Einleitung
Das Rottweiler Aquasol und das städtische Freibad stehen vor einer entscheidenden Weichenstellung. Mit über 60 bzw. 40 Jahren Betrieb haben diese Schwimmbadanlagen das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht. Eine 2021 durchgeführte Sanierungsstudie hat ergeben, dass ein Neubau der Bäderlandschaft in der Summe günstiger wäre als die geplanten umfangreichen Erneuerungsmaßnahmen. Dieser Befund hat eine intensive politische und öffentliche Diskussion ausgelöst, die sich nun auf konkrete Planungs- und Umsetzungsschritte konzentriert. Der vorliegende Artikel analysiert die aktuelle Situation, die technischen Herausforderungen sowie die zukünftigen Perspektiven für die Badeinfrastruktur in Rottweil.
Die Situation der bestehenden Bäder in Rottweil
Das Rottweiler Aquasol, ein Sole- und Freizeitbad, hat eine bewegte Baugeschichte hinter sich. Seit den 1960er Jahren wurde das Hallenbad in mehreren Bauabschnitten stufenweise erweitert. Das Soleaußenbecken ist seit 1985/86 in Betrieb, während das Freibad in Rottweil bereits 1979 eröffnet wurde. Diese langen Betriebszeiten haben jedoch zu erheblichen strukturellen Problemen geführt.
Wie die ENRW (Energieversorgung Rottweil), als Trägerin der beiden Bäder, feststellt, haben die Anlagen durch die langen Betriebszeiten und die hohe Beanspruchung durch das Solewasser wesentliche Gebäude- und Anlagenteile erreicht, die am Ende ihrer Nutzungsdauer angekommen sind. Besonders kritisch ist der Zustand des Aquasol, wo bereits jetzt einzelne Bereiche aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben müssen.
Aktuell sind das Sole-Innenbecken, ein Wärmeraum unterhalb des Beckens sowie das Sole-Außenbecken, das bereits seit Jahren geschlossen ist, nicht nutzbar. Darüber hinaus bleiben weitere Einrichtungen wie ein Dampfraum, die Rotlichtlampen in der Wärmehalle und das Soleinhalatorium im Solebereich geschlossen. In der Sauna sind das Gradierwerk, die Lichtersauna und das Tavernen-Bad nicht verfügbar. Diese Einschränkungen beeinträchtigen nicht nur die Attraktivität der Anlagen, sondern auch deren wirtschaftliche Effizienz.
Ergebnisse der Sanierungsstudie
Im Jahr 2021 beauftragte die Stadt Rottweil gemeinsam mit der ENRW eine fundierte Bestandsanalyse der Aquasol- und Freibadanlagen. Die Ergebnisse dieser Studie waren eindeutig: Größere Investitionen in die Sanierung der beiden Bäder sind nicht mehr zielführend, weshalb ein Neubau der Bäderlandschaft unumgänglich ist. Die Studie kam zu dem Schluss, dass ein Neubau in der Summe günstiger käme als die absehbaren umfangreichen Erneuerungsmaßnahmen.
Die ENRW-Geschäftsführung um Christoph Ranzinger betont, dass in den kommenden Jahren enorme Summen in die Gebäude investiert werden müssten, um weiterhin einen attraktiven Badebetrieb zu gewährleisten. Diese Investitionen wären jedoch nur begrenzt wirksam, da die Substanz der Anlagen bereits stark angegriffen ist. Die durch das Solewasser verursachte Korrosion hat tragende Betonteile unter dem Becken beschädigt, was zu den aktuellen Sicherheitsbeschränkungen geführt hat.
Die Freien Wähler im Rottweiler Gemeinderat haben sich nach eingehender Prüfung der Situation ebenfalls für einen kompletten Neubau ausgesprochen. Im November 2023 besichtigte die Stadtratsfraktion der Freien Wähler den Maschinenraum des Aquasols und des angeschlossenen Blockheizkraftwerks. Dr. Peter Schellenberg als Sprecher der Fraktion berichtete, dass man allein aufgrund des optischen Eindrucks und der Feststellungen der Verantwortlichen vor Ort die Erkenntnis gewonnen habe, dass die vorhandene Substanz tatsächlich am Ende der Gebrauchsdauer angekommen ist.
