Der Affenfelsen in Braunschweig: Sanierungsstrategien, Baukultur und langfristige Nachhaltigkeit eines Brutalistischen Studentenwohnheims

Einleitung

Der sogenannte „Affenfelsen“ in Braunschweig, offiziell als Studierendenwohnheim APM Rebenring bekannt, ist ein ikonisches Beispiel für Brutalismus in der deutschen Nachkriegsarchitektur. Errichtet zwischen 1974 und 1976, beherbergt das Gebäude über 600 Studentenwohnungen und ist ein zentraler Bestandteil der Braunschweiger Stadtkultur. In den letzten Jahren wurde der Affenfelsen mehrfach saniert, wobei die Sanierungsstrategien sich primär auf langfristige Erhaltung, energetische Ertüchtigung und die Sicherstellung der baulichen Funktion konzentrierten.

Die aktuellsten Sanierungsarbeiten, die zwischen 2014 und 2017 durchgeführt wurden, markieren einen Meilenstein in der Geschichte des Gebäudes. Ein weiterer Sanierungsschwerpunkt lag in den Jahren 2023 auf der Fassadensanierung, um die langfristige Dichtigkeit und Stabilität der Gebäudehülle zu gewährleisten. Diese Arbeiten sind Teil eines integrierten Sanierungskonzepts, das die Werte des Brutalismus bewahrt und gleichzeitig modernste Standards der Energieeffizienz und Nutzbarkeit einhält.

Dieser Artikel bietet eine detaillierte Übersicht über den Affenfelsen in Braunschweig, seine Geschichte, die bisherigen Sanierungsmaßnahmen sowie die zukünftigen Planungen. Ziel ist es, Bauherren, Architekten, Sanierungsplaner und interessierte Bürger einen umfassenden Überblick über die Planung, Durchführung und Nachhaltigkeit einer mehrphasigen Sanierung eines Brutalistischen Bauwerks zu geben.

Historische Entwicklung und bauliche Grundlagen

Errichtung und architektonisches Konzept

Der Affenfelsen wurde zwischen 1974 und 1976 nach Entwürfen der Architektengruppe Giesler + Giesler + Partner errichtet und 1976 eröffnet. Das Gebäude ist ein sogenannter Brutalistischer Bau, der durch die Verwendung von Ortbeton, massive Formen und eine klare, geometrische Struktur charakterisiert ist. Der Stil spiegelt die sozialen und ökonomischen Verhältnisse der 1970er-Jahre wider, in denen eine Architektur entstand, die Funktionalität, Langlebigkeit und soziale Verantwortung in den Vordergrund stellte.

Das Gebäude besteht aus vier ineinander übergehenden Gebäudeteilen mit insgesamt 14 Etagen und 662 Studentenwohnungen. Die Baukosten betrugen 25,33 Millionen Deutsche Mark, was für die damalige Zeit eine beträchtliche Investition darstellte. Das Wohnheim dient nicht nur als Unterkunft, sondern auch als Parkhaus, wodurch es eine zentrale Rolle im Braunschweiger Studentenleben spielt.

Stadtbildfunktion und soziale Bedeutung

Der Affenfelsen ist ein prägendes Element der nördlichen Stadteinfahrt und hat sich seit seiner Eröffnung als zentraler Ankerpunkt für Studierende etabliert. Er ist Teil des Campusgebiets der Technischen Universität Braunschweig und liegt in unmittelbarer Nähe zu den zentralen Universitätsgebäuden. Laut Darstellung von Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth, der sich in seiner Rede zur Sanierung 2017 erinnerte, war der „Affenfelsen“ bereits seit seiner Kindheit ein „Wegbegleiter seines Lebens“. Der Bau ist daher nicht nur ein bauliches, sondern auch ein sozialkulturelles Element der Stadt.

Sanierungsmaßnahmen: Von der Grundsanierung bis zur Fassadenerneuerung

Große Sanierung 2014–2017: Kernsanierung des Gebäudes

Die umfassendste Sanierung des Affenfelsens fand zwischen 2014 und 2017 statt. Diese Sanierungsphase umfasste eine umfassende Renovierung der gesamten Gebäudehülle, der Energetik sowie der baulichen Infrastruktur. Laut einer Pressemitteilung des Studentenwerks OstNiedersachsen handelte es sich um das „größte Sanierungsprojekt in der Geschichte des Studentenwerks“.

Die Sanierung war notwendig, um die bauliche Substanz zu erhalten und den steigenden Anforderungen an Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Wohnqualität gerecht zu werden. Die Arbeiten umfassten unter anderem:

  • Energetische Sanierung der Gebäudehülle
  • Modernisierung der technischen Anlagen (Heizung, Lüftung, Stromversorgung)
  • Renovierung der Wohnungsinneneinrichtung
  • Ersatz der alten Betriebsanlagen
  • Optimierung der barrierefreien Zugänglichkeit

Die Sanierung wurde am 29. April 2017 offiziell eingeweiht. Laut Berichten war der Oberbürgermeister stolz darauf, dass „die Architektur nicht zerstört, sondern modernisiert wurde“, was den Wert des Brutalistischen Bauwerks bestätigt. Der Affenfelsen blieb dabei äußerlich erhalten, erhielt aber eine technische und funktionale Überarbeitung, die für die Zukunft gewährleistet, dass das Gebäude weiterhin wohnlich, energieeffizient und benutzerfreundlich bleibt.

Sanierungsphasen 2023: Fassadensanierung und langfristige Dichtigkeit

Im Jahr 2023 standen erneute Sanierungsarbeiten im Fokus, diesmal mit dem Schwerpunkt auf die Sanierung der Gebäudehülle, insbesondere der Fassaden. Laut einer Machbarkeitsstudie, die 2023 von den Ingenieurbüros BOW durchgeführt wurde, lag das Ziel der Sanierung in der „Wiederherstellung und Erhaltung der hochbaulichen Fassadenstruktur inkl. der zugehörigen Nebenarbeiten im Gebäudeinneren, um die Fassadendichtheit zu gewährleisten“.

Ein weiteres Ziel der Sanierung war die Energetische Ertüchtigung. Laut der Studie ist dies Teil eines integrierten, langfristig nachhaltigen Sanierungskonzepts, das die Funktion, den Wert und die Haltbarkeit des Bauwerks über mehrere Jahrzehnte sichert.

Warum Fassaden- und Fenstersanierung?

Bereits bei der Sanierung von 2014–2017 war festgestellt worden, dass Fassade und Fenster in einem Zustand waren, der zunächst keine dringende Sanierung erforderte. Laut Angaben des Studentenwerks OstNiedersachsen war die Fassade in den 2010er-Jahren „in einem Zustand, der eine Sanierung auf längere Zeit nicht erforderlich erscheinen ließ – diese sei daher damals wirtschaftlich nicht sinnvoll gewesen“. Dies zeigt, dass Sanierungsmaßnahmen nicht immer zeitgleich mit anderen Renovierungsarbeiten durchgeführt werden, sondern je nach baulichem Zustand und wirtschaftlicher Relevanz geplant werden.

Die aktuelle Sanierung von Fassade und Fenstern erfolgte daher aufgrund eines veränderten baulichen Zustands und veränderten Anforderungen. Die Generalplanung hatte festgestellt, dass die Fassaden- und Fensterkonstruktionen mittlerweile einen Zustand erreicht haben, der eine Sanierung erforderlich macht, um die langfristige Funktion des Gebäudes zu gewährleisten.

Methodik und Umsetzung der Sanierung

Die Fassaden- und Fenstersanierung umfasste die folgenden Maßnahmen:

  • Kontrollierte Entfernung der alten Fassadenbeschichtung
  • Wiederherstellung der Ortbetonfassade durch Reinigung und Schutzbeschichtung
  • Austausch defekter Fensterelemente durch energieeffiziente Fenster
  • Dichtigkeitssicherung der Fassadenkonstruktionen
  • Wärmedämmung der Außenflächen

Die Arbeiten wurden in enger Abstimmung mit den ursprünglichen Entwürfen der Architekten Giesler + Giesler durchgeführt, um die ästhetische wie konstruktive Identität des Gebäudes zu bewahren. Gleichzeitig wurden moderne Materialien und Technologien eingesetzt, um den Energiebedarf zu senken und die Wohnqualität zu verbessern.

Nachhaltigkeit und Zukunft des Affenfelsens

Die Sanierungsstrategie des Affenfelsens folgt einem klaren nachhaltigen Konzept, das auf folgende Prinzipien beruht:

  1. Erhaltung bestehender Strukturen: Die Sanierung setzt auf die Erhaltung der originalen Baustruktur, um Ressourcen zu sparen und den Stadtraum zu stabilisieren.
  2. Energetische Ertüchtigung: Durch die Sanierung wird der Energieverbrauch reduziert und die CO₂-Bilanz des Gebäudes verbessert.
  3. Langfristige Haltbarkeit: Die verwendeten Materialien und Technologien sind auf eine langfristige Nutzung ausgelegt.
  4. Soziale Funktion: Das Gebäude bleibt ein zentraler Bestandteil der Braunschweiger Studentenbevölkerung und trägt zur sozialen Infrastruktur bei.

Laut Aussagen des Studentenwerks und der Stadt Braunschweig ist geplant, den Affenfelsen weiterhin über 20 bis 30 Jahre in einem nutzbringenden Zustand zu erhalten. Dies erfordert möglicherweise weitere Sanierungsphasen, die sich an den baulichen Veränderungen und technischen Fortschritten orientieren.

Fazit

Der Affenfelsen in Braunschweig ist nicht nur ein architektonisches Wahrzeichen Brutalistischer Baukunst, sondern auch ein Paradebeispiel für nachhaltige Sanierung und langfristige Nutzung. Die mehrfach durchgeführten Sanierungsmaßnahmen haben gezeigt, dass es möglich ist, ein Gebäude aus den 1970er-Jahren so zu erneuern, dass es modernen Anforderungen an Energieeffizienz, Nutzbarkeit und sozialem Wert gerecht wird, ohne dabei seine ursprüngliche Identität zu verlieren.

Die Sanierungsstrategie des Affenfelsens unterstreicht die Bedeutung einer planvollen, schrittweisen und wirtschaftlich sinnvollen Sanierung. Sie vermeidet überflüssige Aufwendungen und konzentriert sich auf die Sanierung von Bereichen, die sich aufgrund ihres baulichen Zustands oder veränderten Anforderungen ergeben. Gleichzeitig betont sie die Notwendigkeit einer integrierten Planung, die bauliche, energetische und soziale Aspekte berücksichtigt.

Für Bauherren, Sanierungsplaner und Architekten bietet der Affenfelsen eine wertvolle Studie für die Sanierung Brutalistischer Bauten. Er zeigt, dass solche Gebäude nicht nur erhaltenswert, sondern auch modernisierbar sind – mit klaren Vorteilen für die Stadt, die Bewohner und die Umwelt.

Quellen

  1. BOW Ingenieure – Machbarkeitsstudie für die Sanierung der Gebäudehülle
  2. Nach drei Jahren Bauzeit – Feier für sanierten Affenfelsen
  3. Wohnheim Sanierung – Kostenlast liegt bei Studenten
  4. Affenfelsen (Braunschweig) – Wikipedia
  5. Katrin Keßler, Heike Pöppelmann (Hrsg.): Brutal modern. Bauen und Leben in den 60ern und 70ern. Ausstellungskatalog, Kleine Reihe des Braunschweigischen Landesmuseums, Braunschweig 2018, ISBN 978-3-9820340-0-3, S. 96–99.
  6. Karl-Heinz Loschke: Sozialbauten des Studentenwerks Braunschweig. Apartmenthaus Rebenring. In: Städteforum Stadt Braunschweig. 3 Folge, Osterode/Harz 1979, S. 118–121.
  7. Webseite des Studierendenwerks OstNiedersachsen für das Wohnheim APM Rebenring
  8. Video nach Sanierungsabschluss 2017
  9. Nach Millionen-Sanierung: „Affenfelsen“ in neuem Glanz
  10. Video einer nach dem Original rekonstruierten Wohnung aus den 70ern
  11. Ralph-Herbert Meyer: Stört der „Affenfelsen“ das Stadtbild? auf der-loewe.info
  12. Jule Lagoda: Diverse Fotos vom Affenfelsen auf dasregionalegedaechtnis.de
  13. Studenten Appartementanlage Braunschweig auf iwb-ingenieure.de
  14. Ulrich H. Mey, Christian Streibel: Braunschweig Architekturführer, Höller und Zwick, Braunschweig 1986, ISBN 3-89057-006-2, Spalte 170.
  15. Patrizia Bodeux: Denkmal oder Bausünde? auf loewenstadt.braunschweig.de

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