Einleitung
Die katholische Pfarrkirche St. Laurentius in Altmühldorf, ein bedeutendes spätgotisches Bauwerk, wurde in den Jahren vor 2019 einer umfassenden Sanierung unterzogen. Das Projekt zielte darauf ab, statische Mängel zu beheben, die Bausubstanz zu restaurieren und den Kirchenraum zeitgemäß zu gestalten. Bei der Renovierung handelte es sich um ein komplexes Vorhaben, das sowohl technische Aspekte als auch kunsthistorische und theologische Überlegungen berücksichtigte. Der vorliegende Artikel dokumentiert die Maßnahmen und Konzepte dieser umfassenden Sanierung, die im Mai 2019 abgeschlossen wurde.
Historischer Hintergrund
Die katholische Pfarrkirche St. Laurentius ist eine spätgotische Hallenkirche aus Backstein im Ortsteil Altmühldorf von Mühldorf am Inn im gleichnamigen Landkreis in Oberbayern. Das Gebäude gehört zur Kirchengemeinde Mühldorf im Erzbistum München und Freising und stellt ein bedeutendes kulturhistorisches Denkmal dar. Ihre besondere architektonische Gestaltung macht sie zu einem wertvollen Zeugnis spätgotischer Baukunst in der Region.
Ausgangssituation und Renovierungsbedarf
Vor der umfangreichen Gesamtrenovierung wies die Pfarrkirche St. Laurentius in Altmühldorf mehrere Probleme auf, die eine umfassende Sanierung erforderlich machten. Die Emporen der Kirche waren aus statischen Gründen seit längerer Zeit gesperrt, was die Nutzung des Raumes einschränkte. Die Raumschale wirkte grau und verschmutzt, wodurch die Ästhetik des Kirchenraums beeinträchtigt war.
Ein weiteres erhebliches Problem war die unzureichende Heizung des Kirchenraumes. Die mangelhafte Beheizung führte stellenweise zu Schimmel- und Algenbildung, was nicht nur ästhetische, sondern auch gesundheitliche Bedenken aufwarf. Zudem zeigte sich an der historischen Dachkonstruktion einige Schäden, die dringend saniert werden mussten.
Um diese Mängel zu beheben und der Kirche wieder zu neuem Glanz zu verhelfen, wurde eine umfassende Gesamtrenovierung beschlossen, die sowohl statische und technische Aspekte als auch die Restaurierung der historischen Bausubstanz und eine Neukonzeption des Innenraumes umfasste.
Konzeption und Planung der Gesamtrenovierung
Die Gesamtrenovierung der Pfarrkirche St. Laurentius wurde nach einem zweistufigen Konzept geplant, das unterschiedliche Aspekte der Sanierung berücksichtigte. Diese zweigleisige Herangehensweise ermöglichte eine systematische Bearbeitung der verschiedenen Problemfelder.
Ebene 1: Statische und technische Belange
Die erste Ebene der Renovierung konzentrierte sich auf statische und technische Belange sowie auf Schäden am Tragwerk und die Anforderungen an eine zeitgemäße Haustechnik. Hierbei lag besonderes Augenmerk darauf, die Eingriffe möglichst substanzschonend zu gestalten, um die historische Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig die Sicherheit und Funktionalität des Gebäudes zu gewährleisten.
Ebene 2: Restaurierung und Konservierung
Die zweite Ebene umfasste die Bereiche der Restaurierung, einschließlich Fassade, Ausstattung, Naturstein und Glas. Der Schwerpunkt lag hier auf der Konservierung bestehender Werte. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Maßwerkfenster und Tuffsteinpartien an der Fassade gelegt, die fachgerecht restauriert wurden. Zusätzlich erhielten die Glasfenster in den bemalten Bereichen eine Schutzverglasung, um sie vor Umwelteinflüssen und Beschädigungen zu schützen.
Beteiligte Akteure
Für die Planung und Durchführung der Renovierung zeichneten Rieger Lohmann Architekten PartG mbB mit Sitz in Isen verantwortlich. Das Architekturbüro wird von Udo Rieger und Frieder Lohmann geleitet. Die Bauherrin des Projekts war die Katholische Kirchenstiftung St. Laurentius in Mühldorf. An der Umsetzung waren auch Karin Kreutzarek und Gerd Wapler beteiligt.
Für die künstlerische Neukonzeption zeichnete das Münchner Künstlerduo "Empfangshalle" bestehend aus Corbinian Böhm, Michael Gruber und Oliver Tessin verantwortlich. Das Kunstkonzept trug den Titel "Empfangshalle" und prägte maßgeblich das Erscheinungsbild des neu gestalteten Kirchenraumes.
