Einleitung
Die umfassende Renovierung des Falkensteiner Hotels & Spa Carinzia in Hermagor, Kärnten, stellt ein signifikantes Beispiel für moderne Hotellerie-Renovierung dar. Zwischen März und Juli 2023 wurde eine Neugestaltung mit einem Investitionsvolumen von neun Millionen Euro durchgeführt, die sowohl strukturelle als auch konzeptionelle Änderungen umfasste. Diese Renovierung demonstriert, wie traditionelle Hotelkonzepte an moderne Gästeerwartungen angepasst werden können, wobei der Fokus auf Qualitätssteigerung, Nachhaltigkeit und verbesserten Gästeerlebnis liegt.
Projektüberblick und Investitionsstrategie
Die zwischen März und Juli 2023 durchgeführte Grundsanierung markierte einen Wendepunkt in der Geschichte des Carinzia-Hotels. Mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von neun Millionen Euro entspricht dies einer erheblichen Kapitalinvestition in die Modernisierung der Hotellandschaft. Die Falkensteiner Michaeler Tourism Group (FMTG) verfolgte dabei eine strategische Herangehensweise, die über reine Renovierung hinausging und eine konzeptionelle Neuausrichtung des gesamten Resorts beinhaltete.
Die Notwendigkeit der Renovierung ergab sich aus der 18-jährigen Betriebsdauer seit der ursprünglichen Eröffnung. Wie Constantin von Deines, Regionaldirektor der Falkensteiner Michaeler Tourism Group, erklärte: "Es war nie veraltet, aber 18 Jahre nach der Eröffnung war es an der Zeit, die lange geplante Sanierung mit dem Architekten Matteo Thun umzusetzen." Diese Aussage verdeutlicht, dass die Renovierung nicht dem Zwang zur Modernisierung entsprang, sondern einer strategischen Entscheidung zur Qualitätssteigerung und Anpassung an sich wandelnde Marktanforderungen.
Raumoptimierung durch Zimmerreduzierung
Eine der markantesten strukturellen Veränderungen war die Reduzierung der Zimmeranzahl von 160 auf 140. Diese Maßnahme, die auf den ersten Blick als Einschränkung erscheinen mag, folgt einer strategischen Logik zur Qualitätssteigerung. Constantin von Deines erklärte: "Der öffentliche Bereich wird außerdem privater und gemütlicher. Auch das steigert die Qualität für die Gäste noch einmal erheblich."
Durch diese Reduzierung entstanden 20 große Familiensuiten, die speziell auf die Bedürfnisse sportbegeisterter Familien zugeschnitten sind. Die Entscheidung gegen eine reine Mengenstrategie und für eine Qualitätssteigerung durch Vergrößerung der Einzelzimmer repräsentiert einen Trend in der gehobenen Hotellerie, bei dem Exklusivität und Komfort über Maximierung der Bettenkapazität gestellt wird.
Die regionale Marktanalyse unterstützte diese Entscheidung: "Das Angebot auf der Sonnenalpe ist voll auf Familien getrimmt", so von Deines. Diese Erkenntnis führte zu der Strategie, familienfreundliche Angebote zu erweitern, anstatt das allgemeine Portfolio zu diversifizieren.
Restaurationsbereich: Komplette Neugestaltung
Das Restaurant wurde "bis auf den Kern ausgehöhlt" und erstrahlt nun in völlig neuem Glanz. Diese umfassende Neugestaltung umfasste mehrere architektonische und funktionale Elemente:
Bodeninstallation: Neue Böden wurden verlegt, wobei der Fokus auf hochwertigen Materialien und langlebiger Konstruktion lag. Die Materialauswahl erfolgte unter Berücksichtigung sowohl ästhetischer als auch praktischer Aspekte.
Offene Kücheninseln: Die Integration offener Kücheninseln revolutioniert das kulinarische Erlebnis. Diese architektonische Lösung ermöglicht es Gästen, die Zubereitung ihrer Speisen direkt zu verfolgen. Vier bis acht Köche arbeiten in der Küchenlandschaft unter der Leitung von Chefkoch Sascha Berger vor den Augen der Gäste.
Private Sitznischen: Die Schaffung separater Sitzbereiche trägt zur Intimität und Privatsphäre bei, was insbesondere für Familien und kleinere Gruppen von Bedeutung ist.
Die Implementierung dieser Elemente erforderte eine vollständige Neukonzeption der Raumaufteilung und Technikintegration. Die offenen Kücheninseln stellen dabei besonders hohe Anforderungen an Belüftung, Brandschutz und Hygiene-Standards.
Lobby-Redesign: Holz-Licht-Interaktion
Die Lobby wurde "komplett umgestaltet", wobei besonderes Augenmerk auf "das perfekte Zusammenspiel von Holz und Licht" gelegt wurde. Diese Designphilosophie basiert auf der Integration natürlicher Materialien mit innovativer Beleuchtungstechnik.
Materialwahl: "Die Materialien sind noch hochwertiger und die Qualität höher. Holzböden, Naturmaterialien und ruhige Sitznischen sorgen für ein gemütliches Ambiente." Die Verwendung von Naturmaterialien unterstützt nicht nur die Ästhetik, sondern trägt auch zur Nachhaltigkeit bei.
Beleuchtungskonzept: Das durchdachte Beleuchtungsdesign schafft verschiedene Stimmungszonen innerhalb der Lobby und ermöglicht eine flexible Nutzung des Raumes für unterschiedliche Tageszeiten und Anlässe.
Sitzmobiliar: Die Integration ruhiger Sitznischen schafft intime Bereiche innerhalb des großzügigen Eingangsbereichs und unterstützt die Funktionalität der Lobby als zentraler Treffpunkt.
Spa- und Wellness-Bereich: Acquapura SPA
Der Acquapura SPA erhielt ein umfassendes "Fresh-Up" und erstreckt sich nun über 2.400 Quadratmeter. Diese erhebliche Erweiterung und Modernisierung umfasst mehrere spezialisierte Bereiche:
Wasseranlagen: - Beheizter Indoor- und Outdoor-Pool - "Pool der Sinne" - Outdoor-Whirlpool - Kinderbecken
Sauna- und Wärmebereiche: - Finnische Panoramasauna - "Gailtaler Sanarium" (regionale Spezialität) - Soledampfbad - Infrarotkabine - Kneipp-Möglichkeiten
Renovierungsphilosophie: Die Erhaltung der Holzböden im Spabereich verdeutlicht den nachhaltigen Ansatz: "Es wurde schon damals nachhaltig mit vielen Naturstoffen gebaut. Die Holzböden im Spabereich sind daher nicht neu, sondern revitalisiert." Diese Philosophie der Erhaltung und Aufwertung bestehender Strukturen statt vollständiger Erneuerung entspricht modernen Nachhaltigkeitsstandards.
Technische Integration: Die Modernisierung erforderte die Integration modernster Wasseraufbereitungstechnik, Heizsysteme und Kontrollmechanismen für die verschiedenen Temperatur- und Feuchtigkeitsbereiche.
Fitness-Einrichtungen: Vollständige Neugestaltung
Der Fitnessbereich wurde "völlig neu gestaltet" und ist nun "top ausgestattet". Diese Modernisierung berücksichtigt aktuelle Trends in der Sport- und Fitnessausstattung sowie veränderte Nutzererwartungen:
Geräteausstattung: Die moderne Ausstattung entspricht den Standards zeitgemäßer Fitnessstudios und ermöglicht vielfältige Trainingsmöglichkeiten für verschiedene Fitnesslevel.
Raumplanung: Die Neugestaltung umfasste eine optimierte Aufteilung der Trainingsflächen, die Berücksichtigung von Lüftungssystemen und die Integration moderner Technik.
Materialstrategie und Nachhaltigkeit
Die Renovierung folgte einer klaren Materialstrategie, die Nachhaltigkeit und Langlebigkeit priorisiert:
Holzböden: Die Verwendung hochwertiger Holzböden sowohl in der Lobby als auch im Spa-Bereich schafft eine einheitliche Designsprache und unterstützt die Nachhaltigkeitsziele.
Naturmaterialien: Der verstärkte Einsatz von Naturmaterialien trägt zur создания einer authentischen Atmosphäre bei und entspricht dem wachsenden Bewusstsein für ökologische Verantwortung.
Revitalisierung statt Erneuerung: Die Entscheidung, bestehende Holzböden im Spa-Bereich zu revitalisieren statt zu ersetzen, demonstriert einen ressourcenschonenden Ansatz, der sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll ist.
Bauphase: Herausforderungen und Lösungen
Die Renovierung zwischen Ende März und Mitte Juli gestaltete sich komplexer als ursprünglich geplant. Constantin von Deines erläuterte: "Im derzeit schwierigen Umfeld der Bauwirtschaft und durch Adaptierungen während der Bauphase – so waren etwa sechs verschiedene Tischler beteiligt – dauerte die Schließzeit von Ende März bis Mitte Juli etwas länger als geplant."
Koordinationsherausforderungen: Die Beteiligung mehrerer Handwerksbetriebe erforderte eine intensive Koordination und logistische Planung. Die Integration verschiedener Gewerke – von Tischlerarbeiten bis hin zu technischen Installationen – stellt eine komplexe Aufgabe in der Renovierung bestehender Strukturen dar.
