Großprojekt Baudenkmalpflege: Die Generalsanierung der Asamkirche Aldersbach als Lehrbeispiel für historische Sakralbausanierung

Einleitung

Die Generalsanierung der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Aldersbach, bekannt als Asamkirche, stellt eines der bedeutendsten Kirchenrestaurierungsprojekte der letzten Dekade in Ostbayern dar. Mit Gesamtkosten von über 17 Millionen Euro und einer Projektlaufzeit von acht Jahren bietet dieses Bauvorhaben wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Methoden der Baudenkmalpflege bei historischen Sakralbauten. Das Projekt, das sowohl die äußere als auch innere Sanierung umfasste, verdeutlicht die komplexen Anforderungen bei der Erhaltung spätbarocker Baukunst und liefert wichtige Erkenntnnis für vergleichbare Restaurierungsmaßnahmen.

Historische Bedeutung und Projektumfang

Die ehemalige Zisterzienserabteikirche Mariä Himmelfahrt in Aldersbach gilt als eines der bedeutendsten spätbarocken Kirchengebäude Deutschlands. Die Kirche, die zur ehemaligen Zisterzienserabtei gehört, zeichnet sich durch ihre eindrucksvolle Innenausstattung aus, die Stuck und Fresken der berühmten Gebrüder Asam umfasst. Die historische Bedeutung des sakralen Bauwerks begründete die Notwendigkeit einer umfassenden Generalsanierung, die als größtes Kirchenrestaurierungsprojekt der vergangenen zehn Jahre in Ostbayern eingestuft wird.

Der Sanierungsumfang gliederte sich in zwei Hauptphasen: Eine zweijährige Außeninstandsetzung sowie eine sechsjährige Innenrestaurierung. Diese zeitliche Aufteilung spiegelt die Komplexität der Sanierungsmaßnahmen wider und zeigt, dass bei historischen Sakralbauten sowohl äußere als auch innere Strukturmaßnahmen erforderlich sind. Die geplante Fertigstellung der Nebenarbeiten in der Loretokapelle für Mitte 2025 unterstreicht zusätzlich den umfassenden Charakter des gesamten Projekts.

Bauphysikalische Herausforderungen bei historischen Sakralbauten

Ein zentrales Problem bei historischen Gebäuden wie der Asamkirche stellen Feuchtigkeitsschäden dar, die durch den Kapillareffekt im Mauerwerk verursacht werden. Diese bauphysikalische Herausforderung ist bei Bauwerken dieser Zeitperiode besonders ausgeprägt, da ihnen ein entsprechender Unterbau fehlt. Der Kapillareffekt führt dazu, dass Wasser aus der Umgebung durch das Mauerwerk mehrere Meter nach oben steigt und dabei erhebliche Schäden an der Wand und den damit verbundenen Holzeinbauten verursacht.

Die Putzschicht im Sockelbereich war bereits seit der letzten Renovierung von Jahr zu Jahr in einem zunehmend schlechteren Zustand, was die Notwendigkeit der Sanierungsmaßnahmen verdeutlicht. Diese Erkenntnisse sind für vergleichbare Restaurierungsprojekte von großer Bedeutung, da sie die spezifischen bauphysikalischen Probleme bei historischen Sakralbauten aufzeigen und die Notwendigkeit einer systematischen Feuchtigkeitsbekämpfung unterstreichen.

Finanzierung und Projektmanagement

Die Finanzierung des umfangreichen Sanierungsprojekts erfolgt durch mehrere Träger. Der Freistaat Bayern leistete mit 6 Millionen Euro einen entscheidenden Beitrag, was rund 40 Prozent der Gesamtkosten entspricht. Diese substantielle staatliche Förderung unterstreicht die gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung der Erhaltung historischer Sakralbauten. Die verbleibenden 60 Prozent der Gesamtkosten wurden durch weitere Fördermittel und Spenden aufgebracht.

Das Projektmanagement wurde vom Staatlichen Bauamt Passau geleitet, was die professionelle Betreuung durch staatliche Baudienststellen gewährleistete. Die Einhaltung des Zeitplans, wie leitender Baudirektor Norbert Sterl bestätigte, demonstriert die erfolgreiche Projektsteuerung bei diesem komplexen Bauvorhaben. Die Planung sah vor, Ende 2024 mit der Innensanierung fertig zu werden, und diese Zielsetzung wurde eingehalten.

Technische Aspekte der Innenrestaurierung

Die Innenrestaurierung der Asamkirche konzentrierte sich auf die Erhaltung und Wiederherstellung der historischen Ausstattungselemente. Die Kirche enthält Stuck und Fresken der Gebrüder Asam sowie Altäre und Kanzeln von hervorragenden Bildhauern wie Joseph Matthias Götz und Joseph Deutschmann. Diese künstlerischen Elemente stellen nicht nur kulturhistorische Schätze dar, sondern erfordern bei einer Sanierung besonders vorsichtige und spezialisierte Behandlungsmethoden.

Die Wiederherstellung dieser künstlerischen Elemente verdeutlicht die Notwendigkeit interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Restauratoren, Architekten und Handwerkern. Die Innenrestaurierung umfasste nicht nur die Konservierung der vorhandenen Ausstattung, sondern auch die Wiederherstellung der ursprünglichen Raumwirkung, die für die liturgische Funktion des Sakralbaus von entscheidender Bedeutung ist.

