Einleitung
Das Niedernhausener Waldschwimmbad durchläuft derzeit eine der größten Modernisierungsmaßnahmen seiner Geschichte. Mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 6,3 Millionen Euro und Fördermitteln von etwa 1,2 Millionen Euro des Landes Hessen wird die beliebte Freizeiteinrichtung grundlegend saniert und für die Zukunft fit gemacht. Das Vorhaben, das bereits 2021 begann, umfasst nicht nur die Beseitigung bestehender Schäden an den Beckenköpfen, sondern auch eine umfassende Modernisierung mit Fokus auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit.
Die Sanierung wurde notwendig, da die Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken im Bereich der Beckenköpfe schwer beschädigt waren und hohe Wasser- und Energieverluste verursachten. Mit bis zu 80.000 Besuchenden jährlich ist das Waldschwimmbad ein wichtiger Identifikationspunkt für die 14.800 Einwohner zählende Gemeinde und ein unverzichtbarer Bestandteil der regionalen Freizeitinfrastruktur.
Ausgangslage und Notwendigkeit der Sanierung
Die Ausgangssituation für die umfassende Modernisierung war geprägt von erheblichen technischen Mängeln und daraus resultierenden Betriebsproblemen. Die Beckenköpfe des Schwimmer- und Nichtschwimmerbeckens wiesen derart gravierende Beschädigungen auf, dass selbst geringfügige Ausbesserungsarbeiten das Eindringen von Wasser in den Beckenkörper nicht mehr verhindern konnten.
Diese Wasserverluste führten nicht nur zu erhöhten Betriebskosten, sondern auch zu erheblichen Energieeinsparungen. Die Schäden betrafen sowohl die statische Integrität als auch die Dichtigkeit der Beckenkonstruktion, sodass eine umfassende Sanierung unausweichlich wurde. Ohne diese Maßnahme hätte die langfristige Aufrechterhaltung des Badebetriebs nicht mehr gewährleistet werden können.
Die hohe Besucherzahl von bis zu 80.000 Menschen jährlich unterstreicht die Bedeutung dieser Einrichtung für die lokale Gemeinschaft. Das Waldschwimmbad dient nicht nur der Erholung, sondern wird auch intensiv für Schul- und Vereinssport genutzt. Ein örtlicher Förderverein setzt sich aktiv für den Erhalt der Anlage ein, was die große emotionale und identitätsstiftende Bedeutung für die Bevölkerung verdeutlicht.
Projektumfang und technische Maßnahmen
Die Sanierung des Niedernhausener Waldschwimmbads umfasst ein breites Spektrum technischer Maßnahmen, die sowohl die Bausubstanz als auch die technische Ausstattung der Anlage betreffen. Der Schwerpunkt liegt auf der vollständigen Erneuerung der Beckenauskleidung mit hochwertigem Edelstahl sowie der Modernisierung der gesamten Ver- und Entsorgungstechnik.
Die Installation der neuen Beckenauskleidung aus Edelstahl stellt einen der zentralen Aspekte der Sanierung dar. Diese Arbeiten erfordern den Einsatz spezieller Kräne und technischer Ausrüstung, da die Verlegung der Edelstahlpanels präzise geplant und ausgeführt werden muss. Die Vorbereitung der Becken für die Aufnahme der neuen Auskleidung umfasst dabei das Anbringen von Spezialschnitten in die bestehenden Beckenumrandungen mit speziellem Gerät.
Parallel zu den Beckenarbeiten werden die Umgebungen der Schwimmbecken grundlegend neugestaltet. Dies beinhaltet den Abriss der alten Sitzstufen und deren Ersatz durch moderne, funktionale Sitz- und Liegegelegenheiten. Die Neugestaltung erstreckt sich auch auf die Beckenumgebungen, die neu gepflastert werden, um eine ansprechende und funktionale Optik zu gewährleisten.
Ver- und Entsorgungstechnik
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der umfassenden Erneuerung der Ver- und Entsorgungstechnik. Dabei werden alle Leitungen um die Becken und in Richtung des Technikgebäudes neu verlegt. Die Rohrtrassen werden dabei bis tief in die Erde hinein reichen und diverse Rohrleitungen transportieren, die im späteren Betrieb Wasser dorthin transportieren, wo immer es im Bad benötigt wird.
Die Verlegung der Rohre erfolgt in speziellen Sandpackungen, die rund um die Rohre verdichtet werden, bevor die Trasse am Ende wieder zugeschüttet wird. Diese Methode gewährleistet eine langfristige Stabilität und schützt die Leitungen vor Beschädigungen. Trotz Frostperioden im Januar und Februar, die die Arbeiten vorübergehend "ausgebremst" hatten, konnten diese Maßnahmen termingerecht und zügig durchgeführt werden.
