DB-Großprojekt: Modernisierung der Bahnstrecke Nürnberg-Regensburg 2026 - Fakten und Auswirkungen für Pendler und Anwohner

Einleitung

Im Jahr 2026 beginnt eines der größten Infrastrukturprojekte in Bayern: die Generalsanierung der Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Regensburg. Dieses Vorhaben, das erste von sieben geplanten Generalsanierungen in Bayern, umfasst die umfassende Erneuerung und Modernisierung einer der verkehrsreichsten Eisenbahnstrecken des Landes. Die 88 Kilometer lange Verbindung ist ein wichtiger Bestandteil der europäischen Verkehrsachse Rhein-Donau und spielt eine entscheidende Rolle für die Bahnverkehre nach Österreich. Während der etwa fünfmonatigen Bauphase vom 6. Februar bis 10. Juli 2026 wird die Strecke für den Bahnverkehr komplett gesperrt, was erhebliche Auswirkungen auf den Nah- und Fernverkehr haben wird. Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über die geplanten Maßnahmen, die Auswirkungen auf Fahrgäste sowie die Ziele und Kosten des Großprojekts.

Das Projekt im Überblick

Die Generalsanierung der Bahnstrecke Nürnberg-Regensburg ist ein zentrales Vorhaben der DB InfraGO AG, das darauf abzielt, die hochbelastete Eisenbahnstrecke "langfristig stabiler und widerstandsfähiger zu machen". Wie in einer Pressemitteilung der Deutschen Bahn betont, soll durch diese Maßnahme die Zahl der Störungen und damit einhergehenden Verspätungen deutlich reduziert werden.

Die Strecke zwischen Nürnberg und Regensburg wurde als erste von sieben geplanten Generalsanierungen in Bayern ausgewählt, was ihre besondere verkehrspolitische Bedeutung unterstreicht. Die 88 Kilometer lange Verbindung gehört zu den am stärksten frequentierten Bahnstrecken in Bayern und ist gleichzeitig ein überaus wichtiger Baustein der Bahnverkehre nach Österreich.

Die Bauarbeiten werden von DB InfraGO in Zusammenarbeit mit den erfahrenen Bauunternehmen Spitzke und Swietelsky durchgeführt, die nach einem europaweiten Ausschreibungsverfahren den Zuschlag für die Bauleistungen erhalten haben. Das Detailkonzept für den Schienenpersonennahverkehr erarbeitete die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) gemeinsam mit den beteiligten Eisenbahnverkehrsunternehmen und der DB InfraGO.

Geplante Baumaßnahmen

Erneuerung von Infrastrukturkomponenten

Während der Generalsanierung werden umfangreiche Erneuerungsarbeiten an verschiedenen Komponenten der Eisenbahninfrastruktur durchgeführt. Langlebigkeit und Betriebssicherheit stehen dabei im Mittelpunkt der Maßnahmen.

  • Gleiserneuerung: Über 80 Kilometer Gleise werden komplett erneuert, um die Streckenzustände signifikant zu verbessern. Die Deutsche Bahn erwartet hierbei eine Verbesserung des Netzzustands vergleichbar zum Effekt beim Pilotprojekt Frankfurt-Mannheim (Riedbahn), wo sich der Netzzustand um 1,5 Noten-Punkte verbesserte.

  • Weichenerneuerung: Rund 40 Weichen werden ausgetauscht, um die Betriebssicherheit und Flexibilität auf der Strecke zu erhöhen.

  • Oberleitungsanlagen: Etwa 90 Kilometer Oberleitungen werden erneuert, um eine zuverlässige Stromversorgung der Züge zu gewährleisten.

  • Bahndamm- und Brückensanierung: Spezielle Sanierungsarbeiten umfassen den Bahndamm bei Deining sowie eine Brücke bei Burgthann, um die Standsicherheit und Langlebigkeit dieser kritischen Infrastrukturbauteile sicherzustellen.

Modernisierung der Leit- und Sicherungstechnik

Ein zentraler Bestandteil der Generalsanierung ist die Modernisierung der Leit- und Sicherungstechnik. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Sicherheit und Effizienz des Eisenbahnbetriebs auf der Strecke zu erhöhen.

Besonders hervorzuheben ist die Vorbereitung für den Einbau des modernen Zugbeeinflussungssystems ETCS (European Train Control System). Dieses System wird europaweit als Standard für die Zugbeeinflussung eingeführt und ersetzt ältere national Systeme. ETCS ermöglicht eine höhere Streckenkapazität, verbessert die Sicherheit und reduziert die Wartungskosten.

Zusätzlich zu diesen technologischen Innovationen entstehen zusätzliche Weichenverbindungen (Überleitstellen), die mehr Flexibilität bei Störungen oder Baustellen auf der Strecke bieten sollen. Diese zusätzlichen Verbindungsmöglichkeiten werden dazu beitragen, den Betrieb auch bei unvorhergesehenen Ereignissen aufrechtzuerhalten.

