Die Renovierung der Bogengalerie L im Dresdner Zwinger: Auf dem Weg zu einer digitalen Multimediaraum

Einführung

Die Renovierung der Bogengalerie L im Dresdner Zwinger markiert einen entscheidenden Meilenstein in der mehr Jahrzehnte andauernden Restaurierung dieser bedeutenden barocken Kultur- und Bauzeughaltung. Nach fast dreißig Jahren planerischer und baulicher Tätigkeiten steht der Abschluss der Arbeiten bevor. Mit einem Budget von über zwölf Millionen Euro und einem komplexen Tiefbau- sowie Sanierungsprogramm hat das Projekt eine neue Qualität erreicht: die Einrichtung einer modernen, multimediale Ausstellung im Herzen des barocken Prachtbaus. Dieser Artikel zeigt die Hintergründe, die bauhistorischen Herausforderungen sowie die technischen Maßnahmen der Renovierung der Bogengalerie auf, die im Kontext der umfassenden Sanierung des gesamten Zwingerareals betrachtet werden können.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Integration historischer und moderner Technologien, die in der „Zwinger Xperience“ ihren Niederschlag finden. Zudem werden die finanziellen Investitionen, der aktuelle Stand der Arbeiten und die langfristig geplante Nutzung der Räumlichkeiten detailliert beleuchtet.

Historische Bedeutung und Architektur des Dresdner Zwingers

Der Dresdner Zwinger entstand im 18. Jahrhundert unter Kurfürst August dem Starken als architektonisches Gesamtkunstwerk und diente als Aushängeschild der sächsischen Macht und Kulturszene. Der Komplex wurde zwischen 1709 und 1728 errichtet und besteht aus Bogen- und Langgalerien sowie sechs Pavillons, die in symmetrischer Anordnung um einen zentralen Innenhof gruppiert sind. Die monumentalen Baukörper, unter anderem der Französische Pavillon, die Sempergalerie und der Deutsche Pavillon, tragen den Eindruck einer grandiosen Pracht, die nicht zuletzt durch die über 698 Skulpturen in Nischen, Konsolen und Balustraden hervorgehoben wird.

Im Zuge der Sanierungen der vergangenen Decennien war die Bogengalerie L ein besonders herausforderndes Projekt. Ursprünglich als Winterquartier für Orangen- und Pomeranzenpflanzen gedacht, wurde sie in der Nachfolge für kunstgeschichtliche Sammlungen genutzt. Die historische Bauweise, die unter Kurfürst August den Starke verändert wurde, bot den Nachbauten und Sanierungen bereits in der Frühphase erhebliche Schwierigkeiten. So bestanden bei Beginn der jüngsten Sanierung noch originale Fundamente aus dem Jahr 1713, die im Detail untersucht und teilweise freigelegt werden mussten.1,2

Die Renovierung der Bogengalerie L

Sanierungsablauf und Zeitplan

Die Renovierung der Bogengalerie L begann Anfang des 21. Jahrhunderts und war, wie so viele Projekte der Zwingersanierung, von unerwarteten Herausforderungen geprägt. Die Arbeiten sind nicht nur architektonisch, sondern auch kulturell von großer Bedeutung – schließlich sollte die Bogengalerie in Zukunft den Mittelpunkt einer neuen, innovativen Ausstellung über die Geschichte des Zwingers bieten.3

Pläne sahen vor, dass der Innenraum der Galerie vollständig umgestaltet wird, um modernsten musealischen und technischen Anforderungen zu entsprechen. Besonders auffällig ist die Tatsache, dass die Bogengalerie ursprünglich nicht für eine多媒体le Ausstellung geeignet war. Aus diesem Grund gestalteten sich die Arbeiten als besonders aufwendig, insbesondere im Hinblick auf Brandschutz, elektrische und multimediale Infrastruktur sowie räumliche Anpassungen für die Präsentationen.2

Laut den Angaben von Ulf Nickol, einer zentralen Person in der Planung und Ausführung, sollte die Bogengalerie im Sommer 2020 wieder geöffnet werden. Der Französische Pavillon, der direkt an die Bogengalerie angrenzt, wurde ebenfalls saniert – hier erfolgte ein Ausbau des Erdgeschosses, der unter anderem Eingangsbereiche und eine Gastronomie beherbergen wird.1,2

Sanierungsmaßnahmen und Bautechnik

Die Renovierung der Bogengalerie L ist in mehreren Etappen vonstattengegangen. Die erste und wichtigste Schritt war die Untersuchung und Freilegung der originalen Fundamente aus dem Jahr 1713. Diese wurden mit modernster Technik und Expertise auf ihre Stabilität geprüft, um die notwendigen Auflagen für die neue Dauerausstellung zu prüfen.2

Ein zentraler Punkt aller Sanierungstechniken war die Abdichtung des Bauwerks. Da Feuchtigkeit ein erhebliches Risiko für die architektonische und inhaltliche Erhaltung des Raums darstellt, wurde eine moderne, dauerhafte Dichtungsschicht implementiert. Diese Maßnahme stellte sicher, dass die Räumlichkeiten zukünftig in trockenen und stabilisierten Bedingungen genutzt werden können.2

