Einleitung
Die Sanierung eines Flachdachs ist eine komplexe Aufgabe, die sorgfältige Planung und fachmännische Ausführung erfordert. Je nach Zustand der bestehenden Dachabdichtung und den daraus resultierenden Anforderungen stehen verschiedene Sanierungsoptionen zur Verfügung. Von der einfachen Erneuerung der Abdichtung bis hin zur umfassenden Komplettsanierung mit neuer Wärmedämmung und modernen Entwässerungssystemen - die Wahl der richtigen Methode hängt von mehreren Faktoren ab. Dieser Ratgeber erläutert die verschiedenen Sanierungsmöglichkeiten, zeigt Materialoptionen auf und gibt einen Überblick über Kosten und Fördermöglichkeiten.
Grundlagen der Flachdachsanierung
Wann ist eine Sanierung notwendig?
Flachdächer erfordern regelmäßige Wartung und können bei auftretenden Schäden eine Sanierung notwendig machen. Wenn die Dacheindeckung in schlechtem Zustand ist und regelmäßig Leckagen auftreten, ist eine Erneuerung des Dachs erforderlich. Dabei stellt sich die Frage, ob eine neue Dacheindeckung ausreicht oder das komplette Dach saniert werden muss.
Bei großflächigen Schäden in der Dachabdichtung und Folgeschäden im Dachaufbau durch eindringende Feuchtigkeit wird meist eine umfangreichere Flachdachsanierung notwendig, bei der sowohl die Wärmedämmung ausgetauscht als auch eine neue Dachabdichtung aufgebracht werden muss. Bestehen bereits Wasserschäden an der Decke des Innenraums, ist bereits eine größere Menge Wasser in den Dachaufbau eingedrungen und hat auch alle weiteren Schichten wie Dämmung, Trennlagen, Dampfsperre etc. beschädigt!
Eine Komplettsanierung des Flachdachs ist empfehlenswert, wenn einzelne Reparaturmaßnahmen nicht mehr ausreichend sind, beispielsweise bei umfassenden Schäden oder nicht mehr funktionstüchtiger Wärmedämmung.
Der dreistufige Sanierungsprozess
Die Ausführung einer kompletten Flachdachsanierung erfolgt üblicherweise in drei Schritten: dem Austausch der Flachdachabdichtung, einer Verbesserung der Wärmedämmung und einer Erneuerung der Entwässerungssysteme.
Materialoptionen für die Flachdachabdichtung
Bitumenabdichtung (Roofing)
Bitumen ist ein klassischer Werkstoff zum Abdichten von Flachdächern. Er kann sowohl in Bahnen ausgelegt und heiß verschweißt, kalt verklebt oder auch flüssig aufgebracht werden. Bitumen ist kostengünstig, lässt sich gut verarbeiten und wird mehrlagig verlegt.
Eigenschaften von Bitumen
Bitumendacheindeckungen werden wegen ihrer langen Lebensdauer, geringem Instandhaltungsbedarf und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis oft angewendet. Die Lebensdauer von Bitumen beträgt durchschnittlich 30 Jahre, und es ist kein Instandhaltungsbedarf erforderlich. Die Verarbeitung kann mit Schiefersplitt erfolgen, und kann in einigen Fällen über eine bestehende Dacheindeckung angebracht werden.
Sorten von Bitumen
Es gibt zwei Sorten von Bitumen: APP und SPP.
APP (Ataktisches Polypropylen) ist eine Sorte von Bitumen auf der Basis von Polymer. Dieses Material ist gut gegen hohe Temperaturen und UV-Strahlung beständig. Deshalb braucht APP keine Bitumengemische.
APP und SPP sind vom Qualitätsniveau her gleichwertig. Sie werden einfach anders angewendet. So ist SPP (Syndiotaktisches Polypropylen) im Allgemeinen wohl von einer Bitumengemische vorgesehen.
Verarbeitungsmethoden von Bitumen
Beim Schweißverfahren werden die einzelnen Bitumenbahnen erhitzt und bei offener Flamme miteinander verschweißt.
Bei der Kaltverklebung sind spezielle Bitumenbahnen an der Unterseite bereits mit einer Klebefläche ausgestattet, an der sie zusammengefügt werden können.
