Generalsanierung Freizeitbad Tauris: Eine Fallstudie für nachhaltige Sanierung und öffentliche Finanzierung

Einleitung

Das Freizeitbad Tauris in Mülheim-Kärlich steht seit Jahrzehnten als zentraler Anlaufpunkt für Freizeit, Sport und Gesundheit in der Region. Nach über 30 Jahren Betrieb und einer durch die COVID-19-Pandemie erzwungenen Schließung im Jahr 2020 steht das Bad vor eine entscheidenden Weichenstellung: einer umfassenden Generalsanierung. Dieses Projekt, das mit einem Investitionsvolumen von 17,2 Millionen Euro veranschlagt ist, geht weit über einfache Instandhaltungsmaßnahmen hinaus. Es umfasst eine fundamental modernisierte, nachhaltige Energieversorgung, notwendige strukturelle Reparaturen am Gebäude und eine gezielte Steigerung der Attraktivität für die Besucher. Die Sanierung des Tauris ist somit nicht nur ein Bauprojekt, sondern auch ein komplexes Beispiel für die Herausforderungen und Lösungsansätze im Bereich der kommunalen Infrastruktur, ökologischer Modernisierung und innovativer Finanzierungsmodelle. Dieser Beitrag beleuchtet die verschiedenen Facetten des Projekts, von der technischen Planung über die finanziellen Rahmenbedingungen bis hin zum Zeitplan und den Zielen für die Zukunft.

Historischer Hintergrund und die Notwendigkeit der Schließung

Eröffnet im Jahr 1991, etablierte sich das Tauris schnell als Publikumsmagnet für Menschen aus der gesamten Umgebung. Die markante Architektur des Bades, die neben dem Freizeitbereich auch ein benachbartes Schulzentrum, Vereine und private Anbieter nutzten, machte es zu einem wichtigen sozialen und sportlichen Zentrum. Schwimmunterricht und diverse Gesundheitsangebote fanden hier statt und machten die Einrichtung zu einem festen Bestandteil des kommunalen Lebens.

Schicksalhaft für den weiteren Betrieb war der Ausbruch der Corona-Pandemie im März 2020, der zu einer sofortigen und anhaltenden Schließung des Bades führte. Als die Pandemie-Verordnungen im Sommer 2021 eine Wiedereröffnung ermöglicht hätten, entdeckte man bei notwendigen Überprüfungen im Zuge der geplanten Generalsanierung ein gravierendes Problem mit der Dachkonstruktion, das eine Öffnung verhinderte. Das Tauris, das 1991 mit einem charakteristischen Zeltdach errichtet wurde, das an einen Flachdachbereich anschließt, besitzt sogenannte Laternen. Diese Laternen sind als Pfosten-Riegel-Konstruktion ausgeführt und bilden den markanten architektonischen Abschluss des Gebäudes. Die Untersuchungen ergaben, dass die Tragfähigkeit dieses gesamten Dachtragwerks derzeit nur eingeschränkt gegeben ist. Diese sicherheitsrelevante Feststellung machte eine umgehende Reparatur unverzichtbar, bevor das Bad wieder für den Publikumsverkehr freigegeben werden konnte. Der Stadtrat reagierte und beschloss die notwendigen Sanierungsarbeiten, die zwar zunächst zu einer unbestimmten Schließungsdauer führten, aber die Grundlage für eine nachhaltige und sichere Zukunft des Freizeitbades legten. Die Stadtverwaltung kommunizierte dabei aktiv, dass Gerüchte um eine komplette Schließung der Einrichtung nicht zutrafen und die Wertkarten und Gutscheine ihre Gültigkeit behalten sollten.

Umfang, Ziele und Finanzierung der Generalsanierung

Die geplante Generalsanierung ist ein ambitioniertes Unterfangen, dessen Umfang und finanzielle Dimension die Weichen für die kommenden Jahrzehnte stellen. Das voraussichtliche Investitionsvolumen bewegt sich nach dem Stand der Planung auf einem Niveau von über 17 Millionen Euro. Ein spezifischer Grundsatzbeschluss des Stadtrates Mülheim-Kärlich bezifferte die Kosten auf 17,2 Millionen Euro.

Finanzielle Rahmenbedingungen und Förderung

Die Finanzierung eines solchen Großprojekts stellt für eine Kommune eine erhebliche Herausforderung dar. Eine entscheidende Unterstützung kommt vom Bund, der das Projekt mit einem signifikanten Zuschuss fördert. Hier liegen die Angaben in den Quellen leicht voneinander ab: In einer Quelle ist von einem Bundeszuschuss in Höhe von 2,5 Millionen Euro die Rede, während eine andere von 2,4 Millionen Euro ausgeht. Diese Summe ist ein wesentlicher Bestandteil der Finanzierungsplanung. Der verbleibende Großbetrag sollte nach den ersten Plänen der Stadt fremdfinanziert werden.