Zusätzlich wurden die elektrischen und multimediale Infrastruktur umfassend überarbeitet, um die Anforderungen der Ausstellung zu erfüllen. Insbesondere für einen Rundumbild mit einer Projektionsoberfläche von 270 Grad war eine hochentwickelte Licht- und Technikinstallation erforderlich.1

Die multimediale Ausstellung: „Zwinger Xperience – Die Jahrhunderthochzeit 1719“

Im Zuge der Renovierung wurde ein Projekt entwickelt, das die Grenzen eines klassischen Museums raum erweitert: die multimediaseitige Projektion „Zwinger Xperience – Die Jahrhunderthochzeit 1719“. Dieses kulturell-technologische Inszenierung erfasst das historische Ereignis, als der sächsische Kurprinz Friedrich August II. mit der Kaisertochter Maria Josepha von Österreich verheiratet wurde.

Die Sanierung der Bogengalerie L erscheint nicht nur aus einer baulichen Perspektive wichtig – auch kulturell war der Bau von Anfang an einzigartig. Der Zwinger war der Mittelpunkt einer der größten barocken Feierlichkeiten Europas, und nun soll er mit modernen Mitteln eine neue Geschichte erzählen.1

Die Projektion, die in einer Filmkuppel im Innenhof zum Leben erwachte, bietet den Besuchenden einen realitätsnahen Einblick in die historischen Umstände jener Zeit. Im Juni 2020 gab es bereits eine erste öffentliche Vorführung, die gut drei Jahrzehnte nach der eigentlichen Festfeier das historische Ereignis in 270 Grad Projektion Revue passieren ließ.1

Dieses Projekt ist ein Beleg dafür, wie historische Bauwerke heute mit modernen Technologien verknüpft werden können. Die Bogengalerie L, ein Barockbau von äußerster Bedeutung, wird zu einer Verschmelzung aus Kultur, Technologie und Bildung.

Kostenplanung und Finanzierung

Die gesamte Renovierung der Bogengalerie L schlug mit rund 14,3 Millionen Euro zu Buche. Dieser Betrag ist innerhalb der seit 1991 laufenden Restaurierung des Dresdner Zwingers ein wesentlicher Bestandteil. Bis zu diesem Zeitpunkt haben sich staatliche und öffentliche Investitionen auf über 120 Millionen Euro summiert. Dies unterstreicht die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung, die dem Dresdner Zwinger in Sachsens Tourismuslandschaft zugeschrieben wird.1

Weitere zehn Millionen Euro wurden in die Sanierung des Hofbereiches investiert, was die Kosten im Gesamtsanierungsrahmen auf über 15,4 Millionen Euro ansteigen ließ. Angesichts der historischen Sensibilität der Sanierungsarbeiten und des technisch-kulturellen Projekts ist dieser Betrag insgesamt als angemessen einzuschätzen.3

Finanzierung und Priorisierung

Die Mittel stammten hauptsächlich aus einem staatlichen Investitionsprogramm, das den Dresdner Zwinger als eine der Schwerpunkteinrichtungen in der Region verortet. Laut Angaben des sächsischen Finanzministers Matthias Haß ist dies Geld, das „gut angelegt“ wurde.1

Die Entscheidung, die Bogengalerie und den Innenhof aufwendig zu sanieren, wurde auch im Hinblick auf die touristische Ausrichtung getroffen. Mit einer durchdachten Kombination aus klassisch-barocker Architektur und moderner Präsentationskunst ist das Projekt auch langfristig für nachhaltige Einnahmen durch Besucher und kulturelle Anerkennung vorgesehen.

Nutzungsplanung nach Abschluss der Sanierung

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wird die Bogengalerie L sowie der Französische Pavillon als Teil der neuen künftigen Ausstellungsfläche genutzt und zugleich als kulturell-offener Raum für gastronomische und museale Einrichtungen dienen.2

Im Erdgeschoss des Französischen Pavillons ist zudem ein Eingangs- und eine Gastronomiefläche geplant, wodurch ein durchgängiger Nutzungskontext entsteht. Die Bogengalerie L selbst wird nicht nur die technisch-innovative Präsentation der Dauerausstellung beherbergen, sondern auch den zentralen Treffpunkt für Besucher des Zwingers ausmachen.

