Das Erlebnisbad Finto in Finnentrop steht vor einer der größten Sanierungsmaßnahmen seiner Geschichte. Die 1973 erbaute Einrichtung, die jährlich rund 50.000 Besucher anzieht, wird grundlegend saniert und modernisiert, um den langfristigen Betrieb zu sichern und den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden. Die umfangreichen Planungen, die bereits seit Jahren andauern, haben nun konkrete Formen angenommen, wobei sowohl die geplanten Kosten als auch der Zeitplan erheblichen Anpassungen unterworfen waren.
Historische Entwicklung und aktuelle Bedeutung
Das Hallen- und Erlebnisbad Finto stellt einen zentralen Bestandteil der örtlichen Infrastruktur in Finnentrop dar. Mit seiner reichhaltigen Angebotspalette zur Gesundheitsförderung erfreut sich die Einrichtung großer Beliebtheit bei der Bevölkerung. Besonders bemerkenswert ist die hohe Auslastung durch den Vereins- und Schulsport, der etwa ein Fünftel der jährlichen Besucher ausmacht. Diese Zahlen unterstreichen die wichtige Rolle des Bades für die lokale Gemeinschaft und die Bildungseinrichtungen.
Die strategische Bedeutung des Finto wird durch seine Einbettung in das sich dynamisch entwickelnde Quartier verstärkt. In unmittelbarer Nähe befinden sich bereits ein Jugendzentrum, die Mensa, eine Gesamtschule und Grundschule sowie weitere Sporteinrichtungen und öffentliche Einrichtungen. Geplant sind zudem der Bau eines Kindergartens und die Erschließung neuen Wohnraums, was die Bedeutung des Bades als infrastruktureller Ankerpunkt weiter erhöht. Durch die Städtebauförderung wurde die umliegende Infrastruktur bereits ertüchtigt, wobei das Erlebnisbad als integraler Bestandteil dieser Entwicklung betrachtet wird.
Detaillierte Sanierungsmaßnahmen und Kostenentwicklung
Die Sanierungsmaßnahmen umfassen ein umfangreiches Spektrum technischer und baulicher Erneuerungen. Den größten Posten stellt mit 1,95 Millionen Euro die Erneuerung der Schwimmbad- und Heiztechnik dar. Diese Investition ist besonders kritisch, da die vorhandene Technik aus den 1970er Jahren stammt und den heutigen energetischen Standards nicht mehr entspricht. Die Modernisierung soll zu einer Energieeinsparung von 15 bis 20 Prozent führen und gleichzeitig die Ausfallzeiten deutlich reduzieren.
Weitere wichtige Komponenten der Sanierung umfassen die Dachsanierung des Eingangsbereichs mit Kosten von 520.000 Euro sowie die Sanierung des Sportbeckens (10x25 m) für 275.000 Euro. Der Saunabereich sollte ursprünglich für 850.000 Euro saniert werden, wobei diese Kosten entfallen sind, da die Sauna bereits in Eigenregie saniert wurde. Weitere Maßnahmen betreffen die Dachsanierung des Mehrzweckbeckens, der Außenbecken, der Rutsche, des Kinderbeckens und des Massagebeckens, sowie die Erneuerung der Fensterfront zur Liegewiese.
Im Laufe der Planungsphase sind zusätzliche Maßnahmen hinzugekommen, die den Umfang der Sanierung erweitern haben. Dazu gehören die Erneuerung des Dampfbades und der Umkleidebereiche. Diese Ergänzungen, kombiniert mit den allgemeinen Preissteigerungen im Baubereich, haben zu einer Kostensteigerung von 2,48 Millionen Euro geführt. Die Gesamtkosten belaufen sich nun auf 7,6 bis 8 Millionen Euro, was eine erhebliche Abweichung von den ursprünglichen Planungen darstellt.
Zeitliche Planung und Umsetzungsherausforderungen
Der Sanierungszeitplan hat mehrere Verschiebungen erfahren. Ursprünglich war ein Baubeginn im Herbst/Winter 2024 angedacht, doch wegen der umfangreichen Planungsarbeiten wurde der Start auf voraussichtlich Herbst 2025 verschoben. Diese Verzögerung ist auf die Komplexität der Planungsphase zurückzuführen, die rund ein Jahr dauerte und eine europaweite Ausschreibung für Planungs- und Ingenieurbüros erforderlich machte.
Die Einrichtung eines Arbeitskreises Finto, bestehend aus Verwaltungsmitgliedern und Politikvertretern, zeigt die hohe Priorität, die der Sanierung beigemessen wird. Diese intensive Begleitung der Planungsphase unterstreicht die Bedeutung des Projekts für die Gemeinde und die Notwendigkeit, alle Aspekte sorgfältig zu durchdenken.