Die Flüssigverarbeitung: Die Dachabdichtung mit Flüssigbitumen hat den Vorteil, dass keine Nähte entstehen, durch die Feuchtigkeit in den Dachaufbau eindringen könnte. Sie eignet sich daher auch gut für Einbauten (z. B. Lichtkuppeln) und Durchdringungsstellen (z. B. Dachabläufe), da sich das Material den Konturen des Untergrunds anpasst.
Schutz und Wartung von Bitumen
Die obere Deckschicht wird meist mit einer Gesteinskörnung ausgeführt, oder aber sogenannter Polymerbitumen (mit Kunststoff modifizierter Bitumen) verwendet. Dies schützt die obere Abdichtungslage und macht sie weniger hitze- und kälteempfindlich.
Generell muss man bei der Flachdachsanierung mit Bitumen ungefähr alle 10 bis 15 Jahre mit einer Erneuerung rechnen.
EPDM (Gummiabdichtung)
EPDM (Ethylen Propylen Dien M-Gruppe) ist synthetisches Kautschuk. Genau wie Bitumen wird für die Produktion von EPDM Polymere benutzt, die den Kautschuk extra stark und elastisch machen.
Flüssigkunststoff
Flüssigkunststoff macht die Handhabung nochmals einfacher. Die Lebensdauer von Kunststoff ist dabei etwa gleich wie bei Bitumen.
Wärmedämmung bei der Flachdachsanierung
Bedeutung der Wärmedämmung
Möchten Sie Ihr Flachdach sanieren lassen, sollten Sie sich auch direkt mit der Wärmedämmung auseinandersetzen. Denn ist die Flachdachdämmung unzureichend, führt dies gerade im obersten Stockwerk zu einem hohen Energieverbrauch und starken Temperaturschwankungen.
Mit einer Hausdämmung können Sie Ihre Heizkosten - vielfach schon mit einfachsten Maßnahmen - um mehr als 30% reduzieren!
Sanierungsoptionen bei intakter Dämmung
Ersteres ist nur möglich, wenn die Wärmedämmung des Flachdachs noch funktionsfähig und trocken ist. Dann kann meist schon eine neue oder zusätzliche Abdichtung das Dach wieder fit machen. Größere Schäden an der Flachdachabdichtung sollten professionell saniert werden. Wird festgestellt, dass der Dachaufbau noch intakt ist und die Wärmedämmung keine gravierenden Feuchteschäden zeigt, ist es oft ausreichend eine neue Abdichtung aufzubringen.
Sanierungsoptionen bei beschädigter Dämmung
Großflächige Schäden in der Dachabdichtung und Folgeschäden im Dachaufbau durch eindringende Feuchtigkeit ziehen aber meist eine umfangreichere Flachdachsanierung nach sich, bei der sowohl die Wärmedämmung ausgetauscht als auch eine neue Dachabdichtung aufgebracht werden müssen.
Entwässerungssysteme für Flachdächer
Normative Grundlagen
Die Entwässerung eines Flachdachs ist nach DIN EN 12056-3 geregelt. Dabei sind zwei Arten der Dachentwässerung geläufig: die Freispiegelentwässerung beziehungsweise Freigefälleentwässerung und die Druckstromentwässerung.
Freigefälleentwässerung
Bei der Freigefälleentwässerung wird bei einer Dachsanierung ein Rohrleitungssystem im Gefälle verlegt, welches das Regenwasser zur Grundleitung ableitet.
Druckstromentwässerung
Bei einer Druckstromentwässerung haben die Leitungen kein Gefälle. Stattdessen wird das Wasser durch Unterdruck von den Flachdächern zur horizontalen Grundleitung geführt.
Flachdachrichtlinien und Normen
DIN 18531 Flachdachrichtlinie
Daher gibt es unter der DIN 18531 eine Flachdachrichtlinie, die unter anderem das Mindestgefälle, Beanspruchungsklassen oder die Ausführung der Abdichtung regelt.
Gefälleanforderungen
Wie der Name bereits sagt, besitzen Flachdächer eine nur sehr geringe Neigung. Bis zu welchem Gefälle (Winkel) von einem Flachdach gesprochen werden kann, ist jedoch nicht festgelegt. Hier sind Neigungen von bis zu 10° möglich, ein Flachdach kommt aber auch mit einem Gefälle von 2° aus. Dann ist eine spezielle Flachdachentwässerung nötig.
Gerade das nicht vorhandene oder geringe Gefälle macht es besonders schwer, ein Flachdach dauerhaft abzudichten. Bereits kleine Unebenheiten können dazu führen, dass das Gefälle seine Wirkung verliert. Das Risiko von Schäden durch Wasser ist gegenüber einem Steildach daher deutlich höher.
Wartung und Instandhaltung
Regelmäßige Überprüfung
Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sein Flachdach jährlich prüfen und bei Bedarf auch von Laub und anderen Verunreinigungen befreien.
Denn bereits nasses Laub kann bei einem geringen Gefälle für Pfützen und im Winter für gefrorene Stellen sorgen. Eis krallt sich in die grobe Oberfläche, nimmt Steine mit und kann durch Bewegungen die Dachhaut beschädigen.
Saisonale Wartung
Vorteilhaft ist es daher, das Dach im Herbst zu "begehen". Bei Regen werden Pfützen sichtbar und bei dieser Gelegenheit kann Laub vom Dach und der Dachrinne entfernt werden.
Kosten und Finanzierung
Kostenschätzungen für Sanierung
Die Abdichtung und Dämmung des Flachdachs sind die Hauptkostenpunkte bei der Sanierung. Die Kosten für Folien und Dämmmaterialien beim Abdichten liegen durchschnittlich zwischen 20 und 30 Euro pro Quadratmeter, während sich die Kosten für Abdichtungsarbeiten ohne Dämmung auf etwa 10 bis 15 Euro je Quadratmeter reduzieren.
Materialien wie Flüssigbitumen oder Kunststofffolien werden aufgrund ihrer Eigenschaften und Anforderungen an die Anwendungstechniken ausgewählt.
Zusätzliche Kosten
Eine Dachbegrünung auf einem bereits abgedichteten Flachdach kann zusätzliche Kosten von etwa 80 – 120 Euro netto pro Quadratmeter verursachen.
Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
Ob sich eine Komplettsanierung lohnt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Vor der Entscheidung für eine Komplettsanierung sollte eine fachmännische Schadenanalyse erfolgen, die nicht nur die aktuellen Schäden bewertet, sondern auch eine zukünftige Schadensprognose beinhaltet. Es ist auch wichtig zu bedenken, dass obwohl eine Flachdachsanierung teurer sein kann als eine Neuerung, die Kosten im Einzelfall verglichen werden müssen, da zusätzliche Arbeiten bei der Sanierung notwendig sein können.
Fördermöglichkeiten und steuerliche Aspekte
Bundesförderung für effiziente Gebäude
Es gibt eine Reihe von Förderprogrammen und Zuschüssen, die bei der Sanierung von Flachdächern in Anspruch genommen werden können. Verbesserungen am Wärmeschutz des Flachdaches sind ein Beispiel für Maßnahmen, die durch diese Programme unterstützt werden können.
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude deckt bis zu 20% der förderfähigen Investitionskosten. Um die Förderung zu erhalten, müssen spezifische Anforderungen erfüllt und ein Antrag im Rahmen des Programms gestellt werden.
Steuerliche Absetzbarkeit
Neben Förderprogrammen und Zuschüssen gibt es auch steuerliche Aspekte, die bei der Kalkulation der Kosten für eine Flachdachsanierung berücksichtigt werden sollten. Vermieter können die Kosten für Dachreparaturen als Erhaltungsaufwand steuerlich absetzen, wenn das Objekt nicht von ihnen selbst bewohnt wird.
Hauseigentümer, die in ihrer Immobilie wohnen, können Instandhaltungskosten nicht als Werbungskosten absetzen, aber Handwerkerleistungen als haushaltsnahe Dienstleistungen. Darüber hinaus ist eine Steuerermäßigung für Arbeitskosten im Zusammenhang mit der Dachsanierung möglich, und zwar bis zu maximal 20% der Kosten oder 1.200 Euro pro Jahr.
