Von Verzögerungen bis zur Wiedereröffnung: Die Westbad München Sanierung als Modernisierungsprojekt

Einleitung

Die umfassende Sanierung des Westbads in München-Pasing exemplifiziert die Herausforderungen und Chancen moderner Bädersanierung. Nach mehrfachen Verschiebungen und technischen Komplikationen öffnete das traditionsreiche Bad am 14. April 2025 wieder seine Türen. Dieses Projekt wirft wichtige Fragen auf, die sowohl für Bauherren als auch für öffentliche Einrichtungen von Bedeutung sind: Wie gehen öffentliche Bauprojekte mit unvorhergesehenen Verzögerungen um? Welche Rolle spielen Materialversorgung und Personalprobleme? Und wie können traditionelle Bäder für moderne Ansprüche saniert werden?

Baugeschichte und Ausgangssituation

Das Westbad München verbindet seit jeher Hallenbad- und Freibadfunktionen auf einem Gelände in Pasing. Diese Doppelnutzung stellt besondere Anforderungen an die Bausubstanz und die Haustechnik, da sowohl die witterungsgeschützten Innenräume als auch die Freibadbereiche den Zahn der Zeit spüren. Das Gebäude verfügt über ein umfassendes Angebot, das von einem 25-Meter-Sportbecken über Erlebnis- und Nichtschwimmerbereiche mit Strömungskanälen und Rutschen bis hin zu entspannenden Whirlpools reicht.

Besonders erwähnenswert ist die Integration von Saunalandschaften, die in vielen deutschen Bädern einen wachsenden Bedeutung für die Wirtschaftlichkeit haben. Das Westbad verfügt über eine Saunalandschaft mit verschiedenen Aufgüssen, Dampfbad und Sanarium – eine Ausstattung, die bei der Modernisierung besonders berücksichtigt werden musste.

Sanierungsanlass und Umfang der Arbeiten

Der Hauptanlass für die umfassende Sanierung lag im Zustand des Dachs des Gebäudes. Die Sanierungsarbeiten am Dach stellten sich als weitaus komplexer heraus als zunächst angenommen. Was als relativ überschaubare Dachsanierung geplant war, entwickelte sich zu einem umfangreichen Modernisierungsprojekt, das sämtliche Bereiche des Bades betraf.

Die Stadtwerke München (SWM) entschieden sich für eine grundlegende Sanierung, die nicht nur die technischen Aspekte, sondern auch die Nutzungsanforderungen moderner Bäder berücksichtigt. Dabei galt es, die Balance zwischen modernen Annehmlichkeiten und den traditionellen Charakteristika des Bades zu finden.

Chronologie der Sanierung und auftretende Probleme

Die Sanierungsarbeiten begannen am 13. Mai 2024. Ursprünglich war eine Wiedereröffnung für den 17. September 2024 geplant – ein ambitionierter Zeitplan, der sich jedoch als unrealistisch erwies. Die ersten Verzögerungen traten bereits in der zweiten Septemberhälfte auf, als der Eröffnungstermin auf Mitte Dezember verschoben wurde.

Die Verantwortlichen nannten mehrere Ursachen für die Verzögerungen: Starke Regenfälle beeinträchtigten die Bauarbeiten erheblich. Diese Wettereinflüsse sind bei Dachsanierungen besonders kritisch, da sie nicht nur die Arbeitsbedingungen verschlechtern, sondern auch zu Materialschäden führen können. Zusätzlich traten "Liefer- und Materialengpässe bei einigen ausführenden Firmen" auf, ein Problem, das in den letzten Jahren zunehmend Bedeutung in der Bauwirtschaft erlangt hat.

Besonders gravierend erwies sich schließlich die Problematik mit einer der beteiligten Firmen. Ende Oktober 2024 wurde klar, dass die Schwierigkeiten mit einem der Auftragnehmer so gravierend waren, dass eine Neuausschreibung des Auftrags notwendig wurde. Diese Entscheidung verlängerte den gesamten Zeitplan erheblich und verschob die Fertigstellung auf Frühjahr 2025.

Auswirkungen auf benachbarte Einrichtungen

Die langen Schließzeiten des Westbads hatten Auswirkungen auf das gesamte Bäderangebot der Stadtwerke München. Da die Stadtwerke parallel entschieden hatten, das Bad Forstenrieder Park zu schließen und abzureißen, entstand zeitweise eine Unterversorgung im Münchner Südwesten.

Das Bad Forstenrieder Park war knapp 50 Jahre alt und wies trotz diverser Instandhaltungsmaßnahmen gravierende bauliche und technische Mängel auf. Die Standsicherheit des Gebäudes war an verschiedenen Stellen beeinträchtigt, was eine sofortige Schließung zum 11. April erforderte. Dies bedeutete für die Nutzerinnen und Nutzer eine temporäre Umstellung auf das wiedereröffnete Westbad.

