Einleitung
Die katholische Kirche St. Maximilian am östlichen Isarufer, auch bekannt als "Notre Dame an der Isar", steht vor einer der umfassendsten Sanierungsmaßnahmen ihrer jüngeren Geschichte. Das markante Bauwerk im Münchner Glockenbachviertel, strategisch günstig zwischen der Reichenbachbrücke und der Wittelsbacherbrücke gelegen, wird nach Ostern für voraussichtlich zwei Jahre geschlossen, um dringend notwendige Baumaßnahmen durchzuführen. Die Entscheidung zur vollständigen Sperrung spiegelt die Ernsthaftigkeit der Bauschäden wider, die sich über Jahre angesammelt haben und nun einer fachgerechten Lösung bedürfen. Dieses Sanierungsvorhaben mit einem Gesamtvolumen von rund 5,8 Millionen Euro stellt nicht nur die Kirchengemeinde vor Herausforderungen, sondern bietet auch wertvolle Einblicke in die Komplexität der Denkmalpflege am Beispiel eines bedeutenden Sakralbaus.
Historische Bedeutung und bauliche Identität
Die Pfarrkirche St. Maximilian wurde zwischen 1892 und 1908 im neoromanischen Stil erbaut und bereits im Jahr 1901 geweiht. Ihre markanten Doppeltürme verliehen ihr früh den Spitznamen "Notre-Dame an der Isar", der ihre besondere Stellung im Stadtbild Münchens unterstreicht. Die zerstörerischen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs hinterließen auch an diesem Bauwerk tiefe Spuren: Die ursprünglich spitzen Turmhelme wurden zerstört und aus finanziellen Gründen beim Wiederaufbau nicht wiederhergestellt, was der Kirche ihr heutiges charakteristisches Erscheinungsbild verleiht.
Die Kirche ist nicht nur ein Ort des Gottesdienstes, sondern auch ein prägendes Element der Münchner Stadtlandschaft und ein kulturelles Erbe von überregionaler Bedeutung. Seit 1993 wirkt Pfarrer Rainer Maria Schießler an St. Maximilian, dessen unkonventionelle Seelsorge das Gotteshaus weit über die Münchner Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht hat. Die lange Geschichte des Bauwerks und die intensive Nutzung durch die Gemeinde machen die anstehende Sanierung zu einer besondere verantwortungsvollen Aufgabe, bei der sowohl statische Erfordernisse als auch denkmalpflegerische Aspekte berücksichtigt werden müssen.
Umfang und Dringlichkeit der Sanierungsmaßnahmen
Die Diagnose der Bausubstanz hat einen erheblichen Sanierungsstau offengelegt, der sich aus verschiedenen Problemkomplexen zusammensetzt. Die umfangreichen Maßnahmen konzentrieren sich auf folgende Schwerpunkte:
Brandschutz und Haustechnik
Die Behebung von Brandschutzmängeln bildet einen zentralen Bestandteil der Sanierungsarbeiten. Im Rahmen des vorbeugenden Brandschutzes werden sowohl die Heizungs- als auch die Elektrotechnik vollständig erneuert. Diese Maßnahme wird durch den bereits vor eineinhalb Jahren erfolgten vollständigen Ausfall der Heizungsanlage besondere Dringlichkeit verliehen. Die Demontage der Heizung erschwerte die Nutzung der Kirche erheblich, insbesondere im Winter, und war ein klares Indiz für den notwendigen grundlegenden Eingriff in die Haustechnik.
Bausubstanz und Statik
Statische Probleme stellen eine der größten Herausforderungen dar. Wie aus den Berichten der Gemeindemitglieder hervorgeht, "ist das Haus schwer verletzt" und weist erhebliche Mauerwerksrisse sowie steinkonservatorische Schäden auf. Die Sanierung dieser strukturellen Mängel erfordert spezialisierte Kenntnisse in der historischen Bauwerksanwendung und eine sorgfältige Planung, um sowohl die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten als auch die historische Substanz zu erhalten.
