Sanierung des Bodenseestadions: Herausforderungen, Möglichkeiten und künftige Perspektiven

Das Bodenseestadion in Konstanz steht seit mehreren Jahren im Fokus der Debatte um Sicherheit, Nutzbarkeit und Zukunft. Als ehemals größte Sportstätte der Region und bis in die 1990er Jahre zentraler Veranstaltungsort für Sport, Kultur und Freizeit, zeigt die Anlage heute deutliche Mängel an ihrer baulichen Substanz, Funktionalität und Infrastruktur. Zahlreiche Sanierungsversuche blieben stets unvollständig, und eine umfassende Renovierung hat bislang an mangelnden Investitionen und fehlender Strategie gescheitert.

Doch aktuelle Entwicklungen sind durchaus aufschlussreich. Der Gemeinderat hat in Anträgen auf Sicherung des Konzertbetriebs für künftige Veranstaltungen wie das Campus-Festival finanzielle Mittel beansprucht, und auch private Nutzung durch den American Football Verein sowie Diskussionen um die Umwandlung des Stadions in eine Multifunktionsstätte zeigen, dass der Wert der Anlage ungeachtet ihrer Schäden noch erkannt wird.

In diesem Artikel werden die historischen Grundlagen, der bautechnische Zustand, aktuelle Nutzungen, notwendige Sanierschritte sowie künftige Nutzungsperspektiven für das Bodenseestadion vorgestellt – unter Berücksichtigung konkreter Befunde, Kosten und Planungshinweise auf der Grundlage der in der Quellenbasis dokumentierten Fakten.


Historischer Überblick und Anlagecharakteristik

Das Bodenseestadion wurde im Jahr 1935 für eine Anfangs-Stammbesucherzahl von rund 30.000 eröffnet, damals in einer Stadt mit lediglich 35.000 Einwohnern – was dessen Dimensionierung damals als überproportional groß erscheinen ließ. Mit einem Budget von drei Millionen Reichsmark wurde die Anlage ursprünglich als Leistungssportstätte im Dienste nationalsozialistischer Ehrgeizpläne errichtet. Die Eröffnung mit einem Spiel zwischen FC Schalke 04 und Lausanne-Sports geschah am 20. Oktober 1935, auch wenn das Wetter die Besucherzahlen begrenzte: Es regnete stark. Schalke setzte sich mit 4:1 durch.

Die sportliche Nutzung blieb bis in die 1990er Jahre hinein relevant. Eine Sanierung in den Jahren 1991/92 brachte einige Verbesserungen, darunter eine auf die Vorgaben des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) abgestimmte achtspurige Laufbahn und geringfügige Verbesserungen bei Sanitäranlagen. Heute bietet das Stadion eine Spielfläche mit den Maßen 105 Meter × 68 Meter, besteht weiterhin aus Naturrasen und besitzt eine Kapazität von insgesamt 25.000 Plätzen – unter denen sich 1.200 überdachte und 800 unüberdachte Sitzplätze auf der Haupttribüne befinden.

Zwar ist das Stadion inzwischen urheberrechtlich und konzeptionell einer breiteren Nutzung geöffnet – es dient auch als Austragungsort für American Football und mittelgroße Musikveranstaltungen –, doch die infrastrukturellen Grenzen machen eine kontinuierliche und sichere Nutzung zunehmend schwierig.


Ist-Zustand und baulicher Zustand

Die Infrastruktur des Bodenseestadions hat sich seit den letzten Sanierungsmaßnahmen aufgrund mangelnder Investitionen und Flickschusterei zusehends verschlechtert. In verschiedenen Berichten aus den Jahren 2016 und 2018 wird ein dringender Zustand der Anlage beschrieben.

Ein entscheidender Punkt ist die mangelnde Funktionalität des Stadions im Rahmen des Sports. So fehlt beispielsweise eine Flutlichtanlage, die zur Durchführung von regionalligen-sportlichen Meisterspielen notwendig ist. Umkleideräume reichen nicht aus, und eine Anzeigetafel ist nicht vorhanden. Dazu kommen die strukturellen Defizite: Risse im Beton, mürber Kunststoff bei Sitzschalen, ein undichtes und instabil gelegenes Dach, das von Moos überwuchert ist. Immer wieder ist es notwendig, Bereiche der Tribüne zu sperren, da sie aus Sicherheitsgründen nicht mehr genutzt werden können.

Die Sanitäranlagen sind ebenfalls veraltete, nur sechs Damen- und sechs Herrentoiletten verfügbaren, bei einer Belegung mit bis zu 25.000 Zuschauern. Die Verteilerschaltern und Wasserleitungen reichen lediglich zur Funktion der Grundversorgung aus. Ein Umfangsgeld von 500.000 Euro ist allein im Rahmen der aktuellen Teilsanierung angegeben worden, was eine erste Einschätzung der gravierenden Defizite widerspiegelt.

Die Studierenden der Universität Konstanz, gemeinsam mit Vertretern aus Behörden in einem Seminar-Themenprojekt, haben festgehalten, dass die Grundinfrastruktur Grenzen erreicht hat. Ohne Erneuerung der Leitungen und Stromverteilung könne das Stadion in den nächsten Jahren nicht mehr genutzt werden.


Finanzielle Situation und Sanierschritte

Die finanzielle Umsetzung einer Sanierung ist keineswegs geradlinig. Einige Anträge und Vorschläge sind bereits in Gremien behandelt worden. So ist beispielsweise ein Antrag auf sogenannte Sofortmaßnahmen zur sicherheitstechnischen Ertüchtigung zum Betrieb von Konzerten wie das Campus-Festival entstanden. Die Kosten waren in verschiedenen Versionen bereits variiert worden, zwischen 1,2 Millionen Euro und einer verminderten Variante von nur 705.000 Euro (netto).

Innerhalb der notwendigen Maßnahmen sind konkret Geländerinstallation an den Stufen und die Sprengung eines Teils der Tribüne (sogenannte Q-Lösung) genannt worden. Dabei ist mindestens ein Bereich in eine Länge von elf Meter zu öffnen, damit das sogenannte Innenfeld für den Betrieb freigegeben werden kann – mit Fokus auf die Sicherheit und Erreichbarkeit weiterer Fluchtwegalternativen.

Die notwendige Investition für den Aufbau einer Schulsport- und Freizeitarbeitsgrundlage alleine in der Zeit bis 2021 wurde bereits auf 200.000 Euro geschätzt. Es ist abzusehen, dass eine ganzheitliche Sanierung weitaus höhere Summen beanspruchen wird.


Nutzungsprofil und Veranstaltungsprofil

Der Nutzungscharakter des Bodenseestadions ist in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gewechselt. So war das Rock am See Festival – jährlich um die August- oder September-Wochenenden – traditionell ein fixer Termin aus den 1980er Jahren bis 2016. Jedes Jahr kamen bis zu 25.000 Besucher, die jedoch nun ohne flächendeckende Beleuchtung, Sitz- oder Umkleideraumangebote eine problematische Nutzung der Anlage darstellen.

Weitere Open-Air-Veranstaltungen nutzten zeitweise den Freiraum. Ein Beispiel hierfür ist das Konzert mit Dieter Thomas Kuhn & Band im Jahr 2005. Doch die technischen Voraussetzungen für solche Events wie Beleuchtung, Stromreserve oder Catering sind heute nicht mehr gegeben.

Im Sportbereich ist das Stadion von der Durchführung professioneller Leistungen weitgehend abgekoppelt. Aktuell nutzen Vereine wie die Konstanz Pirates, ein Oberliga-Team der American Football Liga in Baden-Württemberg, das Stadion für Heimspiele ab 2021. Diese Nutzung ist zwar möglich, ermöglicht aber nicht die Wiederbelebung als breit geführter Sportort – vielmehr ist sie eine Notwendigkeitsnutzung im Rahmen der verfügbaren Alternativen.

Kulturschaffende, Sportler wie der ehemalige Bundesinnenminister Jörg Haider, der US-Basketball-Star Michael Jordan oder der kanadische Gitarrist Randy Bachman haben in der Vergangenheit gelegentlich Einlass zum Stadion gefunden, aber die Anlage steht nicht mehr im Mittelpunkt regionaler oder nationaler Veranstaltungen.


Perspektiven für eine Sanierung

Im Zuge der aktuellen Diskussion um Nutzung und Zukunft wurde mehrfach das Modell einer Umbauplanung nach dem Vorbild einer Multifunktionsstätte vorgestellt. So könnte das Stadion eine sinnvolle Mischung aus Sport- und Freizeitanlagen mit moderner Beleuchtung, multifunktionalen Räumen und öffentlichem Nahverkehrsanbindung darstellen. Einige Vorschläge reichen sogar bis hin zu einem sogenannten „Sport- und Freizeitpark“, der auch in der Diskussion um einen klimafreundlichen, nachhaltigen Umgang mit Arealen im urbanen Raum passt.

Technisch notwendige Schritte

Im Rahmen eines technischen Sanierungsplans wären folgende Schritte notwendig:

  1. Erneuerung der Verteiler- und Sanitärinfrastruktur
  2. Anbringen einer Flutlichtanlage (vorausgesetzt für Sportbetrieb)
  3. Sanierung der Tribünenbestandteile und Schaffung von zusätzlichen Fluchtwegen
  4. Erneuerung der Sitz- und Umkleineräume
  5. Installation moderner Beleuchtungssysteme für Veranstaltungen
  6. Anschluss an städtische Stromnetze moderner Art

Diese Umbauplanung würde nicht einmalig sondern kontinuierlich Wartungsmaßnahmen und Investitionen erfordern.


Politische Haltung und Bürgerwille

Der Wille, die Nutzungsfähigkeit des Stadions zu erhalten und gleichzeitig in Kultur, Sport und Freizeit zu investieren, ist politisch vielfältig geäußert worden. Oberbürgermeister Uli Burchardt setzte sich bereits öffentlich für eine multifunktional nutzbare Sport- und Freizeitfläche ein. In Gremiensitzungen stand das Thema Sanierung des Bodenseestadions immer wieder im Fokus.

Laut Antrag des Gemeinderates wird auch der Bürgerwille sichtbar: Der Wunsch nach kulturell bedeutenden Großveranstaltungen wie Campus-Festival und der Bedarf von Freizeit- und Sportvereinen bilden eine sichtbare Grundlage im öffentlichen Druck, das Stadion weiterhin nutzbar zu halten.

Andererseits gab es in der Vergangenheit immer wieder Vorschläge, das Stadion abzubrechen und die Fläche für andere zukunftsorientierte Zwecke – beispielsweise Stadionflächen für neue Wohnbebauungspläne oder Grünflächen – zu nutzen. Der Stadtsportverband Martin Müller vertritt dagegen die Meinung, dass es sinnvoll wäre, das Stadion so gut wie möglich zu erhalten und an die veränderten Anforderungen anzupassen.


Die Zukunft des Bodenseestadions

Während alle Beteiligten den Stadionbestand als bauliche Last der Vergangenheit anerkennen, wird dennoch immer wieder der Wert einer Nutzung unter neuen Voraussetzungen betont. Eine umfassende Renovierung ist jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit nur möglich, wenn man bereit ist, mit umfangreichen Investitionen über mindestens 1 bis 1,5 Millionen Euro zu rechnen – abhängig von der Zielstellung.

Im Konzept einer Multifunktionsstätte könnte das Stadion künftig sowohl als Sport, Freizeit, Kultur- als auch als Ausstellungsfläche dienen – möglicherweise auch ergänzt durch eine stärkere Weiterschaltung mit der Umgebung hinsichtlich Naturraumerleben oder urbaner Naherholung.

Ein mögliches Modell wäre eine Kooperation mit der Universität Konstanz oder weiteren regionalen Bildungseinrichtungen, die Nutzung zurzeit ungenutzter Rundenflächen für Events oder Sportwettkämpfe anzubieten. Ebenso wäre eine Koordination mit anderen Anlagen, wie z. B. dem Erdgas-Arena, vorteilhaft, um eine sinnvollere Verteilung der Nutzung zu ermöglichen.


Fazit

Das Bodenseestadion ist nicht einfach baulich heruntergekommen – es ist ein Zeuge der Sport- und Kulturgeschichte der Region Konstanz. Gleichzeitig ist die Anlage angesichts ihrer Funktionen, Ausstattung und infrastrukturellen Mängel an ihre Grenzen geraten. Die finanziellen, technischen und politischen Anforderungen eines breit nutzbaren Freiraums erfordern Investitionen, die bislang zurückgestellt wurden.

Ein Wandel hin zu einer Multifunktionsanlage ist denkbar, vorausgesetzt man entscheidet sich für eine umfassende Sanierung. Es wäre eine Investition mit mehreren Zielsetzungen: Nutzungssicherheit, klimaatlacher Freizeitgestaltung, kulturelle Attraktivität und wirtschaftlicher Impuls für die Region. Doch ohne klare Planung, hinreichende finanzielle Mittel und Zustimmung der Gremien droht das Bodenseestadion auch in Zukunft dem Fluchtweg der Zeit und Sanierungsversprechen zu verfallen.

Die Zukunftsperspektive eines Stadtons, das den Namen „Multifunktion“ verdiert, wäre nicht mehr wegzudenken von einem städtischen Bild der Zukunft – sofern die Politik den richtigen Zeitpunkt und Mut für eine umfassende Umgestaltung einholt.


Quellen

  1. Bodenseestadion in Konstanz – Wikipedia
  2. SSV Konstanz – Sanierungsdebatten um Bodenseestadion
  3. karla Magazin – Bauarbeiten und Zukunftsperspektiven
  4. Lagopress – Was tun mit dem Bodenseestadion?

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