Erweiterung und Sanierung des Deutschen Bergbau-Museums Bochum: Ein Schritt in die Zukunft der Bergbau-Forschung

Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum steht an einem bedeutenden Wendepunkt seiner Geschichte. Mit einer umfassenden Sanierung, Erweiterung und dem Bau eines modernen Forschungs- und Depotgebäudes wird das Museum seiner wissenschaftlichen Bedeutung gerecht. Gleichzeitig wird der historische Bestand optimal gesichert, ein moderner Forschungsstandort geschaffen und der Anschluss an internationale Netzwerke gestärkt. Neben dem Neubau erfolgten auch Sanierungsarbeiten am markanten Fördergerüst, einem Ikongebäude der Stadt. Dieser Artikel fasst die Fakten aus aktuellen Pressemitteilungen zusammen, die einen Einblick in Planung, Finanzierung und Zielsetzung des Projekts geben.

Die Ausgangssituation vor der Sanierung

Bevor im Jahr 2024 mit dem ersten Spatenstich begonnen wurde, hatte das Museum längere Zeit unter räumlichen Einschränkungen zu leiden. Die umfangreiche Sammlung des Montanhistorischen Dokumentationszentrums (montan.dok), bestehend aus insgesamt 350.000 Objekten, mehr als 350 archivischen Beständen, 30 Spezialkollektionen, 85.000 Büchern und Zeitschriften sowie 150.000 Fotografien, war nicht an einem zentralen Ort untergebracht. Die Bestände befanden sich an verschiedenen, meist externen Lagerflächen, in Interimsräumen und Büros. Für wissenschaftliche Arbeiten und Forschung war diese Situation langfristig nicht mehr tragfähig.

Die Sammlungen beinhalten unter anderem historische Maschinen und Geräte, die bis zum Ende des Steinkohlebergbaus 2018 in Nordrhein-Westfalen im Einsatz waren. Der bisherige Forschungsbetrieb war von der Unsicherheit der Lagerung und der eingeschränkten Infrastruktur beeinträchtigt. Eine bauliche Sanierung, die auch den Anforderungen einer modernen Forschungsinfrastruktur gerecht wird, war daher von zentraler Bedeutung.

Der Architektur-Neubau: Forschungsgebäude am Gelände der Jahrhunderthalle

Mit dem Bau des neuen Forschungs- und Depotgebäudes, der seit Juli 2024 in vollem Gange ist, entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Bochumer Vereins für Gussstahlfabrikation ein zentraler Ort für Bergbau-Forschung. Das Gebäude wird eine Gesamtfläche von rund 8.500 Quadratmetern belegen und die optimale Unterbringung sowie Konservierung der Sammlungen ermöglichen.

Aufbau der Funktionen

Im Zentrum des Neubaus steht die Sicherung der Sammlungen und die Schaffung von Arbeitsplätzen für Forscher. Im Museum wird ebenfalls Platz geschaffen werden:

  • Für das Forschungsteam: bis zu 52 Arbeitsplätze, darunter für internationale Forscher, die in der Bergbau-Geschichte und -Forschung tätig sind.
  • Für die Archivbestände: individuell angepasste Lagerbedingungen, speziell für Schwerobjekte ausgelegte Böden und ein durchdachtes Klimamanagementsystem, das für eine optimale Konservierung sorgt.
  • Für den wissenschaftlich-technischen Betrieb: digitale Infrastruktur und moderne Ausrüstungen, die Forschendergebnisse archivieren und vernetzen.

Durch die engagierte Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen, Museumsverbänden und staatlichen Einrichtungen soll der neue Forschungsbau ein künftig relevanter Anker für internationale Bergbau-Forschung werden.

Die finanzielle Ausgestaltung: Eine Millionengesellschaft

Die Gesamtkosten für den Neubau belaufen sich auf ca. 39,9 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt dual durch die Bundes- und Landesregierung, die je etwa 20 Millionen Euro beisteuern. Dieses Investitionspaket ist Teil der zentralen Forderung, kulturelle und wissenschaftliche Einrichtungen in strukturschwachen Regionen langfristig zu sichern und zu modernisieren. Zudem war der Fördergerüst-Neubau, der in den Anfangsjahren des Jahrzehnts renoviert wurde, aus einem Bundesprogramm mit rund 4,5 Millionen Euro unterstützt worden.

Staatliche und staatliche Förderung

Die Finanzierung des Forschungsbau-Neubaus ist durch eine breite Koalition geprägt. Neben den staatlichen Investitionen der Bundesregierung, die auch die digitale Infrastruktur berücksichtigen, und des Landes Nordrhein-Westfalen, das sich als Kultur- und Wissenschaftsstandort aktiv engagiert, spielten die RAG-Stiftung und die Leibniz-Gemeinschaft eine Schlüsselrolle.

Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorsitzende des Kuratoriums des Deutschen Bergbau-Museums und Vorstandsmitglied der RAG-Stiftung, stellte klar, dass der neue Neubau einen „einzigartigen Ort für internationale Forschung in den Themenfeldern Bergbau und Georessourcen“ schaffe. Zudem würden die langfristigen wissenschaftlichen Perspektiven des Museums dadurch verbessert, was über die Region hinauswirke.

Integration in den Gesamtumbauplan „DBM 2020“

Der Neubrand ist in einen größeren Sanierungsrahmen eingebettet. Innerhalb des in diesem Kontext oft erwähnten Umbauprozesses „DBM 2020“ wurden bereits zwischen 2016 und 2019 wesentliche Sanierungsarbeiten am Altbestand des Hauptgebäudes durchgeführt. Diese Arbeiten inkludierten die Sicherung und Modernisierung des Dauerausstellungsbereichs sowie kleinere Eingriffe in die Gebäudestruktur. Das Bundesprogramm „Glückauf Zukunft!“, eingezahlt vom Bund und Land, war hier von zentraler Bedeutung.

