St. Zeno Bad Reichenhall: Sanierung im Zeitraffer – Großbaustelle am historischen Dachstuhl

Einführung

Die Basilika St. Zeno in Bad Reichenhall, ein bedeutendes Beispiel spätgotischer Sakralarchitektur und das älteste romanische Bauwerk der Region, ist derzeit Schauplatz einer umfassenden Sanierung. Was als Instandsetzung begann, entpuppt sich als Großbaustelle, die die Kirchengemeinde und die Baufachwelt gleichermaßen beschäftigt. Die Herausforderungen, die auf der Baustelle bewältigt werden, und der historische Kontext des Gebäudes, machen diese Sanierung zu einem Paradebeispiel für die Komplexität moderner Denkmalpflege. Dieser Artikel bietet einen Einblick in den aktuellen Stand der Arbeiten, die technischen Maßnahmen und die lecciónes learned from der Geschichte des Baudenkmals.

Die Sanierung läuft auf Hochtouren, doch die Schäden am historischen Dachstuhl haben sich als weitaus umfangreicher erwiesen, als ursprünglich angenommen. Dies hat zur Folge, dass die Fertigstellung der Kirchensanierung um etwa ein halbes Jahr nach hinten verschoben wird. Die Dimensionen der Baustelle sind beeindruckend: Ein 23 Meter hohes Gerüst überbaut die Kirche vollständig. Auch nach Abschluss der Instandsetzungsarbeiten, die bis zum Ende des Sommers geplant sind, bleibt die Sicherheit das oberste Gebot. So bleibt der Friedhof St. Zeno vorerst geöffnet, muss jedoch aufgrund der verbleibenden Arbeiten gelegentlich teilweise gesperrt werden. Bis zur vollständigen Wiedereröffnung der Kirche finden die Gottesdienste im Pfarrheim St. Zeno statt.

Sanierungsfortschritt und Herausforderungen

Die Erwartungen an den Beginn der Sanierung wurden durch die vorgefundenen Schäden am Dachstuhl übertroffen. Was als routinemäßige Instandsetzung geplant war, entpuppte sich als umfassende statische Sanierung eines historisch bedeutsamen Bauteils. Der notwendige Zeitrahmen hat sich dadurch erheblich verlängert. Der enorme Zeitverzug verdeutlicht die Unwägbarkeiten, die bei der Sanierung alter Dachstühle auftreten können. Die Sanierung ist jedoch nicht das erste Projekt dieser Art an der Kirche St. Zeno. Die umfangreichen Renovierungen in den Jahren 1967, 1973/1974, 1985, 1993/1994 und 2014 zeugen von dem kontinuierlichen Erhaltungsaufwand, dem dieses Baudenkmal unterliegt.

Die gegenwärtige Sanierung, die bis zum Ende des Sommers abgeschlossen werden soll, ist weitgehend fortgeschritten. Die regelmäßigen Kranhübe, die zuvor den Betrieb des Friedhofs beeinträchtigten, wurden eingestellt. Trotz der Fortschritte bleibt eine gewisse Unsicherheit bestehen, da einzelne Bereiche noch temporär gesperrt werden müssen. Bis zur vollständigen Wiedereröffnung der Kirche ist mit Einschränkungen für die Gemeindemitglieder zu rechnen.

Der Gerüstbau: Eine Mammutaufgabe

Das Herzstück der aktuellen Sanierung ist der Gerüstbau. Die Errichtung des 23 Meter hohen Gerüsts war bereits für sich genommen ein komplexes Bauprojekt. „Nur so lässt sich witterungsunabhängig eine kontinuierliche Sanierung des Dachs gewährleisten“, erläutert Monika Preininger vom staatlichen Bauamt Traunstein. Der Aufbau des Gerüsts, das die Kirche in seiner Gesamtheit überbaut, war eine mehrwöchige Baustelle. Um das Gewicht des Gerüsts und des aufgesetzten Schutzdachs sicher zu tragen, mussten eigens mehrere Lochfundamente erstellt werden. Diese Maßnahmen sind unerlässlich, um die Stabilität des Gerüsts und die Sicherheit der Arbeit auf der Baustelle zu gewährleisten.

Die Dimension des Gerüsts ermöglicht es den Bauexperten, die Sanierung unter optimalen Bedingungen durchzuführen. Die Möglichkeit, die Baustelle zu besteigen und die verschiedenen Gewerke bei der Arbeit zu beobachten, bot den Besuchern der CSU Bad Reichenhall seltene Einblicke in die Denkmalsanierung. Die Besichtigung unterstrich die Ingenieurskunst und den logistischen Aufwand, der für ein Projekt dieser Größenordnung erforderlich ist.

Der Dachstuhl: Abbau und Wiederaufbau

Der sanctus sanctorum der Sanierung ist der Dachstuhl. Wie die CSU-Berichte verdeutlichen, wurde der komplette Dachstuhl bis auf die tragenden Balken abgebaut und neu aufgebaut. Diese radikale Maßnahme war notwendig, da die einzelnen Balken nicht mehr in einwandfreiem Zustand waren. Die beanstandeten Balken wurden entweder ausgetauscht oder mit Stahlstreben verstärkt. Die Entscheidung für einen vollständigen Rückbau mag überraschen, zeigt jedoch die Ernsthaftigkeit der Schäden und den Willen zur gründlichen, langfristigen Sanierung. Die statische Sicherheit des Gebäudes steht an erster Stelle.

Die Sanierung des Dachstuhls ist ein Paradebeispiel für die Herausforderungen in der Denkmalsanierung. Der Erhalt der historischen Substanz muss mit den Anforderungen an die statische Sicherheit in Einklang gebracht werden. Die verwendeten Materialien und Techniken müssen den geltenden Normen entsprechen und gleichzeitig das ursprüngliche Erscheinungsbild des Gebäudes respektieren.

