Pullachs neues Schwimmbad: Umfassende Modernisierung mit Herausforderungen und Chancen

Einleitung

Die Gemeinde Pullach steht vor einer der größten Baumaßnahmen ihrer jüngeren Geschichte: dem Neubau des Freizeitbads. Nach Jahren der Diskussion und Unsicherheit hat der Gemeinderat nun einstimmig einem überarbeiteten Konzept zugestimmt, das eine umfassende Modernisierung und Erweiterung des bestehenden Schwimmbadkomplexes vorsieht. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Pläne, Herausforderungen und Perspektiven des ehrgeizigen Projekts, das die kommunale Freizeitinfrastruktur nachhaltig prägen wird.

Hintergrund: Das marode alte Schwimmbad

Die Notwendigkeit eines Neubaus ist unumstritten, nachdem eine Brandschutzexpertin zu einem verheerenden Urteil über den Zustand des alten Bads kam. Selbst nach einer Ertüchtigung des Brandschutzes wäre das bestehende Gebäude nicht mehr lange haltbar, wie aus den Berichten hervorgeht. Bereits seit mehreren Wahlperioden ist die Schließung und der Neubau des Schwimmbads ein wiederkehrendes Thema im Gemeinderat, das die politischen Diskussionen bestimmte.

Die Planungsphase gestaltete sich als komplexer Prozess. Nachdem zunächst eine Sanierung des baufälligen Bades als Option ausgeschieden war, beschloss das Gremium sogar kurzzeitig den Umzug auf die Kuhwiese, nahm diese Entscheidung jedoch wieder zurück. Schließlich wurde der Entschluss gefasst, das neue Schwimmbad am ursprünglich vorgesehenen Standort zu realisieren.

Planungsprozess und politische Entscheidungen

Das nun vorliegende Konzept basiert auf einer Machbarkeitsstudie, die wiederum auf einem Raumprogramm fußt, das die eigens gegründete Arbeitsgruppe Schwimmbad erarbeitete. Diese Arbeitsgruppe, die sich aus Mitgliedern des Gemeinderats zusammensetzte, konnte bei mehreren Treffen die Anforderungen und Wünsche für das neue Bad definieren. Die Überarbeitung des ursprünglichen Vorschlags des Architekturbüros Jeschke Architektur & Planung erfolgte auf Basis der Verbesserungsvorschläge dieser Arbeitsgruppe.

Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) äußerte sich erfreut, dass nun eine konkrete Grundlage für den Neubau vorliege. Das Gremium hat damit eine wichtige Hürde genommen, um das langwierige Planungsverfahren voranzutreiben. Als nächstes sollen nun die Vorbereitungen für den Architektenwettbewerb getroffen werden.

Die geplante Zusammenarbeit mit dem Pullacher Tochterunternehmen Innovative Energie für Pullach (IEP) steht als potentieller Betreiber im Raum. Auch ein Gastronomiekonzept ist noch nicht ausgearbeitet, soll jedoch zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Für die Planer ist es wichtig, alle niedergelegten Wünsche aus der Arbeitsgruppe in die Planungen einzubeziehen.

Architektonisches Konzept und Ausstattung

Das neue Freizeitbad wird als L-förmiger Neubau am alten Standort realisiert und rückt näher an die Hans-Keis-Straße heran. Dabei wird der Baukörper ohne Gebäudevorsprung parallel zur Hans-Keis-Straße verlaufen. Die Planungen sehen ein Mehrzweck- und Kursbereich vor, der ein breites Nutzungsangebot bieten soll.

Das Raumprogramm umfasst verschiedene Becken für unterschiedliche Zwecke. Geplant ist ein 25-Meter-Becken mit sechs Bahnen und zwei Sprungbrettern. Für das Lehren und Üben von Schwimmtechniken wird ein Lehrschwimmbecken mit Hubboden eingeplant. Für Familien und den Freizeitbereich ist ein Spaßbecken mit Rutsche, Massagedüsen und Sprudelliegen vorgesehen. Auch ein Kleinkindbecken ist in den Planungen berücksichtigt. Außerhalb des Hauptgebäudes wird es eine zusätzliche Art von Spaßbecken geben, zusätzlich ist hier ein Planschbereich geplant.