Abschlussarbeiten und kirchliche Nutzung

Die Weihe des neuen Altares durch Bischof Dr. Stephan Oster SDB am 24. November 2024 markierte den Höhepunkt der Inneninstandsetzung im Kirchenschiff. Diese feierliche Altarweihe hatte nicht nur religiöse Bedeutung, sondern symbolisierte auch die erfolgreiche Wiederherstellung der sakralen Funktion des Gebäudes. Parallel dazu wurde die Kirche nach der langen Sperrung von Oktober 2018 bis November 2024 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Wiedereröffnung der Kirche für die Öffentlichkeit verdeutlicht den erfolgreichen Abschluss der Hauptphase der Innensanierung. Die noch andauernden Arbeiten in den Nebenräumen bis Mitte 2025 zeigen jedoch, dass auch nach der Wiedereröffnung noch umfangreiche Abschlussarbeiten erforderlich sind, um das gesamte Sanierungsprojekt vollständig abzuschließen.

Dokumentation und Nachnutzung

Der Verein der Freunde der Asamkirche Aldersbach hat sich zum Ende der Generalsanierung ein besonderes Projekt vorgenommen: die Herausgabe eines Bildbands über die Instandsetzungsarbeiten. Diese Dokumentation soll nicht nur das beeindruckende Restaurierungsergebnis in Text und Bild präsentieren, sondern auch die Geschichte und das liturgische Programm des Gotteshauses vorstellen.

Der Titel "Asamkirche Aldersbach – Barockes Erbe bewahren" verdeutlicht die Zielsetzung, die Bedeutung der Restaurierung und die Verantwortung für die Erhaltung des kulturellen Erbes zu unterstreichen. Diese Form der Projektdokumentation stellt ein wichtiges Instrument für die Nachnutzung der Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Sanierungsprojekt dar.

Bedeutung für die Baudenkmalpflege

Das Sanierungsprojekt der Asamkirche Aldersbach liefert wichtige Erkenntnnis für vergleichbare Restaurierungsmaßnahmen an historischen Sakralbauten. Die Kombination aus staatlicher Förderung und privatem Engagement zeigt erfolgreiche Finanzierungsmodelle für den Erhalt kultureller Denkmäler auf. Die systematische Herangehensweise an die bauphysikalischen Probleme, insbesondere die Bekämpfung von Feuchtigkeitsschäden, bietet wertvolle technische Erkenntnnis für ähnliche Bauvorhaben.

Die langfristige Projektplanung über acht Jahre demonstriert die Notwendigkeit nachhaltiger Planung bei umfangreichen Sanierungsmaßnahmen. Die erfolgreiche Einhaltung des Zeitplans trotz der komplexen Herausforderungen zeigt, dass auch bei anspruchsvollen Baudenkmalprojekten eine professionelle Projektsteuerung zu erfolgreichen Ergebnissen führen kann.

Strukturelle und bauliche Aspekte

Die Sanierung der Asamkirche verdeutlicht die besonderen strukturellen Anforderungen bei der Restaurierung historischer Sakralbauten. Die gotischen und barocken Bautechniken unterscheiden sich erheblich von modernen Bauweisen, was spezielle Kenntnisse und Behandlungsansätze erfordert. Die Erhaltung der statischen Integrität des Gebäudes bei gleichzeitiger Verbesserung der bauphysikalischen Eigenschaften stellt eine komplexe technische Herausforderung dar.

Die Erfahrungen aus diesem Projekt können für die Planung und Durchführung ähnlicher Sanierungsmaßnahmen an anderen historischen Sakralbauten herangezogen werden. Die dokumentierten Problemlösungen und angewandten Techniken stellen einen wertvollen Erfahrungsschatz für die Baudenkmalpflege dar.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte

Die Investition von über 17 Millionen Euro in die Sanierung der Asamkirche unterstreicht den hohen gesellschaftlichen Wert, der der Erhaltung historischer Sakralbauten beigemessen wird. Diese finanziellen Aufwendungen rechtfertigen sich nicht nur durch den kulturhistorischen Wert des Gebäudes, sondern auch durch die regionale wirtschaftliche Bedeutung des Projekts.

Die Einbindung verschiedener Fördermittel und die Beteiligung privater Initiativen zeigen moderne Modelle der Finanzierung für Baudenkmalprojekte auf. Die Wiedernutzung des Gebäudes für kirchliche und kulturelle Zwecke verdeutlicht die nachhaltige Wirkung der getätigten Investitionen.

Fazit

Die Generalsanierung der Asamkirche Aldersbach stellt ein herausragendes Beispiel für die erfolgreiche Erhaltung historischer Sakralbauten dar. Mit Gesamtkosten von über 17 Millionen Euro und einer Projektlaufzeit von acht Jahren demonstriert dieses Bauvorhaben die komplexen Anforderungen und erfolgreichen Lösungsansätze bei der Baudenkmalpflege. Die systematische Herangehensweise an die bauphysikalischen Herausforderungen, insbesondere die Bekämpfung von Feuchtigkeitsschäden durch den Kapillareffekt, liefert wertvolle Erkenntnnis für vergleichbare Projekte.

Der erfolgreiche Abschluss der Innenrestaurierung mit der Altarweihe am 24. November 2024 markiert nicht nur das Ende einer mehrjährigen Sanierungsphase, sondern auch den Beginn der nachhaltigen Wiedernutzung des restaurierten Sakralbaus. Die dokumentierten Erfahrungen und Erkenntnisse aus diesem Projekt werden der Baudenkmalpflege und vergleichbaren Sanierungsmaßnahmen zugutekommen und den Erhalt historischer Baukunst nachhaltig unterstützen.

Quellen

  1. Innenrestaurierung der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Aldersbach ist abgeschlossen

  2. Restaurierung

  3. Asamkirche Aldersbach

  4. Die Asamkirche Aldersbach in neuem Glanz

  5. Es werde Licht: Alles im Zeitplan bei der Sanierung der Asamkirche in Aldersbach

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