Einleitung
Die Dominikanerkirche in Münster stellt ein bemerkenswertes Beispiel für die gelungene Verbindung von historischer Bausubstanz und moderner Nutzung dar. Mit einer Geschichte, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht, hat das Gebäude zahlreiche Nutzungsänderungen und Zerstörungen überdauert. Nachdem sie lange Zeit als Kirche diente, wurde sie 2017 profaniert und in einen Kunstraum mit der Installation "Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel" des Künstlers Gerhard Richter umgewandelt. Um diese einzigartige Kombination aus historischer Architektur und zeitgenössischer Kunst zu bewahren und gleichzeitig die Räumlichkeiten für moderne kulturelle Veranstaltungen nutzbar zu machen, wurde ab 2019 eine umfassende Sanierung durchgeführt. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte des Gebäudes, die Details der Sanierungsmaßnahmen und die Transformation der Kirche zu einem vielseitigen Kulturraum in Münster.
Historische Entwicklung der Dominikanerkirche
Die Geschichte der Dominikanerkirche in Münster ist geprägt von Wandel, Zerstörung und Wiederaufbau. Ihre Ursprünge gehen auf das 13. Jahrhundert zurück, als sie als Klosterkirche der Dominikaner gegründet wurde. Der Bau begann 1265 und wurde erst Ende des 14. Jahrhunderts abgeschlossen. Für mehr als drei Jahrhunderte diente der Ort als Zentrum geistigen Wachstums und Bildung.
Mit der Säkularisation im Jahr 1811 wurde das Dominikanerkloster aufgehoben, und die Klosteranlage ging in staatlichen (preußischen) Besitz über. Die Kirche wurde ab 1826 für militärische Zwecke genutzt. Im Jahr 1880 erwarb die Stadt Münster die Kirche und nutzte sie ab 1889 als Schulkirche für das städtische Realgymnasium, das heutige Ratsgymnasium.
Während des Zweiten Weltkriegs erlitt die Dominikanerkirche schwere Schäden durch Luftangriffe, ähnlich wie viele andere historische Gebäude in Europa. Dank der Restaurierungsbemühungen nach dem Krieg überlebte das Gebäude größtenteils, und das, was wir heute sehen, ist größtenteils auf diese Wiederherstellungsarbeiten zurückzuführen, die mit großem Detailreichtum durchgeführt wurden.
Der Wiederaufbau der Kirche zog sich bis ins Jahr 1974 hin. Auf dem ehemaligen Klostergelände errichtete das Land Nordrhein-Westfalen im Jahr 1959 das Behördenhaus am Alten Steinweg, das ursprünglich an den Sandsteingiebel des Klosters anschließen sollte. Da jedoch der geplante Straßendurchbruch nicht durchgeführt wurde, blieb der Klostergiebel nur als Ruine erhalten. Mit der Wiedererrichtung der Kuppel konnte erst 1961 begonnen werden.
Später wurde die Kirche von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität verwaltet und maßgeblich von der katholischen Universitätsgemeinde genutzt, die dort ihre sonntäglichen Gottesdienste feierte. Am 12. November 2017 wurde die Kirche durch Weihbischof Stefan Zekorn profaniert, und die Universitätsgemeinde feiert ihre Gottesdienste seither in der St.-Ludgeri-Kirche.
Die Umwandlung in einen Kunstraum
Nach der Profanierung 2017 begann eine neue Ära für die Dominikanerkirche. Die Stadt Münster beschloss, den profanierten Kirchenraum für kulturelle Zwecke zu nutzen und richtete die Installation "Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel" des Künstlers Gerhard Richter ein. Diese Arbeit, die der Künstler der Stadt schenkte, steht seit Juni 2018 im Mittelpunkt der Kirche und zählt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Münster.
Die Installation besteht aus vier großen grauen Spiegeln und einem Pendel, das an der Decke befestigt ist. Das Kunstwerk ist täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet und frei zugänglich. Seit der Übergabe des Kunstwerks im Juni 2018 wurden bereits 375.000 Gäste gezählt, was die große Anziehungskraft der Installation zeigt.
Die Entscheidung, die Kirche als Kunstraum zu nutzen, stellt eine gelungene Verbindung zwischen historischer Architektur und zeitgenössischer Kunst dar. Die raumbildende Wirkung der barocken Architektur schafft einen einzigartigen Rahmen für die Installation von Gerhard Richter und ermöglicht den Besuchern eine besondere ästhetische Erfahrung.
Die Sanierung 2019-2021
Um die Dominikanerkirche dauerhaft als Kulturraum nutzen zu können, wurde ab 2019 eine umfassende Sanierung durchgeführt. Das Projekt wurde vom Amt für Immobilienmanagement der Stadt Münster betreut und zielte darauf ab, das historische Baudenkmal mit einer zeitgemäßen technischen Infrastruktur auszustatten, ohne seinen baulichen Charakter zu beeinträchtigen.