Für die Saunalandschaft sind eine finnische Sauna, eine Blocksauna und eine Außensauna vorgesehen, jeweils mit den dazugehörigen Abkühlmöglichkeiten. Die Planer sehen auch Potenzial für die Erweiterung um ein Fitnessstudio und einen Wellnessbereich, wobei diese Aspekte noch genauer geprüft werden müssen.

Im Hinblick auf die Erschließung und Parkmöglichkeiten wird die innovative Lösung einer Tiefgarage umgesetzt, in die alle Parkplätze verlegt werden. Dies trägt zur Entlastung der Oberfläche bei und schafft mehr пространство für die Außengestaltung des Badgeländes.

Die Sauna wird im ersten Stock im Gebäuderiegel an der Hans-Keis-Straße untergebracht. Eine diskutierte Rutsche ist in den Planungen bereits vorgesehen. Im Süden dieses Riegels ist ein Gastronomiebereich mit der Bestimmung "Freizeit" eingeplant, wobei die Größe dieses Bereichs noch in der Schwebe bleibt.

Herausforderungen und Zeitplan

Die Baumaßnahme ist mit erheblichen Herausforderungen verbunden, die verschiedene Aspekte des Projekts betreffen. Die Dauer der Bauzeit ist mit knapp drei Jahren veranschlagt, in denen Vereine, Schulen und Freizeitschwimmer in Pullach auf dem Trockenen sitzen werden. Der Baubeginn ist für den Jahresbeginn 2026 geplant, die Fertigstellung für den Herbst 2028.

Diese lange Bauphase wirft die Frage auf, wie die gastronomische Versorgung der Besucher während der Bauzeit organisiert werden kann. Ein Gemeinderatsmitglied (Andreas Most, Pullach Plus) äußerte Bedenken dahingehend, ob man mit einem Lokal hier genug verdienen könne. Diese wirtschaftlichen Überlegungen müssen in die weiteren Planungen einfließen.

Auch die Organisation der Baustelle selbst stellt eine Herausforderung dar. Es müssen Lösungen gefunden werden, um die Belästigungen für die Anwohner zu minimieren und den Betrieb im Umfeld des Bads aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig muss gewährleistet werden, dass die Bauarbeiten effizient und termingerecht durchgeführt werden können.

Ein weiterer kritischer Aspekt ist die Frage, wie mit dem maroden alten Schwimmbad verfahren werden soll, bis der Neubau fertiggestellt ist. Es besteht die Sorge, dass das alte, notdürftig geflickte Freizeitbad bis Ende 2025 nicht mehr betrieben werden kann. Dies würde bedeuten, dass die Badegäste bereits vor dem Baubeginn des Neubaus ohne Alternative dastehen würden.

Das bestehende Bad ist derzeit nur noch eingeschränkt nutzbar. Wie aus den Berichten hervorgeht, ist das Außen-Erlebnisbecken bereits ab dem 15. September 2025 gesperrt, da dort umfangreiche Sanierungen nötig sind. Das gesamte Pullacher Freizeitbad bleibt wegen Revisionsarbeiten vom 6. bis 27. Oktober 2025 komplett geschlossen. Die Außenanlagen mit Liegewiese, Spielplatz, Sportflächen und der Eltern-Kind-Bereich bleiben jedoch zugänglich.

Zukunftsperspektiven und Nachhaltigkeit

Die Planungen für das neue Schwimmbad in Pullach berücksichtigen moderne Standards und Nachhaltigkeitsaspekte. Die Zusammenarbeit mit der Geothermie-Gesellschaft Innovative Energie für Pullach (IEP) deutet auf ein nachhaltiges Energiekonzept hin, das langfristige Kosten- und Umweltvorteile mit sich bringen könnte.

Die geplanten Maßnahmen bieten verschiedene Vorteile für die Gemeinde und ihre Bürger. Das breite Nutzungsangebot durch den Mehrzweck- und Kursbereich spricht unterschiedliche Zielgruppen an, von Schulklassen über Vereine bis hin zu Familien und Senioren. Die verschiedenen Becken und Saunaangebote ermöglichen es, das Bad zu einem ganzjährigen Freizeit- und Wellnesszentrum zu entwickeln.