Bahnhofsmodernisierung

Ein weiterer Schwerpunkt der Generalsanierung ist die umfassende Modernisierung aller 20 Bahnhöfe zwischen Feucht und Regensburg-Prüfening. Diese Maßnahmen werden nach "einem ganzheitlichen und klaren Qualitätsstandard mit attraktiver Gestaltung" durchgeführt, wie es in der Mitteilung der Deutschen Bahn heißt.

Barrierefreier Ausbau

Ein zentrales Anliegen der Bahnhofsmodernisierung ist der barrierefreie Ausbau. An acht Stationen werden die Bahnsteige erneuert, um den höchsten Standards der Barrierefreiheit zu entsprechen. In den Bahnhöfen Beratzhausen, Parsberg und Seubersdorf entstehen Aufzüge, die die mobilityseingeschränkten Reisenden die Nutzung der Bahnhöfe ermöglichen.

Modernisierung der Reisendeninformation

Parallel zum barrierefreien Ausbau werden die Reisendeninformationssysteme an allen Stationen auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Moderne Anzeigetafeln und Informationsterminals sollen den Fahrgästen eine bessere und übersichtlichere Informationslage während ihrer Reise ermöglichen.

Gestaltung und Komfort

Neben den funktionalen Verbesserungen legt die Deutsche Bahn auch Wert auf eine attraktive Gestaltung der Bahnhöfe. Ziel ist es, die Stationen zu freundlichen und einladenden Orten zu machen, die zum Aufenthalt einladen und die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs steigern.

Verkehrsbeeinträchtigungen und Ersatzkonzept

Vollständige Sperrung der Strecke

Während der Generalsanierung ist die Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Regensburg vom 6. Februar bis 10. Juli 2026 komplett gesperrt. Diese Maßnahme ist notwendig, um die umfangreichen Bauarbeiten effizient durchführen zu können und die Sicherheit der Reisenden und der Bauarbeiter zu gewährleisten.

Auswirkungen auf den Fernverkehr

Der Fernverkehr ist von der Sperrung ebenfalls betroffen und wird umgeleitet. Die aktuellen Verbindungen sind bereits in die elektronischen Fahrplanauskünfte der DB eingepflegt und können unter bahn.de sowie in der App DB Navigator abgerufen werden. Reisende werden gebeten, sich rechtzeitig über ihre jeweiligen Verbindungen zu informieren und Tickets zu buchen.

Ersatzverkehr im Regionalverkehr

Im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) wird der Zugverkehr durch einen leistungsstarken Schienenersatzverkehr ersetzt. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) hat gemeinsam mit den SPNV-Verkehrsunternehmen und den betroffenen Kommunen ein umfassendes Ersatzkonzept entwickelt.

Das Ersatzkonzept setzt auf eine Mischung aus: - Expressbuslinien, die nur an wenigen zentralen Stationen halten - Linien mit vielen Zwischenhalten, die auch die kleineren Orte bedienen

Insgesamt kommen mehr als 90 Busse auf acht Linien zum Einsatz, um die entfallenden Nahverkehrshalte anzubinden. Wie bei Schienenersatzverkehren üblich, sind längere Fahrtzeiten leider nicht vermeidbar.

Betroffene Linien

Im VGN-Gebiet sind folgende Linien betroffen: - S3 Nürnberg – Neumarkt (derzeit noch S1) - RE 22 Nürnberg - Neumarkt (OPf) – Parsberg - RE 50 Nürnberg - Neumarkt (OPf) – Parsberg - RB 51 Neumarkt (OPf) - Parsberg

Diese Linien werden von den Verkehrsunternehmen DB Regio Bayern und agilis betrieben.

Fahrplandaten und Information

Die Fahrplandaten für den Ersatzverkehr sind bereits in den Auskunftssystemen der DB unter bahn.de sowie im DB Navigator enthalten. Voraussichtlich ab 1. Dezember 2025 werden sie auch in DEFAS Bayern und den Auskunftsmedien des VGN verfügbar sein.

Kosten-Nutzen-Analyse

Investitionsrahmen

Die Gesamtkosten der Generalsanierung der Bahnstrecke Nürnberg-Regensburg werden durch die DB InfraGO AG aktuell auf 1,38 Milliarden Euro geschätzt. Dieser Betrag beinhaltet einen Risikopuffer für unvorhergesehene Ereignisse oder Kostensteigerungen.

Interessant ist, dass der Kostenrahmen des Projekts seitdem die DB InfraGO AG die Einzelmaßnahmen auf diesem Korridor im Jahr 2024 zu einem Projekt gebündelt hat, konstant geblieben ist. Dies deutet auf eine sorgfältige Planung und Kostenschätzung hin.

