Die umfassende Sanierung von Schloss Bellevue und dem benachbarten Verwaltungsgebäude des Bundespräsidialamtes stellt ein Großprojekt von nationaler Bedeutung dar, das historischen Denkmalschutz mit modernen Anforderungen an Nachhaltigkeit und Sicherheit vereint. Der vorliegende Artikel analysiert die vier Teilbereiche der Baumaßnahme, den aktuellen Stand der Planung und Umsetzung sowie die zentralen Herausforderungen dieses Prestigeprojekts.
Das Sanierungskonzept: Ganzheitlicher Ansatz für Denkmal und Verwaltung
Die Sanierung der Liegenschaft des Bundespräsidialamtes gliedert sich in vier klar definierte Teilbereiche, die jeweils spezifische Ziele verfolgen, jedoch im Gesamtkontext auf ein klimaneutrales und funktionales Ensemble ausgerichtet sind. Dieser ganzheitliche Ansatz berücksichtigt die historische Bedeutung des Baudenkmals Schloss Bellevue und die modernen Erfordernisse der Verwaltung. Das Ziel ist die Schaffung einer zukunftstauglichen, klimaneutralen Bundesliegenschaft, die den aktuellen brandschutzrechtlichen Vorgaben und den Anforderungen an Technik und Sicherheit entspricht.[^1]
Die Planung der Gesamtmaßnahme wurde nach der Durchführung von Machbarkeitsstudien durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) und Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt im Jahr 2020 aufgenommen. Diese Vorgehensweise gewährleistet die Berücksichtigung denkmalschutzrechtlicher Belange und die Entwicklung eines nachhaltigen Sanierungskonzepts.[^1]
Sanierung von Schloss Bellevue: Denkmalgerechte Instandsetzung und energetische Modernisierung
Das 1785 erbaute Schloss Bellevue ist ein Baudenkmal von überregionaler Bedeutung und der repräsentative Hauptsitz des Bundespräsidenten. Eine vollständige Sanierung war bereits nach einer ersten, nur teilweise realisierten Instandsetzung in den Jahren 2004 und 2005 unumgänglich, da aufgrund der damaligen Zeitbeschränkungen nur die dringendsten Maßnahmen durchgeführt werden konnten.[^1] Damals unter anderem ein Fluchttreppenhaus im Nordflügel eingebaut, die Amtswohnung des Bundespräsidenten im Südflügel rückgebaut und einzelne Anpassungen im repräsentativen Bereich vorgenommen werden.[^1] Die für die Modernisierung der Lüftungsanlage erforderlichen Arbeiten mussten seinerzeit jedoch aus Zeit- und Aufwandsgründen unterbleiben und werden nun im Rahmen der umfassenden Sanierung nachgeholt.[^1]
Der neue, denkmalgerechte Sanierungsansatz für Schloss Bellevue umfasst eine energetische Sanierung sowie die umfassende Instandsetzung der Bausubstanz und der technischen Anlagen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Verbesserung der Barrierefreiheit und der Anpassung an die gestiegenen Sicherheitsanforderungen, die für die Nutzung durch das Staatsoberhaupt unerlässlich sind.[^1] Darüber hinaus werden einzelne Gebäudeteile den heutigen Nutzungsanforderungen angepasst, um die Funktionalität des historischen Baus für moderne repräsentative Zwecke zu optimieren.[^1] Für die Planung wurde das renommierte Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner (gmp) beauftragt, das auf die Synthese aus historischem Bestand und moderner Architektur spezialisiert ist.[^1]
Modernisierung des Verwaltungsgebäudes: Technische Erneuerung und Brandschutz
Das 1996 bis 1998 als erstes Regierungsgebäude nach Bonn im Berliner Tiergarten fertiggestellte Verwaltungsgebäude unterliegt dem Urheberrechtsschutz des Architekturbüros Gruber Kleine-Kraneburg, das entsprechend vom Bund mit der Sanierung beauftragt wurde.[^1][^2] Für dieses Gebäude wird eine umfassende technische Erneuerung als zentrales Projektziel angestrebt, da die technische Gebäudeausrüstung, wie z. B. Heizungs- und Lüftungsanlagen, das Ende ihrer geplanten Lebensdauer erreicht hat und eine Sanierung bzw. Erneuerung unumgänglich macht. Dieser technische Engpass ist der hauptsächliche Grund für die anstehende Großbaustelle.[^2] Parallel zu den technischen Modernisierungsarbeiten werden die Brandschutzanlagen umfassend modernisiert.[^1][^2] Auch wenn keine akute Gefahr für die Nutzung bestand, bestand dennoch Handlungsbedarf, um die brandschutzrechtlichen Vorgaben vollständig zu erfüllen.[^2]
Die geplanten Baumaßnahmen für das Verwaltungsgebäude sollen, nach Abschluss der Vorplanungen und der Fertigstellung des Interimsbaus, ab 2025 oder spätestens 2026 beginnen.[^2] Die neue, aktuelle Verordnungslage mit Anforderungen wie der Energieeinsparverordnung, dem Ziel der Klimaneutralität und der Trinkwasserhygieneverordnung macht die Modernisierung zwingend erforderlich.[^1]
Neugestaltung des Eingangsbereichs und der Außenanlagen: Sicherheit und Ästhetik im Einklang
