Einleitung
Die Connollystraße in München ist mehr als nur eine Verkehrsader – sie ist ein lebendiges Zeugnis der olympischen Geschichte und ein Beispiel für erfolgreiche Stadtentwicklung und Sanierung. Benannt nach James Connolly, dem ersten Olympiasieger der Neuzeit von 1896, wurde die Straße 1971 im Zuge der Vorbereitungen für die XX. Olympischen Sommerspiele 1972 angelegt. Heute ist sie nicht nur architektonisch bedeutsam, sondern auch ein wichtiger Wohnstandort für Studierende. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte der Connollystraße, ihren architektonischen Charakter und insbesondere die umfassende Sanierung der Stufenbauten, die das Gesicht des Olympischen Dorfs nachhaltig verändert haben.
Historische Entwicklung und olympische Bedeutung
Die Connollystraße entstand im Kontext der Olympischen Sommerspiele 1972 in München, als das Olympische Dorf im Stadtteil Oberwiesenfeld errichtet wurde. Die Straße führt vom Helene-Mayer-Ring zum Kusocinskidamm und endet an der Straßbergerstraße, mit einer Gesamtlänge von 700 Metern. Ihre Anlage war Teil eines größeren städtebaulichen Konzepts, das nach den Spielen eine dauerhafte Nutzung der olympischen Anlagen vorsah.
Ein besonderes historisches Ereignis, das untrennbar mit der Connollystraße verbunden ist, ist das Olympia-Attentat von 1972. Im Gebäude Connollystraße 31 befand sich das Appartment der israelischen Olympiamannschaft, die später als Geiseln genommen wurde. Dieser Ort ist heute ein Erinnerungsort und wird durch eine Gedenktafel und jährliche Gedenkveranstaltungen geehrt. 200 Meter südlich des Gebäudes befindet sich der Erinnerungsort Olympia-Attentat, der an die Opfer des tragischen Ereignisses erinnert.
Nach den Olympischen Spielen stand die weitere Nutzung der Anlagen zur Debatte. Zunächst wurde die Gestaltung als "Friedenshaus" diskutiert, bevor das Gebäude in der Connollystraße 31 schließlich der Max-Planck-Gesellschaft geschenkt wurde, die es bis heute als Gästehaus nutzt. Die übrigen Gebäude wurden in Studentenwohnheime umgewandelt und damit einem dauerhaften Zweck zugeführt.
Architektonische Gestaltung und Besonderheiten
Die Connollystraße ist architektonisch bemerkenswert durch ihre zweigeteilte Gestaltung: Sie ist oberirdisch für Fußgänger und Radfahrer zugänglich, während sie unterirdisch den Individualverkehr aufnimmt. Diese Trennung der Verkehrsströme war für die damalige Zeit innovativ und entsprach dem modernen städtebaulichen Konzept der Olympischen Spiele 1972.
Ein auffälliges Merkmal der Straße sind die farbigen "Media Lines" – ein auf Stelzen verlaufendes Rohrsystem des österreichischen Architekten Hans Hollein, das als Wegweiser dient. An der Connollystraße ist dieses System in blauer Farbe ausgeführt und prägt das Erscheinungsbild der Straße maßgeblich mit.
Auch die künstlerische Gestaltung der Straße ist hervorzuheben: Hier befindet sich die Skulptur "Olympische Ringe" von Ruth Kiener-Flamm aus dem Jahr 1972, die 2000 von Peter Schwenk neu gefasst wurde. Ergänzt wird diese durch Brunnenanlagen, die der Straße eine besondere ästhetische Qualität verleihen. Diese Kunstwerke sind nicht nur dekorativ, sondern auch Ausdruck der olympischen Idee und der kulturellen Bedeutung der Spiele von 1972.
Die Studentenwohnheime selbst wurden von den Münchner Architekten Günther Eckert und Werner Wirsing geplant. Während der olympischen Spiele dienten sie als Unterkunft für die weiblichen Athletinnen. Die Architektur zeichnet sich durch funktionale und zugleich ansprechende Gestaltung aus, die den damaligen Zeitgeist widerspiegelt.