Durch diese vorangegangenen Sanierungsschritte wurde die Basis für den neu geplanten Forschungsbau geschaffen. Der aktuelle Neubau ist nun der letzte große Baustein und der Übergang von der Sanierung hin zur Expansion. Zentrales Ziel ist es, die historische Identität des Museums zu bewahren, während gleichzeitig die Ressourcen in Richtung Zukunftsbereiche – wie Georessourcen, Energiepolitik und Nachhaltigkeit – umgerichtet werden.

Sanierung des Fördergerüsts: Einstiegs-Punkt für das Museum

Ein weiteres zentrales Projekt parallel zur Erweiterung des Forschungszentrums ist die Sanierung des Fördergerüsts. Dieses ikonische Bauwerk über dem Museum ist ein Symbol für die regionale industrielle Identität und wurde nach mehreren Jahrzehnten Wiederbetriebs in Ansätzen restauriert. Die Arbeiten, die Anfang 2024 begonnen haben, galten nicht nur der Sicherheit, sondern auch der Wiederherstellung des ästhetischen Wirkungsfelds des Gerüsts.

Die Sanierung kostete ca. 4,5 Millionen Euro und wurde hauptsächlich aus dem Bundesprogramm für Investitionen in national bedeutende kulturelle Einrichtungen finanziert. Nach Abschluss wurden die Gerüstelemente und die Sicherungsplane entfernt, wodurch das sichtbare Wahrzeichen wieder in den Alltag integriert wurde. Besonders hervorzuheben ist die neue Beleuchtung des Gerüstes, die erstmals am 22. Februar 2025 bei einem Museumsfest gezeigt wird.

Erweiterung der Museumsperspektiven mit der aktuellen Sonderausstellung

Während die baulichen Arbeiten am Forschungsbau und die Sanierung des Fördergerüsts stattfinden, gibt die Sonderausstellung „Doppelbock auf Museum“ (15. Januar bis 18. Mai 2025) Einblicke in die Hintergründe der Sanierungsarbeiten. Diese Ausstellung zeugt von Transparenz und Offenheit des Museums, stellt aber auch didaktisch den Umgang mit historischen Monumenten und moderner Technologie in Balance.

Wissenschaftlicher Welterfolg und Langfristige Strahlkraft

Mit dem Bau des neuen Forschungszentrums wird nicht nur ein kulturelles Projekt umgesetzt, sondern gleichzeitig wird der Forschungsstandort Bochum – genauer gesagt, die Leibniz-Forschungsmuseen – international bekannter. Prof. Dr. Martina Brockmeier, Präsidentin der Leibniz-Gemeinschaft, betonte die Rolle solcher Institutionen als Überträger von wissenschaftlichen Erkenntnissen und bewahrende Kulturträger. Sie hebt hervor, dass das Deutsche Bergbau-Museum Bochum jetzt die „passenden Infrastrukturen“ für Forschung und Austausch mit internationalen Netzwerken schaffe.

In der Position als eines von acht Leibniz-Forschungsmuseen in Deutschland wird das Museum auch über die nächsten Jahrzehnte als zentraler Wissenschaftsund Kulturort im Raum Ruhrgebiet geplant. Mit der Integration in digitale Archivsysteme und kooperativen Forschungsnetzwerken entsteht ein neues Modell traditionell-geprägter Museumsarbeit. Besonders die Forschung zum „Nachbergbau“ – ein aktuelles Thema, das die historische Industriearbeit in neue nachhaltige Erneuerung schiebt – ist zentral.

Die Rolle des Museums in der Regionalentwicklung

Das Deutsche Bergbau-Museum spielt nicht nur eine zentrale wissenschaftliche, sondern auch eine wirtschaftlich-relevante Rolle. Die Region zwischen Dortmund und Duisburg hat sich seit dem Ende der industriellen Kohlenproduktion in das Ruhrgebiet entwickelt, das als Wissenschaftsregion und Touristenmagnet wirkt. Durch die Schaffung von Forschungs-, Digitalisierungs- und Informationszentren am Museum wird diese Veränderung strukturell unterstützt.

Prof. Dr. Sunhild Kleingärtner, die wissenschaftliche Direktorin des Museums, stellte fest, dass der Neubau „einen wesentlichen Fortschritt für den Forschungsstandort Bochum und die Wissenschaftsmetropole Ruhr darstelle“. Mit diesem Sprachschwerpunkt wird der strategische Umgang des Museums mit Wandel als zentrales wirtschaftspolitisches Instrument verankert.

Fazit

Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum wird – durch die Errichtung eines neuen Forschungs- und Depotgebäudes und die Sanierung des Fördergerüsts – nicht nur seine historische Aufgabe als kulturellen und wissenschaftlichen Bestandsschutz erfüllen, sondern auch als moderner Forschungsstandort für Bergbau- und Georessourcen-Forschung die Zukunft mitgestalten. Mit einem Investitionsvolumen von knapp 40 Millionen Euro und einem zeitgemäßen Mix aus traditioneller Erinnerungskultur, wissenschaftlichem Fortschritt und internationaler Vernetzung wird das Museum zu einem zentralen Anlaufpunkt auch über das Ruhrgebiet hinaus. Für die Region ist dieses Vorhaben mehr als ein Museumsprojekt – es ist ein Baustein im Prozess der wissenschaftsbasierten Regionalentwicklung und kulturellen Nachhaltigkeit.

Quellen

  1. nrw-lokal.de
  2. archaeologie-online.de
  3. bochum-journal.de
  4. rvr.ruhr
  5. bergbaumuseum.de

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