Chorweiler: Renovierung und Neugestaltung im Wandel

Einleitung

Chorweiler, ein Stadtteil im Kölner Nordwesten, war in den 1970er Jahren als sogenannte "Neue Stadt" konzipiert worden. Die Planung folgte damals dem Leitbild „Urbanität durch Dichte“, das sich jedoch mit der Zeit als herausfordernd erwies. Über Jahre hinweg vernachlässigten einige Investoren die Verwaltung und Instandhaltung des Wohnungsbestandes, was zu einem spürbaren Modernisierungsstau führte. In den letzten Jahren hat sich die Stadt Köln verstärkt diesem Problem gestellt und das Projekt „Lebenswertes Chorweiler“ ins Leben gerufen.

Ein zentraler Bestandteil dieses Projekts war die Neugestaltung öffentlicher Räume, insbesondere der drei zentralen Plätze – Pariser Platz, Liverpooler Platz und Lyoner Passage – im Bereich Chorweiler Mitte, zwischen dem CityCenter und dem Bezirksrathaus. Die Baumaßnahmen starteten offiziell Anfang 2019, mit einem Spatenstich am 28. März, zu dem unter anderem Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Baudezernent Markus Greitemann anwesend waren. Ziel der Renovierung war es, die Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raums zu verbessern, soziale Integration zu fördern und die Infrastruktur für die Bewohner*innen attraktiver zu gestalten.

Hintergrund der Neugestaltung

Chorweiler war ursprünglich als eine funktionale Wohnsiedlung konzipiert, die durch eine hohe Bevölkerungsdichte und eine lockere Bebauung im Zentrum gekennzeichnet ist. Die zentralen Plätze entsprachen zwar dem damaligen Entwurfsideal, wirkten jedoch mit der Zeit unvollendet und wenig einladend. Der öffentliche Raum hatte einen erheblichen Modernisierungsbedarf, insbesondere in Bezug auf Freiflächen, soziale Interaktion und die Nutzung durch verschiedene Bevölkerungsgruppen.

Um diesem Problem entgegenzuwirken, wurde 2016 ein Beteiligungsprozess initiiert, bei dem die Bewohner*innen aktiv in die Planung einbezogen wurden. Ziel war es, gemeinsam mit der Bevölkerung und lokalen Initiativen eine neue Gestaltung der drei Plätze zu entwickeln, die sowohl funktional als auch ansprechend ist. Die Umgestaltung wurde zwischen Anfang 2019 und Ende 2022 durchgeführt, mit einer Verlängerung bis Oktober 2020 aufgrund von Planungs- und Bauprozessen.

Baumaßnahmen und Umgestaltung

Pariser Platz

Der Pariser Platz fungiert als zentraler Stadtplatz in Chorweiler. Hier wurden die größten visuellen und funktionalen Veränderungen vorgenommen. Eine der auffälligsten Neuerungen ist das Wasserspiel, das durch sechzehn Bodendüsen bis zu fünf Meter hohe Fontänen erzeugt. Dieses Element schafft nicht nur eine kühle Abwechslung in den Sommermonaten, sondern dient auch als attraktiver Treffpunkt für Familien und Spaziergänger*innen.

Darüber hinaus wurde die gesamte Platzfläche neu befestigt. Verwendet wurden dabei changierende Pflasterklinker, die eine harmonische und gleichzeitig lebendige Gestaltung ermöglichen. Die neue Oberflächengestaltung trägt dazu bei, den Platz für Fußgänger*innen sicherer und ansprechender zu machen.

Liverpooler Platz

Der Liverpooler Platz wurde ebenfalls im Zuge der Neugestaltung überarbeitet. Obwohl in den vorhandenen Quellen keine spezifischen technischen Details zu diesem Platz erwähnt werden, ist klar, dass er wie die anderen Plätze eine verbesserte Aufenthaltsqualität erhalten sollte. Der Platz wurde in die Gesamtstrategie eingebunden, die darauf abzielte, soziale Interaktionen zu stärken und den öffentlichen Raum nutzerfreundlicher zu gestalten.

Lyoner Passage

Die Lyoner Passage ist ein Durchgangsraum, der mit der Neugestaltung ein großes Potential für den Aufenthalt von Familien und Kindern erhalten hat. Die Passage verbindet die Wohnquartiere mit dem Pariser Platz und wurde durch die Einrichtung von sportlichen Aktivitäten aufgewertet.

Ein Highlight dieser Passage ist die Boulderwand an der Nordfassade des CityCenters. Diese bietet nicht nur Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zur sportlichen Betätigung, sondern animiert auch Erwachsene, sich im öffentlichen Raum aufzuhalten. Zudem wurden dort eine kleine Holzbühne für Veranstaltungen und mehrere Sitzbänke errichtet.

Im Übergangsbereich zur Brücke über die Willi-Suth-Allee wurden Bäume neu gepflanzt, um eine grüne Atmosphäre zu schaffen. Zudem wurde ein Schachspiel in den öffentlichen Raum integriert, um soziale Interaktionen und Spiel zu ermöglichen.

