Einleitung
Im Dezember 2022 erschütterte die Explosion des 16 Meter hohen Aquadoms im Berliner Radisson Collection Hotel die Stadt. Das spektakuläre Unglück, bei dem etwa eine Million Liter Wasser die Hotellobby und umliegende Bereiche überflutete, markierte einen Wendepunkt in der Geschichte des Luxushotels. Mehr als zwei Jahre nach diesem Vorfall feiert das Hotel nun seine Wiedereröffnung mit einer vollständig neuen Konzeption, die den Fokus von einem monumentalen Aquarium auf einen beeindruckenden vertikalen Garten verlagert. Dieser Artikel beleuchtet die umfangreiche Renovierung des Hotels, die technischen Herausforderungen bei der Umsetzung und die philosophische Neuausrichtung nach der Katastrophe.
Das Aquadom-Unglück
Am 16. Dezember 2022 ereignete sich im Herzen von Berlin, in der Lobby des Radisson Collection Hotels am Alexanderplatz, eine Katastrophe von historischem Ausmaß. Der Aquadom, ein 16 Meter hohes Riesenaquarium, das als eines der größten freistehenden Aquarien der Welt galt, plötzlich mit einem lauten Knall. Augenzeugen berichteten von einem extrem lauten Geräusch gegen 6 Uhr morgens, das die gesamte Nachbarschaft erschütterte.
Die Folgen des Unglücks waren verheerend. Etwa eine Million Liter Wasser ergossen sich mit gewaltiger Wucht in das Hotel und die umliegenden Straßen und Geschäfte. Das massive Acrylbecken zerbrach in über 700 Bruchstücke, wobei das größte Stück allein neun Tonnen wog. Die Zerstörung war immens, und das Bild des überfluteten Hotels ging um die Welt.
Für die Tierwelt im Aquadom war das Unglück besonders verheerend. Von den rund 1.500 Fischen im Aquarium überlebten nur wenige, die später im Berliner Zoo eine neue Heimat fanden. Das Unglück kostete nicht nur unzählige Tiere das Leben, sondern gefährdete auch menschliches Leben. Glücklicherweise wurden nur zwei Menschen leicht verletzt, was angesichts der Dimensionen des Desasters als wahres Wunder angesehen werden kann.
Das Hotel, das sich in unmittelbarer Nähe zum Alexanderplatz befindet und über 427 Zimmer verfügt, musste daraufhin vollständig geschlossen werden. Die Dauer der Schließung betrug mehr als zwei Jahre, eine Zeit des Neuanfangs und der grundlegenden Neukonzeption für das traditionsreiche Haus.
Ursachenuntersuchung und ungelöste Fragen
Die genaue Ursache für das Platzen des Aquadoms konnte bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden. Dies stellt eine der größten ungelösten Fragen im Zusammenhang mit diesem spektakulären Schadensfall dar. Verschiedene Experten und Untersuchungskommissionen haben sich mit dem Vorfall befasst, doch ein eindeutiges Fazit blieb aus.
Einige Fachleute vermuteten, dass Materialermüdung die Ursache für das Desaster gewesen sein könnte. Acryl, das Material, aus dem der Aquadom gefertigt war, unterliegt im Laufe der Zeit einer natürlichen Alterung, die zu einer Verringerung der Festigkeit führen kann. Insbesondere bei einer so großen und hoch belasteten Konstruktion wie dem Aquadom könnte dieser Faktor eine entscheidende Rolle gespielt haben.
Andere Experten untersuchten mögliche bauliche Mängel oder Fehler bei der Wartung des Aquariums. Auch extreme Witterungsbedingungen oder Vibrationen aus dem Verkehr in der belebten Innenstadt Berlins wurden als mögliche Auslöser diskutiert.
Die unklaren Ursachen des Unglücks führten zu intensiven Debatten über Sicherheit und Standards im Bereich großer Aquarienkonstruktionen. Das Ereignis rückte die Verantwortung von Bauherren, Planern und Betreibern von großen Wassersicherheitsanlagen in den Fokus und führte zu einer Überprüfung bestehender Vorschriften und Richtlinien.
