Die Sanierung der Stuttgarter Staatstheater ist ein eines der größten Kulturprojekte der Stadt, das weitreichende Folgen für den Opernbetrieb und die Stadtentwicklung hat. Das Vorhaben, das den denkmalgeschützten Littmann-Bau aus dem Jahr 1911 modernisieren und erweitern soll, ist von massiven Herausforderungen geprägt. Ursprünglich war geplant, den Betrieb in einer Interimsspielstätte fortzuführen, während die Sanierung des Hauptgebäudes rund zehn Jahre dauert. Wie die jüngsten Entwicklungen zeigen, gerät dieses ehrgeizige Vorhaben jedoch ins Stocken. Steigende Baukosten, eine schwierige Haushaltslage und Planungsprobleme führen zu erheblichen Verzögerungen und einer Neuorientierung, die sowohl das Interim als auch den Hauptabschnitt des Projekts betreffen.
Die Planung für die Sanierung und den dazugehörigen Interimsbau hat sich deutlich hingezogen. Wie die verantwortlichen Akteure bekanntgaben, hat die Überprüfung von Einsparpotenzialen ein ernüchterndes Ergebnis erbracht. Das Grundkonzept für die Ausweichspielstätte muss deshalb grundlegend überarbeitet werden. Die Devise lautet: Das Interim muss kleiner und einfacher werden, um die Bauzeit und -kosten im Rahmen zu halten. Denn zum Zeitpunkt der Planung sind die Baukosten in ganz Deutschland stark gestiegen, und die finanzielle Lage der Stadt Stuttgart ist aktuell schwierig. Der Interimsbau ist damit der Hauptansatzpunkt für Einsparungen, obwohl die Staatstheater betonen, dass die eigentliche Sanierung des Opernhauses oberste Priorität hat und nicht in Frage gestellt wird. Die geplanten Kürzungen betreffen vor allem die Standards und die Qualität von Büros, Garderoben oder Logistikflächen. Eine drastische Reduzierung von Sitzplätzen lehnt der Geschäftsführer der Staatstheater jedoch ab, da die Veranstaltungen gut nachgefragt werden und bereits auf 1.200 Plätze reduziert wurde.
Diese Neuplanung führt zwangsläufig zu Verschiebungen im Zeitplan. Lag der geplante Baubeginn für den Interimsbau zuvor im Jahr 2026 und das Ende 2029, so verschiebt sich der Start nun voraussichtlich auf das Jahr 2028 und das Ende auf 2032. Der Spielbetrieb in der Interimslösung kann somit erst etwa ab dem dritten Quartal 2033 aufgenommen werden. Dies bedeutet, dass die Staatstheater länger als ursprünglich geplant in dem renovierungsbedürftigen Opernhaus verbleiben müssen. Die Wiedereröffnung des sanierten Littmann-Baus am Oberen Schlossgarten verschiebt sich ebenfalls massiv. Nach aktuellen Informationen soll die Oper im zweiten Quartal 2042 eingeweiht werden, was eine vierjährige Verzögerung gegenüber den ursprünglichen Plänen bedeutet.
Die Verzögerung macht die Sanierung nicht nur für den laufenden Betrieb problematisch, sondern verschärft auch die finanzielle Situation. Ursprünglich wurde die Gesamtsumme für die Sanierung auf eine Milliarde Euro geschätzt. Diese Schätzung ist jedoch bereits veraltet. Insiderkreise zufolge wird davon ausgegangen, dass die Kosten auf bis zu zwei Milliarden Euro ansteigen könnten. Eine offizielle Summe ist zwar noch nicht bekannt, aber die Verzögerungen birgen das Risiko, dass sich die Kosten durch weitere Baukostensteigerungen nochmals erhöhen. Der Verantwortliche betonen jedoch, dass diese Kostensteigerungen zwar wahrscheinlich, aber noch nicht final bestätigt sind.
Das Projekt ist in drei Teilprojekte gegliedert. Das erste und zentrale Teilprojekt ist die Sanierung, Modernisierung und Erweiterung des Littmann-Baus am Oberen Schlossgarten. Der Baubeginn für dieses Projekt ist für den Sommer 2033 geplant, mit einer Fertigstellung zwischen Frühling und Sommer 2041. Das zweite Teilprojekt ist der Neubau eines Kulissenlagers auf dem Areal der Cannstatter Zuckerfabrik im Hallschlag. Der Baubeginn ist für das zweite Quartal 2028 geplant, die Nutzung wird ab dem dritten Quartal 2031 möglich sein. Das dritte Teilprojekt ist der Bau der bereits erwähnten Interimsspielstätte im neuen Rosenstein-Quartier. Sie wird auf dem C-1-Gelände im Nordbahnhof, nahe des Pragfriedhofs und hinter den Wagenhallen, in der so genannten Maker City entstehen. Der Bau der Interimslösung ist den aktuellen Planungen zufolge für Ende 2028 geplant. Die Übergabe soll im letzten Quartal 2022 erfolgen, was eine Bauzeit von knapp fünf Jahren bedeutet. Nach der Nutzung als Interimsoper soll der Bau als multifunktionaler Veranstaltungsort weiterverwendet werden.