Ausgangslage und Ziele
Die Sanierung basierte auf dem Prinzip der behutsamen Ergänzung und der optischen Wahrung des vorgefundenen baulichen Zustands. Die Schichten der Vergangenheit bis hin zum Wiederaufbau der Nachkriegszeit wurden erhalten und behutsam ergänzt. Gleichzeitig wurde die Kirche technisch massiv ertüchtigt, um sie als Kunst- und Veranstaltungsraum nutzbar zu machen.
Die Kosten der Sanierung betrugen insgesamt 3,7 Millionen Euro, wobei fast die Hälfte aus Zuschüssen kam. Die Arbeiten dauerten etwa zwei Jahre und wurden Ende 2021 abgeschlossen.
Technische Modernisierungen
Im Zuge der Sanierung wurden zahlreiche technische Modernisierungen durchgeführt, die den Raum für die moderne Nutzung als Kulturraum fit machen:
Heizungstechnik: Es wurde eine Fußbodenheizung eingebaut, die für eine gleichmäßige Wärme sorgt und die Raumnutzung flexibler gestaltet. Die Installation erfolgte mit größter Sorgfalt, besonders an sensiblen Stellen wie der zentrierten Platte mit dem Antrieb für das Foucaultsche Pendel.
Barrierefreiheit: Ein barrierefreier Zugang wurde über einen Fahrstuhl im Turminneren geschaffen, was den Besucherkreis deutlich erweitert und die Zugänglichkeit des Kulturraums verbessert.
Sanitärbereiche: Es wurden Sanitärbereiche ergänzt, die für die Nutzung als Veranstaltungsraum unverzichtbar sind. Gleichzeitig wurde ein Windfang mit minimalistischen Eingriffen hinzugefügt, der den Eingangsbereich funktional gestaltet.
Akustik: In Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen wurden neuartige Akustikelemente entwickelt, die die Raumakustik für Konzerte und Vorträge optimieren. Diese speziell auf die Gegebenheiten der Kirche zugeschnittenen Maßnahmen sind ein Beispiel für die gelungene Verbindung von Wissenschaft und praktischer Anwendung im Bauwesen.
Beleuchtung: Ein wandelbares Lichtkonzept wurde im Hallenraum integriert, das verschiedene Veranstaltungsformen ermöglicht und die Präsentation des Kunstwerks von Gerhard Richter optimal unterstützt.
Denkmalschutz und Restaurierung
Die Sanierung wurde in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde durchgeführt, um den historischen Charakter des Gebäudes zu bewahren. Besonderes Augenmerk wurde auf die denkmalgerechte Sanierung des barocken Altars im Chor der Dominikanerkirche gelegt. Dieser wurde im Rahmen der Baumaßnahme restauriert und hinter einer Glasfront thermisch vom Kirchenraum getrennt, um ihn zu schützen und gleichzeitig sichtbar zu lassen.
Die Außensanierung umfasste die Sanierung der Fenster und das Streichen der Wände. Dabei wurde darauf geachtet, die historische Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig die Wetterbeständigkeit des Gebäudes zu verbessern.
Besondere Herausforderungen bei der Sanierung
Die Sanierung eines historischen Baudenkmals wie der Dominikanerkirche stellte besondere Herausforderungen an die Planung und Ausführung:
Arbeiten in Höhe: Damit die Bauarbeiter in teils luftiger Höhe arbeiten konnten, wurde ein spezieller kleiner Kran auf einem Raupenfahrzeug eingesetzt. Diese Lösung ermöglichte präzises Arbeiten an der historischen Bausubstanz ohne größere Eingriffe in die Struktur des Gebäudes.
Millimetergenaue Arbeiten: Besondere Anforderungen stellte die Verlegung der Bodenfliesen aus hellem Naturstein "Jura". Handwerker verlegten diese mit größter Präzision, besonders dort, wo die Fliesen die zentrierte Platte mit dem Antrieb für das Foucaultsche Pendel umschließen. Diese millimetergenaue Arbeit war erforderlich, um die Funktion der Installation nicht zu beeinträchtigen.
Balance zwischen Denkmalschutz und Modernisierung: Eine der größten Herausforderungen war die Balance zwischen dem Erhalt der historischen Bausubstanz und der Ertüchtigung für moderne Nutzungen. Durch enge Abstimmung mit der Denkmalbehörde und sorgfältige Planung gelang es, diese Balance zu finden und die Kirche als lebendiges Kulturdenkmal zu erhalten.
Zeitlicher Ablauf der Sanierung
Die Sanierung wurde schrittweise durchgeführt, um Unterbrechungen so gering wie möglich zu halten:
Vorbereitungsphase (2018-2019): Planung der Maßnahmen in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde und Vorbereitung der Baustelle.
Außensanierung (2019-2020): Sanierung der Fassade, Fenster und Dächer. Gleichzeitig begannen die Arbeiten am neuen Anbau für Garderoben und Toiletten.