Für das Hotelmanagement und den Eigentümer, Union Investment, blieb die Frage nach der Ursache jedoch vorerst zweitrangig. Wichtiger war der Wiederaufbau und die Neuausrichtung des Hotels, um nach der langen Schließzeit wieder als funktionierendes Luxushotel bestehen zu können.
Die Renovierungsphase: Ein umfassender Neuanfang
Nachdem die akute Gefahr beseitigt und die Wasserschäden behoben waren, begann für das Radisson Collection Hotel eine Phase der grundlegenden Renovierung und Neukonzeption. Dieser Prozess dauerte mehr als zwei Jahre und stellte alle Beteiligten vor große Herausforderungen.
Der Eigentümer Union Investment entschied sich für eine umfassende Sanierung des gesamten Gebäudes, bei der nicht nur die sichtbaren Schäden behoben, sondern das Hotel grundlegend modernisiert wurde. Die Renovierungsarbeiten konzentrierten sich insbesondere auf die Lobby-Bereiche, in denen sich früher der Aquadom befand, sowie auf die Zimmer, Tagungsräume und gastronomischen Einrichtungen.
Ein besonderes Augenmerk lag auf der Entwicklung eines völlig neuen Konzepts für den Eingangsbereich des Hotels. Statt des zerstörten Riesenaquariums sollte hier eine neue Attraktion entstehen, die nicht nur ästhetisch überzeugend, sondern auch praktisch und nachhaltig gestaltet war. Diese Entscheidung markierte einen philosophischen Wandel: weg von einer spektakulären, aber potenziell gefährlichen Attraktion hin zu einer natürlichen, umweltfreundlichen und gleichzeitig beeindruckenden Gestaltung des Raums.
Die Renovierungsarbeiten wurden mit größter Sorgfalt durchgeführt, um höchste Qualitätsstandards zu gewährleisten. Besonders bei der Gestaltung des neuen vertikalen Gartens wurden Experten für Begrünung, Architektur und Innenausstattung hinzugezogen, um ein harmonisches und funktionales Ergebnis zu erzielen.
Parallel zu den baulichen Maßnahmen wurde auch das Konzept für die gastronomischen und wellnessbezogenen Bereiche des Hotels überarbeitet. So entstanden nicht nur neue Restaurant- und Barbereiche, sondern auch ein moderner Spa-Bereich, der Gästen neue Möglichkeiten zur Entspannung bieten sollte.
Die Wiedereröffnung des Hotels erfolgte schrittweise. Bereits seit Anfang Februar konnten wieder Gäste im Hotel einchecken, wobei der Betrieb zunächst langsam anlief. Dies war eine bewusste Entscheidung, da nach einer zweijährigen Schließung nicht sofort mit voller Auslastung gerechnet werden konnte.
Der neue "Living Tree": Ein vertikaler Garten als Herzstück
Das auffälligste Element der Hotelrenovierung ist zweifellos der neue vertikale Garten, der den früheren Aquadom ersetzt hat. Dieser sogenannte "Living Tree" wurde zum zentralen Gestaltungselement der fast 1.000 Quadratmeter großen Hotellobby und prägt nun das Erscheinungsbild des Hauses maßgeblich.
Der vertikale Garden erstreckt sich über eine beeindruckende Höhe von 24 Metern und erreicht eine Breite von bis zu 20 Metern. Er besteht aus rund 2.000 Pflanzen, die 22 verschiedene Arten umfassen. Diese Pflanzen sind an 36 baumartigen Vertikal-Lamellen befestigt, die eine abstrakte Baumkrone bilden, die bis unter das transparente Dach des Atriums reicht.
Die Auswahl der Pflanzenarten erfolgte mit großer Sorgfalt, um eine optimale Anpassung an die Innenraumbedingungen und eine ganzjährige Attraktivität zu gewährleisten. Der Garten soll nicht nur ästhetisch überzeugen, sondern auch praktische Funktionen erfüllen: Er verbessert das Raumklima, dient als natürlicher Schallabsorber und schafft eine angenehme Atmosphäre für Hotelgäste und Besucher.