Oxforder Passage – Ergänzende Maßnahmen

Die Oxforder Passage erhielt ebenfalls eine besondere Aufwertung. Ein Outdoor-Gym mit Fitnessgeräten und einem Fallschutzbelag wurde dort eingerichtet. Diese Maßnahme ist insbesondere für sportinteressierte Bewohner*innen eine willkommene Ergänzung des öffentlichen Raums und fördert sowohl körperliche Aktivität als auch soziale Begegnungen im Freien.

Soziale Aspekte und Beteiligung

Die Umgestaltung Chorweilers war nicht allein eine technische oder städtebauliche Herausforderung, sondern auch ein sozialer Prozess. Die Planung wurde aktiv durch die Einbeziehung der Bewohner*innen gestaltet. Lokale Vereine und Initiativen wie Outline e.V., Runder Tisch Frieden oder Canyon Chorweiler wurden in die Prozesse der Beteiligung, des Baus und der langfristigen Stabilisierung eingebunden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Renovierung war die Sanierung von 1.211 vernachlässigten Wohnungen durch die GAG Immobilien AG. Neben den baulichen Verbesserungen planten die Verantwortlichen auch ein Bündel sozialer Angebote, beispielsweise zur Integration von zugewanderten Bürger*innen und zur Berufsorientierung.

Verkehr und Infrastruktur

Die drei Plätze – Pariser Platz, Liverpooler Platz und Lyoner Passage – liegen im Zentrum von Chorweiler und sind von zentraler Bedeutung für die lokale Infrastruktur. Die Neugestaltung dieser Bereiche führte zu einer besseren Verbindung zwischen Wohnquartieren, dem CityCenter und dem Bezirksrathaus. Die Platzflächen wurden so gestaltet, dass sie sowohl für Alltagssituationen als auch für größere Veranstaltungen wie den Wochenmarkt oder die Kirmes nutzbar bleiben.

Während der Bauphase wurde der Wochenmarkt temporär auf eine benachbarte Grünfläche verlegt, blieb jedoch in Chorweiler Mitte erhalten. Auch die Kirmes, ein wichtiges kulturelles und soziales Ereignis im Stadtteil, wird weiterhin auf den Platzflächen stattfinden, was die Bedeutung dieser Räume unterstreicht.

Förderrahmen und Projektdauer

Die Neugestaltung der drei Plätze wurde durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, gefördert. Das Ministerium hatte dem Vorschlag zugestimmt, den Zeitraum der Maßnahmen bis Ende Oktober 2020 zu verlängern. Bis dahin waren die Baumaßnahmen weitgehend abgeschlossen, sodass die Platzflächen bereits im Frühjahr 2020 für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht werden konnten.

Die abschließenden Arbeiten, wie die Errichtung der Boulderwand und der Tribüne am S-Bahn-Zugang des Pariser Platzes, wurden nach der Verlängerung durchgeführt. Die Fertigstellung aller drei Plätze erfolgte im Jahr 2022.

Quantitative Ergebnisse

Die Umgestaltung brachte konkrete und messbare Verbesserungen mit sich:

  • 150 neue Bäume wurden gepflanzt, um die Grünflächen zu erweitern und das städtische Mikroklima zu verbessern.
  • 1.200 Quadratmeter an Spiel- und Sportflächen wurden neu gestaltet oder erstmalig geschaffen.
  • 450 Meter Sitzbänke und Sitzstufen sorgen für mehr Aufenthaltsqualität in den öffentlichen Räumen.
  • 130 neue Fahrradstellplätze wurden eingerichtet, um die Mobilität im Stadtteil zu verbessern und die Nutzung des Fahrrads zu fördern.

Diese Zahlen zeigen, dass das Projekt nicht nur auf qualitative Verbesserungen abzielte, sondern auch klare und nachhaltige Infrastrukturmaßnahmen umfasste.

Kooperationspartner und Verantwortliche

Für die erfolgreiche Umsetzung des Projekts konnten mehrere wichtige Partner gewonnen werden. Dazu gehörten unter anderem:

  • GAG Immobilien AG
  • BGP Immobilien
  • ECE City Center Chorweiler
  • Deutsche Bahn AG
  • Katholische und Evangelische Kirche
  • Carolin Schüten
  • Outline e. V.
  • Runder Tisch Frieden
  • Canyon Chorweiler
  • Bürgerzentrum Chorweiler

Diese Kooperationen ermöglichten eine breite städtebauliche und soziale Umsetzung des Projekts. Die Einbindung lokaler Akteure war ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz und den Erfolg der Baumaßnahmen.

Veranstaltungen und Bürgerbeteiligung

Am 11. Mai 2019 beteiligte sich Chorweiler am bundesweiten Tag der Städtebauförderung mit dem Projekt "Lebenswertes Chorweiler". Die Planung wurde im Bürgersaal des Bezirksrathauses Chorweiler vorgestellt, gefolgt von einer Fragerunde mit Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Verwaltungsvertretern und Planungsexperten. Danach gab es ein öffentliches Programm auf den Chorweiler Plätzen, das unter anderem Baustellenführungen und einen Workshop mit dem Graffiti-Künstler Puya Bagheri beinhaltete.

