Der Aquazoo Löbbecke Museum in Düsseldorf ist nicht nur ein Besuchermagnet, sondern auch ein Paradebeispiel für die Herausforderungen, die mit komplexen Bauprojekten in der öffentlichen Hand einhergehen können. Ein geplanter "XXL-Ausbau" der Einrichtung, der auf eine Verdreifachung der Fläche abzielt, steht im Spannungsfeld zwischen den Wünschen der Besucher und der prekären Haushaltslage der Stadt. Diese Situation verschärft sich durch die Historie des Aquazoos: Eine umfangreiche Sanierung vor nicht einmal einem Jahrzehnt, die von massiven Pannen, Kostensteigerungen und Verzögerungen geprägt war, hat bereits große Summen verschlungen. Nun sind erneut kostspielige Instandsetzungsarbeiten notwendig, die die Diskussion um die Finanzierbarkeit der geplanten Erweiterung weiter anheizen.
Die Grundlage für den nun debattierten "XXL-Ausbau" bildet eine Machbarkeitsstudie, die bereits im vergangenen November der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Politik reagierte darauf grundsätzlich positiv, argumentiert sie doch mit den Vorteilen eines erweiterten Aquazoos: mehr Platz für Tiere und Sammlung, eine eigene Gastronomie sowie zusätzliche Sanitäranlagen. Angesichts von rund 500.000 Besuchern pro Jahr scheint der Bedarf an einer größeren und moderneren Infrastruktur auf der Hand zu liegen. Doch genau hier setzt die Kritik des Bunds der Steuerzahler NRW an, der in der Juli/August-Ausgabe seiner Mitgliederzeitschrift "Die NRWNachrichten" vor dem geplanten Vorhaben warnt.
Die Sanierung 2017: Ein Großprojekt mit massiven Problemen
Der Bund der Steuerzahler, der öffentliche Geldverschwendung aufdeckt, führt die Skepsis gegenüber einer sofortigen Erweiterung direkt auf die jüngste Vergangenheit zurück. Das "Schwarzbuch" des Vereins, in dem jährlich Fälle von Steuergeldverschwendung dokumentiert werden, verzeichnete den Aquazoo bereits in den Jahren 2016, 2017 und 2023. Die nun angeprangerte Sanierung, die zwischen 2013 und 2017 durchgeführt wurde, dient dabei als warnendes Beispiel.
Die Liste der Pannen während der vierjährigen Generalüberholung ist lang und gravierend. Sie reichten von dem Absterben von Pflanzen und dem Verlust von Wasser in den Becken der Tiere bis hin zu einer schier endlosen Kette von Kostensteigerungen und Terminverschiebungen. Was als Projekt mit einem ursprünglich budgetierten Volumen von 13 Millionen Euro startete, endete schließlich mit Baukosten von rund 20 Millionen Euro – ein Plus von über 50%. Der Eröffnungstermin, der ursprünglich für das Jahr 2015 geplant war, musste gleich mehrfach nach hinten verschoben werden. Erst im Herbst 2017, nach einer verlängerten Ausstellungs- und Planungsphase, öffnete der sanierte Aquazoo wieder seine Türen. Die einstige Sanierung ist damit Synonym für schlechte Planung, mangelnde Qualitätskontrolle und die daraus resultierenden Folgen für Steuergelder.
Auswirkungen und Folgekosten: Die Sanierung 2024
Die Probleme der Sanierung von 2017 holten den Aquazoo bereits nach nur wenigen Jahren wieder ein. Nur sechs Jahre nach der Wiedereröffnung mussten erneut umfangreiche Sanierungsmaßnahmen ergriffen werden. Auslöser war diesmal ein gravierender Wasserschaden im Obergeschoss, der die komplette Erneuerung des Bodens erforderlich machte. Dass dieser Schaden bereits kurz nach den Baumaßnahmen 2017 aufgetreten war, lässt die damalige Qualität der Arbeiten in einem besonders kritischen Licht erscheinen.
Die Sanierung, die sich über den Zeitraum von Oktober 2023 bis Sommer 2024 erstreckte, war mit einem erheblichen logistischen Aufwand verbunden. Für die Dauer der Arbeiten mussten mehrere Tiere innerhalb des Aquazoo-Geländes in Spezialcontainer umziehen. Besonders aufwendig gestaltete sich der Transport für zwei giftige Arten: Krustenechsen und Hornvipern wurden kurzerhand nach München verlegt, wo sie für die Zeit der Baumaßnahmen eine neue Bleibe fanden. Auch der Seminarraum des Museums war nur eingeschränkt nutzbar, was sich negativ auf Bildungsprogramme für Schulklassen und geplante Vorträge auswirkte. Die Kosten für die Teilsanierung summierten sich auf rund 770.000 Euro. Besonders ins Gewicht fiel dabei die notwendige Sanierung der Fußbodenheizung, die allein über eine halbe Million Euro verschlang. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der nun behobene Wasserschaden bereits bekannt und unmittelbar nach der Baumaßnahme 2017 aufgetreten war. Die Stadt Düsseldorf blieb am Ende auf den Kosten für diese Nachbesserungen sitzen.
