Die Basilika St. Martin in Weingarten, ein Wahrzeichen der Region Oberschwaben, befindet sich derzeit mitten in einer umfassenden Sanierung. Das imposante sakrale Bauwerk, das im Jahr 2024 sein 300-jähriges Bestehen feierte, wird seit Mai 2021 schrittweise einer Gesamtinstandsetzung unterzogen. Das Bauprojekt, das in vier Bauabschnitte bis 2028 unterteilt ist, umfasst Arbeiten an der Gebäudehülle, der Raumschale und der hochwertigen Innenausstattung der Basilika.
Hintergrund und Umfang der Sanierung
Die Notwendigkeit für eine umfassende Sanierung der Basilika ergab sich aus dem sanierungsbedürftigen Zustand verschiedener Gebäudeteile. Insbesondere die Deckenfresken von Cosmas Damian Asam im Innenraum der Basilika waren stark restaurierungsbedürftig, während auch die Dach- und Fassadenflächen sowie die veraltete Gebäudetechnik einer umfangreichen Instandsetzung bedurften.
Bereits in den vergangenen 20 Jahren wurden die Türme, die Kuppel und die steinerne Westfassade der Basilika ertüchtigt. Die aktuellen Sanierungsmaßnahmen konzentrieren sich nun auf das Innere des Sakralbaus sowie die verputzten Außenwände.
Um die umfassenden Arbeiten zu bewältigen, wurden sie in vier Bauabschnitte unterteilt, wobei darauf geachtet wurde, dass die Basilika weiterhin für Gottesdienste genutzt werden kann. Diese Bauabschnitte sind zeitlich wie folgt gegliedert:
Bauabschnitt (2021 – Ende 2022): Einrüsten der ersten zwei Joche im Innenraum und Beginn der Restaurierung der Deckenfresken. Parallel dazu erfolgte ab 2022 das Einrüsten der Fassadenfläche und die Instandsetzung der Fassade sowie des Dachs.
Bauabschnitt (2023 – Ende 2024): Restaurierung der verbliebenen Joche und der Fassade des Langhauses.
Bauabschnitt (Herbst 2024 – Sommer 2026): Restaurierung der Seitenaltäre und des Chorraums.
Bauabschnitt (Herbst 2026 – Sommer 2028): Abschließende Arbeiten zur Gesamtinstandsetzung.
Die Verantwortung für dieses Großprojekt liegt beim Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Amt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg, in enger Abstimmung mit der Kirchengemeinde St. Martin und der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Erfolgreich abgeschlossene Restaurierungsarbeiten
Im ersten Bauabschnitt, der im Dezember 2022 erfolgreich abgeschlossen wurde, standen die Restaurierung des Innenraums im Fokus. In zwei Langhausjochen der Basilika wurden insgesamt 14 Deckenfresken mit einer Gesamtfläche von circa 350 m² restauriert. Zudem wurden die Raumschale und der Deckenstuck gereinigt, und die Kanzel erfuhr eine umfangreiche Restaurierung. Gleiches galt für die Stuckmarmor-Altäre mit den Altarblättern in diesen Bereichen.
An diesen Arbeiten waren insgesamt 22 Restauratoren beteiligt. Dabei zeigte sich, dass sowohl die Kanzel als auch die Stuckmarmor-Altäre durch die Nutzung und frühere Überarbeitungen stark mit vergilbten Oberflächenauflagen versehen waren. Alle Oberflächen wiesen zudem starke Ruß- und Staubauflagerungen auf, die durch Trocken- und Feuchtreinigungsmethoden entfernt werden konnten.
Interessant war der Befund beim Stuckmarmor: Nach 300 Jahren befand er sich noch in einer derart guten Qualität, dass keine weiteren Oberflächenbeschichtungen nötig waren. Bei den Holzoberflächen der Kanzel wurde hingegen ein neuer Firnis aufgetragen. Die vorhandenen Vergoldungen wurden konserviert und teilweise retuschiert.
Als zusätzliche Arbeiten wurden im Rahmen des ersten Bauabschnitts bis Jahresende die Metallgitter der Empore gereinigt und konserviert, ebenso die Glasfenster der beiden eingerüsteten Joche.
Fassadensanierung und Neugestaltung des Vorplatzes
Parallel zu den Innenraumarbeiten wurde auch eine umfassende Fassadensanierung an der Basilika sowie eine Sanierung des Vikariats durchgeführt. Dabei sollten gravierende Mängel und Schäden am Vorplatz und der Treppe behoben werden, um den Platz insgesamt neu zu gestalten und aufzuwerten.
