Einleitung
Der Hildesheimer Mariendom, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, wurde im Rahmen des 1200-jährigen Stadtjubiläums umfassend saniert. Der Kölner Architekt Prof. Dr. Johannes Schilling gewann 2005 den Architektenwettbewerb für die Renovierung. Sein Konzept zielt auf mehr Stilreinheit, klare Raumgliederung und die Rückgewinnung der romanischen Raumkonzeption ab. Die Maßnahmen umfassten den Dom selbst sowie Annexbauten wie den Kreuzgang und das Dommuseum. Die Sanierung kostete 22,5 Millionen Euro und wurde nach fünfjähriger Bauphase abgeschlossen, inklusive archäologischer Grabungen und Anpassungen an Befunde.
Wettbewerb und Konzeptgrundsätze
Fünf Architektenbüros nahmen am Wettbewerb teil, den Schilling Architekten gewann. Das Konzept basiert auf zwei Grundsätzen: Klärung des Raums entsprechend seiner eigenen Charakteristik und Ordnung sowie liturgische Neuordnung gemäß der Bedeutung der Verkündigung. Es sieht die Freistellung der Ursprünglichkeit des Ortes, typischer Raumkonstellationen und die axiale Neupositionierung wertvoller Kulturschätze vor. Dazu gehören die Bronzetür (um 1015), das Taufbecken (um 1322), der Heziloradleuchter (um 1054), der Azelinleuchter (um 1044) und die Christussäule (993–1022). Diese Objekte bilden die „Liturgische Achse“, die Raum- und Kunsterlebnis verbindet.
Schilling plante die Entfernung von Elementen aus der Wiederaufbauzeit nach der Zerstörung am 22. März 1945: Treppen, Windfänge, Orgelempore und ständige Sitzbänke im Kirchenschiff. Stattdessen sollen einfache, lockere Stühle wie in französischen und italienischen Kirchen verwendet werden, die flexibel anordnet werden können. Die Renovierung sollte bis zum 1200-Jahr-Jubiläum 2015 abgeschlossen sein; genaue Starttermine und Kosten waren zum Zeitpunkt des Wettbewerbs unklar.
Bauliche Maßnahmen und Herausforderungen
Die Sanierung umfasste eine Revision des Wiederaufbaus. Der Dom war der einzige deutsche Dom, der nach der Zerstörung 1945 neu geweiht werden musste. Mittelalterliche Fragmente beschränkten sich auf Mauerwerk und Säulen im Hauptschiff. Vor der Umsetzung folgten zwei Jahre archäologische Grabungen und Diskussionen über den Wert des Nachkriegs-Wiederaufbaus.
Details wurden in 21 Kapitelsitzungen abgestimmt, oft basierend auf archäologischen Befunden. Die Maßnahmen erstreckten sich auf den Gesamtkomplex: Neuordnung des zweigeschossigen Kreuzgangs, Einrichtung neuer Räume für das Dommuseum, neue Eingangssituation und Barrierefreiheit durch Reduzierung von 27 auf sechs Höhenniveaus. Eine neue Bischofsgruft entstand unter dem Mittelschiff. Im Kreuzgang wurde ein 70 Meter langer Zeitstrahl zur 1200-jährigen Domgeschichte renoviert und mit einer Plakette ergänzt.
Das Ergebnis zeigt ein Inneres von neuer Reinheit und Balance mit ästhetischer Zeitgenossenschaft. Die romanische Raumwirkung wurde zurückgewonnen, sakrale Kunstwerke entfalten ihre Aura.
Quellen
- Tonkuhle.de - Kölner Architekt gewinnt Wettbewerb um Domrenovierung
- Architonic - Mariendom Hildesheim
- Bauwelt - Liturgische Achse im Welterbe-Band Hildesheim Dom
- Hildesheimer Allgemeine - Zeitstrahl im Hildesheimer Dom-Kreuzgang
Fazit
Die Renovierung des Hildesheimer Mariendoms durch Schilling Architekten demonstriert eine präzise Klärung historischer Räume unter Beibehaltung sakraler Funktionen. Durch Entfernung nachkriegszeitlicher Elemente, Neupositionierung von Kulturschätzen und barrierefreie Anpassungen des Komplexes entstand ein zeitgemäßes Ensemble mit liturgischer Achse. Die Maßnahmen, abgestimmt in intensiven Planungsrunden, unterstreichen die Bedeutung archäologischer Voruntersuchungen bei Großsanierungen.