Die Neugestaltung des Eingangsbereichs mit Wach- und Kontrollgebäude trägt den gestiegenen Sicherheitsanforderungen baulich Rechnung und ist ein wesentlicher Bestandteil der Gesamtsanierung.[^1] Ein interdisziplinärer Realisierungswettbewerb, der 2020 vom BBR durchgeführt wurde, fand für die Gestaltung des zentralen Eingangsbereichs von Schloss Bellevue statt. Die Pläne des siegreichen Architekturbüros Tönies Schroeter Jansen Freie Architekten in Zusammenarbeit mit lad+ Landschaftsarchitektur Diekmann sehen eine Neugestaltung vor, die die sicherheitstechnischen Abläufe der Hauptzufahrt neu organisiert.[^1] Die Planung berücksichtigt einen Besuchereingang, die notwendige Infrastruktur für Post- und Warenanlieferung sowie Abfallentsorgung.[^1]
Das Erscheinungsbild des neuen Wach- und Kontrollgebäudes sowie des neugestalteten Eingangsbereichs unterordnet sich bewusst dem Gartendenkmal und dem Schloss Bellevue, um die historische und landschaftliche Integrität des Ensembles zu wahren.[^1] Die maximale Höhe der neuen Gebäude ist auf zwei Vollgeschosse beschränkt, wodurch sie gegenüber dem Schloss deutlich zurücktreten und die historische Silhouette des Denkmalschutzes nicht beeinträchtigen.[^1] Die Neugestaltung der Außenanlagen, die als eingetragenes Gartendenkmal Schutz genießen, erfolgt in enger Abstimmung mit denkmalpflegerischen Gesichtspunkten und der landschaftsplanerischen Konzeption des Wettbewerbs.[^1]
Interimsbau und Projektabwicklung: Räumliche Verlegung während der Generalsanierung
Die Durchführung der Generalsanierung macht eine vorübergehende Verlegung der Belegschaft des Bundespräsidialamtes in einen Interimsbau notwendig. Das Bundespräsidialamt hatte zunächst verschiedene Ausweichstandorte, insbesondere bestehende Büroimmobilien in Berlin, geprüft. Aufgrund der besonders hohen Sicherheitsanforderungen einer Regierungsbehörde wurde jedoch beschlossen, einen neuen, speziell für die Bedürfnisse des Amtes konzipierten Neubau im Regierungsviertel zu realisieren.[^2] Dieser Neubau entsteht in der Nähe des Bundeskanzleramtes und wird für einen Zeitraum von fünf Jahren genutzt.[^1][^2]
Der Interimsbau wird in Modulbauweise auf dem Gelände in Alt-Moabit, unweit des Bundeskanzleramtes, erstellt. Die Bauweise in Modulbauweise erlaubt eine außergewöhnlich zügige Errichtung. Das neue Gebäude hat beinahe schon die künftig geplante Gebäudehöhe erreicht und soll nach aktuellem Stand im Sommer 2025 fertiggestellt werden. Die Kosten für diesen Interimsbau werden auf voraussichtlich rund 200 Millionen Euro geschätzt.[^2]
Finanzierung und Zeitplan: Großprojekt mit klaren Meilensteinen
Die umfassende Sanierung und der Interimsbau stellen ein Großprojekt dar, für das erhebliche finanzielle und zeitliche Ressourcen bereitgestellt werden müssen. Der Neubau des Interimsbaus, der von 2022 bis zum Sommer 2025 realisiert wird, wird mit voraussichtlich 200 Millionen Euro veranschlagt. Die detaillierten Kosten für die Sanierung des Schlosses und des Verwaltungsgebäudes werden in den bereitgestellten Quellen nicht genannt. Der Beginn der Hauptbaumaßnahmen ist für 2025, spätestens 2026 geplant, nach dem die Belegschaft in den Interimsbau umgezogen ist.[^2] Die Fertigstellung der gesamten Sanierung und damit die Rückkehr in die historischen Gebäude ist für die Zeit nach dem geplanten Fünfjahreszeitraum des Interimsbaus vorgesehen.[^1]
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz: Weg zur klimaneutralen Bundesliegenschaft
Die Frage der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes spielt bei der Gesamtmaßnahme eine zentrale Rolle. Das erklärte Ziel der kompletten Sanierung ist die Errichtung einer klimaneutralen Bundesliegenschaft. Die Liegenschaft des Bundespräsidialamtes soll im Rahmen der Gesamtmaßnahme ganzheitlich, modern und energetisch nachhaltig optimiert werden.[^1] Die Planung nutzt das gesamte Spektrum des energiesparenden, ressourcenschonenden und umweltverträglichen Bauens und Betreibens von Gebäuden und Freianlagen, um einen möglichst geringen Energiebedarf zu erreichen.[^1] Die energetische Sanierung des Baudenkmals Schloss Bellevue ist dabei ein Schlüsselelement, um die gewünschte Klimaneutralität zu erreichen und den Betrieb des Ensembles auf einen nachhaltigen Sockel zu stellen.[^1] Die Anforderungen der Energieeinsparverordnung, die beim Verwaltungsgebäude auf Modernisierung drängt, werden in die Gesamtstrategie integriert.[^1]
Fazit
Die umfassende Sanierung von Schloss Bellevue und des Bundespräsidialamtes ist ein wegweisendes Projekt, das denkmalschutzrechtliche Bestimmungen und höchste Anforderungen an Nachhaltigkeit, Sicherheit und Funktionalität in Einklang bringt. Die vier Teilbereiche der Maßnahme – Sanierung von Schloss Bellevue, Modernisierung des Verwaltungsgebäudes, Neugestaltung des Eingangsbereichs und der Außenanlagen – bilden ein kohärentes Gesamtkonzept zur Entwicklung einer zukunftstauglichen und klimaneutralen Bundesliegenschaft. Die Realisierung des Projekts, das den Interimsbau mit einbezieht, erfordert eine präzise Planung und Umsetzung über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren und verdeutlicht die Komplexität moderner Großprojekte im Bereich der öffentlichen Hand.