Die Sanierung der Alsterschwimmhalle Hamburg: Ein Meisterwerk der Denkmalpflege und des nachhaltigen Bauens

Die Alsterschwimmhalle in Hamburg, liebevoll "Schwimmoper" genannt, ist mehr als nur ein Schwimmbad. Sie ist ein ikonisches Beispiel der Hamburger Nachkriegsmoderne, ein Wahrzeichen der Stadt und ein technisches Meisterwerk. Die umfassende Sanierung, der Umbau und die Erweiterung des Gebäudes zwischen 2020 und 2023 stellen einen der bedeutendsten denkmalgerechten Bauvorhaben in der Hansestadt dar. Das Projekt, das ein Gesamtvolumen von rund 80 Millionen Euro umfasste, bewahrte nicht nur ein kostbares architektonisches Erbe, sondern brachte die Anlage auch in Einklang mit modernen Standards für Sport, Freizeit, Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Herausforderungen der Sanierung, die angewandten technischen Lösungen und die Ergebnisse eines Vorhabens, das als Vorbild für die Verbindung von Denkmalschutz und zukunftsfähiger Infrastruktur dient.

Der Weg zu einer denkmalgerechten Sanierung

Die Sanierung der Alsterschwimmhalle war von Beginn an eine Gratwanderung zwischen dem Erhalt des historisch und architektonisch bedeutsamen Bestands und der Notwendigkeit, den Anforderungen eines modernen Sport- und Freizeitbetriebs gerecht zu werden. Das Gebäude, entworfen von den Architekten Horst Niessen, Rolf Störmer, Walter Neuhäusser und dem Ingenieur Jörg Schlaich, beeindruckt durch sein markantes Dach aus zwei hyperbolischen Paraboloidschalen, die von drei Stützfüßen getragen werden. Diese kühn gestaltete Konstruktion, die die Hamburger an die Oper in Sydney erinnerte, war in den 1970er Jahren visionär und prägt bis heute das Erscheinungsbild der Schwimmhalle.

Eine zentrale Leitlinie des gesamten Projekts war es, diese "visionäre Geste" der 1970er Jahre zu bewahren. "Unter dem Dach musste fast alles verändert werden, um dessen visionäre Geste aus den 1970er-Jahren unverändert erhalten zu können", wie es in den Projektunterlagen heißt. Dies bedeutete, dass sämtliche Eingriffe in die Gebäudesubstanz im Einklang mit den Auflagen des Denkmalschutzes stehen mussten. In enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden wurden daher innovative technische Lösungen entwickelt, die es ermöglichten, die historische Struktur zu schützen und gleichzeitig moderne Funktionalität zu integrieren.

Umbau und Erweiterung unter denkmalpflegerischen Auflagen

Der Umbau und die Erweiterung der Alsterschwimmhalle waren darauf ausgerichtet, die Anlage nicht nur zu sanieren, sondern auch ihren Nutzen und ihre Attraktivität für kommende Generationen zu steigern. Dabei wurdepenruhten alle Planungen auf der Prämisse, das Charakteristische des Bestands, insbesondere die einzigartige Dach- und Fassadenkonstruktion, zu erhalten.

Das bestehende 50-Meter-Becken sowie das ursprünglich doppelte und im Zuge des Umbaus wieder vereinte Lehrbecken für Schulschwimmen und Schwimmunterricht bildeten die Basis der Neukonzeption. Die Überplanung ging jedoch weit darüber hinaus. Unter dem erhaltenen Dach entstand ein völlig neues, zusammenhängendes und modernisiertes Raumprogramm. Die Wasserfläche wurde deutlich erweitert. Wo zuvor rund 1.600 Quadratmeter Wasserfläche zur Verfügung standen, bietet die neue Anlage nun über 2.000 Quadratmeter – ein Zuwachs von mehr als einem Viertel. Dieser Zugewinn wurde durch die Schaffung zusätzlicher Becken realisiert: eine neue Schwimmhalle mit sechs 25-Meter-Bahnen, ein separates Sprungbecken und ein zusätzliches Kursbecken für Gesundheits- und Präventionsangebote. Diese Erweiterung ermöglicht es, das Angebot für sportliches Schwimmen, Gesundheitssport, Schwimmunterricht und Freizeitgestaltung in völlig neue Dimensionen zu heben.

