Einleitung
Die Baufachlichen Richtlinien Abwasser (BFR Abwasser) dienen der Planung, dem Bau und dem Betrieb von abwassertechnischen Anlagen in Liegenschaften des Bundes. Sie stellen Anforderungen zur Sicherung der Qualität von planerischen, baulichen und betrieblichen Leistungen dar und fördern eine bundesweit einheitliche Vorgehensweise unter Beachtung des Grundsatzes der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit gemäß §7 BHO sowie wasserrechtlicher Auflagen und Nachhaltigkeitsprinzipien. Ergänzt werden sie durch Arbeitshilfen wie Verfahrensregelungen, Materialanwendungen, Musterdokumente und Beispiele. Der Rohrleitungssanierungsverband (RSV) bietet zahlreiche Merkblätter zu Renovierungsverfahren für Abwasserleitungen und -kanäle, die spezifische Techniken und Qualifikationsanforderungen beschreiben. Grundstückseigentümer sind für den ordnungsgemäßen Betrieb der Entwässerungsleitungen verantwortlich und müssen Schäden, die Umweltverschmutzungen oder Gefährdungen der öffentlichen Gesundheit verursachen könnten, reparieren, renovieren oder erneuern.
BFR Abwasser: Arbeitshilfen und Qualifikationsanforderungen
Die BFR Abwasser umfassen Arbeitshilfen zur Planung, zum Bau und Betrieb abwassertechnischer Anlagen. Sie gelten für Liegenschaften des Bundes gemäß den Richtlinien für die Durchführung von Bauaufgaben des Bundes (RBBau) und unterstützen die Einhaltung wirtschaftlicher und nachhaltiger Standards.
Bei der Auftragsvergabe für Leistungen wie Kanalreinigung (A-2.1) oder optische Inspektion (A-2.3) müssen Bewerber und Bieter die fachliche Qualifikation und Leistungsfähigkeit nachweisen, einschließlich Fachkunde und Zuverlässigkeit der technischen Vertragserfüllung. Der Nachweis ist erbracht durch:
- Besitz des RAL-Gütezeichens für die Beurteilungsgruppe „R“ nach RAL-GZ 961 oder RAL-GZ 968.
- Alternativ: Prüfbericht für Beurteilungsgruppe „R“ im Vergabeverfahren sowie Abschluss eines Vertrags zur Gütesicherung und Durchführung der Eigenüberwachung während der Werkleistung.
Diese Anforderungen gewährleisten die Qualitätssicherung im Vergabeverfahren und bei der Ausführung.
RSV-Merkblätter zu Renovierungsverfahren
Der RSV veröffentlicht detaillierte Merkblätter zu grabenlosen und reparierenden Verfahren für Abwasserleitungen und -kanäle. Sie definieren Anforderungen an Materialien, Techniken, Planung, Ausführung und Prüfung. Wichtige Merkblätter sind:
| Merkblatt | Stand | Beschreibung |
|---|---|---|
| RSV 1.1 Schlauchlining | 2021 | Renovierung druckloser Abwasserkanäle und Rohrleitungen mit vor Ort härtendem Schlauchlining; beschreibt Normen, Verfahren, Ausführung und Gütesicherung. |
| RSV 1.2 Druckrohr-Schlauchlining | 2019 | Renovierung von Abwasserdruckleitungen mittels Schlauchlining; definiert Systeme inklusive Anbindungen und Qualitätssicherung unter typischen Betriebsbedingungen. |
| RSV 1.3 Renovierung von Trinkwasserleitungen mit Druckschlauchlinern | 2021 | Anforderungen für trinkwasserzugelassene Schlauchlinersysteme; adressiert normative Lücken bei Planung, Ausschreibung und Bewertung. |
| RSV 2.1 Close-Fit-Verfahren | 2009 | Renovierung mit thermoplastischen Kunststoffrohren ohne Ringraum; Aktualisierung in Arbeit. |
| RSV 3.2 Verfüllen von Ringräumen | 2016 | Verfüllen von Ringräumen bei Liningverfahren für Abwasserleitungen und -kanäle. |
| RSV 4 Vor Ort härtende Werkstoffe (Kurzliner) | 2009 | Reparatur druckloser Abwasserkanäle durch partielle Inliner. |
| RSV 5 Roboterverfahren | 2014 | Reparatur von Entwässerungsleitungen und -kanälen. |
| RSV 6.2 Schachtsanierung | 2020 | Sanierung von Schächten und Bauwerken; integriert neue Verfahren und Materialien. |
| RSV 7.2 Hutprofiltechnik | 2009 | Einbindung von Anschlussleitungen bei Reparatur/Renovierung. |
| RSV 8 Berstverfahren | 2014 | Erneuerung von Entwässerungskanälen und -anschlussleitungen. |
| RSV 10.1 Kunststoffrohre für grabenlose Bauweisen: Freigefälleleitungen | 2014 | Anforderungen für Freigefälleleitungen. |
| RSV 10.2 Kunststoffrohre für grabenlose Bauweisen: Druckrohrleitungen | 2015 | Anforderungen für Druckrohrleitungen. |
| RSV 12.1 Reinigung von renovierten Rohrleitungen | 2022 | Reinigung vor Inspektion; ergänzt Vorgaben zu Norm DIN 19523, Wasserqualität und Dokumentation. |
| TIP-Verfahren (Tight-In-Pipe) | 2024 | Sanierung von Abwasserkanälen und drucklosen Rohrleitungen ohne Ringraum in geschlossener Bauweise. |
Zusätzlich gibt es Hinweise zur Reinigung renovierten Kanälen (Cleaning of renovated Sewers, 2022, basierend auf DIN 19523).
Spezielle Verfahren für Asbestzementkanäle
Für Abwasserkanäle aus Asbestzement (AZ) existieren spezielle Regelungen:
- BT-61-Verfahren (DGUV): Emissionsarmes Verfahren für Tätigkeiten mit geringer Exposition gemäß TRGS 519.
- Handlungsempfehlung AZ-Leitungen (Inhouse, 02/2024): Umgang mit schadhaften AZ-Rohren in der Gebäudeentwässerung; berücksichtigt Arbeitsschutzrecht für Immobilieneigentümer, Architekten und Ingenieure.
- Instandhaltung mit Schlauchlinern.
Bei Schäden, die Umweltgefährdungen vermuten lassen, ist eine Sanierung nach Stand der Technik erforderlich (WHG).
Verantwortung von Immobilienbesitzern
Grundstückseigentümer haften für den ordnungsgemäßen Betrieb der Entwässerungsleitungen. Eine Broschüre „Reine Privatsache?“ (2019) informiert über Pflichten, Inspektion und Beauftragung von Sanierungsmaßnahmen.
Fazit
Die BFR Abwasser und RSV-Merkblätter bieten standardisierte Arbeitshilfen für die qualitativ hochwertige Renovierung von Abwasseranlagen, mit Fokus auf Qualifikation, grabenlose Verfahren und spezielle Materialien wie für Asbestzement. Sie gewährleisten Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und rechtliche Konformität. Eigentümer sollten bei Schäden qualifizierte Fachunternehmen beauftragen und aktuelle Merkblätter nutzen.