Einleitung
Der Wiederaufbau des AquaOlsberg in Olsberg ist ein Prestige-Projekt für die Stadt. Nach dem verheerenden Großbrand in der Waldsauna im Oktober 2021, der durch einen Defekt in der Lichtanlage verursacht wurde, lag das Schicksal der historischen Sauerlandtherme lange Zeit in der Schwebe. Doch jetzt, getragen von einem klaren politischen Konsens und mit Unterstützung durch die Versicherungssumme, schreiten die Planungen und die Umsetzung des Wiederaufbaus voran. Ziel ist es, den beliebten Solebereich bereits im Herbst 2025 wieder zu eröffnen. Dieser Artikel blickt auf den Stand der Planungen, den Umfang der Sanierung und die ersten Konzepte für die Zukunft der Therme.
Die Rahmenbedingungen: Vom Großbrand zum Beschluss
Der Weg zum jetzigen Stand war geprägt von Unsicherheit und intensiven Diskussionen. Ein entscheidender Moment war der Beschluss des Stadtrates im Frühjahr, den Wiederaufbau des AquaOlsberg innerhalb des Rahmens der gezahlten Versicherungsleistungen zu realisieren. Dieser Beschluss ebnete den Weg für die weitere konkrete Planung. Ein Architekturbüro wurde mit den entsprechenden Planungen beauftragt. Bereits im September lagen die ersten Leistungsverzeichnisse vor, auf deren Basis die Maßnahmen nun konkretisiert werden können.
Bauphase 1: Dachsanierung als vorrangige Aufgabe
Die Prioritäten für den Wiederaufbau sind klar gesetzt. Der erste, entscheidende Teilabschnitt konzentriert sich auf die Sicherung und Wiederherstellung der Gebäudesubstanz. Herzstück ist die Erneuerung des durch den Großbrand beschädigten Daches und der Fassade. Diese Maßnahme dient nicht nur dem Schutz des Gebäudes vor weiteren Witterungsschäden, sondern ist auch eine zwingende Voraussetzung für die Wiederinbetriebnahme des Solebereichs und der Gastronomie mit Küche. Zusätzlich sieht dieser Bauabschnitt die Sanierung des Verwaltungsbereiches und der Sozialräume vor, um den Anforderungen des Arbeitsschutzrechtes nachzukommen. Die Sanierung der Behindertentoilette ist bereits im Gange und soll voraussichtlich im Januar abgeschlossen werden. Für diesen ersten Teilbereich wird ein Kostenvolumen von etwa 2,5 Millionen Euro veranschlagt, ein Betrag, der durch die Versicherungsleistungen vollständig abgedeckt werden soll.
Grundriss und Kosten: Der Plan des Architekturbüros
Neben den zwingend notwendigen Baumaßnahmen für die Wiedereröffnung des Solebereichs wurden bereits im Vorfeld Konzepte für eine umfassende Neugestaltung der gesamten Therme entwickelt. Das Architekturbüro Passgang Architekten BDA präsentierte der Stadt Olsberg zwei detaillierte Entwürfe, die sich in ihrem Umfang und ihren Kosten deutlich unterscheiden.
Konzept I: Dieses Konzept stellt die kostengünstigere Variante dar. Die geschätzten Kosten belaufen sich hierbei auf 14,7 Millionen Euro. Die Planungen sehen die Zusammenlegung der Außen- und Innengastronomie vor. Besonders innovativ ist das Ensemble aus kleinen Saunahütten, das anstelle des ursprünglichen Saunabereichs treten soll. Ein zusätzliches Ruhehaus und ein Outdoor-Schwimmteich sind weitere Kernelemente. Ein zweites Sole-Außenbecken ist fester Bestandteil dieses Konzepts.
Konzept II: Das zweite Konzept ist mit 17,4 Millionen Euro deutlich kostenintensiver. Es unterscheid sich im Wesentlichen durch den Solebereich. Anstelle eines zweiten Außenbeckens wird hier eine Vergrößerung des vorhandenen Sole-Beckens vorgesehen. Dieses soll von einer markanten Glaskonstruktion in Form eines Salzkristalls umgeben und überdacht werden. Diese Konstruktion kann sich öffnen und schließen und soll so energetische Vorteile bieten.
