Einleitung
Das Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel stellt ein architektonisches und kulturelles Juwel dar, dessen Geschichte eng mit der Entwicklung Berlins als Kulturhauptstadt verbunden ist. Das zwischen 1898 und 1904 im Stil des Neobarock erbaute Gebäude beherbergt bedeutende Kunstsammlungen und steht seit 1999 als Teil des Ensembles der Museumsinsel unter dem Schutz der UNESCO als Weltkulturerbe. Nach über hundert Jahren intensiver Nutzung und den Schäden des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude Anfang der 1990er Jahren einer umfassenden Generalinstandsetzung unterzogen. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte des Bode-Museums, die Notwendigkeit der umfassenden Renovierung sowie die Maßnahmen und Ergebnisse der aufwendigen Sanierung, die das Museum seit 2005 wieder in vollem Glanze erstrahlen lässt.
Geschichte und Architektur des Bode-Museums
Die Idee, an der Stelle des heutigen Bode-Museums ein Kunstmuseum zu errichten, entstand bereits in den 1840er Jahren in Berlin. Der Kunsthistoriker Wilhelm von Bode lieferte die später umgesetzten Vorschläge für dieses Vorhaben, wofür er im Jahr 1914 geadelt wurde. Hofarchitekt Ernst von Ihne und der Bauleiter Max Hasak errichteten den Museumsbau zwischen 1897 und 1904 für die von Bode aufgebaute Skulpturen- und Gemäldesammlung, deren Anfangsbestände auf die Kunstkammern der Kurfürsten von Brandenburg zurückgehen. Am 18. Oktober 1904, dem Geburtstag von Friedrich III., der 1888 gestorben war, wurde das Museum eröffnet. Zur Erinnerung an den sogenannten "99-Tage-Kaiser" erhielt das Haus den Namen Kaiser-Friedrich-Museum.
Das Gebäude, das im Stil des Neobarock erbaut wurde, präsentiert sich als repräsentativer Bau mit einer charakteristischen Kuppel und einer reichen Fassadengestaltung. Auf dem Vorplatz befand sich ursprünglich das von Rudolf Maison geschaffene Reiterstandbild Friedrichs III., das in der DDR-Zeit zerstört wurde. Das Museum wurde von Beginn an als multifunktionaler Kulturkomplex konzipiert, der verschiedene Kunstrichtungen und Epochen vereinen sollte.
Kriegsschäden und Nachkriegsentwicklung
Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Bode-Museum die auf der Museumsinsel vergleichsweise geringsten Schäden. Dennoch waren die Zerstörungen so erheblich, dass das Gebäude erst 1951 ein Notdach erhielt. Nach Kriegsende 1945 ließ die neue Berliner Stadtverwaltung alle Bezüge zu früheren Herrschern tilgen; das Sammlungsgebäude hieß nun inoffiziell Museum am Kupfergraben. Am 1. März 1956 gab Johannes R. Becher, der damalige Kulturminister der DDR, dem Kaiser-Friedrich-Museum feierlich den Namen Bode-Museum zur Erinnerung an seinen Erbauer.
In den Nachkriegsjahren waren verschiedene bedeutende Sammlungen im Bode-Museum untergebracht, darunter das Ägyptische Museum mit seiner Papyrussammlung, das Museum für Vor- und Frühgeschichte, eine Gemäldegalerie, die Skulpturensammlung und das Münzkabinett. Erste Teile der Sammlungen konnten ab 1954 wieder gezeigt werden. Die schrittweise Instandsetzung des Gebäudes einschließlich der Restaurierung der Innenräume zog sich bei laufendem Museumsbetrieb bis zum Jahr des 750. Stadtjubiläums 1987 hin. Diese Maßnahmen waren jedoch nur unzureichend und konnten den fortschreitenden Verfall des Baus nicht aufhalten.
Notwendigkeit der Generalinstandsetzung
Anfang der 1990er Jahre wurde eine Vielzahl von gravierenden und umfangreichen Schäden, Mängeln und Gefährdungen festgestellt. Die Bausubstanz des inzwischen rund 90 Jahre alten Gebäudes war in einem desolaten Zustand, der dringende und umfassende Sanierungsmaßnahmen erforderte. Diese Erkenntnisse führten 1997/98 dazu, die ursprünglich geplanten Instandsetzungsarbeiten auf eine Generalinstandsetzung auszuweiten, die später inoffiziell als "Kanzlerinstandsetzung" bezeichnet wurde.
Die Notwendigkeit der umfassenden Sanierung ergab sich aus mehreren Faktoren: - Statische Probleme durch korrodierte Stahlträger - Feuchtigkeitsschäden und Hausschwambefall - Unzureichende technische Infrastruktur (Klimatisierung, Sicherheitseinrichtungen) - Barrierefreiheit Mängel - Nicht den modernen musealen Anforderungen entsprechende Ausstellungsräume - Dringende Restaurierungsarbeiten an historischen Bauteilen und Fassaden
Die Entscheidung für eine Generalinstandsetzung war nicht nur aus baulicher Notwendigkeit, sondern auch aus museologischen Gründen getroffen worden, um das Gebäude für die Anforderungen eines modernen Museumsbetriebs zu rüsten.
Umfang der Sanierungsmaßnahmen
Die Generalinstandsetzung des Bode-Museums umfasste ein breites Spektrum an Maßnahmen, die sowohl die Bausubstanz als auch die technische Infrastruktur des Gebäudes betrafen. Insgesamt umfassten die Maßnahmen:
- Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes von 1904 unter strengen denkmalpflegerischen Aspekten
- Modernisierung des gesamten Hauses hinsichtlich Technik und Sicherheit
- Ergänzung eines Treppenhauses zur besseren Erschließung der drei Ausstellungsebenen
- Öffnung der Innenhöfe für den Besucherrundgang mit einem Skulpturenparcours im Freien
- Umgestaltung des Sockelgeschosses mit einer neuen Kindergalerie, zusätzlichen Ausstellungsflächen, Depots und Werkstätten
- Herrichtung eines Anschlussstückes der Archäologischen Promenade zum Pergamonmuseum im Rahmen der Konzeption für den Masterplan Museumsinsel
Besonderes Augenmerk wurde auf die Erhaltung der Originalsubstanz gelegt. Nachträgliche Einbauten wurden beseitigt und ursprüngliche Farbfassungen wiederhergestellt. Gleichzeitig wurde das Gebäude mit modernster Technik ausgestattet, um die wertvollen Kunstwerke optimal zu präsentieren und zu schützen.
Durchführung der Renovierung
Die Generalinstandsetzung des Bode-Museums dauerte fünfeinhalb Jahre und wurde im November 2005 mit einer symbolischen Schlüsselübergabe abgeschlossen. Die eigentliche Wiedereröffnung für Besucher fand erst im Oktober 2006 statt, nachdem die Ausstellungen der Skulpturensammlung, des Museums für Byzantinische Kunst und des Münzkabinetts eingerichtet waren.
Während der Bauzeit wurde der Museumsbetrieb so weit wie möglich aufrechterhalten, was besondere logistische Herausforderungen mit sich brachte. Die Arbeiten wurden in mehreren Phasen durchgeführt, um den Betrieb nicht vollständig zum Erliegen zu bringen. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Restaurierung historischer Elemente, darunter Böden, Decken und einzelne Möbelstücke, die vielen der Ausstellungsräume bereichern.
Die Herausforderungen bei der Sanierung waren erheblich: Einerseits galt es, die strengen Auflagen des Denkmalschutzes zu beachten, andererseits mussten moderne technische Anforderungen umgesetzt werden. Die Balance zwischen Erhalt der historischen Substanz und Einführung zeitgemäßer Technik war eine der zentralen Herausforderungen des Projekts.