Technikgebäude und Infrastruktur
Die Modernisierung erstreckt sich auch auf das Technikgebäude der Anlage. Dazu gehören die Sanierung des Dachs sowie der Austausch aller Fenster und Türen. Diese Maßnahmen tragen zur Verbesserung der Energieeffizienz des gesamten Gebäudekomplexes bei und reduzieren langfristig die Betriebskosten.
Malerarbeiten im Technikgebäude vervollständigen die Erneuerung der Infrastruktur. Der bisherige Aufsichtsturm wurde im Zuge der Abriss- und Rückbauarbeiten entfernt und wird durch einen Neubau ersetzt, der modernen Anforderungen entspricht und eine bessere Überwachung des Badebetriebs ermöglicht.
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
Ein zentrales Ziel der Sanierung ist die erhebliche Verbesserung der Energieeffizienz und die Reduzierung der CO2-Emissionen. Durch den Einsatz neuester Technik soll nicht nur der Energieverbrauch optimiert, sondern auch ein Beitrag zu den Klimaschutzzielen des Bundes geleistet werden.
Besonders innovativ ist die geplante Photovoltaik-Anlage, die über den Sitzstufen installiert werden soll. Diese Anlage wird in einem zweiten Ausbauschritt bis 2026 realisiert und wird zusätzlich eine Überdachung über den Sitzstufen spenden, die sowohl Schatten als auch Schutz vor Witterungseinflüssen bietet.
Durch die Photovoltaik-Anlage wird es der Gemeinde in Zukunft ermöglicht, den größten Teil der zum Betrieb des Schwimmbades benötigten Energie vor Ort selbst zu erzeugen. Zusammen mit dem Einsatz moderner, leistungsstarker Pumpen bedeutet dies einen erheblichen Rückgang bei den Betriebskosten. Diese Kombination aus erneuerbarer Energieerzeugung und effizienter Technik stellt einen zukunftsweisenden Ansatz für nachhaltige Freizeitinfrastruktur dar.
Die Modernisierung der Badwassertechnik ist bereits weit fortgeschritten. Die Rohrleitungen sind fertig verlegt und die Leitungstrassen wieder verfüllt. Diese Maßnahmen tragen wesentlich zur Effizienzsteigerung bei, da veraltete und ineffiziente Leitungsnetze häufig zu erheblichen Energieverlusten führen.
Barrierefreiheit und Inklusion
Ein wichtiger Aspekt der Modernisierung ist die Schaffung von Barrierefreiheit für alle Teile der Bevölkerung. Das Waldschwimmbad soll so umgestaltet werden, dass Menschen mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen gleichberechtigt an den Angeboten teilhaben können. Diese Maßnahme unterstreicht den Anspruch der Gemeinde, eine inklusive Freizeitinfrastruktur zu schaffen, die allen Bürgerinnen und Bürgern zugänglich ist.
Die barrierefreie Erschließung umfasst nicht nur physische Zugänge und sanitäre Anlagen, sondern auch die Anpassung von Kommunikations- und Informationssystemen, um eine umfassende Teilhabe zu gewährleisten.
Bauablauf und Zeitplan
Der Bauablauf der Sanierung folgt einem strukturierten Zeitplan, der verschiedene Bauphasen systematisch aufeinander aufbaut. Die Arbeiten begannen mit vorbereitenden Maßnahmen, die in der verkürzten Badesaison 2024 termingerecht durchgeführt werden konnten. Dabei wurden die Baustelle eingerichtet, Zufahrten für Baumaschinen geschaffen und eine Reihe kleinerer, vorbereitender Arbeiten erledigt.
Der erste Ausbauschritt konzentrierte sich auf die Abbruch- und Rückbauarbeiten. Dazu gehören der Abriss der alten Beckenköpfe, der bisherigen Sitz- und Liegestufen sowie des Aufsichtsturms. Diese Arbeiten schufen die Grundlage für die nachfolgenden Baumaßnahmen und erforderten den Einsatz schwerer Baumaschinen.
Parallel zu den Rückbauarbeiten wurden die neuen Versorgungsleitungen um die Becken verlegt und die Beckenumgebungen für die neue Gestaltung vorbereitet. Die Verlegung der ersten von zwei Spezialkränen für die Installation der Beckenauskleidung stellte einen wichtigen Meilenstein dar und erforderte die Einrichtung einer Baustraße auf dem Schwimmbadgelände.
Fortschritt bis Oktober 2025
Stand Anfang Oktober 2025 ist die Sanierung bereits weit fortgeschritten. Große Teile der Beckenauskleidungen aus Edelstahl sind eingebaut, was einen erheblichen Fortschritt bei der Wiederherstellung der Badequalität bedeutet. Der Neubau der Beckenumgänge ist im Gang, wobei am Nichtschwimmerbecken die neuen Sitzstufen fast fertiggestellt sind.
