St peter salzburg renovierung

Die Komplettsanierung der Stiftskirche St. Peter in Salzburg: Ein Projekt im Zeichen des Denkmalschutzes

Die Stiftskirche St. Peter, als Abteikirche der Benediktiner-Erzabtei St. Peter in Salzburg, ist nicht nur ein herausragendes Bauwerk, sondern auch das Zentrum des ältesten durchgehend bewohnten Klosters im deutschen Sprachraum. Die aus verschiedenen Epochen stammende Bausubstanz, die von karolingischen Fundamenten bis zu barocken Umgestaltungen reicht, erforderte in jüngster Vergangenheit eine umfassende und aufwendige Sanierung. Die folgenden Informationen basieren ausschließlich auf den vorliegenden Berichten und Dokumentationen zu diesem Projekt.

Ausgangslage und Notwendigkeit der Renovierung

Die dringende Notwendigkeit einer Sanierung ergab sich aus gravierenden baulichen Mängeln, die die strukturelle Integrität der Kirche gefährdeten. Erzabt Korbinian Birnbacher beschrieb den Zustand eindringlich: „Überall finden sich teils massive Risse. Die barocke Pracht und das Dekor lenken von den statischen Problemen ab, aber die Bausubstanz ist in höchstem Maße renovierungsbedürftig“ [1]. Die Hauptursache waren Senkungen und Risse im historischen Mauerwerk, die eine sofortige Intervention erforderten [4]. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Gewölbe der Kuppel, wo sich in den Jahren vor Baubeginn dichte Risse bildeten, die eine Stabilisierung unumgänglich machten [3].

Die Kirche, im Kern eine romanische Basilika aus den Jahren 1130 bis 1143, wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgestaltet und erhielt unter anderem ein Querschiff, einen Chor und die erwähnte Kuppel. Zwei Drittel des Langschiffes stammen sogar aus dem 8. Jahrhundert, der Zeit des Heiligen Rupert [3]. Diese lange Bautradition führte zu einem komplexen Gefüge, bei dem im Laufe der Zeit oft improvisiert wurde, um den Bau zu erhalten. Wie der Erzabt schilderte: „Über die Jahrhunderte hat man immer versucht, diesen Bau zu erhalten, dabei musste oft getrickst werden“ [3]. Diese historischen „Übergangslösungen“ sollten nun durch dauerhafte, statisch sichere Methoden ersetzt werden.

Projektumfang und Zeitlicher Ablauf

Die umfassenden Renovierungsarbeiten wurden als die größte Baustelle im Benediktinerkloster seit der Barockzeit bezeichnet [3]. Das Projekt startete am 25. September 2018, woraufhin die Stiftskirche für die Dauer eines Jahres vollständig für die Öffentlichkeit geschlossen blieb [1]. Die Hauptbauphase war für den 22. September 2019 terminiert, an dem die Kirche mit der Weihe eines neuen Altares durch den Salzburger Erzbischof und den Erzabt wiedereröffnet wurde [2, 3].

Die Arbeiten umfassten mehrere zentrale Bausteine: - Statische Sicherung: Die Priorität lag auf der Sanierung von Rissen und Senkungen sowie der Stabilisierung des Kuppelgewölbes. - Umgestaltung des Altarraums: Der bestehende Altar und die zugehörigen Stufen wurden entfernt. Der Altarraum wurde abgesenkt, um eine neue liturgische Gestaltung zu ermöglichen [4]. - Herstellung von Barrierefreiheit: Ein zentrales Ziel der Sanierung war es, die Kirche für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zugänglich zu machen [3]. - Restaurierung: Neben der statischen Sanierung wurden auch historische Ausstattungselemente wie die Kirchenbänke aufwendig restauriert [4]. - Sicherungsmaßnahmen: Vor Beginn der Arbeiten wurden die Reliquien des heiligen Rupert von Salzburg und des heiligen Benedikt aus der Kirche geholt und an einem sicheren interimistischen Ort untergebracht [4].

Das Projekt zog sich über mehrere Phasen. Während die Kernsanierung bis September 2019 abgeschlossen war, fanden weitere Spezialarbeiten statt. So wurden die Kirchenbänke von Jänner bis Weihnachten 2019 restauriert [4]. Im Jahr 2021 wurde zudem ein neuer Priestersitz, eine sogenannte Sessio, für die Stiftskirche fertiggestellt [6]. Der Abschluss des gesamten Renovierungsprojekts wird jedoch erst mit der Einweihung einer neuen Hauptorgel für das Jahr 2025 erwartet. Mit der Segnung der neuen „Hans-Gröber-Orgel“ soll die aufwendige Renovierung ihren endgültigen Abschluss finden [5].