Planungs- und Genehmigungsaspekte der Sanierung

Ein interessanter Aspekt des Westbad-Projekts war die Notwendigkeit einer Munitionssuche auf dem Gelände. Das Bad Forstenrieder Park-Areal befindet sich an einem Standort, wo sich während des Zweiten Weltkriegs eine Flugabwehrstellung befand. Diese historische Nutzung erforderte eine systematische Untersuchung des Geländes auf mögliche Munitionsreste aus der Kriegszeit.

Ähnliche Herausforderungen können auch bei der Sanierung älterer Gebäude auftreten, insbesondere wenn diese in der Nachkriegszeit erbaut wurden. Die Zeit um 1976 war geprägt von einer umfangreichen Bautätigkeit im öffentlichen Bereich, wobei häufig Schadstoffe in den Baumaterialien verwendet wurden, deren Problematik erst später erkannt wurde.

Schadstoffsanierung und Umweltaspekte

Die Stadtwerke München erklärten, dass wegen des Baujahrs des Bad Forstenrieder Park (1976) mit weiteren Schadstoffen zu rechnen sei. Diese Erkenntnis ist exemplarisch für die Herausforderungen bei der Sanierung öffentlicher Gebäude aus den 1970er Jahren. In dieser Zeit wurden häufig asbesthaltige Materialien, PCB (Polychlorierte Biphenyle) und andere heute problematische Stoffe verwendet.

Die Arbeiten an Schadstoffen müssen an spezialisierte Fachfirmen vergeben werden, was nicht nur die Kosten erhöht, sondern auch den Zeitplan beeinflusst. Die ordnungsgemäße Entsorgung kontaminierter Materialien erfordert spezielle Verfahren und Genehmigungen, die zusätzliche Zeit in Anspruch nehmen.

Modernisierungsmaßnahmen am Westbad

Die Sanierung des Westbads umfasste mehrere Schwerpunktbereiche:

Saunalandschaft Modernisierung: Die Saunalandschaft wurde grundlegend modernisiert. Eine wichtige Neuerung ist die Umstellung auf Textilbereich mit Rücksicht auf Familien. Diese Entscheidung reflektiert gesellschaftliche Veränderungen und den Wunsch nach familienfreundlichen Wellnessangeboten. Badebekleidung ist in der Saunalandschaft künftig Pflicht, was Familien die Nutzung des im Eintrittspreis inkludierten Saunabereichs ermöglicht.

Erhaltung bewährter Elemente: Wichtige Attraktionen wie das mit Palmen umsäumte Erlebnis- und Nichtschwimmerbecken, die Rutschen und der Strömungskanal blieben erhalten. Diese Entscheidung zeigt das Bestreben, die charakteristischen Merkmale des Bades zu bewahren und gleichzeitig moderne Standards zu integrieren.

Beckentechnik und Ausstattung: Das 25-Meter-Sportbecken behält seine Funktion als Trainingsstätte für Ausdauersport. Die beiden großen Whirlpools wurden in die Modernisierung einbezogen, ohne ihre entspannende Wirkung zu beeinträchtigen.

Tarifstruktur und Wirtschaftlichkeitsaspekte

Eine zentrale Herausforderung öffentlicher Bäder besteht in der Balance zwischen Nutzerfreundlichkeit und wirtschaftlichem Betrieb. Die Stadtwerke München entwickelten eine neue Tarifstruktur, die verschiedene Aspekte berücksichtigt:

Integrierte Saunalandschaft: Anders als viele andere Bäder entschieden sich die SWM für die Integration der Saunalandschaft in den regulären Eintrittspreis für die Schwimmhalle. Diese Lösung wurde von den Badegästen in einer Besucherumfrage mit großer Mehrheit befürwortet.

Reduzierte Preise während Modernisierung: Während der Übergangszeit, in der die Saunalandschaft noch nicht vollständig betriebsbereit war, galt ein reduzierter Eintrittspreis für die Schwimmhalle. Diese flexible Preisgestaltung zeigt Verständnis für die besondere Situation der Badegäste.

Neue Preisstruktur: Nach vollständiger Wiedereröffnung gelten für das Hallenbad inklusive Saunalandschaft folgende Preise: Normalpreis 17,50 Euro, Ermäßigungsgruppe A1 10,50 Euro, München-Pass Inhaber 10,00 Euro und Familienkarte 38,10 Euro.

Personal- und Betriebsherausforderungen

Auch nach der Wiedereröffnung traten betriebliche Herausforderungen auf, die exemplarisch für den Betrieb von Schwimmbädern sind. Kurzfristige Personalprobleme führten zu Einschränkungen bei den Sauna-Aufgüssen an bestimmten Wochenenden. Diese Situation verdeutlicht die personellen Abhängigkeiten moderner Bäder.

Die Stadtwerke München mussten zudem technische Herauswarten bewältigen, wie Reparaturarbeiten an der Fernwärmeanlage, die zu Temperaturschwankungen bei den Duschen und im Beckenwasser führten. Diese technischen Probleme zeigen die Komplexität des Betriebs großer Bäder mit verschiedenen technischen Systemen.