Die Arbeiten im Bereich der Badwassertechnik sind ebenfalls fast abgeschlossen. Die Rohrleitungen sind verlegt und die Leitungstrassen wieder verfüllt, was die Grundlage für einen effizienten Badebetrieb schafft. Noch laufend sind die Elektrikerarbeiten, insbesondere die Verlegung der für die Badtechnik notwendigen Stromleitungen. Hier steht auch noch die Installation einer neuen Lautsprecheranlage an.
Verbleibende Arbeiten
Noch ausstehende Maßnahmen umfassen die Wiederherstellung der Wege- und Rasenflächen, Blitzschutzarbeiten, die Errichtung der Photovoltaikanlage und die Installation einer neuen Toranlage. Diese Arbeiten werden sukzessive abgeschlossen, um eine termingerechte Wiedereröffnung zu gewährleisten.
Eine Öffnung des Bades noch in 2025, selbst zu Testzwecken, erscheint aufgrund des Baufortschritts und der noch ausstehenden Arbeiten äußerst unwahrscheinlich. Stattdessen wird die Wiedereröffnung für den Sommer 2026 angestrebt, was gleichzeitig mit dem 50-jährigen Bestehen des Waldschwimmbads zusammenfällt.
Finanzierung und Förderung
Die Finanzierung der umfassenden Sanierung erfolgt durch ein Bündel verschiedener Finanzierungsquellen. Die Gemeinde Niedernhausen investiert insgesamt 6,3 Millionen Euro in das Projekt, wobei rund 1,2 Millionen Euro aus Fördermitteln des Landes Hessen stammen. Diese Förderung unterstreicht die regionale Bedeutung des Projekts und die Unterstützung durch übergeordnete politische Ebenen.
Laut einer anderen Quelle liegen die Gesamtkosten bei 3.481.806,48 Euro, aufgeteilt in 700.000 Euro Bundesförderung, 2.259.806,48 Euro Eigenmittel und 522.000 Euro Drittmittel. Diese Diskrepanz in den Finanzdaten deutet auf unterschiedliche Projektphasen oder eine Aufteilung nach verschiedenen Gewerken hin und macht eine genaue Abstimmung der Finanzplanung erforderlich.
Die Vielfalt der Finanzierungsquellen zeigt die breite Unterstützung für das Projekt auf kommunaler, Landes- und Bundesebene. Dies unterstreicht nicht nur die lokale Bedeutung des Waldschwimmbads, sondern auch seine überregionale Relevanz als Vorzeigeprojekt für nachhaltige Freizeitinfrastruktur.
Ausblick und Perspektiven
Die Sanierung des Niedernhausener Waldschwimmbads stellt einen zukunftsweisenden Ansatz für die Modernisierung kommunaler Freizeiteinrichtungen dar. Mit der Kombination aus traditioneller Badekultur und modernster Technik wird eine Infrastruktur geschaffen, die sowohl den aktuellen Anforderungen entspricht als auch zukunftsfähig gestaltet ist.
Die geplante Photovoltaik-Anlage über den Sitzstufen wird nicht nur die Betriebskosten erheblich reduzieren, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Zusammen mit den modernen Pumpen und der optimierten Wassertechnik entsteht ein energieeffizientes System, das als Modell für ähnliche Projekte dienen kann.
Die barrierefreie Gestaltung trägt zu einer inklusiven Gesellschaft bei und stellt sicher, dass alle Bevölkerungsgruppen Zugang zu hochwertigen Freizeitangeboten haben. Dies ist besonders wichtig in einer Zeit, in der der barrierefreie Zugang zu öffentlichen Einrichtungen zunehmend als selbstverständlich angesehen wird.
Fazit
Die umfassende Sanierung des Niedernhausener Waldschwimmbads verdeutlicht, wie kommunale Infrastrukturprojekte erfolgreich Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit und Wirtschaftlichkeit vereinen können. Mit der Investition von 6,3 Millionen Euro und Fördermitteln von 1,2 Millionen Euro des Landes Hessen wird eine zukunftsfähige Freizeitinfrastruktur geschaffen, die den Bedürfnissen der 14.800 Einwohner dienen wird.
Die Kombination aus traditioneller Badekultur im Waldambiente mit modernster Technik, erneuerbarer Energie und inklusiver Gestaltung macht das Projekt zu einem Vorzeigebeispiel für nachhaltige Kommunalplanung. Die Wiedereröffnung im Sommer 2026, coinciding mit dem 50-jährigen Bestehen der Anlage, markiert den Beginn eines neuen Kapitels für das Niedernhausener Waldschwimmbad.
Die erwarteten Energieeinsparungen durch die Photovoltaik-Anlage und die modernen Pumpensysteme werden nicht nur die Betriebskosten reduzieren, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele leisten. Damit wird das Waldschwimmbad nicht nur als Freizeiteinrichtung, sondern auch als nachhaltiges Energieerzeugungsprojekt einen wichtigen Platz in der kommunalen Infrastruktur einnehmen.