Im Zuge dieser Arbeiten musste die alte Treppenanlage vollständig zurückgebaut werden. An ihrer Stelle entstand eine neue Treppenanlage mit integrierter behindertengerechter Rampe, die den Zugang zur Basilika für Personen mit eingeschränkter Mobilität erleichtert. Der Platz selbst wurde mit einem Natursteinpflasterbelag aus verschiedenen Steinformaten befestigt, was dem Ort ein angemessenes, denkmalgerechtes Erscheinungsbild verleiht.
Besonders interessant gestalteten sich die Untergrundarbeiten am Platz: Hierbei wurden Überreste eines mittelalterlichen Friedhofes sowie die Fundamente der Vorgängerbauten der Basilika entdeckt. Diese historisch bedeutsamen Funde wurden freigelegt und sorgfältig dokumentiert, bevor die neuen Baumaßnahmen fortgesetzt wurden.
Als ergänzende Maßnahmen wurden eine neue Beschilderung für den gesamten Martinsberg, ein Bronzetastmodell der Anlage sowie eine neue Fassadenbeleuchtung für die Basilika realisiert. Durch all diese Maßnahmen wird das imposante Kulturdenkmal nun angemessen in Szene gesetzt, und die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Weingarten und Umgebung erhalten ihren beliebten Aussichtspunkt über der Stadt am Fuße der Basilika zurück.
Herausforderungen und Lösungsansätze bei der Außensanierung
Bereits vor den aktuellen Innenraumarbeiten wurden umfangreiche Restaurierungen an den Außenbereichen der Basilika durchgeführt. So wurde der Südturm bereits in den Jahren 2002 bis 2005 saniert, gefolgt von der Instandsetzung des Nordturms und der Westfassade des Mittelbaus.
Grundlage für diese Arbeiten bildete zunächst eine detaillierte Schadens- und Maßnahmenkartierung der Natursteinflächen. Zusätzlich wurde eine Kartierung der Schäden an der Kupferblechdeckung des Nordturmes erstellt, um eine präzise Kostenschätzung und Maßnahmenplanung zu ermöglichen.
Besondere Aufmerksamkeit wurde dem differenzierten Umgang mit den zahlreichen Kunst- und Natursteinvarietäten der umfangreichen Restaurierungsgeschichte am Objekt gewidmet. Vorausgegangene Restaurierungen hatten mit ungeeignetem Materialeinsatz gearbeitet, wie zementöse Antragungen in Kombinationen mit Beton sowie flächig hohlliegende Platten und hydrophobierte Bereiche. Diese unsachgemäßen Maßnahmen machten eigene Konzepte zur Instandsetzung der Folgeschäden notwendig.
Eine besondere Herausforderung bestand darin, geeignete Ersatzmaterialien für die umfangreichen Steinaustauscharbeiten zu finden. Insgesamt wurden im Rahmen dieser Maßnahmen über 1.000 Werksteine erneuert. Parallel dazu wurden durch Metallrestauratoren die bauzeitlichen Zierelemente, wie beispielsweise die Darstellung der Heilig-Blut-Reliquie auf dem Mittelbau, instandgesetzt. Auch Vergoldungen und farbige Fassungen wurden konserviert und in ihrem ursprünglichen Zustand wiederhergestellt.
Aktuelle Bauphasen und Besucherinformationen
Mit dem Beginn des neuen Baujahres im Oktober 2024 startet nun der nächste große Abschnitt der Innensanierung. Im zentralen Kuppelraum wird ein imposantes Baugerüst aufgestellt, nachdem das Gerüst von seinem bisherigen Platz vor der historischen Gabler-Orgel versetzt wurde. Diese Maßnahme ist notwendig, um die Restaurierungsarbeiten in diesem zentralen Bereich der Basilika zu ermöglichen.
Die Umsetzung dieses Bauabschnitts hat unmittelbare Auswirkungen auf die Nutzbarkeit der Basilika für die Öffentlichkeit. Vom 6. Oktober an bleibt die Kirche an Werktagen für die Öffentlichkeit komplett geschlossen. Diese Schließung bedeutet, dass bis zum Heiligabend 2024 weder Hochzeiten noch Führungen oder sonstige Veranstaltungen in der Basilika stattfinden können. Gemeindemitglieder und Besucher müssen sich bis dahin gedulden, um die prunkvolle Kirche in ihrer ganzen Pracht wieder erleben zu können.
Mit der Fertigstellung dieses Bauabschnitts sollen die Restaurierungsarbeiten einen weiteren wichtigen Meilenstein erreichen. Ab Weihnachten wird die Basilika dann voraussichtlich wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein und in neuem Glanz erstrahlen.
Zukunftspläne für den Altarraum
Im Rahmen der aktuellen Sanierungsarbeiten wird auch über eine mögliche Neugestaltung des Altarraums nachgedacht. Anlass hierfür ist zum einen das 300-jährige Jubiläum der Basilika in diesem Jahr, zum anderen rückt der Abschnitt der insgesamt sieben Jahre andauernden Generalsanierung im Herbst in den Altarraum.
