Comeback des Culture Clubs in Hanau: Renovierung historischer Clubimmobilie

Einleitung

Nach mehr als vier Jahren Leerstand und einem plötzlichen Ende im Jahr 2020, das maßgeblich durch die Corona-Pandemie bedingt war, erlebt der Culture Club in Hanau-Wolfgang eine bemerkenswerte Wiedergeburt. Die Wiedereröffnung dieses ikonischen Veranstaltungsorts stellt nicht nur eine Bereicherung für das Nachtleben der Stadt dar, sondern auch ein eindrucksvolles Beispiel für die gelungene Renovierung einer denkmalgeschützten Immobilie. Dieser Artikel beleuchtet die Herausforderungen und Besonderheiten der Renovierungsarbeiten, die Entscheidungsprozesse hinter den baulichen Veränderungen sowie die Bedeutung des Clubs für die städtebauliche Entwicklung Hanau.

Historischer Hintergrund und Schließung

Der Culture Club, im Volksmund schlicht "der Club" genannt, hat eine lange und bewegte Geschichte. Ursprünglich unter dem Namen "JoCulture Club" gegründet, wurde das "Jo" später aus dem Namen gestrichen, ohne dass dies vielen Stammgästen überhaupt auffiel. Der Club war seit jeher ein zentraler Treffpunkt für Partygänger und Jugendkultur in Hanau.

Die Äre des Culture Clubs endete abrupt im Jahr 2020. Am 7. März 2020 fand mit den "Wild Chicks" die letzte Party statt. Wie Betreiber Gordon Vongehr auf einem alten Plakat an der Wand vermerkt hatte: "Das war die letzte Party." Die Schließung war jedoch bereits zu diesem Zeitpunkt besiegelt, da der Mietvertrag auslief und die damaligen Besitzer, eine Erbengemeinschaft, das Gebäude verkaufen wollten. Zudem hätte der Weiterbetrieb in der denkmalgeschützten Immobilie hohe Investitionen erfordert, insbesondere aufgrund der strengen Brandschutzauflagen.

Die Corona-Pandemie beschleunigte letztendlich das Ende des Clubbetriebs. Für die Hanauer Party- und Disco-Szene war die Schließung ein herber Verlust, der dazu führte, dass Clubgänger fortan nach Frankfurt, Offenbach oder Gründau ausweichen mussten, um ein angemessenes Nachtleben zu finden.

Renovierungskonzept und Herausforderungen

Die Wiederbelebung des Culture Club stellte sowohl den neuen Betreiber Gordon Vongehr als auch den Gebäudeeigentümer vor erhebliche Herausforderungen. Vongehr, der bereits 20 Jahre Erfahrung als Veranstaltungsorganisator in der Region mitbringt und von 2012 bis 2020 Teil des Club-Teams war, übernahm nach der Schließung die Geschäftsführung und bemühte sich um eine Wiederaufnahme des Betriebs.

Vor anderthalb Jahren nahm Vongehr Kontakt zum neuen Eigentümer auf, der ursprünglich ein Restaurant in den Räumen einrichten wollte. Nach langen Verhandlungen wurde schließlich grünes Licht für die Wiedereröffnung als Club gegeben.

Eine der zentralen Entscheidungen im Renovierungskonzept war die bewusste Aufgabe der Gastronomie. Der Verzicht auf eine Küche reduzierte den erforderlichen Aufwand erheblich und war sowohl durch die gestiegenen Personalprobleme in der Branche als auch durch die Tatsache motiviert, dass sich die Gastronomie in der Vergangenheit ohnehin nicht mehr rentiert hatte. Diese Entscheidung hatte erhebliche Auswirkungen auf die Renovierungsplanung und die Anforderungen an die Immobilie.

Die Finanzierung der notwendigen Sanierungen wurde zwischen Vermieter und Betreiber aufgeteilt. Während der Vermieter für die Sanierungen zuständig ist, die notwendig sind, um die behördlichen Auflagen zu erfüllen, finanziert der Betreiber die Inneneinrichtung wie Mobiliar und Theke selbst. Diese klare Aufgabenteilung ermöglichte eine effiziente Planung und Durchführung der Renovierungsarbeiten.