Entwässerung und Bauphysik
Die Modernisierung der Entwässerungsanlagen ist ein weiterer wesentlicher Aspekt der Sanierung. Die Anpassung an den aktuellen Stand der Technik dient nicht nur der Funktionalität, sondern auch dem langfristigen Schutz der Bausubstanz vor Feuchtigkeitsschäden. In diesem Zusammenhang gewinnt die Schadstoffbeseitigung besondere Bedeutung, da erst nach Entfernung der belasteten Materialien eine vollständige Schadenskartierung der darunterliegenden Tragwerke möglich wird.
Schadstoffbeseitigung als Vorhaben
Ein erster kritischer Schritt bei der Realisierung des Sanierungsprojekts stellt die Entfernung gesundheitsschädlicher Materialien dar. Bereits im Februar 2021 wurden Maßnahmen zur Beseitigung von Schadstoffen eingeleitet, wobei die Kirche für acht Monate gesperrt wurde. Im Fokus standen dabei:
- Asbestbelastetes Dämmmaterial aus künstlichen Mineralfasern im Dachstuhl
- Asbesthaltiger Dichtungsbelag in Teilen des Daches
Die Kosten für diese vorbereitende Maßnahme wurden auf rund 820.000 Euro geschätzt und vollständig von der Erzdiözese München und Freising getragen. Wichtig zu beachten ist, dass gebundene Schadstoffe im Materialzustand keine unmittelbare Gefährdung für Besucher darstellen. Erst beim Ausbau werden spezielle Sicherheitsvorkehrungen erforderlich, um jegliches Risiko auszuschließen. Die Schadstoffbeseitigung dient zudem der Vorbereitung weiterer Sanierungsschritte, da erst nach Entfernung der Mineralwolle die zugrunde liegenden Tragstrukturen für eine detaillierte Schadensanalyse zugänglich werden.
Finanzielle Rahmenbedingungen und Kostentragung
Die Gesamtkosten der Sanierung belaufen sich auf 5,8 Millionen Euro, was die Komplexität und den Umfang der erforderlichen Maßnahmen verdeutlicht. Die finanzielle Lastenverteilung wurde wie folgt geregelt:
- Die Kirchenstiftung St. Maximilian trägt rund 880.000 Euro, was etwa 15 Prozent der Gesamtkosten entspricht
- Die Erzdiözese München und Freising übernimmt den verbleibenden Großteil der Finanzierung
Diese Aufteilung unterstreicht die überregionale Bedeutung der Kirche und das Engagement des Bistums bei der Erhaltung wichtiger Baudenkmäler. Die Höhe der Investition reflektiert gleichzeitig den langjährigen Vernachlässigungsstau und die Notwendigkeit, umfassende statt nur oberflächlicher Maßnahmen durchzuführen, um eine nachhaltige Sicherung des Bauwerks zu gewährleisten.
Technische Herausforderungen für die Bauwirtschaft
Für Bauunternehmen und Fachplaner stellt die Sanierung von St. Maximilian ein anspruchsvolles Projekt dar, das spezifische Kompetenzen in mehreren Bereichen erfordert. Die Planung und Durchführung solcher Sakralbausanierungen verlangt:
- Hohes Fachwissen im Umgang mit historischer Bausubstanz
- Enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Gewerken
- Strenge Überwachung von Kosten und Zeitplänen
- Spezialisierte Kenntnisse im Brandschutz für Sakralbauten
- Expertise in der Schadstoffsanierung im Kontext historischer Baumaterialien
Die aus diesem Projekt gewonnenen Erfahrungen können auf andere Sanierungsvorhaben übertragen werden und zur Entwicklung von Best Practices in der Baudenkmalpflege beitragen. Insbesondere die Koordination zwischen statischen Ertüchtigungsmaßnahmen, haustechnischen Modernisierungen und denkmalpflegerischen Anforderungen stellt eine besondere Herausforderung dar, die sorgfältige Abstimmung aller Beteiligten erfordert.