Gemeinsame Ziele beider Konzepte: Beide Planungsansätze verfolgen ähnliche Ziele. Sie setzen einen Schwerpunkt auf die Integration von viel Natur und Grün sowie auf eine durchdachte Nutzung von Licht und Farben. Der Eingangsbereich soll einladender gestaltet werden. Ein Ausbau des Angebots für Anwendungen wie Massagen ist vorgesehen. Die Saunen sollen künftig mit dem Strom aus einer eigenen Photovoltaikanlage betrieben werden können, um die Nachhaltigkeit zu erhöhen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Barrierefreiheit der gesamten Anlage, die durch die Neugestaltung weiter ausgebaut werden soll. Schließlich ist auch eine verstärkte Fokussierung auf die Kneipp-Tradition ein zentraler Bestandteil der Planungen. Diese ist seit 1895 in Olsberg verankert und macht die Stadt zum ältesten Kneipp-Ort in NRW, was laut dem zuständigen Architekten ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal darstellt.
Wichtige Änderungen: Einige der vorgeschlagenen Maßnahmen haben auch Auswirkungen auf bestehende Einrichtungen. So soll das aktuell bestehende und in Betrieb befindliche Freibad mit einem Sportbecken durch den Umbau wegfallen. Die Stadt Olsberg begründet dies mit der geringen Nachfrage, die diesen Schritt unproblematisch mache.
Herausforderungen bei der Umsetzung: Die Sanierung ist nicht als Komplettabriss und Neubau geplant, sondern soll im laufenden Betrieb der Therme stattfinden. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Bauabläufe und führt, laut den Berechnungen des Architekturbüros, zu einer Bauzeit von mindestens zwei Jahren.
Finanzierung: Die Realität der Kosten
Die Projekte der Architekten sind ambitioniert, doch die Realität der städtischen Finanzen ist ein entscheidender Faktor. Bürgermeister Wolfgang Fischer machte klar, dass Investitionen in der Größenordnung von 14 bis 17 Millionen Euro, wie sie im Rahmen der Planungen genannt wurden, nicht finanzierbar sind. Der finanzielle Rahmen wird vielmehr durch die Versicherungssumme aus dem Brandschaden, vorhandene Eigenmittel der Stadt Olsberg und möglicherweise zu erwartende Fördermittel vorgegeben. 17 Millionen Euro seien daher "kein Thema". Diese Aussage setzt den politischen Rahmen und wird die weitere Planung maßgeblich beeinflussen.
Bürgerbeteiligung: Ideen und Anforderungen
Die Stadt Olsberg hat großen Wert auf die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger gelegt. In mehreren Diskussionsrunden konnten die Bewohner ihre Wünsche und Anregungen für die Zukunft des AquaOlsberg äußern. In den Kleingruppendiskussionen wurde deutlich, dass dem Freibad im bisherigen Sinne ein hoher Stellenwert beigemessen wird. Viele Bürger sprachen sich für einen Erhalt aus, entweder in der jetzigen Form oder sogar in erweiterter Form. Andere wiederum hielten den Wegfall des jetzigen Freibades für vertretbar. Auch zur Saunalandschaft gab es konkrete Vorstellungen. Einige Teilnehmer regten an, das AquaOlsberg wieder so herzurichten wie vor dem Großbrand in der Waldsauna. Gleichzeitig wurde aber auch der Fachverstand einbezogen. Udo Winter, ein anerkannter Experte, brachte maßgebliche Vorschläge ein: Ein neues, überdachtes Sole-Außenbecken sowie zusätzliche Liegeflächen und neue Gesundheits- und Kneipp-Angebote. Ein überdachter Kleinkinderbereich sei besonders attraktiv für Familien mit kleinen Kindern. Winter sah in dieser Zielgruppe ein enormes Steigerungspotenzial von 30 Prozent bei gleichzeitig hoher Wirtschaftlichkeit durch eine geringe Wasserfläche. Ein wichtiger Punkt sei dabei die klare Trennung der beiden Besuchergruppen (Familien und Erwachsene) sowohl im Sole- als auch im Außenbereich. Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung werden nun durch die Stadtverwaltung und die Betriebsleitung der Sauerlandtherme zusammengefasst und dem Stadtrat vorgelegt, um die weitere Planung zu informieren.
Fazit
Der Wiederaufbau des AquaOlsberg ist ein komplexes und ambitioniertes Vorhaben, das die Stadt Olsberg und die gesamte Region vor große Herausforderungen stellt. Der Weg zum Erfolg ist vorgezeichnet: In einem ersten Schritt wird die Gebäudesubstanz durch die Dach- und Fassadensanierung gesichert, um den Solebereich noch im Herbst 2025 wieder eröffnen zu können. Langfristig werden die Neugestaltung der gesamten Anlage und die Integration von innovativen Elementen wie dem Kneipp-Bereich den Charakter des Bades nachhaltig prägen. Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung werden in die finalen Planungen einfließen. Der Schlüssel zum Erfolg wird die Balance zwischen den Wünschen der Bevölkerung, den technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten sowie dem politischen Willen sein.