Politische Diskussion und Weichenstellungen
Die politische Diskussion um die Zukunft der Bäderlandschaft in Rottweil hat an Fahrt gewonnen. Die Freien Wähler setzen sich seit 2021 für eine klare Weichenstellung in Richtung Neubau der Bäder ein. Sie schlagen vor, eventuell einen Komplex eines großen Erlebnisbades zu schaffen, der das bisherige getrennte Konzept von Aquasol und Freibad ersetzt. Die Fraktion fordert die Stadtverwaltung auf, bereits in diesem Jahr erste Schritte zu unternehmen, darunter eine Marktanalyse zur Nachfrage und Referenzen von Neubaulösungen sowie eine Bürgerinformations- und Bürgerbeteiligungsveranstaltung.
Oberbürgermeister Ralf Broß (bisherige Amtszeit, vor Dr. Christian Ruf) unterstützte diese Richtung bereits im Herbst des Vorjahres. Er betonte, dass die Analysen der ENRW klar aufgezeigt hätten, dass die Stadt Rottweil die Weichen für ein neues Bäderkonzept rechtzeitig stellen muss. Die Zukunft beider Bäder müsse nach jeweils jahrzehntelanger Nutzungsdauer in den Fokus rücken. Broß sprach sich für ein fundiertes Konzept für einen Neubau unter Beteiligung der Bürgerschaft aus, das nachhaltige Investitionen ermögliche und langfristig sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Aspekte berücksichtige.
Wichtig ist dabei die zeitliche Perspektive. Broß machte deutlich, dass es sich um eine mittelfristige Umsetzung in der zweiten Hälfte der 20er-Jahre handelt. Das bedeutet, dass das Aquasol den Bürgerinnen und Bürgern noch eine ganze Weile erhalten bleibt, bevor ein eventuell Neubau in Betrieb genommen werden könnte. Die Stadtverwaltung hält es jedoch für notwendig, bereits jetzt die Weichen für dieses Projekt zu stellen, da die Zeit bis zur geplanten Fertigstellung knapp wird.
Aktuelle Herausforderungen und Einschränkungen
Die Situation der Rottweiler Bäder hat sich in jüngster Zeit weiter verschärft. Wie aus einer aktuellen Meldung hervorgeht, musste die Betreiberin ENRW das Sole-Innenbecken im Rottweiler Sole- und Freizeitbad Aquasol aus Sicherheitsgründen schließen. Die Sole hatte ein tragendes Betonteil unter dem Becken angegriffen, was zu unmittelbaren Gefahren für die Badegäste führte. Seither ist auch ein Wärmeraum unterhalb des Beckens für die Nutzung gesperrt.
Diese Entwicklung unterstreicht die Dringlichkeit des Handlungsbedarfs. Steven Ulrich, Abteilungsleiter Bäder bei der ENRW, betont die Bedeutung der Bade- und Saunafacilities für die Bevölkerung: "Insbesondere die nachlassende Schwimmfähigkeit der Kinder, das Vereinsschwimmen, das Schulschwimmen und der sportliche Ausgleich für die Bevölkerung liegt uns sehr am Herzen."
Besonders besorgniserregend ist die Energiekrise, die den Betrieb der Bäder zusätzlich gefährdet. Sollte es im Herbst zu einer weiteren Verschärfung der Energiekrise oder zu einer Gasmangellage kommen, müsse davon ausgegangen werden, dass der Betrieb des Aquasol mit der Sauna weiter eingeschränkt oder komplett eingestellt werden müsse. Eine solche Entwicklung würde nicht nur die Attraktivität der Anlagen weiter mindern, sondern auch die bereits hohen Verluste, die die bestehenden Bäder erwirtschaften, weiter verschärfen.
Die wirtschaftliche Situation der Bäder ist bereits angespannt. Die ENRW und die Stadtverwaltung weisen darauf hin, dass die Anlage hohe Verluste erwirtschaftet. Ein Neubau könnte hier langfristig Abhilfe schaffen, da moderne Anlagen energiesparender effizienter betrieben werden können und durch attraktivere Angebote mehr Besucher anziehen.
Wirtschaftliche und ökologische Perspektiven
Die Entscheidung für oder gegen einen Neubau der Bäderlandschaft in Rottweil ist nicht nur eine technische oder politische, sondern vor allem auch eine wirtschaftliche. Die Sanierungsstudie von 2021 hat gezeigt, dass ein Neubau in der Summe günstiger wäre als die umfangreichen Erneuerungsmaßnahmen an den bestehenden Anlagen. Diese Erkenntnis wird durch die aktuellen Entwicklungen noch untermauert, da die Sanierungskosten durch die Entdeckung weiterer baulicher Mängel weiter gestiegen sind.
