Die Rodenkirchener Stadtteilbibliothek in Köln hat nach umfangreichen Sanierungsarbeiten im Juni 2019 ihre Pforten wieder geöffnet. Die vier Monate dauernde Renovierung war nicht nur notwendig, sondern auch eine Gelegenheit, die Einrichtung modern zu gestalten und neue Technologien sowie bessere Lern- und Arbeitsbedingungen für die Besucher zu schaffen. Mit einer Investition von rund 85.000 Euro an technischen Neuerungen und weiteren Kostenanteilen seitens des Eigentümers und der Stadt Köln wurde die Bibliothek zu einem modernen, multifunktionalen Lernort umgestaltet. Das Projekt ist ein Paradebeispiel dafür, wie durch gute Planung, kooperative Zusammenarbeit und Investitionen in technische Ausstattung und barrierefreie Umgestaltung ein öffentlicher Raum erheblich verbessert werden kann.
Einführung
Die Sanierung der Rodenkirchener Stadtteilbibliothek war Teil eines umfassenden Modernisierungsplans der Kölner Stadtbibliotheken. Die Räumlichkeiten an der Schillingsrotter Straße 38, in denen sich die Bibliothek seit 1991 befindet, wurden komplett überarbeitet, um den gestiegenen Anforderungen an digitale Ressourcen, Lernorte und barrierefreie Zugänglichkeit gerecht zu werden. Die Renovierungsarbeiten begannen im Februar 2019 und wurden bereits vier Wochen vor der geplanten Fertigstellung abgeschlossen. Dies war unter anderem dem engagierten Team der Bibliothek, der Unterstützung des Fördervereins „Literamus“ und der Zusammenarbeit mit dem Vermieter und der Gebäudewirtschaft zu verdanken.
Umfang und Kosten der Renovierung
Die Renovierung der Rodenkirchener Bibliothek umfasste mehrere Bereiche, darunter die technische Ausstattung, die räumliche Gestaltung sowie die barrierefreie Umgestaltung. Nach Angaben aus den Quellen wurde in das neue technische System etwa 80.000 Euro investiert. Dazu zählen modernste Selbstbedienungsgeräte für die Ausleihe und Rückgabe von Medien, ein verbessertes Einlasssystem, freies WLAN und eine Vielzahl an digitalen Lernwerkzeugen. Weitere Kosten stammen aus Renovierungsarbeiten wie Elektrik, Bodenverlegung und Wandfarbe.
Die Gesamtkosten der Sanierung wurden nicht vollständig genannt, da weitere Kostenanteile des Eigentümers und der Gebäudewirtschaft noch nicht fixiert waren. Allerdings ist bekannt, dass die Stadt Köln insgesamt 180.000 Euro in die Renovierung investiert hat, einschließlich der Neuanschaffungen. Diese Investition war notwendig, da die Bibliothek in den vergangenen Jahren stark genutzt wurde und die bestehende Infrastruktur nicht mehr den Anforderungen entsprach.
Technische Neuerungen und digitale Erweiterungen
Ein zentraler Aspekt der Renovierung war die Einrichtung moderner Technologien, die den Nutzern neue Lern- und Arbeitsmöglichkeiten bieten. Dazu gehören:
- Selbstbedienungsstationen: Im Eingangsbereich wurden drei moderne Ausleihe- und Rückgabestationen installiert. Diese reduzieren den Bedarf an Personal und ermöglichen den Besuchern eine schnelle und bequeme Ausleihe.
- Freies WLAN und Arbeitsplätze: Im Obergeschoss wurde ein langer Tisch mit Arbeitsplätzen und freiem WLAN eingerichtet. Dies ermöglicht es Besuchern, mit ihren eigenen Geräten zu arbeiten oder zu recherchieren.
- Workshops und digitale Ausstattung: Ein eigener Raum wurde für Workshops eingerichtet. In diesem Bereich stehen ein 3D-Drucker, Virtual Reality-Brillen und Mini-Roboter zur Verfügung. Diese Geräte ermöglichen es Kindern und Erwachsenen, neue Technologien auszuprobieren und zu lernen.
- Workspace: Ein neuer „Workspace“-Bereich wurde eingerichtet, der gemeinschaftliches Lernen, Lesen und Experimentieren ermöglicht. Er ist ein zentraler Ort für Projekte, Gruppenarbeit und kreative Aktivitäten.
Diese Investitionen in Technologie und digitale Infrastruktur machen die Rodenkirchener Bibliothek zu einem Vorreiter in der Region. Laut Rita Höft, Leiterin des dezentralen Bibliothekssystems der Stadt Köln, ist Rodenkirchen ein „State of the Art“-Beispiel für moderne Stadtteilbibliotheken. Die Bibliothek bietet nicht nur Bücher, sondern auch eine Vielzahl an digitalen Ressourcen und Lernmöglichkeiten.
Raumaufteilung und barrierefreie Umgestaltung
Ein weiterer zentraler Punkt der Renovierung war die Umgestaltung der Räumlichkeiten, um die Nutzbarkeit und Zugänglichkeit zu verbessern. Dazu gehören:
- Neugestaltung der Leseecken: Die Bibliothek bietet nun mehrere gemütliche Leseecken mit Sesseln, Sofas und Bänken. Diese Bereiche sind so gestaltet, dass sie sowohl für Einzelpersonen als auch für Gruppen genutzt werden können.
- Neues Café: Eine Cafébar wurde eingerichtet, an der Besucher Kaffee und andere Getränke bestellen können. Dieser Bereich ist ein zusätzlicher Anziehungspunkt, der die Bibliothek als Treffpunkt und Rückzugsort unterstreicht.