Zwischenlagerung des Kunstwerks (Anfang 2021): Die Installation von Gerhard Richter wurde abgebaut und zwischengelagert, um die Arbeiten im Innenraum durchführen zu können. Bis zum 8. Januar 2021 waren die Pendel-Installation mit seinen vier großen grauen Spiegel komplett demontiert.
Innensanierung (2021): Installation der technischen Anlagen (Heizung, Beleuchtung, Akustik), Sanierung der Innenräume und Verlegung der Natursteinböden. Die Arbeiten im Innenraum schlossen nahtlos an die Außensanierung an.
Fertigstellung und Wiedereröffnung (Ende 2021): Nach Abschluss aller Arbeiten wurde die Dominikanerkirche wiedereröffnet und ist seitdem für Besucher frei zugänglich.
Der neue Kulturraum
Seit der Sanierung dient die Dominikanerkirche als multifunktionaler Kulturraum, der die historische Atmosphäre des Gebäudes mit moderner Infrastruktur verbindet. Die profanierte Kirche ist wieder Ausstellungsort für das Kunstwerk von Gerhard Richter und zugleich ein optimierter und vielseitig nutzbarer Veranstaltungsraum in Münster für Konzerte und Vorträge.
Die Gerhard-Richter-Installation
Das Herzstück des Kulturraums ist die Installation "Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel" von Gerhard Richter. Diese Arbeit, die der Künstler der Stadt schenkte, besteht aus vier großen grauen Spiegeln, die eine kreuzförmige Anordnung bilden, und einem Pendel, das an der Decke befestigt ist. Die Spiegel reflektieren den Raum und das Pendel auf eine Weise, die die Besucher fasziniert und zum Verweilen einlädt.
Die Installation ist täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet und frei zugänglich. Seit ihrer Installation im Juni 2018 haben bereits 375.000 Besucher die Kirche besucht, was ihre große Popularität unterstreicht.
Veranstaltungen im Kulturraum
Die technische Ausstattung der Kirche ermöglicht eine vielfältige Nutzung für kulturelle Veranstaltungen:
Konzerte: Die verbesserte Akustik macht die Kirche zu einem idealen Ort für Konzerte, insbesondere für Kammermusik und Chorkonzerte.
Vorträge und Lesungen: Die variable Beleuchtung und die gute Akustik eignen sich auch für Vorträge und Lesungen.
Kunstausstellungen: Neben der ständigen Präsentation der Gerhard-Richter-Installation können temporäre Kunstausstellungen stattfinden.
Veranstaltungen mit Publikum: Die Einrichtung von Sanitärbereichen und der barrierefreie Zugang ermöglichen Veranstaltungen mit größeren Publikumszahlen.
Architektonische Besonderheiten
Die Dominikanerkirche beeindruckt durch ihre barocke Architektur, die trotz der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg weitgehend erhalten werden konnte. Die Kuppel, die erst 1961 wiedererrichtet wurde, und der Sandsteingiebel des ehemaligen Klosters sind besondere architektonische Merkmale, die den Charakter des Gebäudes prägen.
Die Sanierung hat darauf geachtet, diese architektonischen Besonderheiten zu erhalten und gleichzeitig die Funktionalität für die moderne Nutzung zu verbessern. Die Kombination von historischer Bausubstanz und moderner Technik schafft eine einzigartige Atmosphäre, die den Besuchern ein besonderes Erlebnis bietet.
Fazit
Die Sanierung der Dominikanerkirche in Münster stellt ein gelungenes Beispiel für die Verbindung von Denkmalschutz und moderner Nutzung dar. Durch behutsame Ergänzungen und sorgfältige Restaurierung wurde das historische Gebäude erhalten und gleichzeitig für die Anforderungen eines modernen Kulturraums ertüchtigt.
Die technischen Modernisierungen wie Fußbodenheizung, barrierefreier Zugang, neue Akustik- und Beleuchtungskonzepte haben die Kirche zu einem vielseitig nutzbaren Veranstaltungsort gemacht, der die historische Atmosphäre bewahrt. Die Verbindung mit der Kunstinstallation von Gerhard Richter schafft einen einzigartigen kulturellen Ort, der sowohl Einheimische als auch Touristen anzieht.
Mit Gesamtkosten von 3,7 Millionen Euro, von denen fast die Hälfte aus Zuschüssen kamen, stellt die Sanierung eine sinnvolle Investition in die kulturelle Infrastruktur Münsters dar. Die Dominikanerkirche ist heute nicht nur ein historisches Denkmal, sondern auch ein lebendiger Kulturraum, der die Geschichte der Stadt mit ihrer Gegenwart verbindet.
Quellen
- Fritzen-MüllerGiebeler - Dominikanerkirche Münster
- Westfalen-Spiegel - Dominikanerkirche Umbau zum Kulturraum
- Antenne Münster - Innenraum der Dominikanerkirche wird saniert
- Explorial - Dominikanerkirche Münster
- Wikipedia - Dominikanerkirche (Münster)
- Kleinanzeigen Münster - Sanierung Dominikanerkirche