Historischer Kontext und vergangene Eingriffe

Die aktuelle Sanierung ist die jüngste in einer langen Reihe von Eingriffen in die Substanz der Kirche St. Zeno. Das Münster erfuhr über die Jahrhunderte hinweg zahlreiche Veränderungen, die sowohl durch natürliche Abnutzung als auch durch dramatische Ereignisse, wie Brände, ausgelöst wurden.

Ein historischer Wendepunkt war der Brand von 1520, der die gesamte Inneneinrichtung zerstörte. Diese Katastrophe führte zu einer grundlegenden Umgestaltung der Kirche im Stil der Frührenaissance. Der spätgotische Flügelaltar wurde unter Einbeziehung der von Herzog Wilhelm IV. gestifteten Tafeln von Pfarrer Eduard Zeller neu gestaltet. Dievaldo ist auch die Überbauung von Fresken mit Darstellungen der Heiligen Zeno und Rupert durch einen Bronzetabernakel geschuldet, eine kunsthistorische Interessantheit, die den Wandel der Zeit dokumentiert.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte ein weiterer, diesmal staatlicher, Eingriff. Das Landbauamt war für die Umsetzung mehrerer Restaurierungsmaßnahmen zwischen 1868 und 1881 zuständig. Diese fielen in die Zeit der "staatlichen Baupflicht". Maßnahmen dieser Periode umfassten die Neueindeckung von Kirche, Sakristei und Turm, die Restaurierung der Vorhalle und eine Umgestaltung der Außenfassade im romanischen Stil. Obwohl weitere, teils ambitionierte Pläne, wie die Wiederherstellung des nördlichen Seitenportals, nicht zur Ausführung kamen, prägte diese Phase das äußere Erscheinungsbild der Kirche entscheidend.

Der folgenreichste Eingriff erfolgte 1911. Unter Federführung des Generalkonservators Georg Hager wurde das Münster wieder mit einem Gesamtdach versehen. Diese Maßnahme, die gegen erheblichen Widerstand lokaler und überregionaler Kreise durchgesetzt wurde, verdeckte die basilikale Struktur der Anlage und gab ihr das heutige Erscheinungsbild. Dies geschah in bewusster Abkehr von dem früheren, basilikaartigen Aussehen.

In den folgenden Jahrzehnten erfolgten weitere wichtige Eingriffe, die sich auf die Stabilität und den baulichen Zustand auswirkten. Zwischen 1967 und 2014 wurde die Kirche mehrfach umfassend renoviert. Diese Eingriffe reichten von der Erneuerung des Innenraums und der Außenmauern über die Anbringung von Stabilisierungsankern bis hin zur Schaffung eines barrierefreien Zugangs. Die Reihe der Maßnahmen zeugt von der besonderen Bedeutung des Baudenkmals und dem kontinuierlichen Engagement für seinen Erhalt.

Die Kirche ist vom Friedhof St. Zeno umgeben, dem größten Friedhof im Talkessel von Bad Reichenhall. Der alte Teil des Friedhofs steht unter Denkmalschutz. Dieser Schutz umfasst nicht nur die Gräber selbst, sondern auch die Ummauerung, das Kriegerdenkmal und eine Grabsäule. Diese enge Verbindung zwischen Sakralbau und Friedhof unterstreicht die historische und kulturelle Bedeutung der Gesamtanlage.

Die leçones der Sanierung: Denkmalschutz im modernen Bauwesen

Die Sanierung der Kirche St. Zeno ist ein Lehrbeispiel für die Herausforderungen der Denkmalsanierung im 21. Jahrhundert. Die Komplexität des Projekts, die unvorhergesehenen Herausforderungen und die Dimensionen der Baustelle verdeutlichen, dass bei der Sanierung historischer Gebäude Flexibilität, Fachwissen und eine langfristige Perspektive unerlässlich sind.

Die Integration moderner Bautechniken mit dem Respekt für die historische Substanz ist ein Balanceakt, der nur durch die Zusammenarbeit von Architekten, Ingenieuren, Handwerkern und Denkmalpflegern erfolgreich gemeistert werden kann. Die Baustelle St. Zeno bietet hierfür einzigartige Einblicke und zeigt, wie historisches Wissen und modernste Technik miteinander verschmelzen.

Fazit

Die Sanierung der Kirche St. Zeno in Bad Reichenhall ist ein beeindruckendes Zeugnis für das Engagement und die Expertise, die in die Erhaltung unseres kulturellen Erbes investiert werden. Auch wenn der Weg zur Vollendung länger war als geplant, zeigt die Baustelle, dass jeder Eingriff in ein historisches Bauwerk nicht nur eine bauliche, sondern auch eine verantwortungsvolle kulturelle Aufgabe ist. Der vollständige Rückbau und Wiederaufbau des Dachstuhls, die Errichtung des 23 Meter hohen Gerüsts und die Beseitigung der historischen Schäden sind Meilensteine für die Zukunft der Kirche. Die umfassenden Renovierungen in der Geschichte des Bauwerks unterstreichen die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Pflege. Die Basilika St. Zeno wird auch in Zukunft ein prägendes Element der Stadt Bad Reichenhall und ein lebendiges Zeugnis sakraler Baukunst sein.

Quellen

  1. Die Sanierung von St. Zeno in Bad Reichenhall
  2. Besichtigung St. Zeno - CSU Bad Reichenhall
  3. Kirche St. Zeno (Bad Reichenhall)
  4. Katholische Stadtkirche Bad Reichenhall

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