Die Umstellung traditioneller Energiesysteme auf regenerative Alternativen ist aufgrund der klimapolitischen Ziele und der Wärmewende in Deutschland zwingend notwendig. Insbesondere für Gebäudeeigentümer, Bauherren und Sanierer bietet sich der Biogas-Anteil (Biomethan) in der Gebäude-Renovierung als eine praxisgereiche Option an, um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen. Dieser Artikel erklärt aus Sicht von Real Estate, Renovierung und Baustoffnutzung, was der Biogas-Anteil konkret bedeutet, warum er bei Heizungsanlagen unter bestimmten Voraussetzungen vorgeschrieben ist und welche praktischen Optionen bei Neubau oder Retrofitting bestehen.
Was ist Biogas im Kontext der Gebäude-Renovierung?
Biogas, auch als Biomethan bezeichnet, entsteht durch die anaerobe Vergärung organischer Reststoffe wie Gülle, Klärschlämme, Grünabfällen oder speziell angebauter Energiepflanzen. Nach einer Aufbereitung (DeNOx, Trocknung, Verflüssigung) kann Biomethan – sowohl als biologisches Erdgas als auch als Bioflüssiggas (Bio-LPG) – in bestehenden Gasleitungen und -heizungen genutzt werden. Im Vergleich zu herkömmlichem Erdgas besitzt Biogas einen erheblichen, teils vollständigen Anteil an erneuerbaren Energien, was die klimaneutrale Wärmeerzeugung deutlich unterstützt.
Wichtig ist zu verstehen, dass für Gebäudeeigentümer, die eine Gasheizung nutzen oder sanieren, ein regenerativer Anteil von mindestens 15 % in der Wärmeerzeugung gefordert ist. Dieser Anteil kann durch die Wahl eines Biogas-Tarifs erbracht werden, ohne dass eine tiefgreifende bauliche Sanierung erforderlich ist.
Gesetzliche Vorgaben: Regenerative Wärmeerzeugung bei Heizungsneubau und -sanierung
Seit 01.07.2022 ist gemäß den gesetzlichen Vorgaben der Gebäudeenergiegesetzgebung die Nutzung regenerativer Energien bei Heizungsanlagen gesetzlich verpflichtend. Dazu zählen folgende Optionen im Rahmen der Gebäude-Renovierung, insbesondere bei einem Wechsel der Primärenergiequelle:
- Wärmepumpe
- Fernwärme
- Kraft-Wärme-Kopplung (Brennstoffzelle) basierend auf grünem Wasserstoff
- Stromdirektheizung in energieeffizienten Gebäuden
- Bio-Brennstoffe (insbesondere Biogas oder Bio-LPG)
Biogas bietet hierbei die Vorteile eines relativ einfachen Einsatzes in bestehenden Anlagen, da keine technischen Umstrukturierungen notwendig sind. Bei Installation einer neuen Gasheizung oder Sanierungsmaßnahme vor der kommunalen Wärmeplanung ist ein steigender Anteil an erneuerbaren Brennstoffen verpflichtend – im Jahr 2029 beginnt der stufenweise Ausbau, bis zum Jahr 2040 ein maximaler Anteil von erneuerbaren Wärmequellen vorgesehen ist. Dieser Anteil kann über Biogas (Biomethan) oder Bio-LPG gedeckt werden.
Der Biogas-Tarif – eine einfache Lösung für Altgebäude?
Für Eigentümer von Altbausituationen, bei denen eine Umstellung auf Wärmepumpen oder alternative Energiequellen stark eingeschränkt oder unmöglich ist, bietet der Biogas-Tarif eine konkrete Alternative. Laut Städtischen Gasanbietern wie Stadtwerke Norderstedt ist der BioGas-Tarif für die Erreichung des geforderten regenerativen Anteils von mindestens 15 % ausreichend. Der Tarif selbst enthält einen Anteil von 20 % Biogas, was auch die Überschreitung der gesetzlichen Mindestvorgabe ermöglicht.