Kosten und Finanzierung
Die Generalinstandsetzung des Bode-Museums kostete 152 Millionen Euro und wurde vollständig aus Mitteln des Bundeshaushalts finanziert. Diese erhebliche Summe spiegelt den Umfang und die Komplexität der Sanierungsmaßnahmen wider, die bei einem denkmalgeschützten Gebäude dieser Größenordnung und historischen Bedeutung notwendig waren.
Die Finanzierung durch den Bund unterstreicht die nationale Bedeutung des Museums als Teil des UNESCO-Welterbes. Die Investition in die Sanierung des Gebäudes war auch eine Investition in die Erhaltung deutschen Kulturerbes und die Stärkung Berlins als Kulturmetropole. Die Kosten verteilten sich auf verschiedene Bereiche der Sanierung, wobei die statischen Sicherungsarbeiten und die Restaurierung der Fassaden einen erheblichen Teil ausmachten.
Ergebnisse und neue Gestaltungskonzepte
Nach Abschluss der Sanierungen präsentierte sich das Bode-Museum in neuem Glanz. Die technische Infrastruktur wurde modernisiert: Fotoatelier und Restaurierungswerkstätten wurden zeitgemäß ausgestattet, korrodierte Teile der Stahlträgerkonstruktion ausgetauscht, behindertengerechte Zugänge angelegt, Hausschwamm wurde beseitigt, der Brandschutz modernisiert und eine Klimaanlage eingebaut.
Besonders im Bereich der Ausstellungsgestaltung wurden neue Konzepte umgesetzt. Wände und Sockel sind meist weiß oder hellgrau gestrichen, die Kunstobjekte locker, mit teilweise besonderen Sichtbezügen angeordnet. Skulpturen stehen nicht selten frei im Raum, die Anmutung ist offen und lebendig. Dabei wird aber Bodes ursprüngliches Konzept der komplexen Stilräume erkennbar zitiert: Historische Ausstattungsdetails – Böden, Decken, einzelne Möbelstücke – bereichern viele der Ausstellungsräume; hinzu kommen 150 ausgesuchte Tafelbilder aus der Gemäldegalerie, die in Motiv oder Darstellungsweise (oder beidem) anregende Ergänzungen zu den Exponaten liefern.
Vier der fünf Höfe sind für einen Besucherrundgang mit Skulpturenausstellungen im Freien erschlossen. Entsprechend dem Masterplan Museumsinsel wurde eine Verbindung zum Pergamonmuseum hergerichtet, was die Einheitlichkeit des Museumsinsel-Ensembles stärkt.
Aktuelle Nutzung und Besucherzahlen
Das Bode-Museum hat Geschossflächen von insgesamt 25.000 m²; die Hauptnutzfläche beträgt 11.000 m² für die 66 Ausstellungsräume. Eine Studiensammlung mit italienischen Bildwerken verschiedener Schulen, eine Kindergalerie, ein Museumsshop und eine Cafeteria in der Eingangshalle ergänzen die Angebote an die Besucher.
Die Skulpturensammlung präsentiert eine der umfangreichsten Sammlungen älterer Plastik in Deutschland. Ebenso wie die Bestände des Museums für Byzantinische Kunst war sie seit dem Zweiten Weltkrieg getrennt in verschiedenen Häusern in Ost und West untergebracht und wird seit 2006 erstmals wieder an ihrem ursprünglichen Standort im Bode-Museum ausgestellt. Ein besonders sinnfälliges Beispiel für diese Zusammenführung ist die Triumphkreuzgruppe aus der Moritzkirche in Naumburg, im Untergeschoss des Museums zu sehen. Die beiden Eichenholzfiguren von etwa 1220 hatten die letzten Jahrzehnte an verschiedenen Orten verbracht, die Maria in Berlin-Dahlem, der Christus auf der Museumsinsel.
Im Jahr 2019 verzeichnete das Bode-Museum rund 260.000 Besucher. In den Sommermonaten der Jahre 2007–2015 fanden vor dem Eingangsportal regelmäßig Open-Air-Sonntagskonzerte statt, die zusätzliche Besucher anzogen.
