeinsparungen, Gemeinschaftsgärten und nachhaltige Baustoffe gefördert wird.
Herausforderungen
Trotz der Vorteile gibt es Herausforderungen, die bei der Gründung und Pflege solcher Projekte berücksichtigt werden müssen:
- Soziale Kompatibilität der Gruppe
- Klare Regeln zur Räume- und Kostenaufteilung
- Finanzierungsplanung und Risikobegrenzung
- Verwaltungsaufwand durch Mietverträge, Abrechnungen und Kommunikationsprobleme
Ein Projekt in Dissen, in dem eine WG mit bis zu 10 Personen entstehen soll, macht deutlich, dass klare Kommunikationswege, transparente Kostenaufteilungen und eine offene, aber strukturierte Gruppenstruktur erforderlich sind.
Renovierungs- und Bauarbeiten in gemeinschaftlichen Projekten
Renovierungsarbeiten in bestehenden Immobilien
In einigen Fällen wird ein bestehendes Objekt gekauft oder angemietet und dann gemeinschaftlich renoviert. So wird zum Beispiel in einem Projekt in Dissen ein Objekt genutzt, das bereits teilweise bezugsfertig ist, aber weitere Renovierungsarbeiten benötigt. Die Zimmer sind nicht barrierefrei und müssen barrierearm gestaltet werden.
Ein weiteres Projekt in Veitshöchheim bietet 2 getrennte Wohnungen an, wobei eine WG-Konstellation möglich ist. Die Renovierungsarbeiten und die Gestaltung des Gemeinschaftsraums sind hier ein zentraler Punkt.
Selbstrenovierung: Chancen und Risiken
Einige Projekte bieten Wohnungen zum Selbstrenovieren an. Dies ist besonders attraktiv für Selbstbauer und DIY-Enthusiasten, die nicht nur wohnen, sondern auch aktiv mitgestalten möchten.
Vorteile der Selbstrenovierung:
- Kosteneinsparungen durch Eigenleistung
- Freiheit in der Gestaltung
- Einsparung von Vermieter- oder Baumeisterkosten
Risiken der Selbstrenovierung:
- Fachmangel im Bereich der Bautechnik
- Fehlende Baufachkenntnisse
- Zusätzliche Verantwortung für die Bauqualität
- Zeitaufwand durch die Renovierung
Ein Projekt in Köln-Niehl bietet barrierefreie Wohnungen mit Fußbodenheizung und Balkonen an. Obwohl hier keine Renovierung notwendig ist, zeigt das Projekt, wie wichtig eine klare Planung und professionelle Ausführung sind – gerade bei barrierearmen und nachhaltigen Bauten.
Beispiel: Renovierungsarbeiten in der WG Dissen
Ein Beispiel für Renovierungsarbeiten ist das Projekt in Dissen, in dem ein Objekt mit 1500 m² Grundstück genutzt wird. Die Zimmer sind teilweise bereits bezugsfertig, die Badezimmer müssen jedoch renoviert werden. Zudem ist das Grundstück wild bewachsen und muss kultiviert werden.
Dieses Projekt zeigt, wie sich Selbstrenovierung und Gemeinschaftsarbeit kombinieren lassen. Es ist jedoch wichtig, dass die Renovierungsarbeiten klar abgegrenzt sind und dass professionelle Hilfe bei notwendigen Arbeiten wie Sanitär oder Elektro in Anspruch genommen wird.
Konzeptionelle Aspekte: Wohnen im Alter und barrierearmes Design
Wohnen im Alter
Ein zentrales Thema vieler Projekte ist Wohnen im Alter. In Projekten wie dem Refugium Mensch und Tier oder dem PrymPark wird explizit auf barrierearme Planung und Gemeinschaftsleben im Alter hingearbeitet.
Barrierearme Planung beinhaltet:
- Aufzüge statt Treppen
- Rampen statt Stufen
- Breite Türen und Räume
- Niedrige Arbeitsflächen
- Kontinuierliche Bodenbeläge
- Sicherheitstechnik wie Handläufe oder Notrufsysteme
In einigen Projekten wird sogar auf Wohnungen mit WBS (Wohnraum-Besorgungsservice) zurückgegriffen, was besonders für ältere Menschen von Vorteil ist.
Soziale Integration und psychische Gesundheit
Ein weiteres Thema ist die soziale Integration und das Vermeiden von sozialer Isolation, besonders im Alter. Viele Projekte betonen, dass sie Gemeinschaftsräume, Kreativprojekte und kulturelle Angebote bieten. Dies kann zu einer verbesserten psychischen Gesundheit beitragen, insbesondere bei älteren Menschen.
Ein Projekt in Hamburg betont, dass es ein Refugium für Menschen jeden Alters sein soll, in dem Haustiere, Kultur, Kreativität und Gemeinschaft einen hohen Stellenwert haben. Dies ist ein Beispiel dafür, wie ein Projekt nicht nur physisch, sondern auch psychisch unterstützend sein kann.
Fazit
Die Projekte und Angebote, die in den Quellen beschrieben werden, zeigen, dass es in Deutschland eine wachsende Zahl von gemeinschaftlichen Wohnkonzepten gibt, die auf Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit, Gemeinschaft und Eigenleistung bauen. Diese Projekte reichen von Genossenschaften über WG-Baugruppen bis hin zu Selbstbauprojekten und Refugien.
Für DIY-Enthusiasten, Selbstbauer und Interessierte am gemeinschaftlichen Wohnen bietet dies zahlreiche Chancen, sich aktiv zu beteiligen und zu gestalten. Gleichzeitig erfordert diese Art des Wohnens klare Planung, soziale Kompetenz und finanzielle Sicherheit.
Die Projekte zeigen auch, dass es unterschiedliche Modelle gibt, um Wohnen im Alter und soziale Isolation zu bekämpfen. Ob durch kreative Projekte, Gemeinschaftsgärten oder Coworking-Spaces – die Vielfalt der Angebote ist beeindruckend.
Für Eigentümer, Mieter und Bauträger ist es wichtig, solche Projekte nicht nur als Wohnraumangebote, sondern auch als soziale und ökologische Innovationen zu betrachten. Sie tragen dazu bei, klimaschädliche Emissionen zu reduzieren, soziale Bindungen zu stärken und nachhaltige Lebensmodelle zu etablieren.