- Barrierefreie Zugänge: Die Toilettenanlagen wurden barrierefrei umgebaut. Zudem wurde ein Leitsystem für Sehbehinderte eingerichtet, das von der Eingangstür bis zur Informationsstelle führt. Diese Maßnahmen verbessern die Zugänglichkeit und Inklusivität der Einrichtung.
- Kinderbibliothek: Die Kinderbibliothek wurde erweitert. Sie ist ein speziell für junge Leser gestaltetes Angebot mit altersgerechten Büchern, Spielmöglichkeiten und Lernangeboten.
Die Renovierung hat dazu beigetragen, dass die Bibliothek nicht nur funktionell, sondern auch ästhetisch ansprechend und nutzerfreundlich gestaltet wurde.
Veranstaltungsprogramm und Communityarbeit
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Renovierung war die Stärkung des Veranstaltungsangebots. Die Bibliothek war bereits vor der Renovierung ein Zentrum für kulturelle und pädagogische Aktivitäten. In den letzten Jahren fanden dort über 150 Veranstaltungen pro Jahr statt. Nach der Sanierung ist das Angebot weiter gewachsen, und neue Formate wie digitale Workshops und interaktive Lernprojekte wurden eingeführt.
Ein besonderes Highlight ist die Nutzung von Virtual Reality-Brillen und 3D-Druckern in Workshops für Kinder und Jugendliche. Diese Angebote machen die Bibliothek zu einem modernen Bildungsstandort, der über das traditionelle Bücherangebot hinausgeht. Darüber hinaus hat der Förderverein „Literamus“ eine zentrale Rolle gespielt. Er hat nicht nur zur Renovierung beigetragen, sondern auch Veranstaltungen organisiert und Materialien für die Bibliothek bereitgestellt.
Zusammenarbeit und Koordination während der Sanierung
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Renovierung war die enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Parteien. Dazu gehörten:
- Bibliotheksleitung: Leiterin Hannelore Vogt und die stellvertretende Leiterin Jutta Kossul haben die Renovierung aktiv koordiniert und das Team motiviert.
- Förderverein Literamus: Der Verein packte tatkräftig mit an. Mitglieder packten Kisten, rückten Möbel und halfen bei der Zwischenlagerung von Medien. Vor der Schließung organisierten sie auch das „All-you-can-read“-Programm, bei dem Nutzer unbegrenzt Medien ausleihen konnten.
- Gebäudewirtschaft und Vermieter: Der Eigentümer des Hauses und die Stadt Köln trugen zur Finanzierung bei. Ohne diese finanzielle Unterstützung wäre die Renovierung nicht in dieser Form möglich gewesen.
- Öffentlichkeit: Die Resonanz der Bevölkerung war positiv. Bei der Wiedereröffnung stand eine lange Schlange vor der Tür, und viele Bürger begrüßten die Modernisierung mit Begeisterung.
Die enge Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten hat dazu beigetragen, dass die Renovierung nicht nur erfolgreich, sondern auch vorzeitig abgeschlossen werden konnte. Dies zeigt, wie wichtig es ist, bei solchen Projekten verschiedene Interessen zu koordinieren und Synergien zu nutzen.
Auswirkungen auf die Nutzung und Zukunftsperspektiven
Die Renovierung hat sich bereits positiv auf die Nutzung der Bibliothek ausgewirkt. Die neuen Räume und die modernisierte Ausstattung haben nicht nur die Anzahl der Besucher erhöht, sondern auch die Art und Weise, wie die Bibliothek genutzt wird. Die Einführung von Selbstbedienungsstationen und digitale Lernressourcen hat die Effizienz der Bibliothek gesteigert, während die barrierefreie Umgestaltung den Zugang für alle Bevölkerungsgruppen verbessert hat.
In Zukunft ist geplant, weitere Bibliotheken nach dem Rodenkirchener Modell zu modernisieren. Nach Angaben von Rita Höft könnte die Bibliothek in Neubrück als nächstes Objekt einer ähnlichen Sanierung unterzogen werden. Der Erfolg des Projekts in Rodenkirchen zeigt, dass moderne Bibliotheken nicht nur als Buchdepots dienen können, sondern auch als multifunktionale Lern- und Arbeitsorte. Dies ist besonders in städtischen Räumen wie Köln von großer Bedeutung, wo öffentliche Räume immer stärker nachgefragt werden.
Fazit
Die Renovierung der Rodenkirchener Stadtteilbibliothek war ein umfassendes Projekt, das nicht nur die physischen Räume verbesserte, sondern auch die Funktionalität, die Barrierefreiheit und die Nutzungsmöglichkeiten erweiterte. Durch moderne Technologien, eine optimierte Raumaufteilung und eine stärkere Ausrichtung auf digitale Lernressourcen hat die Bibliothek ihren Charakter als zentraler Lern- und Begegnungsort deutlich verstärkt.
Die Koordination zwischen Bibliothek, Förderverein, Stadtverwaltung und Vermieter war entscheidend für den Erfolg des Projekts. Gleichzeitig zeigt die Renovierung, dass auch in städtischen Umgebungen Investitionen in moderne Infrastruktur und inklusive Planung sinnvoll und profitabel sein können. Die Rodenkirchener Bibliothek ist ein Vorzeigeprojekt, das zeigt, wie durch gezielte Sanierungen und Investitionen öffentliche Einrichtungen fit für die Zukunft gemacht werden können.