Zukunftsplanungen und Erweiterungsbau
Bereits bei der Wiedereröffnung wurde klar, dass die Ausstellungsräume des Bode-Museums langfristig nicht für alle Sammlungsteile ausreichen. Insbesondere planen die Staatlichen Museen zu Berlin unter ihrem Generaldirektor Michael Eissenhauer und dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, die bisher im Kulturforum vorhandene Gemäldegalerie komplett hierher zu verlagern und mit den Beständen der Skulpturensammlung wieder in einem Gebäude zu vereinen.
Dazu ist ein Erweiterungsbau notwendig, der mit dem Bode-Museum funktional und inhaltlich verbunden ist und dieses komplementär ergänzt. Für diesen Neubau ist die Fläche westlich des Kupfergrabens vorgesehen. 2009 erarbeiteten zehn Studenten der Fachhochschule Potsdam, Fachbereich Architektur, unter den Professoren Theo Brenner und Dominik Krohm Entwürfe für einen Neubau. Für deren Realisierung müssten die Kasernengebäude aus den 1960er Jahren abgerissen werden, in denen das Wachregiment Friedrich Engels stationiert war. Die visionären Entwürfe waren zwischen April und September 2010 direkt im Foyer des Museums ausgestellt.
Obwohl weder Termine noch Finanzierungsmöglichkeiten feststehen, verkündete der Stiftungspräsident optimistisch: "Ich bin sicher, dass es gelingen wird, die Politik und die Öffentlichkeit zu überzeugen."
Restaurierung von Kunstwerken
Erst in den 2010er Jahren, als die bauliche Renovierung des Bode-Museums und die Umgestaltung der Ausstellungen abgeschlossen waren, fanden sich auch Geldgeber für die Wiederherstellung wertvoller Sammlungsstücke. Ein bedeutender Mäzen ist die Siemens-Stiftung. Die Restaurierungswerkstatt des Museums befasst sich nun wissenschaftlich mit der Rekonstruktion von 59 ausgewählten Werken. Ein eindrucksvolles Beispiel ist die Skulptur "Marmorner Schildträger" von Tullio Lombardo (um 1495 geschaffen). Im April 2018 fand eine kleine Ausstellung zu der Initiative "Kunst auf Lager" statt. 2016 wurden im Moskauer Puschkin-Museum 59 Statuen aus dem Bode-Museum wiedergefunden.
Fazit
Die Generalinstandsetzung des Bode-Museums stellt ein herausragendes Beispiel für die erfolgreiche Verbindung von Denkmalschutz und moderner Museumspraxis dar. Das Projekt zeigt, dass bei sorgfältiger Planung und Durchführung auch historisch bedeutsame Bauten den Anforderungen der Gegenwart angepasst werden können, ohne ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren. Die Sanierung, die von 1997 bis 2006 dauerte, hat das Gebäude nicht nur baulich gesichert, sondern auch zu einem modernen Museum gemacht, das internationale Standards erfüllt.
Die Investition von 152 Millionen Euro hat sich gelohnt: Das Museum ist heute ein attraktives Ausflugsziel für Berliner und Touristen gleichermaßen und präsentiert seine bedeutenden Sammlungen unter optimalen Bedingungen. Die Verbindung historischer Architektur mit moderner musealer Präsentation schafft eine einzigartige Atmosphäre, die Besucher weltweit anzieht.
Die Zukunft des Bode-Museums ist jedoch noch nicht abgeschlossen: geplante Erweiterungsbauten und die Zusammenführung weiterer Sammlungen werden weitere Herausforderungen und Chancen mit sich bringen. Die bisherige Sanierung bildet jedoch eine solide Grundlage für diese zukünftigen Entwicklungen und sichert den Fortbestand dieses kulturhistorisch bedeutsamen Ortes für kommende Generationen.
Quellen
- Bundesbauamt - Bode-Museum Projekinformation
- [Wikipedia - Bode-M