Die Stufenbauten: Architektonische Besonderheiten im Olympischen Dorf
Ein besonderes Augenmerk in der Connollystraße verdienen die sogenannten Stufenbauten, die als Wohnanlage für Studierende genutzt werden. Diese Gebäude sind Teil des Olympischen Dorfs und stehen unter Ensembleschutz, was ihre architektonische und historische Bedeutung unterstreicht.
Die Stufenbauten wurden ursprünglich im Zuge der Bauten für die Olympischen Sommerspiele 1972 als Sportlerunterkünfte errichtet. Ihre charakteristische Stufenform ermöglichte eine optimale Nutzung des Raumes und schuf zugleich interessante städtebauliche Strukturen. Heute ist die Wohnanlage Eigentum des Studentenwerks München und beherbergt Studierende aus verschiedenen Fachrichtungen und Nationen – ein lebendiger internationaler Mikrokosmos, der den olympischen Geist der Völkerverständigung fortsetzt.
Die Gebäude H und J der Stufenbauten standen in jüngster Zeit im Zentrum einer umfassenden Sanierung, die nicht nur die Wohnqualität für die Studierenden verbessern, sondern auch den baulichen Zustand der inzwischen über 50 Jahre alten Anlagen sichern sollte.
Umfassende Sanierung der Stufenbauten: Ein Projekt mit Zukunftsperspektive
Die Sanierung der Stufenbauten in der Connollystraße stellt ein bedeutendes Bauvorhaben im Münchner Wohnungsbau dar. Das Projekt, das sich auf die Gebäude H und J konzentrierte, umfasste sowohl die Modernisierung der Wohnungen als auch die Neugestaltung der Außenanlagen. Die Maßnahme wurde durch eine öffentliche Ausschreibung eingeleitet, bei der Landschaftsbauunternehmen mit der Umsetzung der Außenanlagen beauftragt wurden.
Zu den wesentlichen Leistungen im Bereich Landschaftbau gehörte die Herstellung von Belagsflächen aus Betonstein mit einer Gesamtfläche von ca. 1.200 m². Diese Maßnahmen zielten darauf ab, die Außenbereiche der Wohnanlage zu modernisieren und eine ansprechende sowie funktionsgerechte Gestaltung zu schaffen. Die Sanierung der Außenanlagen ist dabei besonders wichtig, da sie die Lebensqualität der Studierenden direkt beeinflusst und das Gesamterscheinungsbild der Anlage prägt.
Die Sanierung der Gebäude selbst konzentrierte sich auf die Modernisierung der Wohninfrastruktur. Im Zuge der Arbeiten wurden nicht nur technische Anlagen erneuert, sondern auch die Wohnräume an heutige Anforderungen angepasst. Die Herausforderung bestand darin, die bauhistorische Substanz der Gebäude zu bewahren und gleichzeitig zeitgemäße Wohnstandards zu schaffen. Diese Balance zwischen Denkmalschutz und Modernisierung ist bei Gebäuden unter Ensembleschutz besonders wichtig.
Ein weiterer Aspekt der Sanierung war die Verbesserung der energetischen Effizienz der Gebäude. Durch die Installation moderner Dämmungen, Fenster und Heizungsanlagen konnte der Energieverbrauch deutlich reduziert werden, was nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern auch zu niedrigeren Nebenkosten für die Studierenden führt.
Die Sanierung der Stufenbauten ist Teil einer umfassenderen Entwicklung der Connollystraße, die von den ursprünglichen olympischen Bauten hin zu einem modernen und attraktiven Wohnquartier für Studierende geführt hat. Die Maßnahmen haben dazu beigetragen, die Lebensqualität in der Anlage zu verbessern und die zukünftige Bewohnbarkeit der Gebäude zu sichern.
Die Connollystraße heute: Ein lebendiges Quartier
Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten präsentiert sich die Connollystraße als gelungener Beispiel für die Verbindung von historischer Bausubstanz und moderner Nutzung. Die Straße ist heute mehr als nur ein Wohngebiet – sie ist ein lebendiger Teil Münchens, der von der olympischen Geschichte geprägt ist, aber auch von aktuellen Entwicklungen geformt wird.
