Die Renovierung eines Hauses ist ein Projekt, das nicht nur handwerkliches Können, sondern oft auch professionelle Planung erfordert. Ein Architekt kann dabei wertvolle Unterstützung leisten – sei es bei der Erstellung von Bauplänen, bei der Koordination mit Handwerkern oder bei der Einhaltung baurechtlicher Vorschriften. Doch viele Eigentümer fragen sich: Wie viel kostet ein Architekt bei einer Renovierung? Und: Lohnt sich die Investition in einen Architekten?
Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab, darunter der Art der Renovierung, der Komplexität des Projekts, der Region und dem Umfang der beauftragten Leistungen. Nachfolgend wird ein detaillierter Überblick über die typischen Kosten, Honorarberechnungen und Einflussfaktoren bei der Renovierung mit Architekten gegeben, basierend auf vertrauenswürdigen Quellen aus der Branche.
Was kostet ein Architekt bei der Renovierung?
Bei Renovierungsprojekten fallen die Architektenhonorare in der Regel etwas höher aus als bei Neubauten. Dies liegt daran, dass Renovierungen oft mit mehr Planungsaufwand verbunden sind. So müssen beispielsweise bestehende Konstruktionen geprüft, Brandschutzvorschriften berücksichtigt und oftmals Anpassungen an den baulichen Gegebenheiten vorgenommen werden.
Laut den in den Quellen genannten Daten fallen die Honorare für Renovierungen in der Regel zwischen 12 und 18 % der netto Baukosten. Das bedeutet, dass bei einem Renovierungsprojekt mit Baukosten in Höhe von 200.000 Euro die Architektenkosten zwischen 24.000 und 36.000 Euro liegen können.
Im Vergleich dazu kosten Neubauten meist zwischen 10 und 15 % der Baukosten. Ein Architekturbüro, das sowohl bei der Planung als auch bei der Bauüberwachung tätig ist, kann jedoch auch bis zu 18 % berechnen, insbesondere wenn das Projekt besonders komplex ist.
Die Honorare können auch nach Leistungsphasen kalkuliert werden, wobei jede Phase einen bestimmten Anteil am Gesamthonorar einnimmt. Dieser sogenannte Leistungsumfang (LPH 1–9) ist im Rahmen der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) definiert. Je nachdem, welche Leistungen beauftragt werden, variieren die Kosten.
Kostenbeispiele für Renovierungsprojekte
Um die Honorarkalkulation besser zu verstehen, folgt eine Tabelle mit konkreten Beispielen für Renovierungsprojekte unterschiedlicher Größenordnung.
| Netto-Baukosten | Honorar (12 %) | Honorar (18 %) |
|---|---|---|
| 100.000 € | 12.000 € | 18.000 € |
| 200.000 € | 24.000 € | 36.000 € |
| 300.000 € | 36.000 € | 54.000 € |
| 500.000 € | 60.000 € | 90.000 € |
Diese Beispiele zeigen, dass die Kosten je nach Projektumfang stark variieren können. Für kleinere Renovierungsarbeiten, wie beispielsweise eine Sanierung einer Küche oder eines Badezimmers, fallen meist pauschale Honorare an. Diese können zwischen 1.500 und 4.000 Euro liegen, je nach Komplexität und Arbeitsaufwand.
Honorarberechnung nach HOAI oder Pauschale?
Seit 2021 ist es Architekten zulässig, individuelle Pauschalen zu vergeben. Dies bedeutet, dass nicht mehr ausschließlich die HOAI als Honorarverordnung gilt, sondern auch andere, marktgerechte Honorarformen erlaubt sind. Dennoch bleibt die HOAI ein verlässlicher Maßstab für faire Honorarkorridore.
Leistungsphasen nach HOAI
Die HOAI gliedert die Tätigkeit eines Architekten in 9 Leistungsphasen, wobei jede Phase eine spezifische Funktion hat:
- Leistungsphase 1 (Auftragserteilung): Klärung der Vorstellungen und Anforderungen.