Die Kombination aus multimedialem Entertainment, historischem Kontext und kulinarischem Angebot wird den Dresdner Zwinger in den kommenden Jahren zu einem der attraktivsten kulturellen Zentren Europas machen.1,3

Die Innenhofsanierung des Zwingers

Neben der Sanierung der Bogengalerie stand die umfassende Erneuerung des Innenhofs des Dresdner Zwingers im Vordergrund. Der Hof mit einer Fläche von rund 1,4 Hektar wurde aus architektonischen wie funktionellen Gründen umgestaltet. Die bisherigen roten Wegebeläge, die aufgrund von Nutzungserschöpfung und Schäden an der Umgebung stark kritisiert wurden, werden durch ein Gemisch aus Kies und Sandstein ersetzt.3

Auch die Hauptwege im Hof, die aus Asphaltschichten bestanden, wurden übernommen und durch sandsteinbezogene Lösungen moderniert. Diese Maßnahmen entsprechen nicht nur den heutigen Architektur- und Designansprüchen, sondern schützen auch das historische Ensemble vor weiterer Degradation.5

Erneuerung der Infrastruktur

Die Innenhofsanierung umfasste mehr als einen äußeren neuen Belag – in erster Linie war es notwendig, die gesamte Infrastruktur unter dem barocken Pflaster zu aktualisieren. Neue Leitungen für Wasser, Strom und Daten wurden verlegt, zwei der vier großen Brunnen in den Häfen des Zwingers wurden komplett renoviert, und diese Anschlüsse wurden an eine neue, unterirdisch gelegene Technikzentrale angeschlossen.4

Diese erheblichen Investitionen ermöglichen es, die Brunnen längerfristig zu befliesen und zu bepfropfen, ohne dass die Betriebskosten unverhältnismäßig ansteigen. Die letzte umfassende Generalüberholung liegt fast ein Jahrhundert zurück, was zeigt, dass sich die Sanierungsarbeiten auch als Routinepflege einer Kulturzeuge auszeichnen.4

Erweiterung der Nutzungskonzepte

Besonders interessant ist der Aspekt des Erneuerten Nutzungskonzepts, das durch die Sanierung möglich wurde. Der Zwinger, der bislang vor allem als Museum und Sammlungsträger wahrgenommen wurde, entfaltet durch die Bogengalerie L und den Innenhof ein neues Nutzungspotenzial.

Die integrierte gastronomische Fläche, die multimediale Präsentationstechnik sowie die offene Fläche für kulturelle Veranstaltungen machen den Zwinger zu einer dritten Dimension – jenseits der traditionellen Museumsarchitektur.5

In diesem Sinne ist die Renovierung nicht nur ein Sanierungsprojekt, sondern gleichzeitig eine strategische Umgestaltung der Nutzungskonzepte in Bezug auf Touristen, Touristiktourist*innen und Nutzer der Stätte.1

Schwierigkeiten im Sanierungsprozess

Trotz des Erfolgs gab es Herausforderungen, die den Ablauf verlangsamt oder teurer gemacht haben. Insbesondere die archäologische Ausgrabung erwies sich als nicht vorhersehbar. Grundlage dieser Entdeckungen war der Wunsch nach深入了解 der ursprünglichen Landschaft des Zwingers und die Anordnung von Bebauungen im 15. bis 18. Jahrhundert.3

Die Ausgrabungen dauerten allein bis März 2024 an, was die Kosten auf über 15,4 Millionen Euro und damit um gut fünf Millionen Euro über dem geplanten Budget steigen ließ. Dieser Mehraufwand war in der Planung nicht vorgesehen, unterstreicht aber die wissenschaftliche Bedeutung und die methodische Sorgfalt, mit der die Sanierung durchgeführt wurde.

Fazit

Der Dresdner Zwinger, das architektonische Juwel des sächsischen Barock, kehrt im Zuge der umfassenden Sanierung zu neuem Leben zurück. Die Renovierung der Bogengalerie L, angestoßen durch über zwölf Millionen Euro Investitionen und jahrelange planerische Vorbereitung, war nicht nur eine Herausforderung in der Architektur und Bauwissenschaft, sondern auch ein Schritt in Richtung digitaler Präsentationstechnologie. Mit der „Zwinger Xperience“ gewinnt ein historisches Ereignis von 1719 eine moderne und visuelle Inszenierung, die weltweit Beachtung verdient.

Die Renovierung des Innenhofs, in finanzieller und konzeptioneller Hinsicht eine Mammutaufgabe, hat zudem die Grundlagen einer nachhaltigen Nutzung des Barockkomplexes gelegt. Modernes Design in Verbindung mit historischem Denkmal ist hier nicht als Kontrast, sondern als Synthese gelungen.

Insbesondere für Besucher, Tourist*innen, Wissenschaftler und Bauhistoriker ist die Sanierung des Dresdner Zwingers gleichzeitig ein Vorbild und eine Ermunterung: Kultur und Technologie können in Synergie arbeiten, und Historie kann aktiv gelebt werden. Der Dresdner Zwinger ist ein Beweis dafür – und wird es noch länger sein.


Quellen

  1. sueddeutsche.de - Lange Restaurierung des Dresdner Zwinger geht in Endphase
  2. saechsische.de - Bogengalerie bekommt neue Ausstellung
  3. tag24.de - Der Zwinger hält bald wieder Hof
  4. dresden-magazin.com - Der Dresdner Zwinger ist zurücksinkt?
  5. zeit.de - Innenhof-Sanierung des Dresdner Zwingers steht vor Abschluss

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