Detailierte Renovierungsarbeiten

Die Renovierungsarbeiten konzentrierten sich auf mehrere Bereiche, die sowohl die technischen Erfordernisse als auch die gestalterischen Aspekte des Clubs berücksichtigten.

Technische Anforderungen und Sanierungen

Zu den wichtigsten technischen Sanierungen gehörten: - Installation einer neuen Lüftungsanlage - Einbau von Brandschutztüren - Montage zusätzlicher Feuermelder

Diese Maßnahmen waren zwingend erforderlich, um die aktuellen Sicherheitsstandards zu erfüllen und den Betrieb in der denkmalgeschützten Immobilie zu ermöglichen. Besonders der Brandschutz stellte eine besondere Herausforderung dar, da er die Einhaltung strenger Vorgaben bei gleichzeitigem Respekt vor dem historischen Charakter des Gebäudes erforderte.

Raumgestaltung und Innenausstattung

Gordon Vongehr legte großen Wert darauf, den charakteristischen Charme des alten Culture Clubs zu bewahren. Viele Elemente der ursprünglichen Gestaltung wurden wieder aufgenommen:

  • Die Wände blieben in der traditionellen roten Farbe
  • Gegenüber der Bühne wurde wieder eine große Theke installiert
  • An den Fenstern wurden Vorhänge aufgehängt und angestrahlt
  • Hochbestuhlung zum Sitzen ist sowohl im Tanzsaal als auch im Barbereich geplant

Diese bewusste Entscheidung, vertraute Elemente beizubehalten, zielt darauf ab, Stammgästen das Gefühl von "Heimat" und Vertrautheit zu vermitteln. Wie Vongehr erklärte: "Ich habe probiert, das so nachzubauen, wie es vorher war, sodass man, wenn man hier reinkommt, sagt: Ich bin wieder in meinem Wohnzimmer."

Spezifische Bereichsanpassungen

In mehreren Bereichen des Clubs wurden gezielte Veränderungen vorgenommen:

  • Die Toiletten wurden komplett renoviert, mit neuen Tapeten und aufbereiteten Fußböden
  • Die Garderobe wurde ins ehemalige Restaurant verlegt, um den Eingangsbereich zu entlasten
  • Hinter dem Eingang ist eine Fotobox angedacht, die als zusätzliche Attraktion dienen soll
  • Statt einer herkömmlichen Getränkekarte werden künftig über der Bar große Flatscreens mit Preisen und Programmvorschau installiert

Diese Anpassungen dienen der Verbesserung des Besuchererlebnisses und der Effizienz des Betriebs, ohne den Charakter des Ortes zu verändern.

Außenbereich und zukünftige Erweiterungen

Der Außenbereich des Culture Clubs wird im nächsten Jahr hergerichtet, damit dieser ab Sommer genutzt werden kann. Diese Maßnahme erweitert die nutzbare Fläche des Clubs und bietet zusätzliche Möglichkeiten für Veranstaltungen und Partys, insbesondere in den wärmeren Monaten.

Die Renovierungsarbeiten wurden unter Zeitdruck durchgeführt, da die Eröffnung bereits für Anfang Dezember geplant war. Wie Vongehr berichtete, hingen noch wenige Stunden vor der Wiedereröffnung Kabel von der Decke und Werkzeuge lagen auf dem Boden. Dennoch zeigte er sich zuversichtlich, dass die Handwerker den anvisierten Termin einhalten würden: "Ich bin zuversichtlich, dass es klappt. Die Handwerker hätten zugesagt, bis zum anvisierten Termin fertig zu sein."

Wirtschaftliche und städtebauliche Bedeutung

Die Wiedereröffnung des Culture Clubs füllt eine spürbare Lücke im Freizeitangebot Hanau. Wie Devran Aydin, Vorsitzender der Jungen Union Hanau/Maintal, betonte: "Mit dem Comeback des Culture Clubs wird eine echte Lücke im Freizeitangebot geschlossen." Gerade junge Menschen hatten das Fehlen eines zentralen Clubs in der Stadt lange bemängelt.

