Einleitung
Die Dominikanerkirche St. Blasius im Herzen der Regensburger Altstadt stellt eines der bedeutendsten architektonischen Meisterwerke der Frühgotik in Deutschland dar. Nach siebenjähriger aufwändiger Sanierungsarbeit wurde das Gotteshaus im April 2024 wiedereröffnet. Dieser Artikel beleuchtet die umfassende Instandsetzung des staatseigenen Gebäudekomplexes, die enge Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege sowie die Herausforderungen bei der Restaurierung dieses architektonischen Juwels. Die Baukosten beliefen sich auf insgesamt 9,7 Millionen Euro und umfassten Maßnahmen an Dach, Gewölben, Fassade sowie die Ertüchtigung der Raumschale. Gleichzeitig wird das Dominikanische Zentrum als wichtiger räumlicher Anknüpfungpunkt dominikanisch geprägter Dienste vorgestellt, das seit 2001 als Predigtstützpunkt fungiert.
Historische Bedeutung und architektonische Besonderheiten
Die Dominikanerkirche St. Blasius gehört seit ihrem Baubeginn im Jahr 1246 zu den größten und bedeutendsten Kirchen des Ordens der Dominikaner in Deutschland. Ihr Bauwerk stellt ein Hauptwerk der Frühgotik in Süddeutschland dar und entstand über eine mehr als hundertjährige Bauzeit beginnend 1229 als Kirche des 1215 gegründeten Dominikanerordens. Die Kirche diente bis zur Aufhebung des Klosters im Zuge der Säkularisation als Klosterkirche, unterbrochen nur für einige Jahrzehnte als Folge der Reformation im 16. Jahrhundert.
Architektonisch handelt es sich bei der Kirche um eine dreischiffige, kreuzrippengewölbte Basilika ohne Querhaus mit einem Dreiapsidenabschluss. Im Grundriss besteht eine deutliche Zweiteilung zwischen Chor und Hauptschiff. Besonders bemerkenswert ist der hohe, elegante Innenraum mit seinen schmalen Proportionen, der ohne Strebewerk auskommt. Die Kirche zählt zu den Hauptwerken der Frühgotik in Deutschland und ist eine der größten Kirchen der Dominikaner. Sie ist zweimal so hoch, wie es die damaligen Gebräuche des Ordens für den Bau von Bettelordenskirchen vorschrieben.
Die Gebäude von Kirche und Kloster befinden sich im Zentrum der westlichen Altstadt von Regensburg und liegen auf einem großen Areal, das durch die von Nord nach Süd verlaufende Gasse Am Ölberg von der Dreieinigkeitskirche getrennt wird. Der Eingang in die Dominikanerkirche befindet sich am vorgelagerten Albertus-Magnus-Platz, der in den westlich anschließenden Bismarckplatz übergeht. Im Süden grenzen die ehemaligen Klostergebäude an den Ägidienplatz.
Die dominikanische Präsenz in Regensburg
Seit 1998 finden in Regensburg dominikanisch geprägte Angebote statt. Räumlicher Anknüpfungpunkt dieser Dienste ist seit 2001 das Dominikanische Zentrum Regensburg. Dabei handelt es sich um einen "Predigtstützpunkt", der es ermöglicht, in Regensburg dominikanisch tätig zu werden, ohne dass eine feste Niederlassung besteht.
Die aktuelle dominikanische Aufgabe ist mit dem "Ostkircheninstitut der Diözese Regensburg" verbunden. Zu dessen Direktor wurde 2016 P. Dr. habil. Dietmar Schon OP ernannt. Wesentliche Aufgabe des Instituts ist Forschung, Lehre und Publikationen im ostkirchenkundlichen und ökumenischen Fachbereich. Das Dominikanische Zentrum ist unter der Adresse Am Ölberg 5, 93047 Regensburg zu finden und telefonisch unter +49 (0)941 5998698 erreichbar.
Die Notwendigkeit der Sanierung
Im Laufe der Jahrhunderte führte der übergroße Bau der Kirche zu großen statischen Problemen, die man seit Beginn des 20. Jahrhunderts zu beheben versuchte. Die typische Bettelordenskirche gilt als ein Hauptwerk der Frühgotik in Süddeutschland, doch ihre beeindruckende Größe stellte gleichzeitig eine Herausforderung für die Statik dar. Die Außenwände hatten sich bedrohlich geneigt, und der gesamte Bau wies erhebliche Mängel auf.
Im Vorfeld der Instandsetzungsmaßnahme (2005-2010) fand eine umfangreiche Bauforschungs- sowie Konzeptionsphase statt. Dabei stellte man fest, dass in den vergangenen Jahrhunderten wiederholt gravierende statisch-konstruktive Mängel aufgetreten waren. Besonders im Bereich des Dachstuhls hatten Verformungen mit Auswirkung auf die Obergadenwände stattgefunden.
Da die Verbesserung der Statik jahrelang nicht gelang, blieb die Dominikanerkirche für mehrere Jahre geschlossen und wurde erst im Februar 2024 wieder zugänglich. Die dringende Notwendigkeit einer umfassenden Sanierung war unübersehbar geworden, um dieses bedeutende Kulturerbe für die Nachahren zu erhalten.