Baukosten und Finanzierung

Die Finanzierung eines Sanierungsprojekts dieser Größenordnung stellt eine erhebliche Herausforderung dar. Die Kosten für die Renovierung wurden mit mehr als zehn Millionen Euro beziffert [1]. Andere Berichte nennen eine Summe von 13 Millionen Euro [3]. Aufgrund dieser unterschiedlichen Angaben bleibt die exakte Kostensumme unklar. Laut Erzabt Birnbacher brachte das Stift die Hälfte der Kosten, basierend auf der Angabe von über zehn Millionen Euro, selbst auf [1]. Für die verbleibende Hälfte wurde Unterstützung vom Land Salzburg und der Bevölkerung erhofft, was der Erzabt mit dem historischen Stellenwert des Stiftes begründete: „[...] denn unser Stift ist der Anfang des Landes Salzburg in der Geschichte“ [1].

Spezielle Technische und Handwerkliche Aspekte

Stabilisierung des Kuppelgewölbes

Die Sanierung der Kuppel war eine der komplexesten Aufgaben. Hierfür wurde der Architekt Roberto Rodriguez Paraja zitiert, der die zweistufige Vorgehensweise erläuterte: „Zuerst muss das Gewölbe stabilisiert werden, dann kann die Restauratorin beginnen, die Risse zu restaurieren und dann schaut das für die nächsten 200 bis 300 Jahre schön aus“ [3]. Zuvor waren Kugel und Kreuz der Kuppel für drei Jahre zur Restaurierung entfernt worden. Bei dieser Gelegenheit wurde auch eine Zeitkapsel mit aktuellen Dokumenten wie einer Liste des Konvents und der amtierenden Regierungsmitglieder in der Kuppel verwahrt. Erzabt Birnbacher bemerkte hierzu humorvoll den politischen Wandel während der Bauarbeiten: „Als wir begannen, gab es noch einen Bundeskanzler Kern, dann einen Bundeskanzler Kurz, aber drinnen steht jetzt Brigitte Bierlein als aktuelle Bundeskanzlerin von Österreich“ [3].

Neugestaltung des Altarraums

Die Neugestaltung des Altarraums folgte einem konzeptionellen Ansatz. Der Architekt (und Karikaturist) Thomas Wizany entwickelte einen Entwurf für den neuen Altar, der bewusst nüchtern und reduziert gehalten ist. Erzabt Birnbacher begründete diese Entscheidung: „Man kann hier keine zusätzlich Ornamentik mehr hereinbringen, sondern es müssen die geradezu archaischen Momente betont werden“ [1]. Besonderheit des neuen Altares ist die Einbringung einer Reliquie des seligen Franz Jägerstätter, einer zentralen Figur des gewaltlosen Widerstands [4].

Restaurierung der Kirchenbänke

Die Restaurierung der historischen Kirchenbänke wurde dem Salzburger Kunsttischler Bernhard Herzog anvertraut, der von seinem 82-jährigen Vater unterstützt wurde. In seiner Werkstatt in Salzburg-Maxglan restaurierte er von Jänner bis Weihnachten 2019 insgesamt 28 Bänke, die rund 250 Jahre alt waren und unter Holzwurmbefall sowie altersbedingtem Verschleiß litten [4]. Eine besondere Vorgabe des Erzabten war, dass die Bänke nach der Rückkehr in die Kirche „nicht mehr knarren dürfen“, da das Geknirsche previously zum Klangbild jeder Messfeier gehört hatte. Die Dringlichkeit der Restaurierung wurde durch einen Vorfall unterstrichen, bei dem几年 zuvor eine Bank während einer Messe eingebrochen war [4]. Bernhard Herzog konnte auf langjährige Erfahrung mit der Erzabtei zurückblicken; er hatte bereits 2001 die Sakristei und 2006 die ersten sechs Bankreihen restauriert [4].

Fazit

Die Renovierung der Stiftskirche St. Peter in Salzburg war ein umfassendes Unterfangen, das weit über oberflächliche Instandhaltungsmaßnahmen hinausging. Das Projekt adressierte essenzielle statische Gefahren, insbesondere die Risse im Kuppelgewölbe und im Mauerwerk, und setzte auf langfristige Lösungen anstelle historischer Notbehelfe. Gleichzeitig wurden moderne Anforderungen wie die Herstellung von Barrierefreiheit integriert und der liturgische Raum zeitgemäß und besonnen neu gestaltet. Die sorgfältige Restaurierung historischer Ausstattungselemente wie der Kirchenbänke unterstreicht den hohen Anspruch an die Handwerkskunst und die Bewahrung des kulturellen Erbes. Das Projekt, das sich über mehrere Jahre erstreckt und erst mit der Orgelweihe 2025 abgeschlossen sein wird, demonstriert die komplexen Herausforderungen und die Notwendigkeit von Beharrlichkeit bei der Sanierung eines der bedeutendsten historischen Bauwerke Österreichs. Es gelang die Balance zwischen dem Erhalt der über Jahrhunderte gewachsenen Bausubstanz und den notwendigen Eingriffen für ihre Erhaltung für zukünftige Generationen.

Quellen

  1. Salzburger Stiftskirche St. Peter muss renoviert werden
  2. Stiftskirche St. Peter (Salzburg)
  3. 13 Millionen-Kirchen-Renovierung im Zeitplan
  4. Stiftskirche St. Peter
  5. Erzabtei St. Peter
  6. Erzabtei St. Peter Bildergalerien

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