Auch der Trockenbereich wurde grundlegend überarbeitet. Das bisherige Fitnessangebot wurde auf rund 1.100 Quadratmeter für Gerätetraining ausgebaut und durch ein umfangreiches neues Kursangebot ergänzt. Die Planer schufen damit nicht nur mehr Kapazitäten, sondern auch ein diverseres Spektrum an Angeboten, von Wasserfitness über gezieltes Schwimmtraining bis hin zu Entspannungskursen. Eine vollständig neukonzeptionierte Saunalandschaft, die sowohl als separate Einheit als auch in den Schwimmbereich integriert wurde, rundet das erweiterte Angebot ab und bietet den Besuchern ein ganzheitliches Erlebnis.

Technische Herausforderungen und Lösungen

Die Sanierung der Alsterschwimmhalle war ein Paradebeispiel für die Lösung komplexer ingenieurstechnischer Probleme im Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz und Modernisierung. Die spezifischen Anforderungen eines Schwimmbads – die chemisch aggressive Atmosphäre durch Chlor, die hohe Luftfeuchtigkeit und die warmen Temperaturen – stellten die Planer vor besondere Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf den Erhalt der historischen Dach- und Fassadenkonstruktion.

Eine der größten Herausforderungen war der Schutz des markanten Betonschalendachs. Die Wahl fiel auf die Implementierung eines Kathodischen-Korrosionsschutz-Systems (KKS). Dieses System nutzt Schwachstrom, um das Dach aktiv vor Korrosionsschäden zu schützen, die durch die Schwimmbadautophagie, also die Combination aus Chlor, hoher Luftfeuchtigkeit und warmen Temperaturen, verursacht werden würden. Ohne diesen Schutz hätte die aggressive Umgebung das historische Dach binnen kurzer Zeit irreparabel geschädigt.

Eine weitere technische Herausforderung bestand in der Erhaltung der ursprünglichen Glasfassade mit ihren charakteristischen Aluminium-Fachwerkstützen. Der Wunsch, die originalen Stützen zu bewahren, kollidierte mit den Anforderungen moderner, energieeffizienter Verglasung. Eine übliche Dreifachverglasung, die heute Standard für solche Gebäude ist, hätte das Gewicht der Konstruktion drastisch erhöht und die historischen Stützen überlastet. Die Projektpartner entwickelten daher eine maßgeschneiderte Lösung: Statt der schweren Dreifachverglasung wurde eine leichtere, aber dennoch moderne Zweifachverglasung eingesetzt. Diese Anpassung war essentiell, um die Statik der Aluminium-Fachwerkstützen nicht zu kompromittieren.

Um die Toleranzen zwischen der beweglichen Dachkonstruktion und der Fassade zu überbrücken, wurde ein innovatives Detail entwickelt. Gemeinsam mit dem Ingenieurbüro schlaich bergermann partner (sbp) und der Implenia Fassadentechnik entwarf gmp ein zulassungsfähiges Teleskop-Kolben-Auflager. Dieses bewegliche Auflager fungiert als Puffer zwischen Fassade und Dach und gleicht die dynamischen Schwingungen der Dachflächen aus. Ohne diese technische Finesse wäre die Fassade durch die Bewegungen des Daches beschädigt worden.

Neben der Gebäudehülle galt es auch die Haustechnik zu modernisieren. Der Technikkeller der Halle beherbergt seit jeher die komplexe Wasseraufbereitungsanlage für die verschiedenen Becken. Das System besteht aus Schwallwasserbehältern, Filterbehältern, Pumpen, Rohrleitungen und Wärmetauschern, die die Wasserqualität und Temperatur für insgesamt sechs Schwimmbecken regulieren. Besonders hervorzuheben ist die Trinkwassererwärmung für das gesamte Schwimmbad, die strategisch unterhalb des Sprungbeckens positioniert wurde. Diese Verlegung ermöglicht eine effiziente Versorgung aller Bereiche.