Auswirkungen auf die Gemeinde und provisorische Lösungen
Die zweijährige Schließung des Hauptschiffs stellt die Kirchengemeinde vor erhebliche logistische Herausforderungen. Die letzte Messe im Hauptschiff fand am Ostermontag statt, danach wurden die Pforten geschlossen. Für die Gottesdienste wurden folgende Ausweichmöglichkeiten eingerichtet:
- Die Korbinianskapelle im Seitenschiff bleibt für kleinere Feiern in Betrieb
- Pfarrer Schießler zelebriert alle zwei Wochen die Sonntagsmesse in St. Anton an der Kapuzinerstraße
- Weitere Gottesdienste finden in der Klosterkirche am Anger sowie an öffentlichen Orten statt
Diese temporären Lösungen gewährleisten die Kontinuität des Gemeindelebens, verlangen jedoch von allen Beteiligten Flexibilität und Anpassungsbereitschaft. Die Rückkehr der Kirchengemeinde in das sanierte Gotteshaus bleibt nach jetzigem Stand ungewiss und hängt von der erfolgreichen Durchführung aller Bauarbeiten ab.
Zeitplanung und Projektphasen
Die Sanierung wird in mehreren logisch aufeinanderfolgenden Phasen durchgeführt. Zunächst erfolgte die bereits erwähnte Schadstoffbeseitigung, die acht Monate in Anspruch nahm. Die anschließende Hauptbauphase mit einer geplanten Dauer von zwei Jahren umfasst:
- Grundlegende statische Sicherungsmaßnahmen
- Brandschutztechnische Ertüchtigungen
- Komplette Erneuerung der Haustechnik
- Sanierung der Außenhaut und des Mauerwerks
- Modernisierung der Entwässerungssysteme
Die zeitliche Abstimmung dieser Teilvorhaben erfordert detaillierte Planung, da viele Maßnahmen voneinander abhängig sind und sich gegenseitig beeinflussen. Die vollständige Schließung der Kirche während der Bauzeit wurde als notwendig erachtet, um die Arbeiten effizient durchführen und die Sicherheit von Arbeitern und potenziellen Besuchern gewährleisten zu können.
Lernperspektiven für die Branche
Das Sanierungsprojekt von St. Maximilian bietet wertvolle Einblicke in die besonderen Anforderungen der Denkmalpflege im urbanen Kontext. Die Erfahrungen aus diesem Vorhaben können für ähnliche Projekte nutzbar gemacht werden, insbesondere was folgende Aspekte betrifft:
- Frühzeitige Identifikation und Beseitigung von Schadstoffen als Voraussetzung für weiterführende Analysen
- Integration moderner Brandschutzanforderungen in historische Bausubstanz
- Finanzierungsmodelle für umfassende Denkmal-Sanierungen
- Umgang mit Nutzerauswirkungen bei langfristigen Baustellensperrungen
Die sorgfältige Dokumentation aller durchgeführten Maßnahmen und deren Ergebnisse können als Referenz für zukünftige Sanierungsvorhaben an vergleichbaren Bauwerken dienen und zum Wissensaustausch in der Branche beitragen.
Fazit
Die umfassende Sanierung der Kirche St. Maximilian in München stellt einen notwendigen und lang überfälligen Schritt dar, um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten und die wertvolle Bausubstanz für zukünftige Generationen zu erhalten. Das Projekt mit einem Volumen von 5,8 Millionen Euro reflektiert den hohen Sanierungsbedarf sowie die Entschlossenheit von Kirche und Diözese, dieses bedeutende Baudenkmal zu retten. Die Maßnahmen konzentrieren sich auf die Behebung kritischer Mängel in der Tragwerksstruktur, im Brandschutz und in der Haustechnik, wobei die Schadstoffbeseitigung als wichtige Voraussetzung für alle weiteren Arbeiten diente. Für die Bau- und Immobilienbranche bietet dieses Projekt wertvolle Einblicke in die Komplexität von Sanierungsmaßnahmen an historisch wertvollen Gebäuden und unterstreicht die Notwendigkeit spezialisierter Fachkompetenz in diesem Bereich. Die Sanierung ist nicht nur ein baulicher Akt, sondern auch ein Beitrag zur Erhaltung des kulturellen Erbes und der religiösen Identität der Stadt München.