- Leistungsphase 2 (Vorentwurf): Erster Entwurf des Projekts.
- Leistungsphase 3 (Entwurf): Ausarbeitung des Entwurfs.
- Leistungsphase 4 (Genehmigungsplanung): Erstellung von Bauplänen für die Baugenehmigung.
- Leistungsphase 5 (Ausführungsplanung): Detailplanung für die Handwerker.
- Leistungsphase 6 (Mitwirkung bei Vergabe): Unterstützung bei der Vergabe der Arbeiten an Handwerker.
- Leistungsphase 7 (Vorbereitung und Überwachung der Ausführung): Vorbereitung der Baustelle.
- Leistungsphase 8 (Bauüberwachung): Kontrolle der Baumaßnahmen.
- Leistungsphase 9 (Nachuntersuchung): Nachbearbeitung und Abrechnung.
Die Kosten hängen davon ab, welche Phasen beauftragt werden. Beispielsweise kosten nur die Planungsleistungen (LPH 1–4) etwa 30–40 % des Gesamthonorars, während die Bauüberwachung (LPH 8) bis zu 32 % ausmacht.
Kosten für den Bauantrag
Ein wichtiger Bestandteil der Renovierung ist oftmals die Beantragung einer Baugenehmigung. Der Bauantrag selbst fällt unter Leistungsphase 4 und wird in der Regel mit 3 % des Gesamthonorars berechnet. Bei einem Projekt mit Baukosten von 200.000 Euro entsprechen dies 600 bis 900 Euro. Einige Architektenbüros bieten hierfür auch feste Pauschalen ab 1.500 Euro an, wobei die genaue Höhe davon abhängt, wie umfangreich die Planung ist und in welcher Region die Arbeiten durchgeführt werden.
Was beeinflusst die Architektenkosten?
Die Höhe der Architektenhonorare hängt von mehreren Faktoren ab. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Einflussfaktoren zusammen:
| Einflussfaktor | Wirkung auf das Honorar | Typische Mehr-/Minderkosten |
|---|---|---|
| Größe des Projekts | Größere Projekte erfordern mehr Planungsarbeit und erhöhen das Honorar. | + 2–5 % |
| Projektkomplexität | Ungewöhnliche Grundrisse, bauliche Besonderheiten oder hohe Anforderungen an Energieeffizienz erhöhen den Planungsaufwand. | + 10–20 % |
| Leistungsumfang | Beauftragung nur von Teilpaketleistungen (z. B. Planungsleistungen) reduziert die Kosten; Bauüberwachung erhöht sie. | − 30 % bis + 32 % |
| Region und Lage | In ländlichen Gebieten sind die Honorare oft niedriger als in Ballungsräumen. | ± 5–10 % |
| Anrechenbare Baukosten | Die Höhe der Baukosten bestimmt den Prozentsatz des Honorars. | ± 2–5 Prozentpunkte |
Komplexität und Energieeffizienz
Bei Renovierungsprojekten mit besonderen Anforderungen, wie z. B. der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen oder der Einrichtung von Passivhaus-Prinzipien, steigen die Kosten. Ein Architekt, der solche Projekte plant, muss detaillierte Berechnungen anstellen und auf Spezialwissen zurückgreifen, was sich im Honorar widerspiegelt.
Vorteile der Planung durch einen Architekten
Obwohl die Kosten für einen Architekten in der Renovierung höher sind als bei manchen DIY-Lösungen, gibt es mehrere Vorteile, die die Investition lohnen können:
- Individuelle Planung: Ein Architekt kann Ihre Wünsche berücksichtigen und ein Maßwerk für Ihr Zuhause erstellen.
- Baurechtliche Sicherheit: Er prüft, ob die Renovierung baurechtlich zulässig ist.
- Koordination mit Handwerkern: Ein Architekt kann die Zusammenarbeit mit Handwerkern übernehmen und so Fehlplanungen vermeiden.
- Qualitätssicherung: Durch Bauüberwachung kann sichergestellt werden, dass die Arbeiten fachgerecht ausgeführt werden.