Ein innovatives Lichtkonzept ermöglicht es, den "Living Tree" je nach Tageszeit und Anlass in unterschiedlichen Stimmungen erstrahlen zu lassen. Diese Beleuchtungstechnik unterstreicht die skulpturale Wirkung des Gartens und schafft eine dynamische, lebendige Atmosphäre in der Lobby.
Besonders interessant ist die Integration des Gartens in die bestehende Bausubstanz. Der rund zwölf Meter hohe Betonsockel des ehemaligen Aquadoms blieb erhalten und bildet nun das Fundament für das neue Hotel-Herzstück. Diese Entscheidung zeigt nicht nur Respekt vor der Geschichte des Gebäudes, sondern ermöglichte auch eine kosteneffiziente und bautechnisch sinnvolle Lösung.
Die Installation des vertikalen Gartens stellte die Ingenieure und Landschaftsarchitekten vor besondere Herausforderungen. Neben der Gewährleistung der Stabilität der Tragstruktur mussten auch Fragen der Bewässerung, Pflege und Pflanzenwahl sorgfältig bedacht werden. Eine integrierte Bewässerung sorgt für ein optimales Wachstum der Pflanzen und trägt zu einem angenehmen Raumklima bei.
Für Hotelgäste bietet der "Living Tree" ein besonderes Erlebnis. Von den Zimmern aus können sie den beleuchteten Baum beobachten, der bis zum sechsten Stockwerk reicht, und so eine Verbindung zur natürlichen Welt inmitten der urbanen Umgebung Berlins erleben.
Weitere Highlights der Renovierung
Neben dem spektakulären vertikalen Garten wurden im Zuge der Renovierung zahlreiche weitere Bereiche des Radisson Collection Hotels grundlegend neu gestaltet und modernisiert.
Ein besonderes Augenmerk lag auf den gastronomischen Einrichtungen des Hotels. So entstand ein neues hauseigenes Restaurant namens "San Éna", das moderne griechische Küche anbietet, inspiriert von den Inseln Griechenlands. Die Gestaltung des Restaurants kombiniert Elemente mediterraner Lebensart mit zeitgenössischem Design. In den wärmeren Monaten lädt eine Terrasse an der Spree zum Verweilen ein und bietet Gästen die Möglichkeit, das Berliner Flair zu genießen.
Neben dem Restaurant wurde auch der Barbereich der Lobby neu gestaltet und in das Gesamtkonzept des vertikalen Gartens integriert. Hier können Gäste in entspannter Atmosphäre verweilen und gleichzeitig das beeindruckende Kunstwerk aus Pflanzen bewundern.
Ein weiteres wichtiges Element der Renovierung ist die Schaffung eines neuen Spa-Bereichs. Dieser Bereich wurde speziell darauf ausgerichtet, Hotelgästen eine Oase der Ruhe und Entspannung inmitten der belebten Berliner Innenstadt zu bieten. Moderne Wellnessanlagen und professionelle Behandlungen sollen den Gästen Erholung und Regeneration ermöglichen.
Die 15 Meetingräume des Hotels wurden vollständig renoviert und modernisiert. Sie bieten nun modernste Technik und flexible Raumkonzepte, die für verschiedene Veranstaltungstypen geeignet sind. Diese Modernisierung unterstreicht die Bedeutung des Hotels als Tagungs- und Veranstaltungsort in Berlin.
Besonders aufwendig gestaltete sich die Renovierung der 427 Hotelzimmer und Suiten. Jedes Zimmer wurde mit einer Kombination aus Holztönen, Grau- und Pflaumentönen sowie modernen Kunstwerken neu ausgestattet. Die Badezimmer wurden mit begehbaren Regenduschen ausgestattet, und in den Suiten kamen zusätzlich Badewannen hinzu. Diese Gestaltung verbindet moderne Ästhetik mit Komfort und schafft eine einladende Atmosphäre für die Gäste.
Nachhaltigkeit und Umweltschutz
Die Renovierung des Radisson Collection Hotels nach der Aquadom-Katastrophe wurde auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten geplant und durchgeführt. Ein wichtiges Element dabei war die umweltfreundliche Aufarbeitung der Überreste des zerstörten Aquariums.
Die etwa 700 Acrylbruchstücke des ehemaligen Aquadoms, die insgesamt rund 90 Tonnen wiegen, werden von einem Entsorgungsfachbetrieb recycelt. Dieser Prozess stellt sicher, dass das Material nicht einfach entsorgt, sondern wiederverwertet wird. Die Entscheidung für die Recyclinglösung unterstreicht das Bemühen des Hotelbetreibers, ökologische Verantwortung zu übernehmen und einen Beitrag zur Ressourcenschonung zu leisten.
Auch der neue vertikale Garten trägt zu einer nachhaltigeren Gestaltung des Hotels bei. Pflanzen verbessern die Luftqualität, binden CO2 und schaffen ein gesünderes Raumklima. Gleichzeitig reduzieren sie den Bedarf an technischen Klimaanlagen und tragen so zur Energieeinsparung bei.
Die Entscheidung, auf ein neues Riesenaquarium zu verzichten und stattdessen einen vertikalen Garten zu schaffen, kann auch als grundsätzliche Neuausrichtung im Sinne des Umweltschutzes verstanden werden. Aquarien großer Dimension erfordern erhebliche Energiemengen für die Aufrechterhaltung der Temperatur und Wasserqualität. Ein vertikaler Garten hingegen ist im Betrieb deutlich ressourcenschonender und ökologischer verträglicher.
Fazit
Die Renovierung des Radisson Collection Hotels in Berlin nach der Aquadom-Katastrophe stellt ein beeindruckendes Beispiel für den Wiederaufbau nach einer spektakulären Krise dar. Aus den Trümmern eines zerstörten Riesenaquariums ist ein innovativer vertikaler Garten geworden, der nicht ästhetisch überzeugt, sondern auch praktische Funktionen erfüllt.
Die zweijährige Renovierungsphase hat dem Hotel eine grundlegende Neuausrichtung ermöglicht. Weg von einer spektakulären, aber potenziell gefährlichen Attraktion hin zu einer natürlichen, umweltfreundlichen und gleichzeitig beeindruckenden Gestaltung. Der neue "Living Tree" mit seinen 2.000 Pflanzen von 22 verschiedenen Arten ist nun das Herzstück des Hotels und prägt das Erscheinungsbild der Lobby maßgeblich.
Neben diesem Highlight wurden auch alle anderen Bereiche des Hotels grundlegend modernisiert: Von den 427 Zimmern über die 15 Meetingräume bis hin zum neuen griechischen Restaurant "San Éna" und dem Spa-Bereich wurde alles erneuert und den modernen Anforderungen an Luxus und Komfort angepasst.
Die Entscheidung, die Überreste des zerstörten Aquariums zu recyceln und stattdessen auf nachhaltige Lösungen zu setzen, unterstreicht das Bemühen des Hotelbetreibers, ökologische Verantwortung zu übernehmen.
Die Wiedereröffnung des Hotels markiert nicht nur das Ende eines der spektakulärsten Schadensfälle, die Berlin je erlebt hat, sondern auch den Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte des Hauses. Das Hotel zeigt, dass selbst nach einer Katastrophe ein erfolgreicher Neuanfang möglich ist – mit innovativen Ideen, nachhaltigen Konzepten und dem Mut zur Veränderung.
Für die Bau- und Immobilienbranche bietet der Fall des Aquadoms wichtige Lehren: Die Sicherheit großer Konstruktionen muss oberste Priorität haben, aber auch im Falle eines Desasters können innovative Renovierungsansätze zu einem noch besseren Ergebnis führen. Die Transformation des Radisson Collection Hotels von einem Ort mit einer potenziell gefährlichen Attraktion zu einem Ort der natürlichen Schönheit und Nachhaltigkeit ist ein Vorbild für ähnliche Projekte weltweit.
Quellen
- Radisson-Hotel startet neu: Hier platzte vor zwei Jahren der Aquadom
- [Zwei Jahre nach Unglück: Explodiertes Riesenaquarium ist jetzt ein Garten](https