Die Schließungszeit des Bades wird auf einen Zeitraum zwischen einem halben Jahr bis zu einem Jahr geschätzt. Diese lange Schließung ist unumgänglich, da die Sanierungsarbeiten einen kompletten Umbau der technischen Infrastruktur und umfangreiche Baumaßnahmen erfordern. Die Schließung wird voraussichtlich im August 2025 mit dem Ende der Sommerferien beginnen.
Finanzierung und Fördermöglichkeiten
Die Finanzierung der umfangreichen Sanierungsmaßnahmen stellt eine erhebliche Herausforderung für die Gemeinde dar. Von den Gesamtkosten in Höhe von 7,6 Millionen Euro soll ein erheblicher Teil durch Fördermittel abgedeckt werden. Bereits 2020 wurde eine Zuwendung in Höhe von rund 1,76 Millionen Euro in Aussicht gestellt, allerdings unter Vorbehalt. Der entsprechende Zuwendungsbescheid ging 2021 bei der Gemeinde ein, was die planungsrechtliche Grundlage für die weitere Bearbeitung schuf.
Die Gemeinde betont ausdrücklich, dass es sich bei der geplanten Sanierung nicht um eine Luxusvariante handelt, sondern um notwendige Maßnahmen zur langfristigen Sicherung des Erlebnisbades. Diese Argumentation unterstreicht die Dringlichkeit der Maßnahmen und die Notwendigkeit, die öffentliche Einrichtung funktionsfähig zu erhalten.
Auswirkungen auf den laufenden Betrieb
Während der umfangreichen Sanierungsarbeiten werden alternative Lösungen für die vom Schließung betroffenen Nutzergruppen geschaffen. Besonders wichtig ist dies für die Schulen und Vereine, die regelmäßig das Bad nutzen. Die Gemeindeverwaltung als Betreiberin hat bereits organisatorische Vorkehrungen getroffen, um die Kontinuität der Nutzung zu gewährleisten.
Das gemeindeeigene Lehrschwimmbad in Fretter steht als Ersatz zur Verfügung und soll von den betroffenen Schulen, Vereinen und ehrenamtlichen Gruppen genutzt werden. Für die Koordination wurde eine spezielle Ansprechpartnerin benannt, die für die Organisation der Ersatznutzung zuständig ist.
Eine positive Ausnahme stellt die benachbarte Finto Saunawelt dar, die erst 2021 neu eröffnet wurde und von den Maßnahmen nur mittelbar betroffen ist. Diese Einrichtung soll während der gesamten Sanierungsarbeiten wie gewohnt geöffnet bleiben, was für die Aufrechterhaltung des Freizeitangebotes in der Region von Bedeutung ist.
Technische und energetische Verbesserungen
Die geplanten Sanierungsmaßnahmen zielen nicht nur auf die Erhaltung der bestehenden Funktionen ab, sondern auch auf eine deutliche Verbesserung der energetischen Effizienz. Die prognostizierte Energieeinsparung von 15 bis 20 Prozent ist ein wesentlicher Aspekt der Modernisierung und entspricht den aktuellen Bestrebungen zur Nachhaltigkeit im öffentlichen Bauwesen.
Die Erneuerung der Schwimmbad- und Heiztechnik ist dabei der zentrale Baustein dieser energetischen Optimierung. Moderne Heizsysteme und Wasseraufbereitungstechniken werden nicht nur den Energieverbrauch senken, sondern auch die Betriebskosten langfristig reduzieren. Dies ist besonders wichtig für die Wirtschaftlichkeit der Einrichtung auf lange Sicht.
Die Verringerung der Ausfallzeiten durch den Einsatz moderner Technik stellt einen weiteren wichtigen Aspekt dar. Die veraltete Technik aus den 1970er Jahren ist anfällig für Störungen und Reparaturen, was zu unvorhergesehenen Schließungen führt. Die Modernisierung soll diese Probleme langfristig lösen und eine zuverlässigere Verfügbarkeit der Einrichtung gewährleisten.
Zukunftsperspektiven und langfristige Sicherung
Die umfangreiche Sanierung des Erlebnisbades Finto ist mehr als nur eine bauliche Maßnahme – sie stellt eine strategische Investition in die Zukunft der lokalen Infrastruktur dar. Die hohe Auslastung von 50.000 Besuchern jährlich und die wichtige Rolle für Schulen und Vereine zeigen, dass die Einrichtung ein unverzichtbarer Bestandteil des kommunalen Angebots ist.
Die geplanten Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung sollen sicherstellen, dass das Bad auch in Zukunft den Anforderungen der modernen Freizeitgestaltung gerecht wird. Dies ist besonders wichtig in Zeiten zunehmender Konkurrenz durch private Freizeiteinrichtungen und veränderter Freizeitgewohnheiten.
Das inklusive Konzept, das bei der Planung berücksichtigt wurde, zeigt das Bestreben, die Einrichtung für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich zu gestalten. Dies entspricht nicht nur den aktuellen gesellschaftlichen Anforderungen, sondern erweitert auch das Potential für zukünftige Nutzergruppen.