Ein entscheidender Faktor ist die Lebensdauer der Anlagen. Das Aquasol ist knapp 60 Jahre alt, das Freibad bereits 40 Jahre. In dieser Zeit haben sich nicht nur die technischen Anforderungen, sondern auch die Erwartungen der Badegäste erheblich verändert. Moderne Erlebnisbäder bieten heute deutlich mehr Attraktivität und können daher wirtschaftlich erfolgreicher betrieben werden.
Ökologische Aspekte spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Ein Neubau bietet die Chance, moderne energiesparende Technologien zu implementieren, die den Betrieb nachhaltiger gestalten. Die aktuelle Diskussion über Energieknappheit und steigende Energiepreise zeigt, dass solche Überlegungen nicht nur langfristig sinnvoll, sondern auch kurzfristig wirtschaftlich notwendig sind.
Die ENRW als Betreiberin hat bereits ein Blockheizkraftwerk in Betrieb, das die Energieeffizienz der Anlage verbessert. Ein Neubau könnte solche Technologien noch konsequenter umsetzen und möglicherweise auf erneuerbare Energien setzen, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.
Bürgerbeteiligung und weitere Schritte
Die Freien Wähler haben in ihrer jüngsten Stellungnahme betont, dass bereits in diesem Jahr erste konkrete Schritte unternommen werden sollten. Dazu gehören eine Marktanalyse zur Nachfrage und Referenzen von Neubaulösungen sowie eine Bürgerinformations- und Bürgerbeteiligungsveranstaltung. Diese frühe Einbindung der Bürgerschaft ist wichtig, um Akzeptanz für das Projekt zu schaffen und die Wünsche und Bedürfnisse der zukünftigen Nutzer zu berücksichtigen.
Die Stadtverwaltung hat bereits signalisiert, dass sie diese Vorschläge prüfen wird. Eine Bürgerbeteiligung ist insbesondere bei einem so bedeutsamen Projekt wie dem Bau einer neuen Bäderlandschaft wichtig, da es sich um eine langfristige Investition handelt, die Generationen überdauern wird.
Die Freien Wähler fordern die Stadtverwaltung außerdem auf, bereits jetzt erste finanzielle Mittel für die Planung freizumachen. Dies würde ermöglichen, zeitnah mit den vorbereitenden Arbeiten zu beginnen und die Weichen für eine erfolgreiche Umsetzung in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre zu stellen.
Fazit
Die Situation der Rottweiler Bäder ist kritisch, aber nicht hoffnungslos. Das knapp 60 Jahre alte Aquasol und das 40 Jahre alte Freibad haben das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht. Eine Sanierung wäre nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch wirtschaftlich nicht sinnvoll, wie die 2021 durchgeführte Studie gezeigt hat. Ein Neubau der Bäderlandschaft stellt die wirtschaftlichere und nachhaltigere Lösung dar.
Die aktuellen Herausforderungen, wie die Schließung des Sole-Innenbeckens aus Sicherheitsgründen und die Energiekrise, unterstreichen die Dringlichkeit des Handlungsbedarfs. Gleichzeitig bieten diese Umstände die Chance, eine moderne, energieeffiziente und attraktive Badeinfrastruktur für die Bürger von Rottweil und die Region zu schaffen.
Die politische Unterstützung durch die Freien Wähler und die Stadtverwaltung ist vorhanden, und auch die Betreiberin ENRW zeigt sich kooperationsbereit. Entscheidend ist nun, die Weichen frühzeitig zu stellen und die Bürger in den Planungsprozess einzubinden. Nur so kann sichergestellt werden, dass die neue Bäderlandschaft den Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht und wirtschaftlich erfolgreich betrieben werden kann.
Die Zeit drängt, da die Stadtverwaltung bereits eine Frist bis 2030 für die Umsetzung eines Neubaus ansetzt. Mit einer gezielten Planung und frühzeitigen Bürgerbeteiligung kann dieses Ziel erreicht werden, um den Bürgern von Rottweil auch in Zukunft hochwertige Badeangebote zu gewährleisten.
Quellen
- NRWZ - Rottweiler Bäder: Freie Wähler regenen einen Neubau an
- NRWZ - Rottweiler Freibad und Aquasol: Freie Wähler wollen Neubau einer Bäderlandschaft
- Schwarzwälder Bote - Aquasol-Neubau in Rottweil: Drohen mehrere Jahre ohne Schwimmbad
- Südkurier - Erstes Bad der Region kündigt konkrete Einschränkungen an: Was das Aquasol plant