Nur kurze Zeit später, im Jahr 2025, stehen erneut Teilsanierungsarbeiten an. Diesmal sind die Terrarien in den Themenbuchten R bis V betroffen. Um Platz für die baulichen Maßnahmen zu schaffen, müssen diese von Montag, den 14. Juli 2025, an temporär verdeckt werden. Hierzu zählen unter anderem die Gehege der Nacktmulle, Krokodilschwanzechsen und der Titicaca-Riesenfrösche. Der Aquazoo hat auf diese Situation reagiert, indem er die Sichtschutzwände als Raum für kleine Sonderausstellungen nutzt. Der Rest des Hauses bleibt für Besucher jedoch uneingeschränkt zugänglich. Die umfassenden Renovierungsarbeiten von 2024 und die erneuten Teilsanierungen von 2025 belegen eindrucksvoll, dass die Qualität der durchgeführten Arbeiten langfristig nicht den erforderlichen Standards entsprach.
XXL-Erweiterung und Haushaltslage: Eine umstrittene Zukunftsvision
Der Vorschlag für eine Verdreifachung der Fläche des Aquazoos ist vor diesem Hintergrund besonders strittig. Der Bund der Steuerzahler führt zur Untermauerung seiner Kritik konkrete Zahlen aus der städtischen Haushaltsplanung an. Im Jahr 2013 erwirtschaftete Düsseldorf noch einen Überschuss von mehr als 37 Millionen Euro. Bereits ein Jahrzehnt später, im Jahr 2025, droht der Stadt jedoch ein deutliches Minus von knapp 300 Millionen Euro. Neben dem sinkenden Eigenkapital bereiten vor allem die steigenden Zinsbelastung und die hohe Verschuldung Sorgen. In einer solch angespannten Haushaltslage, so die Argumentation des Vereins, müsse Düsseldorf Prioritäten setzen. Die Lösung der Platzprobleme im Aquazoo sollte nicht durch einen kostspieligen Ausbau erfolgen, sondern durch andere, kostengünstigere Maßnahmen. Der verantwortungslose Umgang mit Steuergeldern in der Vergangenheit, gepaart mit den dramatischen Verschlechterungen der städtischen Finanzen, mache einen "XXL-Ausbau" schlichtweg nicht vertretbar. Der Bund der Steuerzahler betont, dass der Rat der Stadt sich bereits 2013 bewusst gegen eine Erweiterung des Aquazoos entschieden hatte – ein Entschluss, der aus finanziellen Gründen getroffen wurde und heute umso aktueller erscheint.
Lektionen für Bauprojekte: Planung, Qualität und Kostenkontrolle
Die Historie des Aquazoos liefert wichtige Lehren für alle Akteure im Bereich Bau und Renovierung – von privaten Bauherren bis hin zu staatlichen Institutionen. Die zentrale Erkenntnis lautet: Eine sorgfältige, vorausschauende Planung und die Sicherstellung einer hohen Qualität bei der Ausführung sind die wirksamsten Mittel, um langfristige Folgekosten und image-schädigende Pannen zu vermeiden. Die massive Kostensteigerung und die Verzögerungen bei der Sanierung 2017 zeigen, wie eine unzureichende Projektsteuerung und mangelnde Qualitätskontrollen die ursprünglich veranschlagten Budgets und Zeitpläne sprengen können. Die daraus resultierenden Folgen – von Tierschäden bis zu überfälligen Rechnungen – trafen nicht nur den städtischen Haushalt, sondern minderten auch die Attraktivität der Einrichtung. Die Notwendigkeit einer erneuten Sanierung nur sechs Jahre später unterstreicht, dass Nachlässigkeit bei der Bauqualität langfristig betrachtet immer teurer ist als eine sorgfältige und kostenintensivere Arbeit am Anfang. Die aktuelle Diskussion um den "XXL-Ausbau" demonstriert zudem, wie wichtig eine solide, an die Realität angepasste Finanzplanung ist. Die Planung eines neuen, großen Bauprojekts, während die finanzielle Lage einer Stadt dramatisch schlechter wird, birgt das Risiko, dass wichtige Zukunftsaufgaben vernachlässigt werden und Steuergelder suboptimal eingesetzt werden.
Fazit
Der Aquazoo Düsseldorf steht symbolisch für die Risiken und Herausforderungen von Großbauprojekten. Die Historie der vergangenen Sanierung mit ihren massiven Pannen, Kostensteigerungen und Verzögerungen hat nicht nur Steuergelder verschlungen, sondern auch die aktuelle Ausgangslage für die nun diskutierte Erweiterung maßgeblich geprägt. Die erneuten Sanierungen nach nur wenigen Jahren belegen eindrucksvoll die Konsequenzen einer mangelhaften Bauausführung. In Anbetracht der dramatisch verschlechterten Haushaltslage der Stadt Düsseldorf stellt die geplante Verdreifachung der Fläche des Aquazoos ein umstrittenes Unterfangen dar. Der Bund der Steuerzahler warnt vor diesem "XXL-Ausbau" und fordert eine klare Prioritätensetzung. Die Vergangenheit des Aquazoos liefert klare Lektionen: Qualität, Sorgfalt und eine realistische Finanzplanung sind nicht Luxus, sondern Grundvoraussetzung für den nachhaltigen Erfolg eines Bauprojekts. Ob die Pläne für den Aquazoo unter den gegebenen finanziellen Bedingungen realisiert werden können, bleibt abzuwarten.