Für die Junge Union Hanau/Maintal stellt die Wiedereröffnung einen ersten wichtigen Schritt dar. Sie fordert jedoch gleichzeitig die Verantwortlichen der Stadt auf, eine zukunftsorientierte Lösung zu entwickeln, die auch einen weiteren Club am Marktplatz vorsieht. Die Petition zur Einrichtung eines Clubs im Kaufhof-Gebäude bleibt weiterhin offen und kann von Unterstützern online unterschrieben werden. "Hanau muss als Großstadt die Möglichkeit bieten, in einem Club zu feiern und eine lebendige Jugendkultur zu fördern," so die Junge Union abschließend.

Der Culture Club befindet sich im Untergeschoss des Stadthofs, was für die Attraktivität der Innenstadt von Bedeutung ist. Sören Winter, der noch immer im Vorstand der JU tätig ist, sieht hier ideale Voraussetzungen: "Der neue Stadthof bietet ideale Voraussetzungen, um das Untergeschoss für einen Club zu nutzen. Das würde nicht nur die Attraktivität der Innenstadt steigern, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Jugendkultur leisten."

Die Wiederbelebung des Clubs wird daher nicht nur als kulturelle Bereicherung, sondern auch als wichtiger Beitrag zur Belebung der Innenstadt und zur Stärkung der lokalen Jugendkultur gesehen.

Zukunftspläne und Programm

Nach der Wiedereröffnung plant Betreiber Gordon Vongehr, sowohl bewährte Formate als auch neue Elemente in das Programm aufzunehmen. Einige der kommenden Partys waren schon vor der Eröffnung ausverkauft, was die große Vorfreude in der Region unterstreicht.

Zu den altbekannten Partyreihen, die wieder auf dem Programm stehen, gehören: - Afterwork-Partys - "Weihnachten unter Freunden"

Darüber hinaus kündigt Vongehr für die nächsten Jahre wieder die Integration von Kleinkunst an, was den kulturellen Anspruch des Clubs unterstreicht und über reine Partys hinausgeht.

Die Erwartungen an den Club sind in der Region hoch. Das virale Video, das der Culture Club Anfang November in den sozialen Medien veröffentlichte – eine Luftaufnahme des Gebäudes in Schwarz-Weiß gefolgt von Schnitten auf Farbbilder von tanzenden und feiernden Menschen – wurde tausendfach angeschaut, kommentiert und geliket. Der Tenor in der Region war durchweg positiv: Die Vorfreude auf die Wiedereröffnung des Culture Clubs ist riesig.

Fazit

Die Renovierung und Wiedereröffnung des Culture Clubs in Hanau stellt ein eindrucksvolles Beispiel für die gelungene Transformation einer denkmalgeschützten Immobilie dar. Die Balance zwischen Erhalt des historischen Charakters und Anpassung an moderne Anforderungen wurde durch kluge Entscheidungen erreicht, insbesondere durch den Verzicht auf Gastronomie, der den Renovierungsaufwand erheblich reduzierte.

Die Finanzierungsmodelle, bei denen Vermieter und Betreiber spezifische Verantwortungsbereiche übernahmen, ermöglichten eine effiziente Durchführung der Arbeiten. Gleichzeitig wurde großer Wert auf die Bewahrung vertrauter Elemente gelegt, um Stammgästen das Gefühl von Heimat und Kontinuität zu vermitteln.

Für die Stadt Hanau bedeutet die Wiedereröffnung des Culture Clubs mehr als nur die Rückkehr eines beliebten Partylocations. Sie füllt eine Lücke im Freizeitangebot, stärkt die Jugendkultur und leistet einen Beitrag zur Belebung der Innenstadt. Die politische Forderung nach weiteren Clubangeboten in der Stadt zeigt, dass der Culture Club als wichtiger Baustein für ein attraktives Stadtleben angesehen wird.

Die gelungene Renovierung des denkmalgeschützten Gebäudes demonstriert zudem, wie historische Immobilien durch innovative Konzepte und Respekt vor ihrer ursprünglichen Gestaltung eine neue Zukunft finden können – ein Vorbild, das auch für andere städtebauliche Projekte relevant sein könnte.

Quellen

  1. Junge Union Hanau/Maintal freut sich über Culture Club Wiedereröffnung
  2. Culture Club in Hanau wird zum Leben erweckt – Eröffnung im Dezember
  3. Hanauer Culture Club feiert Wiedereröffnung

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