Ein weiterer Vorteil ist die flexible Vertragslaufzeit – bei diesem Tarif beträgt sie mindestens einen Monat, wodurch Flexibilität für Verbraucher gewährleistet wird. Zudem stellt der Anbieter bei Vertragsabschluss automatisch eine Bescheinigung über die Biogasnutzung bereit, die in der Baubeurteilung und ggf. bei Förderungen relevant ist.
Praxisbeispiele: Anwendung in Renovierungsprojekten
Bei umfassenden Renovierungsprojekten ist der Biogas-Anteil besonders interessant für Gebäude, die keine Tiefen- oder Komplettisanierung erfordern, aber doch den gesetzlichen Mindestanforderungen gerecht werden müssen. Dies gilt beispielsweise für Bestandsgebäude mit älterer Infrastruktur, in denen eine Anschlussmöglichkeit an Wärmenetze unzureichend ist oder die Kosten für eine vollständige Wärmepumpeinstallation zu hoch sind.
Praktisch bedeutet dies:
- Keine Veränderung der Heiztechnik – der Gasanschluss bleibt bestehen.
- Kosten- und ergebnisoptimierte Einhaltung der GEG-Vorgaben.
- Flexible und unkomplizierte Antragstellung bei Gaslieferanten – der Verbraucher entscheidet sich lediglich für einen Biogas-Vertarif.
- Keine technischen Umkonstruktionen erforderlich.
Gemeinden wiederum können Biogas- und Bio-LPG-Anbieter stärker in die kommunale Wärmeplanung einbeziehen, insbesondere in ländlichen Gebieten. Biogas kann dort unter Umständen ein zentraler Schwerpunkt sein, da es im Gegensatz zu zentralen Wärmenetzen oft direkt lokal veredelt und genutzt wird.
Bio-LPG als Alternative
Eine weniger verbreitete, aber technisch machbare Alternative zu Biogas ist Bio-LPG (Bio-Flüssiggas). Das Gas wird direkt vor dem Gebäude in Behältern aufbewahrt und ist damit unabhängig von den öffentlichen Gasleitungen. Bio-LPG bietet in einigen Fällen vorteilhafte Lagerungsmöglichkeiten, ist jedoch höher in den Anschaffungs- und Betriebskosten. Es dient insbesondere dort als Alternative, wo Erdgas nicht verlässlich zur Verfügung steht oder wo Ölheizungen abgelöst werden müssen.
Auch Bio-LPG erfüllt die Vorgabe eines regenerativen Anteils im Wärmebedarf. Im Vergleich zu herkömmlichem Flüssiggas reduziert Bio-LPG den CO₂-Ausstoß erheblich, sofern es aus nachhaltig angebauten Rohstoffen hergestellt wird. Da Bio-LPG nicht über städtische Gasleitungen eingespeist wird, ist es insbesondere in ländlichen Regionen und bei Einzelfamilienhäusern sinnvoll, wo eine flexible und autonome Anwendung bevorzugt wird.
Chancen und Herausforderungen bei Biogas-Nutzung
Die Einsetzung von Biogas in der Gebäude-Renovierung bietet zahlreiche Vorteile, geht aber auch mit bestimmten Gefahren einher:
Chancen:
- Keine tiefgreifenden baulichen Änderungen notwendig.
- Hohe Regenerationsquote bei energieeffizienten Gebäuden.
- Einfache und kostengünstige Umsetzung gegenüber Wärmepumpen oder Holzheizungen.
- Flexible Verwaltung durch Verbraucher, da der Biogas-Anteil über den Tarif regulierbar ist.
- Kompatibility mit bestehenden Heiztechniken, was viele Altgebäude weiter nutzen lässt.
Herausforderungen:
- Der Biogas-Angbot ist begrenzt. Je größer der Anteil in der Region genutzt wird, desto mehr landwirtschaftliche Flächen werden in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen.
- Die Kosten für eine verstärkte Biogasproduktion könnten steigen, was für Verbraucher langfristig anhebend wirken könnte.
- Es besteht ein geringerer Wirkungsgrad im Vergleich zu Wärmepumpen, was bei Neubauten oder energieintensiven Gebäuden nicht ausreichen könnte.
- Nicht jede Kommune bietet die gleiche Infrastruktur. In städtischen Gebieten mit etablierter Fernwärme kann Biogas nicht konkurrieren.
Zusätzlich wird kritisch angemerkt, dass Biogas vor allem dort sinnvoll ist, wo die Umstellung auf vollständig erneuerbare Technologien (z. B. Wärmepumpen) aus ökonomischen oder baulichen Gründen nicht möglich oder nicht wirtschaftlich umsetzbar ist.
Welche Sanierungsprojekte profitieren besonders?
In der Realität profitieren vor allem Altbauprojekte sowie Gebäude mit älterer oder ineffizienter Heiztechnik von der Option, Biogas zu nutzen. Dazu gehören:
- Mehrfamilienhäuser in Städten, bei denen die Installation von Wärmepumpen aufgrund der Bebauungsdichte oder der Heiznetzanbindung unpraktisch oder zu kostenintensiv ist.
- Häuser mit gasbasierten Heizanlagen, die nicht in ein Fernwärmenetz integriert werden können.
- Selbstgenutzte Bestandsobjekte, wo eine bauliche Umstrukturierung nicht praktikabel oder zu lange dauern würde.
- Ländliche oder periphere Gebäude, in denen die Umstellung auf alternative Wärmequellen durch fehlende Infrastruktur erschwert wird.
Die Sanierung im Zusammenhang mit Biogas ist zudem einfach einsetzbar: Für den Gebäudeeigentümer ist es oft nur ein Tarifwechsel bei der Energieversorgung. Für den Baubetrieb bedeutet das, dass keine tiefen Baukosten aufwändig umplaniert werden müssen.
Grenzen und Ausnahmen
Es gibt jedoch auch Schranken, bei denen der Biogas-Anteil nicht ausreicht oder überhaupt nicht genutzt werden darf:
Extrem energieintensive Gebäude: In Gebäuden mit hohem Wärmebedarf, z. B. massiv gebauten Altbauten mit schlechter Dämmung, ist ein Biogas-Anteil allein nicht ausreichend, um gesetzliche Energieeffizienzvorgaben zu erfüllen. In solchen Fällen erfordert die Gebäude-Renovierung zwingend weitere Maßnahmen wie die Isolierung oder Dämmsanierung.
Kommunale Wärmeplanung mit klaren Vorgaben: In vielen Städten und Gemeinden ist eine lokale Wärmeplanung verpflichtend. Zwar ist es dort möglich, den Biogas-Anteil zu nutzen, doch in einigen Fällen ist deutsche Fernwärme oder Wärmepumpen-Dezentralplanung vorgegeben. Zudem ist der Biomasseanteil in größeren Wärmenetzen begrenzt auf maximal 25 % – eine politische Anpassung, um die Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion zu reduzieren.
Wirtschaftlichkeit: Obwohl der Biogas-Tarif bei Erstanschluss verhältnismäßig einfach umsetzbar ist, kann die Langzeitwirtschaftlichkeit in Frage kommen. Biogas ist stärker als herkömmliches Erdgas reguliert und dadurch langfristig mehr kostenintensiv, was sich bei mehrjähriger Nutzung im Haushalt negativ niederschlagen könnte.
Kontrollmechanismen fehlen: Ein Problem in der derzeitigen Regelung ist die fehlende klare Kontrollmechanik der Biogas-Nutzung. Da der Anteil lediglich von den Gaslieferanten bei der Verwaltung vorgegeben wird, wird kritisch angemerkt, dass es schwierig ist, einen langfristigen, dauerhaften regenerativen Anteil zu sichern. Manche Experten lehnen deshalb Biogas-Anteilvorgaben in Echtzeitregelung ab und fordern lieber fest verankerte Beimischungsquoten an der Quelle.
