Staatliche Förderung für Hausrenovierung: Umfassender Leitfaden zu BEG, KfW und BAFA-Programmen 2024

Einleitung

Die energieeffiziente Sanierung von Bestandsgebäuden gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung, nicht nur aufgrund steigender Energiekosten, sondern auch wegen der ambitionierten Klimaschutzziele der Bundesregierung. Staatliche Förderprogramme bieten dabei finanzielle Unterstützung für Hausbesitzer, die ihre Immobilien modernisieren möchten. Das komplexe System aus verschiedenen Fördertöpfen – von der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) über KfW-Kredite bis hin zu BAFA-Zuschüssen – erfordert jedoch eine sorgfältige Planung und rechtzeitige Antragstellung. Dieser umfassende Leitfaden erläutert die aktuellen Fördermöglichkeiten, ihre Kombinationsoptionen und die entscheidenden Anforderungen für eine erfolgreiche Antragstellung.

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude bildet das Herzstück der staatlichen Unterstützung für energieeffiziente Sanierungen in Deutschland. Dieses Förderinstrument gliedert sich in verschiedene Teilprogramme, die sowohl Komplettsanierungen als auch Einzelmaßnahmen abdecken.

Bei der Komplettsanierung von bestehenden Gebäuden zu Effizienzhäusern – auch bei der Umwidmung von Nichtwohnflächen zu Wohnflächen – werden zinsgünstige Kredite mit Tilgungszuschüssen bereitgestellt. Diese Tilgungszuschüsse stellen eine erhebliche finanzielle Entlastung dar, da sie das Darlehen reduzieren und somit die Laufzeit verkürzen. Die Höhe der Tilgungszuschüsse und der maximalen Kreditsumme richtet sich nach der Art der Sanierung und dem erreichten Effizienzhaus-Standard. Die Komplettsanierung wird über das KfW-Programm 261 gefördert.

Förderung von Einzelmaßnahmen über BAFA

Für Einzelmaßnahmen zur Verbesserung der Gebäudehülle, neue Heizungsanlagen, die Optimierung bestehender Heizungsanlagen und den Einsatz optimierter Anlagentechnik bietet das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) Zuschüsse in unterschiedlicher Höhe an. Auch die fachliche Beratung und Begleitung wird gefördert.

Die Förderung für Einzelmaßnahmen wurde zuletzt reformiert, wobei das BAFA weiterhin die Förderung von effizienten Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle, Anlagentechnik (außer Heizung), Heizungsoptimierung sowie die Errichtung, den Umbau und die Erweiterung von Gebäudenetzen bearbeitet. Die restlichen Anlagen zur Wärmeerzeugung werden durch die KfW gefördert.

Spezielle Heizungsförderung 2024

Seit 2024 gibt es eine neue Förderung für klimafreundliche Heizungen über die staatliche Förderbank KfW. Diese besteht aus einer Grundförderung und mehreren Bonusförderungen, die miteinander kombiniert werden können. So sind bis zu 70 Prozent Zuschuss für die neue Heizung möglich, allerdings nur für Kosten bis zu 30.000 Euro. Der maximale Zuschuss beträgt somit 21.000 Euro. Diese Förderung wird über das KfW-Programm 458 abgewickelt.

Zuschusssätze und Förderhöhen

Für Maßnahmen zur Dämmung, Erneuerung von Fenstern oder Heizungsoptimierung können bis zu 15 Prozent der Kosten erstattet werden. Wenn ein Energieberater einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) erstellt und Maßnahmen daraus umgesetzt werden, sind es sogar bis zu 20 Prozent Erstattung. Die Kostenobergrenze liegt bei 60.000 Euro mit Sanierungsfahrplan, ohne Sanierungsfahrplan nur bei 30.000 Euro.

Kombinierbare Fördermöglichkeiten

Die Förderung kann durch regionale Programme erhöht werden. Viele Bundesländer und Kommunen bieten eigene Förderprogramme an, die meist mit den staatlichen Programmen kombinierbar sind. Manche setzen sogar voraus, dass auch das Förderprogramm des BAFA genutzt wird. Um die Förderung zu maximieren, lohnt es sich, für das jeweilige Bundesland oder die Kommune zu prüfen, welche Fördermöglichkeiten bestehen.

Weitere KfW-Förderprodukte

Die Bundesregierung fördert über die KfW Bankengruppe zudem klimafreundliche Neubauten, den barrierefreien Umbau und den Einbruchschutz von Gebäuden sowie Photovoltaikanlagen durch zinsgünstige Kredite oder Zuschüsse. Zu den wichtigsten Produkten zählen:

  • KfW-Produkt 296: Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment – Wohngebäude
  • KfW-Produkt 297/298: Klimafreundlicher Neubau - Wohngebäude
  • KfW-Produkt 300: Wohneigentum für Familien - Neubau
  • KfW-Produkt 308: Wohneigentum für Familien – Bestandserwerb (Jung kauft Alt)
  • KfW-Produkt 159: Altersgerecht Umbauen
  • KfW-Produkt 270: Erneuerbare Energien für Strom und Wärme

Ergänzungskredite und Finanzierung

Wenn die Zusage für einen Zuschuss (auch vom BAFA) vorliegt und noch weiterer Finanzierungsbedarf besteht, kann ein Ergänzungskredit der KfW (Programm 358/359) genutzt werden. Dieser wird über einen Finanzierungspartner, zum Beispiel die Hausbank, beantragt.