Technische und statische Sanierungen
Dachkonstruktion
Ein zentraler Bestandteil der Sanierungsarbeiten war die umfassende Instandsetzung der Dachkonstruktion. Dabei handelte es sich um eine zimmermannsmäßige Instandsetzung, die besonderes Augenmerk auf die Erhaltung der historischen Konstruktionsteile legte. Die Maßnahmen am Dach waren essenziell, um die Stabilität des gesamten Gebäudes zu gewährleisten und weitere Schäden durch Feuchtigkeit oder Witterungseinflüsse zu verhindern.
Beleuchtungskonzept
Im Zuge der Renovierung wurde ein neues Beleuchtungskonzept für den Kirchenraum entwickelt. Dieses trug maßgeblich dazu bei, die Raumschale aufzuhellen und eine angemessene Atmosphäre zu schaffen, die sowohl die historische Architektur zur Geltung bringt als auch die neuen gestalterischen Elemente in Szene setzt.
Fußbodenbelag
Ein weiteres wichtiges Element der technischen Sanierung war die Anlage eines neuen Bodenbelags. Hierfür kamen Solnhofer Platten zum Einsatz, die handbekantet und in Diagonalverlegung verlegt wurden. Dieser hochwertige Natursteinboden trägt zur Wertigkeit des Kirchenraumes bei und ist gleichzeitig robust und langlebig.
Restaurierungsarbeiten
Fassade und Fenster
Die Restaurierungsarbeiten konzentrierten sich auch auf die Fassade der Kirche. Dabei wurden die Maßwerkfenster und Tuffsteinpartien fachgerecht instand gesetzt, um das historische Erscheinungsbild des Außenbaus zu erhalten. Die Fenster erhielten zudem in den bemalten Bereichen eine Schutzverglasung, um die wertvollen Glasmalereien zu schützen.
Holzausstattung
Die holzsichtige Ausstattung der Kirche wurde ebenfalls restauriert. Dazu gehörte unter anderem die Teilung und Neufassung des Gestühles, das nicht nur instand gesetzt, sondern auch neu konzipiert wurde, um die Raumwirkung zu verbessern. Die Arbeiten an der historischen Holzausstattung erforderten besondere Sorgfalt und handwerkliches Geschick, um die originalen Substanzen zu erhalten.
Raumhülle
Die Raumschale der Kirche wurde in weiß neu gefasst und erhielt neue Weihekreuze. Diese Maßnahmen trugen maßgeblich dazu bei, den Raum aufzuhellen und eine einheitliche Wirkung zu erzielen. Gleichzeitig wurden die Figurenhängungen neu konzipiert, um eine angemessene Präsentation der Kunstwerke zu gewährleisten.
Neukonzeption des Innenraums
Freilegung historischer Elemente
Im Zuge der Renovierung wurde der alte Turmzugang freigelegt, der zuvor möglicherweise zugemauert oder anderweitig unzugänglich war. Diese Maßnahme ermöglichte nicht nur eine bessere Erschließung des Gebäudes, sondern auch die Schaffung neuer Nutzungsmöglichkeiten innerhalb des historischen Bauwerks.
Umgestaltung verschiedener Bereiche
Der Bereich unter der Empore wurde neu gestaltet und mit losen Bänken ausgestattet, was eine flexiblere Nutzung des Raumes ermöglicht. Auch der Raum über der Sakristei wurde als Ministrantensakristei neu konzipiert, um den Bedürfnissen der Gemeinde angemessene Räumlichkeiten zu bieten. Die untere Sakristei wurde ebenfalls neu gestaltet, um eine bessere Funktionalität zu erreichen.
In der Totenkapelle wurde eine neue Stuckdecke installiert, die den Raum aufwertet und zur Gesamtkomposition des Kircheninneren beiträgt. Diese Maßnahmen zeigen, dass die Renovierung nicht nur auf die sichtbaren Bereiche des Kirchenraumes konzentriert war, sondern auch auf eine qualitativ hochwertige Gestaltung der weniger prominenten Räumlichkeiten.
Liturgische Neugestaltung
Altarbereich
Ein zentrales Element der liturgischen Neugestaltung war die Umgestaltung des Altarraumes. Die Stufenanlage am Chorbogen wurde neu gestaltet, um eine bessere Raumwirkung und angemessene liturgische Abläufe zu ermöglichen. Ein neuer Altar und Ambo aus Laaser Marmor wurden geschaffen, die durch ihre halbrunde Gestaltung an die Kuppa, die obere Schale eines Kelchs, erinnern. Die Einheitlichkeit der Materialien von Altar, Ambo und Tabernakel-Stele aus demselben Stein verleiht dem Raum eine besondere Würde und Geschlossenheit.
Altaraufsatz (Retabel)
Zentrale Bedeutung für die künstlerische Neukonzeption hat ein acht Meter hoher goldener Altaraufsatz (Retabel). Dieser wurde als filigranes, dreidimensionales Gitterwerk gestaltet, das das von oben abgehängte barocke Kruzifix hinterfängt. Das Retabel ist als selbsttragende Gitterstruktur konzipiert und bildet einen beeindruckenden Kontrapunkt zur historischen Bausubstanz der Kirche.
Weitere liturgische Elemente
Weitere wichtige Elemente der liturgischen Neugestaltung sind die Neuhängung des Kruzifixes und die Neugestaltung sowie die Positionierung des Tabernakels im Seitenschiff. Ein benachbartes Fenster wurde als "Leuchtfenster" gestaltet, das zusätzliche Lichtwirkung in den Raum bringt und symbolische Bedeutung erhält.
Der Taufstein wurde an die Empore umgesetzt, wodurch er eine prominente Position im Kirchenraum erhält und zugleich eine räumliche Trennung vom Altarbereich ermöglicht. Im Turmraum wurde ein neugestalteter Andachtsort geschaffen, der für persönliches Gebet und Kontemplation zur Verfügung steht.
Künstlerische Konzeption "Empfangshalle"
Die künstlerische Neukonzeption des Kirchenraumes wurde vom Münchner Künstlerduo "Empfangshalle" (Corbinian Böhm, Michael Gruber, Oliver Tessin) entwickelt. Das Konzept trägt den Titel "Empfangshalle" und versteht den Kirchenraum als Ort der Begegnung und des Empfangs göttlicher Gnade.
Das zentrale Element dieser künstlerischen Gestaltung ist der bereits erwähnte acht Meter hohe goldene Altaraufsatz. Dieses filigrane Gitterwerk schafft eine Verbindung zwischen der historischen Architektur und zeitgenössischer Kunst. Es hinterfängt und präsentiert das barocke Kruzifix auf neue Weise und verleiht dem Altarbereich eine besondere Würde und Anziehungskraft.
Die Künstler haben es verstanden, Elemente der sakralen Tradition mit zeitgenössischer Kunstsprache zu verbinden und so einen Raum zu schaffen, der sowohl die Tradition der Kirche respektiert als auch zeitgemäß und ansprechend für die Gegenwart wirkt.
Besondere Herausforderungen und Lösungen
Denkmalpflege und zeitgemäße Nutzung
Bei der Renovierung handelte es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude, was besondere Anforderungen an die Planung und Ausstellung stellte. Einerseits galt es, die historische Bausubstanz zu erhalten und zu restaurieren, andererseits musste der Raum für eine zeitgemäße Nutzung fit gemacht werden. Diese Balance zu finden, war eine zentrale Herausforderung des Projekts.
Öffnung des inneren Turmzugangs
Die Öffnung des inneren Turmzugangs war eine Maßnahme, die sowohl die Erschließung des Gebäudes verbesserte als auch neue Nutzungsmöglichkeiten schuf. Durch die Schaffung eines Andachtsortes im Turmraum wurde ein zusätzlicher Raum für persönliches Gebet und Kontemplation geschaffen, der die multifunktionale Nutzung des historischen Bauwerks ermöglicht.
Archäologische Untersuchungen
Im Zuge der Renovierung fanden auch archäologische Untersuchungen unter der Empore statt. Diese Maßnahmen dienten nicht nur der Erforschung der Baugeschichte des Gebäudes, sondern auch der Dokumentation und Bewahrung von historischen Zeugnissen, die im Zuge der Bauarbeiten zutage traten.
Fazit
Die Gesamtrenovierung der Pfarrkirche St. Laurentius in Altmühldorf stellt ein gelungenes Beispiel für den Umgang mit historischer Bausubstanz dar. Das Projekt gelingt es, die Balance zwischen Denkmalschutz und zeitgemäßer Nutzung zu finden und einen Kirchenraum zu schaffen, der sowohl die historische Tradition bewahrt als auch angemessene Rahmenbedingungen für die gegenwärtige Gemeindearbeit bietet.
Die zweistufige Herangehensweise mit getrennter Bearbeitung statisch-technischer Aspekte und restauratorischer Maßnahmen ermöglichte eine systematische und professionelle Durchführung der Arbeiten. Die Einbeziehung zeitgenössischer Künstler bei der Neugestaltung des Kirchenraumes zeigt, dass historische Gebäude auch durch zeitgenössische Kunst bereichert werden können.
Besonders hervorzuheben ist die sorgfältige Restaurierung der historischen Elemente wie Maßwerkfenster, Holzausstattung und Tuffsteinpartien, die das historische Erbe bewahrt. Gleichzeitig schaffen die Neugestaltungen wie der neue Altar, das Retabel und die Umgestaltung verschiedener Raumzonen eine ansprechende und funktionale Atmosphäre für die gegenwärtige Nutzung.
Die am 27. August 2019 abgeschlossene Renovierung verleiht der Pfarrkirche St. Laurentius einen neuen Glanz und stellt sicher, dass das wertvolle spätgotische Bauwerk auch zukünftig als zentraler Ort der Gemeinde und als bedeutendes kulturhistorisches Denkmal erhalten bleiben kann.