Modernisierung für die Zukunft

Die Sanierung der Alsterschwimmhalle war nicht nur ein Akt der Denkmalpflege, sondern auch ein Schritt in die Zukunft. Die Modernisierung folgte konsequent dem Ziel, die Anlage zu einem barrierefreien, energieeffizienten und zukunftsfähigen Ort für Sport und Freizeit zu entwickeln.

Ein wichtiger Pfeiler dieser Modernisierung war die umfassende Barrierefreiheit. Der bisherige Zugang, der zwar markant war, jedoch nicht barrierefrei, wurde durch einen neuen, vollständig zugänglichen Zugang ersetzt. Die Anlage wurde mit Aufzügen und Rampen ausgestattet, die es Menschen mit Beeinträchtigungen ermöglichen, alle Bereiche der Schwimmhalle zu erreichen. Als szczególny detal zaznaczenia durch ein taktylne Leitsystem, das blinden und sehbehinderten Menschen die Orientierung erleichtert. Auch die Umkleide- und Sanitäranlagen wurden barrierefrei gestaltet.

Ein weiteres zentrales Ziel war die Erhöhung der Energieeffizienz. Die Halle, die seit den 1970er Jahren nur einfach verglast war, erhielt eine neue, wärmeisolierverglaste Fassade. Diese Maßnahme allein führt zu einer erheblichen Reduzierung des Wärmeverlusts im Winter und des Wärmeeintrags im Sommer. Ergänzt wird diese Maßnahme durch eine computergesteuerte Haus- und Anlagentechnik, die eine präzise Steuerung der Klima- und Beleuchtungsbedingungen ermöglicht. Ein besonders innovativer Aspekt ist die neue Wassertechnik, die Wärme- und Energie effizient zurückgewinnt und in den Energiekreislauf des Gebäudes einspeist. Dank dieser modernen Technologien wird die Alsterschwimmhalle trotz der deutlich erweiterten Angebote ihren Wärmebedarf mindestens konstant halten oder sogar senken. Stadtrat Dr. Carsten Brosda unterstrich die Bedeutung dieses Aspekts: "Mit einer energieeffizienten Anlagensteuerung, Gründächern, Wärmerückgewinnung und Isolierverglasung wird die Alsterschwimmhalle zudem eine vergleichsweise klimaschonende Energiebilanz haben."

Das Projekt war auch ein wesentlicher Bestandteil des Programms "Active City". Die neue Alsterschwimmhalle wurde wettkampfgerecht für regionale Meetings und Wettkämpfe ausgestattet. Die Tribünen können je nach Veranstaltungsart flexibel und temporär installiert werden, was die Nutzung der Anlage für unterschiedlichste Events ermöglicht.

Fazit

Die Wiedereröffnung der Alsterschwimmhalle im November 2023 markierte das Ende eines der ambitioniertesten und komplexesten Bauprojekte Hamburgs der letzten Jahre. Das Projekt demonstriert exemplarisch, wie Denkmalschutz und zukunftsorientierte Stadtentwicklung miteinander in Einklang gebracht werden können. Durch den Einsatz innovativer technischer Lösungen, wie dem Kathodischen-Korrosionsschutz-System, der maßgeschneiderten Zweifachverglasung und dem Teleskop-Kolben-Auflager, gelang es, ein einzigartiges Bauwerk der Nachkriegsmoderne zu bewahren und für kommende Generationen zu ertüchtigen. Die umfassende Erweiterung der Wasser- und Trockenflächen, die Verbesserung der Barrierefreiheit und die konsequente Ausrichtung auf Energieeffizienz machen die Alsterschwimmhalle zu einem modernen, inklusiven und nachhaltigen Sport- und Freizeitort. Die Alsterschwimmhalle ist und bleibt nicht nur ein Hamburger Wahrzeichen, sondern auch ein Leuchtturmprojekt für die Verbindung von Architekturgeschichte und modernem, verantwortlichem Bauen.

Quellen

  1. Neubau Umbau der Alsterschwimmhalle in Hamburg
  2. Alsterschwimmhalle - Hamburg Nord
  3. Die Hamburger Schwimmoper öffnet wieder – Alsterschwimmhalle wurde umfassend saniert, umgebaut und erweitert

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