Aufgrund des enormen Kostenaufwands und des zunehmenden Drucks seitens der Landesregierung auf Städte und Gemeinden, ausgeglichene Haushalte vorzulegen, entschied sich die Stadtverwaltung jedoch für eine Änderung ihrer Strategie. Anstatt die Sanierung vollständig in eigener Regie zu finanzieren, wurde beschlossen, einen privaten Investor für das Freizeitbad Tauris zu suchen. Diese Entscheidung mündete in der Ausschreibung eines EU-weiten Investorenwettbewerbs. Das Ziel dieses Wettbewerbs ist es, einen Investor zu finden, der die Freizeiteinrichtung übernimmt, die Sanierung oder Erneuerung durchführt und den weiteren Betrieb sicherstellt. Ein zentraler Bestandteil der Ausschreibung ist die Vorlage eines detaillierten Nutzungskonzeptes. Die Stadt legt dabei größten Wert auf die Sicherstellung der Zugangsmöglichkeit für die Bürgerinnen und Bürger sowie den Erhalt des Bades als Familienbad.

Ziele der Sanierung

Die Generalsanierung verfolgt mehrere zentrale, miteinander verknüpfte Ziele, die über die reine Beseitigung von Bauschäden hinausgehen:

  1. Dringend notwendige Reparaturen am Gebäude: Die Wiederherstellung der vollen Tragfähigkeit der Dachkonstruktion hat oberste Priorität. Ohne diese grundlegende Instandsetzung ist ein sicherer Betrieb nicht denkbar.
  2. Modernisierung der Energieversorgung: Ein Kernelement der Sanierung ist die Einführung einer modernen, nachhaltigen und multivalenten Energieversorgung. Dies ist nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen von großer Bedeutung, da die Betriebskosten langfristig gesenkt werden sollen.
  3. Steigerung der Attraktivität: Das Bad soll an die heutigen Bedürfnisse der Kundschaft angepasst werden. Hierfür wurden verschiedene Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung konzipiert. Stadtbürgermeister Gerd Harner betonte, dass das Ziel sei, das Bad nach Abschluss der Arbeiten wieder zu einem Ort mit großer Anziehungskraft für die Region zu machen. Ein konkretes Beispiel ist die Verbesserung des Komforts für Saunagänger, die nach der Sanierung von einer angenehmeren Atmosphäre profitieren sollen.

Das nachhaltige Energieversorgungskonzept: Ein technischer Schwerpunkt

Das innovative Energiekonzept des Tauris ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie durch eine durchdachte Sanierung ein wesentlicher Beitrag zu kommunalen Klimazielen geleistet werden kann. Anstatt einen einfachen Austausch der Heiztechnik vorzunehmen, wurde ein ganzheitlicher Ansatz gewählt, der die Entwicklung in Richtung einer CO2-neutralen Energieversorgung für den gesamten Komplex zum Ziel hat.

Die Grundlage für dieses Konzept bildete eine Machbarkeitsstudie, die von der goodmen energy GmbH erstellt wurde. Diese Studie war der Schlüssel zum Erfolg des nachhaltigen Ansatzes und untersuchte die Möglichkeit einer Quartiersversorgung über ein Wärmenetz. Das Ergebnis ist ein hybrides Versorgungskonzept für das Bestandsquartier, das erneuerbare Energien mit Erdgas kombiniert. Durch diese intelligente Verknüpfung wird eine stabile und zuverlässige Energieversorgung sichergestellt, während gleichzeitig der Anteil fossiler Energien maximiert reduziert wird.

Die langfristige Vision dieses Konzepts ist die CO2-neutrale Versorgung aller Gebäude des Komplexes, was über die reine Versorgung des Freizeitbades hinausgeht. Diese Strategie stellt eine bewusste Entscheidung gegen einen Abriss des Bades dar. Stattdessen wird eine nachhaltige ökologische und ökonomische Optimierung des Bestandsgebäudes verfolgt. Aus Sicht der Bau- und Energiewirtschaft ist dieser Ansatz von hoher Relevanz. Er zeigt, wie die in bestehenden Gebäuden gespeicherte Energie (sog. "graue Energie") erhalten und durch moderne Technik ressourcenschonend in ein zukunftsfähiges Objekt umgewandelt werden kann. Dies steht im Einklang mit den Prinzipien des nachhaltigen Bauens, die den Erhalt und die Modernisierung von Bestandsbauten gegenüber dem Neubau priorisieren, sofern eine wirtschaftliche und ökologische Optimierung möglich ist. Die technische Umsetzung eines solchen Wärmenetzes erfordert fachgerechte Planung und Installation, stellt aber eine zukunftssichere Lösung dar, die von den steigenden Preisen für fossile Brennstoffe und politischen Vorgaben zur Dekarbonisierung entkoppelt. Dieses Projekt kann somit für andere Kommunen und Versorger als wegweisendes Beispiel dienen.

Zeitplan, Projektstatus und politische Einbindung

Die Realisierung eines Projekts dieser Größenordnung erfordert einen präzisen Zeitplan und die Abstimmung mit zahlreichen Akteuren. Nach den ersten Planungen war die Wiedereröffnung des sanierten Bades für den Anfang des Jahres 2024 vorgesehen. Dieser Zeitplan ist ambitioniert und berücksichtigt die Komplexität der Bauarbeiten. Stadtbürgermeister Gerd Harner äußerte den Wunsch, die Arbeiten bereits Ende 2023 abzuschließen. Gleichzeitig schränkte er ein, dass sich dieser Termin durch äußere Einflüsse, wie beispielsweise derzeit nicht vorhersehbare Verzögerungen auf dem Baumarkt oder bei der Materialbeschaffung, verschieben könnte. Die Verwaltung arbeitete intern an einem detaillierten Zeitplan, der den städtischen Gremien zur Beratung vorgelegt werden sollte.

Die Transparenz gegenüber der Bürgerschaft spielt in diesem Prozess eine wichtige Rolle. Zur Information der Öffentlichkeit und für den direkten Austausch wurde eine Bürgerversammlung anberaumt, bei der über den Stand der Sanierungsmaßnahmen informiert und Fragen aus dem Publikum beantwortet wurden.

Auch auf der politischen Ebene findet das Projekt große Beachtung. Der Koblenzer CDU-Bundestagsabgeordnete Josef Oster besichtigte das Bad zusammen mit lokalen Politikern, darunter dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Weißenthurm und Beigeordneten der Stadt Mülheim-Kärlich. Er unterstrich die Notwendigkeit der Sanierung nach über 30 Jahren Betrieb und betonte seine Überzeugung, dass das modernisierte Bad eine große Anziehungskraft entwickeln und eine wichtige Bereicherung für das Freizeitangebot der gesamten Region sein wird. Die Einbindung von Akteuren auf kommunaler, Landes- und Bundesebene verdeutlicht die überregionale Bedeutung und die als public-private-partnership angelegte zukünftige Struktur des Projekts.

Fazit

Die Generalsanierung des Freizeitbades Tauris in Mülheim-Kärlich ist ein Mehr-ebenen-Projekt, das weit über eine typische Bauver measure hinausgeht. Es ist eine Antwort auf altersbedingten Bausubstanzverlust, verschärft durch unvorhergesehene strukturelle Mängel. Gleichzeitig ist es ein Finanzierungsprojekt, das den Wandel von einer rein kommunalen Investition hin zu einem privaten Investment zur Erhaltung der öffentlichen Daseinsvorsorge darstellt. Entscheidend und fachlich besonders bemerkenswert ist jedoch das Energiekonzept, das als Fallstudie für eine erfolgreiche und umfassende nachhaltige Modernisierung eines Bestandsgebäudes dienen kann. Der Ansatz, statt Abriss eine ökologische und ökonomische Optimierung durchzuführen, ist wegweisend. Das Tauris steht somit exemplarisch für die Zukunftsfähigkeit öffentlicher Bauten, die durch intelligente Sanierung nicht nur technisch saniert, sondern ökonomisch tragfähig gemacht und in Einklang with den Zielen des Klimaschutzes gebracht werden. Der Erfolg dieses Unterfangens wird nicht nur an der pünktlichen Fertigstellung, sondern auch daran gemessen, ob der Erhalt als familienfreundliche und für alle Bürger zugängliche Freizeiteinrichtung dauerhaft gesichert werden kann.

Quellen

  1. Rhein-Zeitung - Millionen-schwere Tauris-Sanierung
  2. Blick aktuell - Freizeitbad Tauris wird aufwendig saniert
  3. LinkedIn Post - Hubert Graf
  4. aktuell4u.de - Stadt Mülheim-Kärlich plant Investorenwettbewerb
  5. Blick aktuell - Kein Investor: Zukunft des Tauris derzeit ungewiss
  6. Rhein-Zeitung - Tauris soll Ende 2023 fertig saniert sein
  7. Stadt Mülheim-Kärlich - Tauris wegen Reparaturarbeiten weiterhin geschlossen

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