Der Siegerentwurf für den Interimsstandort, der aus einem offenen internationalen städtebaulichen Wettbewerb im Jahr 2019 hervorgegangen ist, wurde lobend hervorgehoben. Die Jury bescheinigt dem Entwurf eine "Leichtigkeit und Lässigkeit" sowie einen schonenden Umgang mit Ressourcen. Die transparente und offene Architektur füge sich gut in das lebendige Umfeld der Wagenhallen ein. Die städtebauliche Leitidee sieht bereits in der ersten Bauphase eine Folgenutzung vor, um unnötigen Abriss zu vermeiden. Die hohe Flexibilität der gebauten Strukturen ermöglicht verschiedenste gewerbliche Nachnutzungen. Das Vorhaben sei nicht nur ein faszinierendes Stadtentwicklungsprojekt, sondern biete eine wunderbare Chance für Kultur und Publikum, neue Räume zu erobern.
Für die weitere Planung des Interimsstandorts beginnen in den kommenden Monaten die Vergabeverfahren, unter anderem für die Planung von Tragwerk, Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro. Verantwortlich dafür zeichnet das städtische Hochbauamt mit Unterstützung der Pesch Partner Architektur Stadtplanung GmbH. Gleichzeitig erarbeitet die Stadt den Bebauungsplan und bereitet die Erschließung des Gebiets C-1 vor. Die Erschließungsarbeiten – also der Bau von Straßen und Kanälen – sollen Mitte 2025 beginnen. Die Kosten für die Interimsoper sind mit 224 Millionen Euro veranschlagt.
Die Sanierung der Staatsoper Stuttgart ist ein komplexes und langwieriges Unterfangen, das von Planungsproblemen, externen Faktoren wie Baukostensteigerungen und der finanziellen Lage der Stadt geprägt ist. Die Entscheidung, den Fokus auf die Neukonzeption des Interimsbaus zu legen, um die Gesamtkosten zu senken und das Vorhaben zu retten, ist dabei der pragmatische Weg. Die erneuten Verschiebungen im Zeitplan sind zwar für alle Beteiligten frustrierend, doch sie bieten auch die Möglichkeit, die Planungen zu optimieren und den Bau zu effizienter zu gestalten.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Sanierung der Stuttgarter Staatstheater von massiven Herausforderungen geprägt ist. Die Hauptursachen für die aktuellen Probleme liegen in den gestiegenen Baukosten und der schwierigen Haushaltslage der Stadt. Das ursprüngliche Konzept für die Interimsspielstätte erwies sich als zu kostspielig und musste deshalb grundlegend überarbeitet werden. Die Folge sind massive Verzögerungen: Der Interimsbau verschiebt sich um zwei Jahre auf 2028, die Wiedereröffnung der sanierten Oper um vier Jahre auf 2042. Gleichzeitig steigen die geschätzten Gesamtkosten von einer Milliarde Euro auf bis zu zwei Milliarden Euro. Das Projekt, das aus drei Teilprojekten besteht – der Sanierung des Littmann-Baus, dem Kulissenlager an der Zuckerfabrik und dem Interimsbau im Rosenstein-Quartier – bleibt trotz aller Widernisse auf Kurs. Der Siegerentwurf für das Interim wurde gelobt, und die Planungen laufen weiter. Trotz der Verzögerungen und Kostensteigerungen ist das Ziel einer grundlegenden Sanierung des denkmalgeschützten Opernhauses und seiner Wiedereröffnung als „Großes Haus“ weiterhin erreichbar.
Quellen
- SWR Aktuell Baden-Württemberg: Oper sanierung - Interimsbau soll kleiner und günstiger werden
- Stuttgarter Nachrichten: Opernsanierung bis 2044 - Stuttgarter Milliardenprojekt wird wohl später fertig
- Baden-Württemberg.de: Siegerentwurf für Interimsstandort des Stuttgarter Opernhauses
- SWR Aktuell Baden-Württemberg: Oper Stuttgart wird erst 2042 eingeweiht - Zeitplan, Sanierung, Interimsstandort, Kosten