Baumaterialienverfügbarkeit: Das "schwierige Umfeld der Bauwirtschaft" verweist auf Lieferkettenprobleme und Materialknappheit, die viele Bauprojekte in diesem Zeitraum beeinflussten.
Qualitätssicherung: Die Zusammenarbeit mit sechs verschiedenen Tischlern erforderte besondere Aufmerksamkeit in der Qualitätskontrolle und Koordination, um ein einheitliches Qualitätsniveau sicherzustellen.
Kulinarische Infrastruktur: Regionale Integration
Die neue kulinarische Ausrichtung basiert auf einer Integration regionaler Produkte: "Kulinarik hautnah, Region erlebbar" beschreibt das Konzept, bei dem Produkte "von regionalen Partnern und Nachbarn aus Italien stammen." Diese regionale Ausrichtung erfordert entsprechende Lager- und Vorbereitungsinfrastruktur in der Küche.
Erlebnisgastronomie: Die offene Küchenarchitektur ermöglicht es, "etwa beim Schafescheren, Käsemachen oder Bierbrauen dabei zu sein." Diese Integration von Produktionsprozessen in die Restaurantfläche erforderte spezielle bauliche Vorkehrungen und Genehmigungen.
Technische Anforderungen: Die offenen Kücheninseln stellen besondere Anforderungen an Belüftungssysteme, Brandschutz und Hygiene-Standards. Die Integration dieser Systeme in die bestehende Bausubstanz erforderte detaillierte Planung und Ausführung.
Personal und Betriebsführung
Die erfolgreiche Umsetzung der Renovierung wurde durch ein kompetentes Team unterstützt: "Im Falkensteiner Carinzia selbst sind es 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich im Resorthotel mit Direktor Marko Vuljan um die Gäste kümmern."
Fortbildung und Entwicklung: Das Management verfolgt einen inklusiven Ansatz bei der Personalrekrutierung: "Wir sind auch für das Anlernen von Quereinsteigern offen. Das Wichtigste ist die Leidenschaft, mit Menschen arbeiten zu wollen."
Authentizität: Die Betonung authentischer Mitarbeiter-Performance verdeutlicht die Erkenntnis, dass Personalqualität entscheidend für den Erfolg einer Renovierung ist: "Denn die Gäste würden sofort merken, ob jemand authentisch ist oder nicht."
Seminar- und Veranstaltungsinfrastruktur
Ein wichtiger Aspekt der Renovierung war die Modernisierung der Tagungs- und Veranstaltungsbereiche: "Zu Frequenzbringern im Carinzia zählen auch die großen Seminar- und Veranstaltungsräume. Speziell in den Nebensaisonen sind sie zu einem fixen Bestandteil geworden."
Kapazitäten: - Teilbarer Tagungsraum: bis zu 250 Personen - Großer Konferenzbereich: bis zu 350 Personen
Saisonale Optimierung: Die Integration hochwertiger Tagungsinfrastruktur trägt zur Geschäftsauslastung in Nebensaisons bei und diversifiziert die Einnahmequellen des Resorts.
Marktresponse und Geschäftserfolg
Die ersten Monate nach der Wiedereröffnung zeigten eine positive Marktresponse: "Die Buchungslage ist insgesamt besser als im Vorjahr. Wir sind also sehr zufrieden", berichtete Direktor Marko Vuljan. Diese positive Entwicklung bestätigt die strategische Ausrichtung der Renovierung.
Gästefeedback: "Dafür ist die Resonanz der Gäste seit der Wiedereröffnung enorm positiv. Besonders gut kommt der neue Gastronomiebereich an, wo wir alles auf den Kopf gestellt haben", so von Deines.
Preisgestaltung: Mit Preisen ab "knapp 300 Euro für ein Deluxe Zimmer mit Bergsicht" positioniert sich das Hotel im gehobenen Segment, was die Qualitätsausrichtung der Renovierung widerspiegelt.
Strategische Neupositionierung
Die Renovierung markiert eine strategische Neupositionierung des Hotels: Nach dem Umbau darf sich das Carinzia nun als "4-Sterne-Superior" bezeichnen. Diese Aufwertung entspricht nicht nur einer formalen Kategorisierung, sondern einer grundlegenden Qualitätssteigerung in allen Bereichen des Hotels.
Konzeptentwicklung: Die Überarbeitung der "Spa- und Kulinarik-Konzepte" ging über bauliche Maßnahmen hinaus und umfasste eine ganzheitliche Neukonzeption der Serviceangebote.
Zielgruppenorientierung: Die Kombination aus Familienfreundlichkeit, kulinarischen Erlebnissen und Wellness-Angeboten richtet sich an eine gehobene Zielgruppe, die Wert auf Qualität und Authentizität legt.
Nachhaltigkeitsaspekte der Renovierung
Die Renovierung des Falkensteiner Carinzia demonstriert verschiedene Ansätze zur Nachhaltigkeit in der Hotellerie:
Materialschonung: Die Revitalisierung bestehender Holzböden im Spa-Bereich statt vollständiger Erneuerung zeigt einen ressourcenschonenden Ansatz.
Langlebige Materialien: Die Verwendung hochwertiger Materialien zielt auf eine lange Nutzungsdauer ab, was langfristige Nachhaltigkeit unterstützt.
Energieeffizienz: Die Modernisierung umfasste wahrscheinlich auch Verbesserungen der Gebäudeautomation und energieeffizienter Systeme, auch wenn diese nicht explizit erwähnt wurden.
Regionale Integration und Markenstrategie
Die Falkensteiner Michaeler Tourism Group AG (FMTG) betreibt "in 6 europäischen Ländern 27 Vier- und Fünf-Sterne-Hotels, 3 Appartement-Anlagen und einen Premium Campingplatz." Diese Gruppenstruktur ermöglicht es, Ressourcen zu bündeln und Best Practices über verschiedene Standorte zu übertragen.
Regionale Verankerung: Die Integration regionaler Produkte und kultureller Elemente stärkt die lokale Verankerung und unterstützt die regionale Wirtschaft.
Markenentwicklung: Die erfolgreiche Aufwertung des Carinzia trägt zur Gesamtmarkenentwicklung der Falkensteiner-Gruppe bei und kann als Referenz für weitere Renovierungsprojekte dienen.
Fazit
Die umfassende Renovierung des Falkensteiner Hotels & Spa Carinzia stellt ein herausragendes Beispiel für strategische Hotellerie-Modernisierung dar. Mit einem Investitionsvolumen von neun Millionen Euro und einer Umsetzungszeit von vier Monaten wurde eine vollständige Neugestaltung realisiert, die über reine Renovierung hinausging und eine konzeptionelle Neuausrichtung des Resorts beinhaltete.
Die strategischen Entscheidungen – von der Reduzierung der Zimmeranzahl zugunsten größerer Familiensuiten bis zur Integration offener Küchen und regionaler Produkte – zeigen eine durchdachte Herangehensweise an moderne Gästeerwartungen. Besonders bemerkenswert ist die Balance zwischen Innovation und Nachhaltigkeit: Die Revitalisierung bestehender Materialien und die Verwendung hochwertiger, langlebiger Materialien demonstrieren ökonomische und ökologische Verantwortung.
Die positive Marktresponse und die verbesserte Buchungslage bestätigen den Erfolg der Renovierungsstrategie. Die Transformation vom 4-Sterne- zum 4-Sterne-Superior-Hotel unterstreicht die erfolgreiche Qualitätssteigerung und Positionierung im gehobenen Marktsegment.
Für die Hotellerie-Branche bietet diese Renovierung wichtige Erkenntnisse: Die Kombination aus strukturellen Verbesserungen, konzeptioneller Neuausrichtung und nachhaltigem Ansatz kann als Blueprint für ähnliche Projekte dienen. Die Integration regionaler Elemente, die Fokussierung auf Qualität statt Quantität und die Berücksichtigung moderner Gästeerwartungen stellen Erfolgsfaktoren dar, die über den Einzelfall hinaus Bedeutung haben.
Die erfolgreiche Umsetzung trotz der Herausforderungen in der Bauwirtschaft und die positive Mitarbeiter- und Gästeresponse demonstrieren, dass durchdachte Renovierungsstrategien auch in komplexen Umfeldern erfolgreich umgesetzt werden können. Das Carinzia-Projekt zeigt, wie traditionsreiche Hotelstandorte durch strategische Investitionen und innovative Konzepte erfolgreich modernisiert werden können.
Quellen
- Zwischen März und Juli 2023 wurde das Falkensteiner Hotel & Spa Carinzia umfassend renoviert
- Das Falkensteiner Hotel & Spa Carinzia in Hermagor in Kärnten hat nach einem umfassenden Umbau seine Wiedereröffnung gefeiert
- Hotel der Falkensteiner-Grupe in Kärnten wurde zu 4-Sterne-Superior aufgewertet
- Es war nie veraltet, aber 18 Jahre nach der Eröffnung war es an der Zeit, die lange geplante Sanierung umzusetzen