Entscheidungshilfen für die Sanierungsplanung
Schadenanalyse und Prognose
Vor der Entscheidung für eine Komplettsanierung sollte eine fachmännische Schadenanalyse erfolgen, die nicht nur die aktuellen Schäden bewertet, sondern auch eine zukünftige Schadensprognose beinhaltet.
Sanierungsoptionen nach Schadensumfang
Wenn die Wärmedämmung des Flachdachs noch funktionsfähig und trocken ist, kann meist schon eine neue oder zusätzliche Abdichtung das Dach wieder fit machen. Diese Option ist kostengünstiger und weniger zeitaufwändig als eine Komplettsanierung.
Bei größeren Schäden an der Flachdachabdichtung sollte eine professionelle Sanierung erfolgen. Wenn festgestellt wird, dass der Dachaufbau noch intakt ist und die Wärmedämmung keine gravierenden Feuchteschäden zeigt, ist es oft ausreichend, eine neue Abdichtung aufzubringen.
Bei großflächigen Schäden in der Dachabdichtung und Folgeschäden im Dachaufbau durch eindringende Feuchtigkeit wird meist eine umfangreichere Flachdachsanierung notwendig, bei der sowohl die Wärmedämmung ausgetauscht als auch eine neue Dachabdichtung aufgebracht werden muss.
Materialauswahl nach Nutzung
Abhängigkeit von der Nutzung
Abhängig von der Nutzung des Flachdachs und den daraus resultierenden Anforderungen kann man ein Flachdach mit verschiedenen Materialien sanieren. Die Wahl des Materials hängt von Faktoren wie mechanischer Beanspruchung, UV-Belastung, Temperaturextremen und der beabsichtigten Nutzung des Dachs ab.
Bitumen für vielseitige Anwendungen
Bitumen eignet sich für verschiedene Anwendungsfälle und kann entsprechend den Anforderungen gewählt werden. Die verschiedenen Verarbeitungsmethoden (Schweißen, Kaltverklebung, Flüssigverarbeitung) ermöglichen eine Anpassung an unterschiedliche bauliche Gegebenheiten.
EPDM für spezielle Anforderungen
EPDM (Ethylen Propylen Dien M-Gruppe) als synthetisches Kautschuk bietet besondere Eigenschaften und wird in Fällen eingesetzt, in denen die Elastizität und Witterungsbeständigkeit von besonderer Bedeutung sind.
Flüssigkunststoff für komplexe Geometrien
Flüssigkunststoff ist besonders geeignet für Dächer mit komplexen Formen oder vielen Durchdringungen, da er sich perfekt an die Konturen des Untergrunds anpasst und nahtlose Abdichtungen ermöglicht.
Fazit
Die Flachdachsanierung erfordert eine sorgfältige Analyse des Ist-Zustands und eine strategische Planung der Sanierungsmaßnahmen. Die Wahl zwischen einer einfachen Abdichtungserneuerung und einer umfassenden Komplettsanierung hängt wesentlich vom Zustand der vorhandenen Wärmedämmung und dem Ausmaß der Schäden ab.
Bei intakter und trockener Wärmedämmung kann häufig bereits eine neue Abdichtung ausreichend sein, während bei umfassenden Feuchteschäden eine Komplettsanierung mit Austausch der Dämmung notwendig wird. Die Materialauswahl zwischen Bitumen, EPDM und Flüssigkunststoff sollte entsprechend den spezifischen Anforderungen und der Nutzung des Dachs erfolgen.
Die Integration moderner Wärmedämmung in die Sanierung ist nicht nur energetisch sinnvoll, sondern kann durch Förderprogramme und steuerliche Vorteile finanziell attraktiv gestaltet werden. Eine regelmäßige Wartung und Pflege verlängert die Lebensdauer der Sanierung deutlich und verhindert kostspielige Folgeschäden.
Eine professionelle Schadenanalyse und Kostenschätzung bilden die Grundlage für eine fundierte Entscheidung zwischen den verschiedenen Sanierungsoptionen und ermöglichen eine wirtschaftlich optimale Lösung für die spezifischen Anforderungen des jeweiligen Flachdachs.