Die Kirchengemeinde St. Martin hat sich in diesem Zusammenhang die Frage gestellt: "Was geschieht mit dem eigentlichen Herzstück der Basilika, indem auch der Gottesdienst gefeiert wird?" Zur Beantwortung dieser Frage wurde in Zusammenarbeit mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart und dem Eigentümer des Bauwerks, dem Amt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg, ein Ideenwettbewerb ausgerufen.
Eine Jury, in der auch Weingartens Oberbürgermeister Moll saß, wählte im Juni aus 26 eingereichten Arbeiten sechs aus. Die prämierten Arbeiten sind bis Ende September in der Basilika zu sehen und können von der Öffentlichkeit begutachtet werden. Die Entscheidung, ob es tatsächlich zu einer Umgestaltung des Altarraums kommen wird, ist jedoch noch nicht gefallen. "Noch ist nichts entschieden", betont Dekan Ekkehard Schmid auf Anfrage. Die Kirchengemeinde St. Martin könne sich immer noch gegen eine Umgestaltung entscheiden.
Ein Umbau des Altarraums könnte auch Auswirkungen auf die Heilig-Blut-Reliquie haben, die in einem Schaukasten im Altar ausgestellt ist. Bei dieser Reliquie soll es sich um Blut von Jesu Christi handeln. Durch die Reliquie hat die Basilika eine überregionale Bedeutung und zieht zahlreiche Pilger an.
Bei allen Überlegungen zur Neugestaltung wird jedoch Wert darauf gelegt, dass keine übermäßig kostspieligen Maßnahmen umgesetzt werden. "Wir werden uns keinen Rolls-Royce hineinbauen", stellt Dekan Ekkehard Schmid klar.
Ausblick und Bedeutung des Projekts
Die Sanierung der Basilika Weingarten stellt ein bedeutendes kulturhistorisches Projekt dar, das weit über die Region hinausstrahlt. Das imposante Bauwerk, das als eines der wichtigsten Kulturdenkmäler Baden-Württembergs gilt, wird durch die umfassenden Restaurierungsarbeiten nicht nur für kommende Generationen erhalten, sondern auch in neuem Glanz erstrahlen.
Die geplanten Arbeiten bis 2028 werden die Basilika wieder in den Mittelpunkt des Interesses rücken und ihre Bedeutung als sakrales Zentrum und Touristenattraktion weiter stärken. Durch die schrittweise Umsetzung der Sanierung in vier Bauabschnitten wird zudem gewährleistet, dass die Basilika während der gesamten Bauphase weiterhin für Gottesdienste genutzt werden kann, was für das Gemeindeleben von großer Bedeutung ist.
Besonders hervorzuheben ist auch der wissenschaftliche Aspekt des Projekts. Die bei den Ausgrabungen entdeckten Überreste des mittelalterlichen Friedhofs und die Fundamente der Vorgängerbauten bieten wertvolle Erkenntnisse über die Geschichte des Ortes und tragen zur wissenschaftlichen Erforschung der basilikanischen Geschichte bei.
Fazit
Die umfassende Sanierung der Basilika Weingarten ist ein Mammutprojekt, das mit großer Sorgfalt und Fachkenntnis umgesetzt wird. Die bisherigen Arbeiten haben gezeigt, dass trotz der Herausforderungen, die ein Projekt dieser Größenordnung mit sich bringt, die Restaurierungsarbeiten im Zeitplan vorangehen. Die Aufteilung in vier Bauabschnitte bis 2028 ermöglicht nicht nur eine geordnete Durchführung der Maßnahmen, sondern auch eine Weiterführung des Gemeindelebens während der Bauphase.
Die Entdeckung historischer Überreste während der Arbeiten am Vorplatz unterstreicht die Bedeutung der Basilika als geschichtsträchtiges Bauwerk. Die geplante Neugestaltung des Altarraums, die noch nicht endgültig beschlossen ist, bietet die Chance, diesen zentralen Bereich der Basilika an die Bedürfnisse der Gegenwart anzupassen, ohne dabei den historischen Charakter zu beeinträchtigen.
Die Sanierung der Basilika Weingarten ist somit nicht nur ein Bauprojekt, sondern auch ein kulturhistorisches Ereignis, das das Sakralbauwerk für kommende Generationen bewahrt und seine Bedeutung als Wahrzeichen der Region Oberschwaben weiter stärkt. Die Umsetzung des Projekts durch das Land Baden-Württemberg zeigt das Engagement für den Erhalt kultureller Werte und die Verantwortung gegenüber dem kulturellen Erbe.