Diese Veranstaltung wurde durch die Unterstützung des CityCenter Managements, der GAG Immobilien AG, der Sahle Wohnen und der Evangelischen Kirchengemeinde ermöglicht. Sie unterstrich die Bedeutung der Bürgerbeteiligung und zeigte, wie engagiert die lokale Gemeinschaft an der Neugestaltung ihres Stadtteils interessiert ist.

Ehemaliges Postbank-Areal – Ein neues Wohn- und Geschäftshaus

Neben der Renovierung der zentralen Plätze wurde auch das ehemalige Postbank-Areal in Chorweiler in den Fokus der städtischen Entwicklung genommen. Der Stadtentwicklungsausschuss der Stadt Köln hat im Jahr 2024 den Startschuss für ein neues Bauprojekt auf einer Fläche von 0,8 Hektar gegeben.

Die Fläche liegt südwestlich des Athener Rings und nördlich der Florenzer Straße, auf dem Gelände der Post- und Postbank-Filiale, die Ende 2023 geschlossen wurde. Hier soll ein modernes Wohn- und Geschäftshaus entstehen, das sowohl wohnungsbauliche Angebote, als auch Einzelhandel, Dienstleistungen und Freizeitmöglichkeiten beinhaltet. Ein weiteres zentrales Element des neuen Bauvorhabens ist die geplante Errichtung eines medizinischen Versorgungszentrums.

Die angrenzende öffentliche Grünfläche bleibt erhalten, was ein wichtiges Signal für die Bewahrung von Freiraum in der Stadtplanung setzt. Die Stadt Köln möchte mit einem Wettbewerbsverfahren sicherstellen, dass das Bauvorhaben qualitativ hochwertig und mit breiter Akzeptanz umgesetzt wird.

Es ist erwähnenswert, dass sich die Real Estate GmbH aus Essen bereits im Jahr 2020 um die Neubebauung bemühte. Das Konzept von APG Architekten- und Planergemeinschaft GbR fand jedoch keine Zustimmung bei der Stadt. Das Verfahren wurde daraufhin neu aufgesetzt, um nunmehr eine bessere Planung und Gestaltung sicherzustellen.

Die Realisierung eines medizinischen Versorgungszentrums wäre dabei ein bedeutender Gewinn für Chorweiler-Mitte und könnte die soziale Infrastruktur des Stadtteils deutlich verbessern.

Architektur und Gestaltungskonzept

Die Lyoner Passage ist als Durchgangsraum mit Potential zum Aufenthalt konzipiert. Das gestalterische Konzept wurde bereits im Beteiligungsverfahren 2016 erprobt und hat sich in der Praxis bewährt. Die Verbindung zwischen Wohnquartieren und Einkaufs- bzw. Verwaltungszentren wurde durch die Neugestaltung verstärkt.

Im Bereich der Nordfassade des CityCenters entstand eine Sitzstufen- und Treppenanlage, die mit zusätzlichen Bäumen begrünt wurde. Diese Anlage dient sowohl als Ruhezone als auch als multifunktionaler Bereich für kleinere Veranstaltungen und soziale Interaktionen.

Die Neugestaltung der Plätze folgte einem ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die ästhetische Aufwertung als auch die soziale Funktion öffentlicher Räume berücksichtigte. Die Einbindung von Graffiti-Workshops, sportlichen Angeboten und Freiflächen für den Wochenmarkt verdeutlicht diesen integrativen Gedanken.

Fazit

Das Projekt „Lebenswertes Chorweiler“ hat gezeigt, wie wichtig eine ganzheitliche Stadtentwicklung ist, die sowohl bauliche als auch soziale Aspekte miteinander verbindet. Die Neugestaltung der drei zentralen Plätze – Pariser Platz, Liverpooler Platz und Lyoner Passage – hat zwischen Anfang 2019 und 2022 stattgefunden und ist mittlerweile abgeschlossen.

Die Maßnahmen umfassten die Erneuerung der Platzflächen, die Schaffung von Sport- und Freizeitangeboten, die Erhöhung der Grünflächen durch neue Baumpflanzungen sowie die Einbindung der Bevölkerung in die Planungsprozesse. Zudem wurden durch die Sanierung von über 1.200 Wohnungen die Wohnbedingungen verbessert und soziale Initiativen verstärkt.

Ein weiteres Projekt auf dem ehemaligen Postbank-Areal wird in den nächsten Jahren die städtebauliche Dynamik in Chorweiler fortsetzen. Mit der geplanten Kombination aus Wohnraum, medizinischer Versorgung, Einzelhandel und Freizeitangeboten wird der Stadtteil um eine weitere Facette bereichert.

Die Renovierungsmaßnahmen in Chorweiler sind ein gelungenes Beispiel dafür, wie städtische Räume unter Einbeziehung der Bevölkerung und durch gezielte Kooperationen revitalisiert werden können, um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

Quellen

  1. Stadt Köln – Lebenswertes Chorweiler
  2. Chorweiler Panorama – Ehemaliges Postbank-Areal

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