Einleitung
Das Kloster Eberbach in Eltville am Rhein ist eine der ältesten und schönsten Zisterzienserabteien in Deutschland und eines der bedeutendsten Kunstdenkmäler Europas. Die Anlage entstand über Jahrhunderte von der Romanik über die Gotik bis zum Barock und zeichnet sich durch Einheitlichkeit in Materialität, Farbigkeit und Formensprache aus. Aktuelle Renovierungsmaßnahmen umfassen die Sanierung historischer Elemente wie der Basilika, des Ostflügels und des Kreuzgangs sowie Wettbewerbe für eine Hotelerweiterung. Diese Projekte zielen auf die Sicherung der Bausubstanz, Restaurierung und Anpassung an zeitgenössische Nutzungen ab, wobei der Gesamteindruck erhalten bleibt. Architekten und Studierende entwickeln Konzepte, die sich in die bestehende Struktur einfügen und zisterziensische Prinzipien wie Schlichtheit und Formenstrenge berücksichtigen.
Historische Bausubstanz der Basilika
Die Basilika des Klosters Eberbach wurde zwischen 1136 und 1186 als dreischiffige romanische Pfeilerbasilika errichtet und ist 78 m lang. Sie folgt dem „Bernhardinischen Ur-Plan“ von Bernhard von Clairvaux, der Voraussetzungen und Regeln für Zisterzienserklöster festlegte. Die Decke ist mit einem Kreuzgratgewölbe ausgeschmückt, und gegenüberliegende Pfeiler sind durch Gurtbögen verbunden. Das heutige Erscheinungsbild resultiert aus Sanierungs- und Rekonstruktionsmaßnahmen der 1930er Jahre. Eine restauratorische Untersuchung im Jahr 2010 stellte einen hohen Anteil bauzeitlicher Putze fest.
Sanierungsmaßnahmen umfassen die Sicherung hohl liegender Putzflächen, Malschichten und tragender Konstruktionselemente wie Gurtbögen sowie die Sanierung der Decke. Parallel erfolgt die Erneuerung des Bodenaufbaus und die Sanierung des bestehenden Bodenbelags, der teilweise aus historischen Tonfliesen besteht. Diese Arbeiten laufen synchron zu Maßnahmen an den Raumschalen.
Sanierung des Ostflügels
Der Ostflügel, romanisch errichtet und gotisch umgebaut, umfasst das Mönchsdormitorium, den Cabinetkeller und den Kapitelsaal. Seine Sanierung stellt den letzten großen Bauabschnitt der seit 1986 laufenden Generalsanierung dar. Ziel ist die Sicherung der historischen Bausubstanz, Restaurierung, Konservierung der Räume und Anpassung an aktuelle Nutzungen unter Erhalt des Gesamteindrucks.
Im Cabinetkeller wurde das Gewölbe vom „Schwarzen Kellertuch“, einem durch Weinlagerung verursachten Pilzbefall, befreit (Stand: Januar 2024). Zukünftig soll hier eine Winebar eingerichtet werden. Im Mönchsdormitorium sind Baumaßnahmen im Gange (Stand: Januar 2024), wobei am Deckengewölbe Malereien aus dem 15. Jahrhundert freigelegt wurden. Geplant ist die Öffnung neuer Räume für Besucher, einschließlich des Zugangs zur „verbotenen Tür“ aus dem Film „Der Name der Rose“ und zum Dachstuhl, um das Besichtigungserlebnis zu erweitern.
Hotelerweiterung: Wettbewerbe und Konzepte
Ein architektonischer Realisierungswettbewerb für die Hotelerweiterung fand 2021 in zweiter Phase statt. Auftraggeber ist die Stiftung Kloster Eberbach. Beteiligte Architekturbüros wie Jordi Keller Pellnitz (mit Partner Christina Kautz Landschaftsarchitektur und Mitarbeitern Benjamin Wagner, Tom Kors) sowie Fritsch-Tschaidse (Florian Rödl, Ka Xu) entwickelten Konzepte, die sich behutsam in das Ensemble einfügen.
Die Leitidee betont die Integration in die Zisterzienseranlage durch Schlichtheit und Formenstrenge. Ein Entwurf sieht den Hotelneubau als „gebautes Landschaftselement“ mit Terrassen, inspiriert von Weinbergen, Treppen, Mauern und Terrassierungen. Er soll Ort der Kontemplation und Kommunikation sein und einen Dialog zwischen historischem Bestand und Neubau schaffen. Das tageslichthelle Eingangsfoyer dient als Zentrum, mit glasüberdachtem erdgeschossigen Eingangshof, der Bestand, Neubau, Gastronomie und Tagungsbereich verbindet. Hotelbestand und Neubau bilden Gegensätze, um Spannung zu erzeugen.
Kreuzgang: Studentische Visionen
Der Kreuzgang ist von Substanzverlust bedroht. Studierende des Studiengangs Architektur „Bauen mit Bestand“ (M.Sc.) der Hochschule RheinMain entwickelten im Wintersemester 2024/25 Lösungen für den Schutz der Bausubstanz, den Innenhof und angrenzende Räume. Fokus liegt auf der Wiederherstellung der abgerissenen Flügel unter Einbeziehung des Hofs. Die acht besten Arbeiten werden vom 24. April bis 5. Mai 2025 im Kapitelsaal ausgestellt.
Die Kooperation zwischen Hochschule und Stiftung Kloster Eberbach begann 2017 mit Hotelentwürfen und mündete 2021 in einen internationalen Wettbewerb. Professoren wie Andreas Fuchs, Christina Jagsch und Daniel Seiberts betonen den inspirierenden Charakter des Klosters für zeitgenössische Ansätze.
Fazit
Die Renovierungsprojekte im Kloster Eberbach verbinden die Sicherung romanischer und gotischer Bausubstanz mit moderner Nutzungsanpassung. Sanierungen an Basilika, Ostflügel und geplanten Erweiterungen wie der Hotelerweiterung und Kreuzgangwiederherstellung folgen Prinzipien der Schlichtheit und Integration. Wettbewerbe und studentische Arbeiten tragen zu nachhaltigen Lösungen bei, wobei die Bauentscheidung der Hessischen Landesregierung für den Ostflügel aussteht.
Quellen
- https://www.jordi-keller-pellnitz.de/kloster-eberbach
- https://www.mk-ad.de/html/projekt/515e15f0-7772-11e7-aa69-3820fb8ac22d/BasilikaKlosterEberbach
- https://fritsch-tschaidse.de/de/wettbewerbe/hotelerweiterung-kloster-eberbach.html
- https://www.hs-rm.de/architektur-und-bauingenieurwesen/meldung/kreuzgang-visionen-im-kloster-eberbach
- https://kloster-eberbach.de/de/das-kloster/aktuelle-projekte