Die Hackerbrücke in München, eine der wenigen erhaltenen Bogenbrücken aus dem 19. Jahrhundert aus Schweißstahl, steht vor einer umfassenden Generalsanierung. Das denkmalgeschützte Bauwerk aus dem Jahr 1973 wird nach den derzeitigen Planungen ab Anfang 2027 grundlegend modernisiert und instandgesetzt, wobei die Arbeiten voraussichtlich bis Ende 2029 andauern werden. Bei turnusmäßigen Bauwerksuntersuchungen wurden an den beiden Haupttragwerken der Brücke erhebliche Korrosionsschäden und "dringender Handlungsbedarf" festgestellt, was eine umfassende Instandsetzung notwendig macht. [2]
Historischer Hintergrund und bauliche Bedeutung
Die fast 174 Meter lange Hackerbrücke in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs stellt ein herausragendes Zeugnis der Baukunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts dar. Ihre filigrane, genietete Fachwerkkonstruktion aus Schweißstahl macht sie zu einer der wenigen erhaltenen Bogenbrücken dieser Zeit aus diesem Material. Seit 1973 steht die Hackerbrücke unter Denkmalschutz und ist als wichtige Landmarke im Innenstadtgebiet ein markantes Erscheinungsbild in der Münchner Stadtlandschaft. [2]
Unter der Brücke verlaufen insgesamt 26 Bahngleise, was die technische Komplexität des Projekts zusätzlich erhöht. Die Gesamtlänge des Bauwerks (ohne Vorlandbrücke) beträgt etwa 174 Meter, was eine erhebliche Eingriffsfläche für die Sanierungsarbeiten darstellt. [2]
Technische Schäden und Sanierungsbedarf
Bei den regelmäßigen Bauwerksprüfungen wurden an beiden Haupttragwerken der Hackerbrücke erhebliche strukturelle Schäden festgestellt. Insbesondere Korrosionsschäden haben zu einem dringenden Handlungsbedarf geführt, der eine umfassende Sanierung unabwendbar macht. Das Baureferat der Stadt München bestätigt, dass "die vorgesehene Instandsetzung die einzig technisch und wirtschaftlich vertretbare Lösung darstellt" und "nur mit dieser Maßnahme weiterhin eine volle Belastbarkeit des Bauwerks gewährleistet wird". [2]
Als Vorsichtsmaßnahme wurde die zulässige Last auf der Brücke bereits auf 18 Tonnen begrenzt, um weitere Schäden zu vermeiden und die strukturelle Integrität zu gewährleisten. Die Brücke wurde zuletzt 1984 saniert, was den aktuellen Sanierungsbedarf nachvollziehbar macht. [2]
Zeitplan und Bauweise
Die Generalsanierung der Hackerbrücke ist für den Zeitraum von Anfang 2027 bis Ende 2029 geplant und damit auf mehrere Jahre angelegt. Dabei wird eine spezielle Bauweise angewendet, die die verkehrliche Erreichbarkeit so weit wie möglich gewährleistet: Zunächst wird eine Brückenhälfte vollständig instand gesetzt, während der Fuß- und Radverkehr über die andere Brückenhälfte geführt wird. Anschließend erfolgt die Sanierung der anderen Brückenhälfte. Für den Kraftfahrzeugverkehr wird die Brücke während der gesamten Bauphase gesperrt. [2]
Diese Vorgehensweise ermöglicht es, dass die Brücke trotz der umfassenden Bauarbeiten weiterhin für den Fuß- und Radverkehr nutzbar bleibt, was die Mobilität in diesem wichtigen Bereich des Münchner Stadtgebiets gewährleistet. [2]
Denkmalschutz und Beleuchtungskonzept
Die Sanierung wird in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde sowie dem Landesamt für Denkmalschutz durchgeführt, um den denkmalgeschützten Charakter des Bauwerks zu erhalten. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Neugestaltung der Beleuchtung. [2]
Während die Effektbeleuchtung mit moderner LED-Technologie umgesetzt wird, um die Hackerbrücke als herausragendes Wahrzeichen in den Abend- und Nachtstunden hervorzuheben, orientiert sich die Gehwegbeleuchtung an den historischen Gaslaternen und wird in einer Lampenform gestaltet, die zum historischen Bauwerk passt. [4]
Technische Verbesserungen und Modernisierung
Bei den Planungen für die Sanierung werden mehrere technische Verbesserungen geprüft und umgesetzt. Ein zentrales Ziel ist die Wiederherstellung der ursprünglichen Traglast von 30 Tonnen, um den Linienbusverkehr über die Brücke zu ermöglichen. [2][4]
Das Baureferat untersucht zudem die Möglichkeit, Fahrradstellplätze einzurichten sowie die Seitenbereiche für den Fußverkehr und die Fahrbahn mit Anordnung von Radfahrstreifen zu verbreitern. Die Maße der Brücke bleiben dabei grundsätzlich erhalten, es gibt weiterhin an Ost- und Westseite je einen Gehweg und zwei Fahrspuren auf der Innenseite. [4]
Eine weitere technische Verbesserung ist die Prüfung der Machbarkeit eines unterirdischen Spartendükers, um nach der Sanierung keine Leitungen mehr im Brückenbauwerk verlegen zu müssen. Dies würde zukünftige Wartungsarbeiten erheblich vereinfachen. [2][4]
Verkehrskonzept und Mobilitätsüberlegungen
Während der Sanierung soll das Mobilitätsreferat den Verkehr "auf und im weiteren Umfeld der Hackerbrücke" beobachten und dem Stadtrat anschließend eine Empfehlung "zum zukünftigen Verkehr auf der Brücke" geben. Dies bietet die Chance für ein grundlegend neues Verkehrskonzept nach Abschluss der Sanierung. [2]
Besonders die Rathaus-Grünen sprechen sich für eine deutlich autofreiere Hackerbrücke aus. Sibylle Stöhr, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen/Rosa Liste, zeigt sich überzeugt: "Eine Hackerbrücke mit deutlich weniger Autoverkehr und mehr Platz zum Flanieren und Radeln halte ich für eine sehr charmante Idee für die Menschen in den umliegenden Vierteln". Denkbar ist demnach ein Konzept, bei dem künftig nur noch Radfahrer, Busse, Taxis und Einsatzfahrzeuge über die Brücke fahren dürfen. [3]
S-Bahn-Haltestelle und Synchronisation der Arbeiten
Die Deutsche Bahn plant parallel zur Brückensanierung die Renovierung und Erweiterung der S-Bahn-Haltestelle Hackerbrücke, die sich unter der Brücke befindet. Diese Arbeiten stehen auch im Zusammenhang mit der zweiten S-Bahn-Stammstrecke. [3]
Besonders wichtig ist dabei die Synchronisation der Arbeiten beider Bauprojekte. Wie das Baureferat betont: "Die Störung des Bahnbetriebs und der Eingriff in das Gleisfeld müssen auf ein Minimum reduziert werden". Daher werden die Arbeiten der Stadt München und der Deutschen Bahn eng aufeinander abgestimmt. [3]
Besondere Berücksichtigung des Oktoberfests
Aufgrund der besonderen Bedeutung der Hackerbrücke für Besucher des Oktoberfests wird die Baustelle zur Wiesn-Zeit größtenteils geräumt, sodass die Brücke über die gesamte Breite begehbar ist. Dies berücksichtigt, dass zahlreiche Besucher des Oktoberfests an der S-Bahn-Haltestelle Hackerbrücke aussteigen und die Brücke als wichtige Verbindung nutzen. [3]
Teil des koordinierten Bauwerkserhaltungsprogramms
Die Generalsanierung der Hackerbrücke ist Bestandteil des ersten Maßnahmenpakets im vor einem Jahr vom Stadtrat beschlossenen "koordinierten Bauwerkserhaltungsprogramm Brücken". Dies unterstreicht die systematische Herangehensweise der Stadt München an die Sanierung ihrer Infrastruktur. [2]
Baureferentin Jeanne-Maria Ehbauer betont: "In ganz Deutschland, auch in der Landeshauptstadt München, gibt es hohe Sanierungsbedarfe bei Brücken. Bei der Hackerbrücke haben wir im Rahmen von turnusmäßigen Untersuchungen einen inzwischen dringenden Handlungsbedarf ermittelt. Deswegen danke ich dem Stadtrat, dass er uns für die weitere Vorbereitung der Sanierung grünes Licht gegeben hat. So können wir dieses denkmalgeschützte Brückenjuwel für die kommenden Jahrzehnte wieder fit und bestmöglich nutzbar machen." [2]
Technische Spezifikationen der Brücke
Die Hackerbrücke weist folgende technische Charakteristika auf: - Gesamtlänge: etwa 174 Meter (ohne Vorlandbrücke) - Bauweise: genietete Fachwerkkonstruktion aus Schweißstahl - Struktur: Bogenbrücke aus dem 19. Jahrhundert - Bahngleise unter der Brücke: 26 Stück - Historische Maße: Ost- und Westseite je ein Gehweg, zwei Fahrspuren auf der Innenseite - Aktuelle Traglastbegrenzung: 18 Tonnen - Ziel der Sanierung: Wiederherstellung auf 30 Tonnen Traglast [2][4]
Ausblick und Bedeutung
Die Generalsanierung der Hackerbrücke stellt ein komplexes Infrastrukturprojekt dar, das sowohl denkmalschützerische Aspekte als auch moderne Mobilitätsanforderungen berücksichtigt. Die geplante Sanierung wird das denkmalgeschützte Bauwerk für die kommenden Jahrzehnte fit machen und dabei gleichzeitig die Möglichkeit für ein neues, nachhaltigeres Verkehrskonzept eröffnen.
Die enge Abstimmung zwischen Denkmalschutzbehörden, der Deutschen Bahn und den verschiedenen Referaten der Stadt München zeigt die Komplexität des Projekts. Gleichzeitig demonstriert es, wie historische Bausubstanz unter Berücksichtigung moderner Anforderungen und nachhaltiger Mobilitätskonzepte erhalten und modernisiert werden kann.
Die Entscheidung für den Zeitraum 2027 bis 2029 gibt den Planern ausreichend Zeit für eine sorgfältige Vorbereitung und Abstimmung aller Beteiligten, während gleichzeitig der dringende Handlungsbedarf bei der Brücke berücksichtigt wird. Das Projekt könnte beispielhaft für die Sanierung historischer Infrastruktur in städtischen Gebieten stehen. [2]
Fazit
Die Generalsanierung der Hackerbrücke in München stellt ein umfassendes Infrastrukturprojekt dar, das den Erhalt eines denkmalgeschützten Bauwerks des 19. Jahrhunderts mit modernen Mobilitätsanforderungen verbindet. Der dringende Sanierungsbedarf aufgrund struktureller Schäden macht eine grundlegende Instandsetzung unvermeidlich. Der geplante Zeitraum von 2027 bis 2029 ermöglicht eine systematische Herangehensweise mit Rücksicht auf den Denkmalschutz und die Belange des Verkehrs. Besonders die Möglichkeit, nach der Sanierung ein neues, autofreundlicheres Verkehrskonzept umzusetzen, bietet Chancen für eine nachhaltigere Mobilität in diesem wichtigen Bereich der Münchner Innenstadt. Die Synchronisation mit den geplanten Arbeiten an der S-Bahn-Haltestelle und die Berücksichtigung besonderer Ereignisse wie dem Oktoberfest zeigen die komplexe Planung, die hinter diesem Großprojekt steht.