Die Tiefgaragenlösung trägt zur Attraktivität des Standorts bei und macht das Bad auch für Besucher aus anderen Gemeinden interessant, die mit dem Auto anreisen. Gleichzeitig wird durch die zentrale Lage eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr gewährleistet.

Wirtschaftliche Überlegungen und Betrieb

Die wirtschaftliche Tragfähigkeit des neuen Schwimmbads ist ein zentraler Aspekt, der bereits in den Planungen berücksichtigt wird. Die Gemeinderatsmitglieder diskutieren die optimalen Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Betrieb. Dabei spielen sowohl die Bau- als auch die Betriebskosten eine wichtige Rolle.

Die Frage der optimalen Größe des Gastronomiebereichs ist noch nicht abschließend geklärt. Ein zu kleiner Bereich könnte die wirtschaftliche Basis schwächen, während ein zu großer Bereich zusätzliche Kosten verursachen würde. Diese Abwägung erfordert eine sorgfältige Analyse der zu erwartenden Besucherzahlen und des gastronomischen Potenzials.

Die geplante Zusammenarbeit mit der Geothermie-Gesellschaft IEP könnte nicht nur Nachhaltigkeitsziele unterstützen, sondern auch Betriebskosten reduzieren. Ein nachhaltiges Energiekonzept könnte sich langfristig finanziell auszahlen und die Gemeinde von der Volatilität der Energiepreise unabhängiger machen.

Einbindung in die kommunale Freizeitinfrastruktur

Das neue Schwimmbad ist nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil der gesamten Freizeitinfrastruktur der Gemeinde. Die Planungen berücksichtigen die Vernetzung mit anderen kommunalen Einrichtungen und Angeboten. So könnten Synergien mit Schulen, Vereinen und anderen öffentlichen Einrichtungen geschaffen werden.

Die Möglichkeit, Mehrzweck- und Kursbereiche anzubieten, eröffnet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Von Wassergymnastik für Senioren über Schwimmkurse für Kinder bis hin zu Trainingsmöglichkeiten für Wassersportvereine – das neue Bad soll unterschiedlichste Zielgruppen ansprechen.

Die geplante Tiefgarage trägt dazu bei, das Bad auch für Besucher aus anderen Gemeinden attraktiv zu machen. Dies könnte positive Effekte auf die lokale Wirtschaft haben, da die Badegästen auch andere Angebote in der Gemeinde nutzen könnten.

Technische und planerische Besonderheiten

Das Projekt weist einige technische und planerische Besonderheiten auf, die bei der Umsetzung berücksichtigt werden müssen. Die L-förmige Bauweise am alten Standort stellt eine Herausforderung dar, da die Bauarbeiten bei laufendem Betrieb des alten Bads erfolgen müssen, solange es noch betriebsfähig ist.

Die Integration der verschiedenen Funktionsbereiche – von den Schwimmbecken über die Sauna bis hin zu den Gastronomie- und Freizeitbereichen – erfordert eine sorgfältige Planung. Dabei müssen sowohl technische Aspekte wie Haustechnik und Brandschutz als auch Nutzeraspekte wie Barrierefreiheit und Besucherfluss berücksichtigt werden.

Die Wahl verschiedener Beckentypen – vom 25-Meter-Bahnenbecken über das Lehrschwimmbecken mit Hubboden bis hin zum Spaßbecken mit verschiedenen Attraktionen – erfordert spezifische technische Lösungen. Jeder Beckentyp stellt unterschiedliche Anforderungen an Wasseraufbereitung, Temperatur und Tiefe.

Die Saunalandschaft mit ihren verschiedenen Saunatypen (finnische Sauna, Blocksauna, Außensauna) und den entsprechenden Abkühlmöglichkeiten muss als zusammenhängender Bereich geplant werden, der sowohl Entspannung als auch Regeneration ermöglicht.

Kommunikation und Bürgerbeteiligung

Die Planungen für das neue Schwimmbad haben eine lange Vorgeschichte mit verschiedenen Phasen der Bürgerbeteiligung. Die Gründung der Arbeitsgruppe Schwimmbad aus dem Gemeinderat heraus war ein erster Schritt, die Anforderungen und Wünsche der Bürger systematisch zu erfassen und in die Planungen einfließen zu lassen.