Antragstellung und Verfahrensablauf

Die Antragstellung für BEG-Einzelmaßnahmen erfolgt über das BAFA-Portal. Ab dem 1. Januar 2024 wurde für die BEG-Einzelmaßnahmen das Verfahrenskennzeichen "BEGPT" eingeführt, das auf die umfangreichen Änderungen der Richtlinie und die weitere Digitalisierung der Antragsprozesse zurückzuführen ist. Den Bearbeitungsstatus des Antrags kann direkt online im BAFA-Portal eingesehen werden.

Bei der Antragstellung einer BEG-Einzelmaßnahme erhalten Antragsteller eine Vorgangsnummer, die sich aus dem Verfahrenskennzeichen und einer 8-stelligen Nummer zusammensetzt. Der technische Projektnachweis (TPN) für die Antragstellung im BEG EM ab dem 01.01.2024 kann online erstellt werden.

Anforderungen und Qualitätsstandards

Die Förderprogramme stellen strenge Anforderungen an die Dämmwirkung der Maßnahmen, die sogar über die Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) hinausgehen. Das bedeutet, dass in der Regel mehr gedämmt werden muss oder beispielsweise Fenster mit noch besserem Wärmeschutz gewählt werden müssen, als das Gesetz vorschreibt. Diese höheren Standards führen einerseits zu höheren Energieeinsparungen nach der Sanierung, können andererseits aber die Sanierung verteuern.

Energieberatung und Sanierungsfahrplan

Beim BAFA kann ein Zuschuss zu einer umfangreichen Energieberatung des Wohngebäudes oder zu einem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) beantragt werden. Der Sanierungsfahrplan ist besonders vorteilhaft, da er nicht nur höhere Zuschusssätze ermöglicht, sondern auch die Kostenobergrenze verdoppelt.

Zeitpunkt der Antragstellung

Ein entscheidender Punkt für den Förderungserfolg ist der Zeitpunkt der Antragstellung: Fördermittel gibt es nur, wenn sie vor dem Start der Arbeiten beantragt werden. Sobald ein Liefer- oder Leistungsvertrag ohne die Förderklausel unterschrieben ist, ist die Förderung ausgeschlossen. Die einzige Ausnahme bildet die steuerliche Förderung. Bei regionalen Förderprogrammen darf in der Regel noch kein Vertrag zur Durchführung der Maßnahmen unterschrieben worden sein.

Regionale Förderprogramme

Zusätzlich zu den bundesweiten Programmen existieren zahlreiche regionale Fördermöglichkeiten auf Landes- und kommunaler Ebene. Diese Programme können für die gleiche Maßnahme mit den staatlichen Programmen kombiniert werden. Um die Förderung zu maximieren, ist es ratsam, bei der jeweiligen Kommune oder Stadtverwaltung nach den lokalen Fördermöglichkeiten zu fragen.

Digitalisierung und Online-Services

Die Digitalisierung der Antragsprozesse schreitet voran. Seit 2024 können technische Projektnachweise online erstellt und der Bearbeitungsstatus der Anträge direkt eingesehen werden. Diese Entwicklung vereinfacht den Antragsprozess für die Antragsteller erheblich und verkürzt die Bearbeitungszeiten.

Häufige Fragen und Unterstützung

Die häufigsten Fragen zur BEG beantwortet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) auf seiner Website. Darüber hinaus bieten verschiedene Beratungsstellen, Energieberater und Finanzdienstleister Unterstützung bei der Antragstellung und Planung der Sanierungsmaßnahmen.

Fazit

Die staatliche Förderung für Hausrenovierungen in Deutschland bietet attraktive Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung energieeffizienter Sanierungsmaßnahmen. Von der Bundesförderung für effiziente Gebäude über BAFA-Zuschüsse bis hin zu KfW-Krediten mit Tilgungszuschüssen – das System ist umfassend, aber auch komplex. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der rechtzeitigen Planung, sorgfältigen Antragstellung und optimalen Kombination verschiedener Fördertöpfe. Hausbesitzer, die diese Möglichkeiten strategisch nutzen, können nicht nur ihre Energiekosten langfristig senken, sondern auch einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten, während sie gleichzeitig von staatlicher finanzieller Unterstützung profitieren.

Quellen

  1. Verbraucherzentrale - Förderung fürs Eigenheim: So finden Sie das richtige Förderprogramm
  2. Finanztip - Energetische Sanierung: Förderung
  3. BAFA - Förderprogramm im Überblick

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