Die Bungalows im Süden der Straße, die ursprünglich als Studentenwohnheim genutzt und zwischenzeitlich renoviert wurden, werden heute zur Unterscheidung von der Studentenstadt Freimann als Studentenviertel oder Studentendorf bezeichnet. Wie in einem dokumentierten Filmbeitrag "Architektur als Spiegel der Gesellschaft" gezeigt wird, beherbergt das Gebiet heute 1200 kleine und beliebte Studentenwohnhäuser, die einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Münchner Studierendenschaft mit bezahlbarem Wohnraum leisten.
Neben den Wohnfunktionen hat die Connollystraße auch kulturelle Bedeutung: Im Gebäude Connollystraße 20 befindet sich das Theater Unterwegs, ein Tourneetheater, das zur kulturellen Vielfalt des Stadtteils beiträgt. Die Kombination aus Wohnen, Kultur und Erinnerungsorten macht die Straße zu einem besonderen Ort in München.
Die innovative Verkehrsführung der Connollystraße mit der Trennung von oberirdischem Fuß- und Radverkehr und unterirdischem Individualverkehr hat sich bewährt und macht die Straße zu einem vorbildlichen Beispiel für nachhaltige Stadtplanung. Die blauen "Media Lines" von Hans Hollein sind dabei nicht nur praktische Wegweiser, sondern auch gestalterische Elemente, die den Charakter der Straße prägen.
Zukunftsperspektiven und Herausforderungen
Trotz der erfolgreichen Sanierung der Stufenbauten bleibt die Connollystraße vor Herausforderungen. Die Gebäude sind inzwischen über 50 Jahre alt, und weitere Sanierungsmaßnahmen werden in den kommenden Jahren notwendig werden. Dabei gilt es, den Ensembleschutz zu wahren und die architektonische Qualität der Anlagen zu erhalten.
Ein weiterer Aspekt ist der demografische Wandel und die wachsende Studierendenschaft in München. Die Connollystraße mit ihren 1200 Studentenwohnhäusern wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Wohnraum spielen müssen. Dies erfordert möglicherweise weitere Anpassungen und Erweiterungen der Infrastruktur.
Die Erinnerung an das Olympia-Attentat bleibt ein wichtiger Teil der Identität der Connollystraße. Die Gedenkstätten und die jährlichen Gedenkveranstaltungen erinnern an die Opfer und unterstreichen die Bedeutung der Straße als Ort des Gedenkens und der Reflexion.
Gleichzeitig bietet die Connollystraße Potenziale für zukünftige Entwicklungen. Die Verbindung von historischer Substanz und moderner Nutzung könnte als Vorbild für ähnliche Projekte dienen. Die gelungene Transformation der olympischen Bauten in studentischen Wohnraum zeigt, wie große Veranstaltungen nachhaltige Spuren in der Stadtentwicklung hinterlassen können.
Fazit
Die Connollystraße in München ist ein beeindruckendes Beispiel für gelungene Stadtentwicklung und architektonische Transformation. Vom olympischen Dorf 1972 über die Umnutzung als Studentenwohnheim bis hin zur umfassenden Sanierung der Stufenbauten hat die Straße eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Die Verbindung von historischer Bedeutung und moderner Nutzung macht sie zu einem besonderen Ort in München.
Die Sanierung der Stufenbauten, insbesondere der Gebäude H und J, hat nicht nur die Wohnqualität für Studierende verbessert, sondern auch die bauliche Substanz für die Zukunft gesichert. Die Maßnahmen im Bereich Landschaftbau mit den ca. 1.200 m² Belagsflächen aus Betonstein haben zu einer Aufwertung der Außenanlagen geführt.
Die Connollystraße zeigt, wie Gebäude nach großen Veranstaltungen eine sinnvolle neue Nutzung finden können und wie Sanierungsmaßnahmen die Balance zwischen Denkmalschutz und Modernisierung herstellen können. Sie bleibt ein lebendiger Teil Münchens, der von der olympischen Geschichte geprägt ist, aber auch von aktuellen Entwicklungen geformt wird – ein Ort, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbindet.