Ägypten pyramiden renovierung

Renovierung der Menkaure-Pyramide: Ein Kontroverses "Jahrhundertprojekt" im Spannungsfeld von Restaurierung und Denkmalpflege

Einleitung

Das Gizeh-Plateau in Ägypten, Heimat der ikonischen Pyramiden und der Großen Sphinx, ist erneut in den Blickpunkt der internationalen Öffentlichkeit gerückt. Auslöser ist ein am 25. Januar auf der Facebook-Seite von Mostafa Waziri, dem Generalsekretär des Obersten Rats für Altertümer, veröffentlichtes Video. Dieses Dokument zeigt Arbeitskräfte, wie sie massive Granitblöcke am Fuß der Menkaure-Pyramide, auch Mykerinos-Pyramide genannt, anbringen. Das Vorhaben, von Waziri als „Jahrhundertprojekt“ und „Ägyptens Geschenk an die Welt im 21. Jahrhundert“ bezeichnet, hat eine Welle der Kritik vonArchäologen, Denkmalpflegern und der Öffentlichkeit ausgelöst. Die Kontroverse dreht sich um die Frage, ob die geplante Restaurierung eine legitime Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands ist oder einen unzulässigen Eingriff in die historische Substanz eines Weltkulturerbes darstellt.

Das Vorhaben: Rekonstruktion der Granitverkleidung

Das Ziel der laufenden Arbeiten ist die vollständige Wiederherstellung der ursprünglichen Erscheinung der Menkaure-Pyramide. Diese ist mit rund 65 Metern Höhe die kleinste der drei großen Pyramiden von Gizeh und wurde im 3. Jahrtausend v. Chr. als Grabmal für den Pharao Menkaure (Mykerinos) errichtet. Den Quelldaten zufolge war das Monument, ähnlich wie seine largeren Nachbarn, ursprünglich mit einer Verkleidung aus polierten Granitblöcken versehen. Über die Jahrtausende ging diese Verkleidung jedoch größtenteils verloren, wodurch die unterliegende Struktur aus Kalkstein freigelegt wurde.

Die Verantwortlichen für das Projekt, eine ägyptisch-japanische Mission unter der Leitung von Mostafa Waziri, planen, die fehlenden Granitplatten durch neue Blöcke zu ersetzen. Das im sozialen Netzwerk Facebook geteilte Video zeigt, wie diese neuen glatten, grauen Granitblöcke bereits am Sockel der Pyramide platziert werden. Die Gesamtdauer der Arbeiten wird auf einen Zeitraum von etwa drei Jahren veranschlagt. Die Intention hinter dem Projekt wird offiziell dahingehend beschrieben, den ursprünglichen Stil des Bauwerks wiederherzustellen und somit ein unvergängliches Denkmal zu schaffen.

Die Kritik aus der Fachwelt und der Öffentlichkeit

Die Ankündigung und die visuelle Dokumentation der Arbeiten stießen auf sofortigen und heftigen Widerstand. Eine der prominentesten Kritikerinnen ist die ägyptische Archäologin und Professorin Monica Hanna. Ihre Kritik ist fundamental und richtet sich gegen die Methodik des Projekts. Laut den Berichten bezeichnete sie das Vorhaben als „absurd“ und wandte ein, dass „alle internationalen Grundsätze zu Renovierungen solche Eingriffe verbieten würden“. Sie rief die internationale Fachwelt der Archäologen dazu auf, „sofort zu mobilisieren“, um dem Projekt Einhalt zu gebieten. Ihre Sorge gilt der Beschädigung der historischen Substanz des Monuments durch die Eingriffe.

Die öffentliche Reaktion in den sozialen Medien spiegelte die Expertenkritik wider und wurde teils sarkastisch formuliert. Hunderte von Kommentaren unter dem Video von Waziri und in verschiedenen Nachrichtenartikeln drücken Empörung aus. Die Kritiker argumentieren, dass die Pyramiden in ihrem jetzigen, unvollkommenen Zustand ein wesentliches Merkmal ihrer Authentizität und ihres Charakters als antike Ruine in der Wüstenlandschaft sind. Der Versuch, sie zu „fliesen“, wie es ein Nutzer kommentierte, würde diese historisch gewachsene Patina zerstören.

Vergleiche mit anderen absurden Projekten wurden gezogen, um die Kritik zu untermauern. Ein weit rezipierter Kommentar lautete: „Wann wird das Projekt zur Begradigung des Turms von Pisa geplant?“. Ein anderer Nutzer fragte ironisch: „Warum nicht die Pyramiden tapezieren, anstatt sie zu fliesen?“. Diese Kommentare verdeutlichen die grundlegende Ablehnung, einem antiken Monument eine neuzeitliche, vollkommene Fassade zu geben. Die Befürchtung ist, dass nach Abschluss der Arbeiten die Originalblöcke nicht mehr von den neuen Repliken unterscheidbar sein und thus die Geschichte des Bauwerks verwischt wird.

Diese Kontroverse steht nicht vereinzelt da. Den Berichten zufolge gab es zuletzt auch Kritik an anderen Restaurierungsprojekten in Ägypten, beispielsweise an der Abu al-Abbas al-Mursi-Moschee in Alexandria, wo farbige und verzierte Decken übermalt wurden.

Ein weiteres Großprojekt auf dem Gizeh-Plateau

Parallel zur spezifischen Restaurierung der Menkaure-Pyramide ist ein separates, umfassenderes Umbauprojekt für das gesamte Gizeh-Plateau geplant. Dieses Vorhaben unterscheidet sich grundlegend von der Pyramidenrenovierung, konzentriert sich aber auf denselben historischen Komplex. Ziel ist es, die Infrastruktur für Besucher zu verbessern und die Attraktion moderner und zugänglicher zu machen. Investitionssumme für dieses Projekt wird mit umgerechnet etwa 17 Millionen Euro beziffert.

Die geplanten Maßnahmen umfassen: - Errichtung eines neuen Besucherzentrums. - Bau des ersten Restaurants auf dem Gelände, inklusive eines Café. - Einführung eines umweltfreundlichen Transportsystems mit Elektrobussen und Golfkarts, um die Touristen zu den Sehenswürdigkeiten zu bringen. Konsequenterweise bedeutet dies auch das Aus für die traditionellen Kamel-, Pferde- und Eselritte. - Modernisierung eines alten Ingenieurverwaltungsgebäudes für den Restaurant-Komplex.

Laut den vorliegenden Informationen wurde das Projekt von Naguib Sawiris, dem Vorsitzenden und CEO der das Restaurant finanzierenden Gesellschaft, angekündigt. Das Ziel sei, die Dienstleistungen für Besucher zu verbessern und die durch Touristen verursachte Umweltverschmutzung zu reduzieren, um so ein „faszinierendes Erlebnis“ zu schaffen. Dieses breitere Modernisierungsvorhaben ist von der direkten Kontroverse um die Menkaure-Pyramide zu trennen, beleuchtet jedoch den größeren Kontext der Entwicklungen auf dem Gizeh-Plateau.

Fazit

Die Renovierung der Menkaure-Pyramide ist zu einem prominenten Beispiel für den Konflikt zwischen den Zielen der Restaurierung und den Prinzipien der Denkmalpflege geworden. Während die zuständigen ägyptischen Behörden und ihre Partner das Vorhaben als ein „Projekt des Jahrhunderts“ präsentieren, das den ursprünglichen Glanz des Monuments wiederherstellen soll, sehen Kritiker aus dem Fachbereich und der Öffentlichkeit einen unzulässigen Eingriff in die Authentizität des Weltkulturerbes. Die Argumentation der Gegner stützt sich auf den Verweis auf internationale Standards, die eine solche Anpassung verbieten, und auf die Sorge, die historische Substanz zu beschädigen. Die heftige öffentliche Debatte zeigt, dass die Interpretation und der Umgang mit antiken Baudenkmälern heute von einem breiten gesellschaftlichen Interesse geprägt sind. Gleichzeitig läuft auf dem Gizeh-Plateau ein infrastrukturell ausgerichtetes Projekt, das die Besuchererfahrung modernisieren soll, was auf unterschiedliche Prioritäten im Umgang mit historischen Stätten hindeutet. Die weiteren Entwicklungen rund um die Menkaure-Pyramide werden voraussichtlich eng von der internationalen Gemeinschaft beobachtet werden.

Quellen

  1. Umstrittene Restaurierung der ägyptischen Menkaure-Pyramide
  2. „Wann wird Begradigung des Turms von Pisa geplant?“
  3. Ägypten streitet über die Restaurierung der Mykerinos-Pyramide
  4. Die Pyramide des Menkaure
  5. Restaurierung von Pyramide in Ägypten: Expertin appelliert an Archäologen
  6. Pyramiden von Gizeh bekommen ein teures Makeover

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