Erwarteter Nutzen

Die DB InfraGO AG erwartet als Ergebnis der Generalsanierung "eine signifikante Verbesserung des Streckenzustands nach Abschluss aller Sanierungsmaßnahmen vergleichbar zum Effekt beim Pilotprojekt Frankfurt - Mannheim (Riedbahn)". Dort habe sich der Netzzustand um 1,5 Noten-Punkte verbessert.

Die signifikante Verbesserung des Streckenzustands wird sich positiv auf die Betriebssicherheit und Zuverlässigkeit auswirken. Störungen und Verspätungen sollen sich deutlich reduzieren, was wiederum die Attraktivität des Schienenverkehrs erhöht.

Wirtschaftlichkeitsprüfung

Angaben zum Nutzen-Kosten-Verhältnis der Generalsanierung kann die Regierung nach Vorlage zufolge noch nicht machen. "Das Ergebnis der Auswertung der Wirtschaftlichkeitsprüfung liegt noch nicht final vor und wird zeitnah erwartet", heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Öffentlichkeitsarbeit und Information

Online-Informationsveranstaltung

Um die Fahrgäste über die anstehenden Baumaßnahmen und die daraus resultierenden Verkehrsbeeinträchtigungen zu informieren, laden die Deutsche Bahn (DB) und die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) zu einer öffentlichen Online-Informationsveranstaltung ein. Die Veranstaltung findet am 20. November um 15 Uhr statt. Den Zugangslink finden Interessierte am Veranstaltungstag auf www.deutschebahn.com/generalsanierung-bayern.

Infomobil-Tour

Das große Interesse an der geplanten Generalsanierung zwischen Nürnberg und Regensburg zeigte sich zuletzt bei einer Infomobil-Tour entlang der Strecke. An zehn Stationen gaben Projektmitarbeitende im Oktober Auskunft über das große Bauvorhaben und seine Auswirkungen. Über 1000 Menschen kamen vorbei, um Informationen aus erster Hand zu erhalten.

Informationsangebote

Um die Öffentlichkeit umfassend zu informieren, hat die Deutsche Bahn verschiedene Informationskanäle eingerichtet:

  • Eine spezielle Webseite unter www.deutschebahn.com/generalsanierung-bayern bietet einen umfassenden Überblick über die geplanten Generalsanierungen in Bayern.
  • Ausführliche Informationen zum Verkehrskonzept finden sich unter www.bahn.de/ersatzverkehr-nürnberg-regensburg und www.beg.bahnland-bayern.de/ersatzkonzept-generalsanierung.

Fazit

Die Generalsanierung der Bahnstrecke Nürnberg-Regensburg ist ein ambitioniertes und notwendiges Infrastrukturprojekt, das erhebliche Investitionen in Höhe von 1,38 Milliarden Euro erfordert. Während der etwa fünfmonatigen Bauzeit vom 6. Februar bis 10. Juli 2026 werden Reisende mit erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen konfrontiert sein, die durch einen umfassenden Schienenersatzverkehr abgefedert werden müssen.

Die Maßnahmen umfassen nicht nur die Erneuerung über 80 Kilometer Gleise, rund 40 Weichen und circa 90 Kilometer Oberleitungen, sondern auch die Sanierung kritischer Infrastruktur wie des Bahndamms bei Deining und einer Brücke bei Burgthann. Besonders hervorzuheben ist die Modernisierung der Leit- und Sicherungstechnik sowie die Vorbereitung für den Einbau des modernen Zugbeeinflussungssystems ETCS.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die umfassende Modernisierung aller 20 Bahnhöfe zwischen Feucht und Regensburg-Prüfening, die einen barrierefreien Ausbau und die Modernisierung der Reisendeninformationssysteme umfasst. Diese Maßnahmen werden die Attraktivität und Funktionalität der Bahnhöfe nachhaltig verbessern.

Die Erwartungen an die Generalsanierung sind hoch: Die DB InfraGO AG prognostiziert eine signifikante Verbesserung des Streckenzustands vergleichbar zum Pilotprojekt Frankfurt-Mannheim, wo sich der Netzzustand um 1,5 Noten-Punkte verbesserte. Langfristig soll die Zahl der Störungen und Verspätungen deutlich reduziert werden, was die Betriebssicherheit und Zuverlässigkeit der Strecke erhöht.

Trotz der kurzfristigen Unannehmlichkeiten für die Reisenden stellt die Generalsanierung eine notwendige Investition in die Zukunft des Schienenverkehrs in Bayern dar, die die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene im Vergleich zum motorisierten Individualverkehr stärken und einen Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors leisten wird.

Quellen

  1. Deutsche Bahn
  2. Nordbayern.de
  3. Lok-Report
  4. DB Ersatzverkehr
  5. VGN

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