- Schadensverantwortung: Bei Fehlplanungen können Schadenersatzansprüche bestehen.
Kalkulation nach Stundensätzen
Neben der Prozentberechnung an den Baukosten kann ein Architekt auch nach Stundensätzen kalkulieren. Marktübliche Stundensätze liegen zwischen 120 und 200 Euro, abhängig von der Erfahrung und Spezialisierung des Architekten. Dieser Modus ist vor allem bei kleineren Projekten oder bei kurzfristigen Beratungsgesprächen üblich.
Ein Beispiel: Wenn ein Architekt 10 Stunden für die Planung eines Badezimmers benötigt, kostet das zwischen 1.200 und 2.000 Euro. Bei komplexeren Projekten, bei denen mehrere Leistungsphasen abgedeckt werden, ist die stundenweise Kalkulation weniger üblich, da hier meist ein Honorar nach Baukosten oder eine Pauschale vorteilhafter ist.
Vorteile und Nachteile der Zusammenarbeit mit einem Architekten
Die Entscheidung, ob ein Architekt für die Renovierung beauftragt wird, hängt oft vom individuellen Vorstellungsrahmen und dem Budget ab. Im Folgenden sind die wesentlichen Vorteile und Nachteile aufgeführt:
Vorteile:
- Individuelle Gestaltung: Ein Architekt kann Ihre persönlichen Wünsche und Vorstellungen in die Planung einfließen lassen.
- Bauliche Optimierung: Bei unregelmäßig geformten Grundstücken oder speziellen baulichen Gegebenheiten kann ein Architekt das Optimum herausholen.
- Bauüberwachung: Der Architekt übernimmt die Kontrolle der Handwerker und sorgt für Qualitätssicherung.
- Höherer Wiederverkaufswert: Ein professionell geplantes Objekt hat oft einen höheren Wiederverkaufswert.
- Baurechtliche Sicherheit: Der Architekt prüft, ob die Renovierung baurechtlich zulässig ist.
- Schadensverantwortung: Bei Fehlplanungen kann der Architekt zur Verantwortung gezogen werden.
Nachteile:
- Höhere Kosten: Die Planung durch einen Architekt kostet im Vergleich zu einem Fertighaus oder einer Selbstplanung deutlich mehr.
- Zeitaufwendige Suche: Die Suche nach einem passenden Architekten kann aufwendig und zeitaufwendig sein.
- Planungszeit: Die Planungsphase kann mehrere Wochen bis Monate in Anspruch nehmen.
- Grundstück muss vorhanden sein: Ohne Baugrundstück kann ein Architekt nicht tiefgreifend planen.
Fazit
Die Zusammenarbeit mit einem Architekten bei der Renovierung eines Hauses kann eine lohnenswerte Investition sein – besonders bei komplexeren Projekten oder wenn besondere bauliche Anforderungen gestellt werden. Die Kosten liegen in der Regel zwischen 12 und 18 % der netto Baukosten, wobei der genaue Betrag stark vom Leistungsumfang, der Projektgröße und der Region abhängt.
Ein Architekt bietet nicht nur planerische und baurechtliche Sicherheit, sondern kann auch bei der Koordination mit Handwerkern und der Bauüberwachung unterstützen. Zudem ermöglicht er eine individuelle Gestaltung des Hauses, die auf die Bedürfnisse des Eigentümers abgestimmt ist.
Bei kleineren Renovierungsarbeiten können auch pauschale Honorare oder stundenweise Kalkulationen sinnvoll sein. In jedem Fall ist es wichtig, mehrere Angebote einzuholen und die Honorare sowie den Leistungsumfang kritisch zu bewerten.
Obwohl die Kosten für einen Architekten bei der Renovierung höher sind als bei Selbstplanung oder bei der Nutzung von Fertighausern, können die Vorteile in Form von baulicher Qualität, Planungssicherheit und längerer Haltbarkeit die Investition oft rechtfertigen.