Community-Beteiligung und politische Unterstützung
Die breite Unterstützung der Sanierungsmaßnahmen durch die Ratsvertreter zeigt den Konsens über die Notwendigkeit und Bedeutung des Projekts. Die Einigkeit darüber, dass das Finto erhalten bleiben soll, unterstreicht den hohen Stellenwert der Einrichtung in der kommunalen Politik.
Die intensive Einbindung des Arbeitskreises Finto in die Planungsphase zeigt das Bestreben, alle relevanten Aspekte zu berücksichtigen und eine breite Basis für die Umsetzung zu schaffen. Diese demokratische Herangehensweise an ein so umfangreiches Projekt ist beispielhaft für die kommunalpolitische Praxis.
Wirtschaftliche Auswirkungen und regionale Bedeutung
Die Sanierungsmaßnahmen haben auch wirtschaftliche Auswirkungen für die Region. Die Auftragsvergabe an lokale und regionale Unternehmen, soweit diese bei der Vergabe berücksichtigt werden können, wird einen gewissen wirtschaftlichen Impuls für die lokale Wirtschaft darstellen. Die Investition von 7,6 Millionen Euro ist in einem regionalen Kontext betrachtet eine erhebliche Summe.
Darüber hinaus sichert die Sanierung langfristig die Arbeitsplätze in der Einrichtung und die damit verbundenen wirtschaftlichen Aktivitäten in der Region. Die Aufrechterhaltung des Freizeitangebotes trägt zur Attraktivität der Region bei und kann indirekt auch den Tourismus und andere Wirtschaftszweige positiv beeinflussen.
Herausforderungen bei der Umsetzung
Die Umsetzung eines so umfangreichen Sanierungsprojektes ist mit verschiedenen Herausforderungen verbunden. Die lange Planungsphase und die mehrfachen Zeitplanänderungen zeigen die Komplexität des Vorhabens. Die Abstimmung zwischen verschiedenen Gewerken, die Koordination der verschiedenen Maßnahmen und die Minimierung der Beeinträchtigungen für die Nachbarschaft sind nur einige der organisatorischen Herausforderungen.
Die Kostensteigerung von ursprünglich geplanten 5,12 Millionen Euro auf 7,6 Millionen Euro zeigt die Schwierigkeiten bei der Kostenplanung bei solch umfangreichen Projekten. Unvorhergesehene bauliche Probleme, gestiegene Materialkosten und zusätzliche Maßnahmen haben zu dieser Entwicklung beigetragen.
Fazit
Die umfassende Sanierung des Erlebnisbades Finto in Finnentrop stellt ein ambitioniertes und notwendiges Vorhaben dar, um die 1973 erbaute Einrichtung für die Zukunft zu rüsten. Mit Gesamtkosten von 7,6 Millionen Euro und einer geplanten Schließung von mindestens einem halben Jahr handelt es sich um eines der größten kommunalen Bauprojekte der letzten Jahrzehnte in der Region.
Die Sanierung umfasst alle wesentlichen Bereiche: von der technischen Modernisierung über energetische Verbesserungen bis hin zu baulichen Erneuerungen. Die prognostizierte Energieeinsparung von 15 bis 20 Prozent und die Verringerung der Ausfallzeiten zeigen, dass es sich nicht um reine Kosmetik handelt, sondern um eine grundlegende Modernisierung der Infrastruktur.
Die hohe Akzeptanz des Projekts in der Bevölkerung und die breite Unterstützung in der Kommunalpolitik unterstreichen die strategische Bedeutung des Bades für die Region. Die 50.000 jährlichen Besucher, davon 20 Prozent aus dem Vereins- und Schulsport, zeigen die intensive Nutzung und Notwendigkeit einer funktionierenden Einrichtung.
Die Verzögerung des Baubeginns auf Herbst 2025 und die Kostensteigerungen zeigen gleichzeitig die Herausforderungen bei der Umsetzung solcher Großprojekte. Die intensive Planungsphase und die Einbindung verschiedener Interessensgruppen zeigen jedoch das Bestreben, das Projekt sorgfältig und umfassend umzusetzen.
Die Alternative Nutzung des Lehrschwimmbades in Fretter für betroffene Schulen und Vereine zeigt die Fürsorge für die Nutzer und die Bemühung, die Schließungszeit so gering wie möglich zu beeinträchtigen. Die geöffnete Saunawelt stellt zudem sicher, dass ein Teil des Freizeitangebotes auch während der Sanierung zur Verfügung steht.
Insgesamt stellt die Sanierung des Erlebnisbades Finto eine Investition in die Zukunft der kommunalen Infrastruktur dar, die die Bedeutung des Bades als zentralen Bestandteil des sich entwickelnden Quartiers in Finnentrop langfristig sichern soll.