Ersetzung der Gasheizung: In einigen Fällen wird auch der Einsatz einer Gasheizung unter bestimmten Umständen nicht mehr bewilligt, z. B. wenn in der Region ein Wärmepumpennetzbau oder neue Fernwärmepläne verabschiedet wurden. Diese Regelungen variieren stark und sind lokal stark unterschiedlich.
Förderung und Finanzierung im Sanierungsprozess
Eine zentrale Frage für Gebäudeeigentümer, die einen Biogas-Anteil nutzen, ist die Förderung durch staatliche Maßnahmen. Aufgrund der umfangreichen staatlichen Unterstützung für Regenerativen Wärmeersatz ist zu erwarten, dass auch die Produktion von Biomethan zukünftig stärker durch staatliche oder institutionelle Zuschüsse gefördert wird.
Experten fordern hier einen Umbau der Förderungssysteme, bei dem nicht jedes Haus für jede Maßnahme einzeln gefördert wird, sondern der Staat zentral die Produktion von regenerativer Energie stärker Unterstützt, sei es durch Subventionsmodelle, Wettbewerbe um Technologieförderung oder CO₂-Bepreisung, die in den Anbau von Biogasförderung investiert.
Für Gebäudeeigentümer bedeutet das, dass:
- Die kostenintensiven und technisch aufwendigen Umstellungsschritte, wie bei der Wärmepumpeninstallation, umgangen werden.
- Die Förderung über eine zentralisierte Energiekette geht, ohne dass der Einzelne Verbraucher Einfluss hat.
- Der Nutzen der Umstellung auf Biogas-Gaslieferungen allgemein und nicht nur im individuellen Haushalt liegt.
Dies könnte in Zukunft auch günstigere Tarife ermöglichen, da die staatliche Produktionsförderung die Herstellungskosten erheblich senken könnte. In der nächsten Legislaturperiode sind derartige Modelle politisch umstritten, aber im Bereich des Möglichen.
Fazit
Der Biogas-Anteil bei der Gebäude-Renovierung ist eine technisch einfach umsetzbare Möglichkeit, um den gesetzlichen Vorgaben der Gebäudeenergieverordnung (GEG) zu entsprechen. Besonders in ländlichen Gebieten oder Altbauszenarien, in denen die technische Umsetzung auf Wärmepumpen oder andere regenerative Heizverfahren nicht wirtschaftlich oder nicht praktikabel ist, bietet Biogas eine klare Alternative. Die Nutzung eines Biogas-Tarifs erlaubt hierbei keinen baulichen Eingriff, ist flexibel gestaltbar und deckt die notwendigen Vorgaben zur Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien ab.
Dennoch besteht kein Einheitsmodell: Der Biogas-Anteil ist nur für bestimmte Gebäudeeigentümer und bei konkreten Sanierungsstufen sinnvoll. In anderen Fällen müssen alternative Heiztechniken geprüft werden, z. B. Wärmepumpen, Brennstoffzellen oder geplantes Fernwärmenetz. Das lokale Umfeld, die Infrastruktur und die Wirtschaftlichkeit entscheiden letztlich über die Umfassung und Dauer des Einsatzes.
Die Diskussion um Biogas hängt weiterhin stark von der möglichen Erweiterung der Infrastruktur und der politischen Unterstützung ab. Es besteht die Chance, dass der Biogas-Anteil – insbesondere bei sogenannten modernen Nachhaltigkeitstrends in Immobilien – in der Zukunft eine noch größere Rolle spielen wird. Gleichzeitig zeigt sich aber auch auf, dass langfristig eine technologische Umstellung auf wärmepumpenbasierte Systeme unumgänglich ist, um hohe CO₂-Sparquoten zu erreichen.
Insgesamt lässt sich sagen: Wer heute am Real Estate-Markt aktiv ist, sich in Renovierungsprojekten engagiert oder in der Bauindustrie tätig ist, sollte sehr prüfen, ob der Biogas-Anteil in seinem Renovierungsfall mehr als nur ein vorübergehendes Mittel ist. Gleichzeitig gilt es aber auch, die technischen, ökologischen und politischen Chancen solcher Maßnahmen nicht zu unterschätzen.