Betreiberkonzept und Öffnungszeiten

Das Westbad verfügt über ein umfangreiches Öffnungszeitenkonzept: Hallenbad inklusive Saunalandschaft sowie die separate Saunainsel öffnen täglich von 7:30 bis 23 Uhr. Diese großzügigen Öffnungszeiten berücksichtigen verschiedene Nutzergruppen von Frühsportlern bis zu Feierabendbesuchern.

Besondere Betriebskonzepte wie Damen- und Herrentage in der Sauna (jeweils ganztags am Mittwoch bzw. Dienstag) zeigen die Berücksichtigung verschiedener Bedürfnisse der Badegäste. An allen übrigen Tagen sowie an Feiertagen, Heilig Abend, Silvester und Faschingsdienstag herrscht gemischter Saunabetrieb.

Ersatz und Neugestaltung des Bad Forstenrieder Park

Die Schließung des Bad Forstenrieder Park war für den Münchner Südwesten ein einschneidender Einschnitt. Der vollständige Abriss des Gebäudes ab Mitte 2026 und die Abschluss der Arbeiten im Sommer 2027 schaffen Klarheit über die Zukunft des Standorts. Die Stadtwerke prüfen verschiedene Nutzungsvarianten für das Gelände, was den Transmationsprozess vom alten zum neuen Konzept zeigt.

Die Umstände der Schließung – bauliche und technische Mängel nach knapp 50 Jahren Nutzung – verdeutlichen die Notwendigkeit langfristiger Instandhaltungsplanung bei öffentlichen Gebäuden. Die Investition in den Erhalt oder die Erneuerung ist dabei immer eine Abwägung zwischen kurzfristigen Kosten und langfristiger Nutzbarkeit.

Lessons Learned und Ausblick

Die Sanierung des Westbads München bietet mehrere Lerneffekte für künftige Bädersanierungen:

Realistische Zeitplanung: Die mehrfachen Terminverschiebungen zeigen die Wichtigkeit realistischer Zeitplanung bei Bädersanierungen. Unvorhergesehene Witterungseinflüsse, Lieferkettenprobleme und Ausführungsprobleme müssen in die Planung einbezogen werden.

Fachfirmenauswahl: Die Notwendigkeit einer Neuausschreibung wegen Problemen mit einem Auftragnehmer unterstreicht die Bedeutung sorgfältiger Fachfirmenauswahl. Bei technisch komplexen Projekten wie Bädersanierungen ist die Expertise der Ausführenden entscheidend.

Nutzerorientierte Modernisierung: Die Umstellung der Saunalandschaft zum Textilbereich zeigt den Trend zu familienfreundlicheren Wellnesskonzepten. Diese Entwicklung reflektiert gesellschaftliche Veränderungen und veränderte Bedürfnisse der Badegäste.

Flexibilität in der Preisgestaltung: Die Entwicklung einer neuen Tarifstruktur unter Einbeziehung von Besucherfeedback zeigt moderne Ansätze im öffentlichen Bäderbetrieb. Die Integration der Saunalandschaft in den Eintrittspreis kann ein Wettbewerbsvorteil gegenüber kommerziellen Anbietern sein.

Fazit

Die umfassende Sanierung des Westbads München exemplifiziert die Herausforderungen und Chancen moderner Bädersanierung. Das Projekt verdeutlicht, wie sich aus einer ursprünglich geplanten Dachsanierung ein umfangreiches Modernisierungsprojekt entwickeln kann, das sowohl bauliche als auch betriebswirtschaftliche Aspekte berücksichtigt.

Die mehrfachen Verzögerungen durch externe Faktoren wie Wettereinflüsse, Lieferengpässe und Auftragnehmerprobleme zeigen die Komplexität moderner Bauprojekte. Sie unterstreichen die Notwendigkeit flexibler Planung und realistischer Zeitkalkulationen.

Die nach Abschluss der Arbeiten umgesetzten Modernisierungen, insbesondere die familienfreundliche Umgestaltung der Saunalandschaft und die integrierte Preisstruktur, reflektieren moderne Ansätze im Bäderbetrieb. Diese Entwicklungen zeigen, wie traditionelle öffentliche Einrichtungen an veränderte gesellschaftliche Bedürfnisse angepasst werden können.

Für andere Bauherren und Betreiber öffentlicher Einrichtungen bietet das Westbad-Beispiel wichtige Erkenntnisse über Planung, Umsetzung und langfristige Nutzerorientierung bei Bädersanierungsprojekten. Die Balance zwischen der Bewahrung bewährter Elemente und der Integration moderner Standards erweist sich als zentraler Erfolgsfaktor für nachhaltige Sanierungsprojekte.

Quellen

  1. Westbad München: Drinnen und draußen schwimmen
  2. Immer wieder verschoben: Jetzt steht der Termin zur Wiedereröffnung des Westbads
  3. Noch im vorigen Jahr wollten die Stadtwerke München das Bad Forstenrieder Park neu gestalten
  4. Das Westbad in München öffnet wieder
  5. Westbad – Hallenbad und Sauna

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