Die Gemeinderatsmitglieder sprachen sich dafür aus, dass nun "zeitnah umgesetzt" werden soll, was auf dem Papier steht. Dieses Bekenntnis zur zügigen Umsetzung zeigt den Willen, das langwierige Planungsverfahren nun zum Abschluss zu bringen und in die konkrete Bauphase überzugehen.

Die Transparenz in der Kommunikation über den Projektstatus ist wichtig, um das Vertrauen der Bürger zu erhalten und sie über die weiteren Schritte auf dem Laufenden zu halten. Die Bereitstellung von Informationen über den Zeitplan, die geplanten Maßnahmen und die erwarteten Auswirkungen trägt dazu bei, die Akzeptanz für das Projekt zu erhöhen.

Mögliche Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft

Der Neubau des Schwimmbads wird voraussichtlich Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft haben, sowohl während der Bauphase als auch nach der Fertigstellung. Während der Bauphase werden Unternehmen aus der Baubranche und deren Zulieferer von Aufträgen profitieren. Dies könnte positive Effekte auf die lokale Wirtschaft haben und Arbeitsplätze schaffen.

Nach der Fertigstellung könnte das neue Bad als Freizeit- und Wellnesszentrum Besucher aus der gesamten Region anziehen. Dies würde nicht nur dem Betreiber des Bads wirtschaftliche Vorteile bringen, sondern auch anderen lokalen Unternehmen in den Bereichen Gastronomie, Einzelhandel und Dienstleistungen.

Die geplanten Investitionen in die kommunale Infrastruktur könnten zudem signalisieren, dass die Gemeinde Pullach in ihre Zukunft investiert. Dies könnte sich positiv auf das Image der Gemeinde auswirken und potenzielle Investoren und Neubürger anlocken.

Fazit

Der Neubau des Freizeitbads in Pullach ist ein ehrgeiziges Projekt mit großer Bedeutung für die kommunale Freizeitinfrastruktur. Nach Jahren der Planung und Diskussion liegt nun ein umfassendes Konzept vor, das die Anforderungen und Wünsche der Bürger berücksichtigt. Das L-förmige Gebäude am alten Standort wird mit modernster Ausstattung und vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten aufwarten.

Die Herausforderungen, insbesondere die lange Bauzeit und die damit verbundene Schließung des alten Bads, sind nicht zu unterschätzen. Dennoch bietet das Projekt große Chancen für die Entwicklung der kommunalen Freizeitinfrastruktur. Die geplanten Maßnahmen – von den verschiedenen Beckentypen über die Saunalandschaft bis hin zur Tiefgaragenlösung – schaffen die Grundlage für ein modernes Freizeit- und Wellnesszentrum, das unterschiedliche Zielgruppen ansprechen wird.

Die nachhaltigen Energiekonzepte und die geplante Zusammenarbeit mit der Geothermie-Gesellschaft IEP zeigen, dass bei der Planung auch langfristige Aspekte berücksichtigt werden. Dies könnte sich nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich als vorteilhaft erweisen.

Der einstimmige Beschluss des Gemeinderats und das Bekenntnis zur zügigen Umsetzung zeigen den Willen, das langwierige Planungsverfahren nun zum Abschluss zu bringen. Die konsequente Umsetzung der Planungen wird darüber entscheiden, ob das neue Schwimmbad tatsächlich zu einem Gewinn für die Gemeinde und ihre Bürger wird.

Die nächsten Schritte – die Vorbereitung des Architektenwettbewerbs und die weitere Ausarbeitung der Detailplanungen – werden entscheidend sein für den Erfolg des Projekts. Dabei müssen technische, wirtschaftliche und soziale Aspekte sorgfältig abgewogen werden, um ein Bad zu schaffen, das den vielfältigen Ansprüchen der Nutzer gerecht wird und langfristig tragfähig ist.

Quellen

  1. Süddeutsche Zeitung: Pullach Gemeinderat beschließt Neubaukonzept

  2. Merkur: Entwurf für das neue Schwimmbad

  3. Holzmann Bauberatung: Pullachs neues Schwimmbad

  4. Süddeutsche Zeitung: Sanierung des maroden Bades

  5. Gemeinde Pullach: Aktuelles zum Freizeitbad

  6. Vorortleben: Schließung wegen Revisionsarbeiten

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