Der Umfang der Sanierungsmaßnahmen
Die Instandsetzung der im Eigentum des Freistaats befindlichen Dominikanerkirche Regensburg wurde ab April 2017 sieben Jahre in enger Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, unter Beteiligung einer Vielzahl von Fachplanern, als große Baumaßnahme durchgeführt. Sie umfasste mehrere Bereiche:
Dach- und Gewölbesanierung
Ein zentraler Bestandteil der Sanierung war die umfassende Restaurierung des Dachstuhls. Hierbei wurden gravierende statische Probleme behoben, die sich über Jahrhunderte entwickelt hatten. Die Sanierung der Gewölbe stellte eine besondere Herausforderung dar, da sie eine präzise Arbeit erforderte, um die strukturelle Integrität des Bauwerks wiederherzustellen und gleichzeitig die historische Substanz zu erhalten.
Fassadensanierung
Die Außenwände der Kirche, die sich bedrohlich geneigt hatten, wurden saniert und gesichert. Dies erforderte eine fachkundige Herangehensweise, um die statische Stabilität wiederherzustellen, ohne das historische Erscheinungsbild zu beeinträchtigen.
Ertüchtigung der Raumschale
Im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung zur Sanierung der Kirche wurden auch die Raumschale, das Chor- und Laiengestühl sowie die Nebenräume mit Sakristei und Albertus-Magnus-Kapelle restauriert. Diese umfassende Maßnahme stellte sicher, dass nicht nur die statische Substanz, sondern auch die kunsthistorische Bedeutung des Gebäews erhalten blieb.
Herausforderungen bei der Sanierung
Die Sanierung der Dominikanerkirche St. Blasius stellte die beteiligten Fachplaner und Handwerker vor zahlreiche Herausforderungen. Die Tatsache, dass es sich um ein denkmalgeschütztes Bauwerk handelt, erforderte eine besondere Sensibilität bei allen Maßnahmen. Jeder Eingriff in die Bausubstanz musste sorgfältig geplant und ausgeführt werden, um die historische Bedeutung des Gebäudes zu wahren.
Besonders anspruchsvoll war die Arbeit an den statischen Problemen des Dachstuhls und der geneigten Außenwände. Hier mussten moderne statische Lösungen mit den historischen Gegebenheiten des mittelalterlichen Bauwerks in Einklang gebracht werden. Die Beteiligung zahlreicher Fachplaner war notwendig, um diese komplexen Herausforderungen zu meistern.
Ein weiteres besonderes Detail der Sanierung war die Restaurierung des Turmkreuzes. Hierbei wurde eine "Zeitkapsel" mit Relikten aus der damaligen Bauzeit entdeckt. Das Staatliche Bauamt Regensis hat ebenfalls eine Zeitkapsel mit Details der aktuellen Sanierung für die Nachwelt ergänzt, um eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft des Bauwerks zu schlagen.
Projektbeteiligte und Durchführung
Die Instandsetzung der Dominikanerkirche wurde vom Staatlichen Bauamt Regensburg geleitet, das eng mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege zusammenarbeitete. Für die Planung waren das Ingenieurbüro Drexler & Baumruck aus Straubing verantwortlich. Karl Stock, Leiter des Staatlichen Bauamtes Regensburg, und der Projektleiter und Architekt Erhard Winkelmann koordinierten die umfangreichen Arbeiten.
Die Sanierung wurde als eine der größten Baumaßnahmen in Regensburg in den letzten Jahren realisiert und erforderte eine präzise Planung sowie eine sorgfältige Ausführung. Die enge Abstimmung zwischen allen Beteiligten war entscheidend für den Erfolg des Projekts.
Die Wiedereröffnung
Am 11. April 2024 wurde die Kirche im Rahmen eines Tages der offenen Tür wiedereröffnet. Nach sieben Jahren intensiver Sanierungsarbeit konnte das Gotteshaus wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Wiedereröffnung markierte den Abschluss der Hauptarbeiten, wobei einige Restarbeiten noch durchgeführt werden mussten.
Die Kirche feiert in den kommenden Jahren ihren 800. Geburtstag, und die nun abgeschlossene Sanierung stellt sicher, dass dieses bedeutende Bauwerk auch für zukünftige Generationen erhalten bleibt. Die Kirche ist seit Ende April 2024 wieder für Führungen zugänglich und weckt das Interesse von Einheimischen und Touristen gleichermaßen.
Bedeutung für die Region
Die Dominikanerkirche St. Blasius ist nicht nur ein bedeutendes architektonisches Denkmal, sondern auch ein wichtiger kultureller und religiöser Mittelpunkt in Regensburg. Die Kirche gilt als ein Hauptwerk der Frühgotik in Süddeutschland und ist eng mit der Geschichte der Stadt verbunden. Sie ist zweimal so hoch, wie es die damaligen Gebräuche des Ordens für den Bau von Bettelordenskirchen vorschrieben, was ihre besondere Bedeutung unterstreicht.
Für das Regensburger Patriziat fühlte sich stets eine besondere Zuneigung zum Predigerorden der Dominikaner, weshalb sich in der Kirche zahlreiche Grablegen reicher Bürger und Adeliger finden. Auch heute noch ist die Kirche ein Ort der spirituellen Begegnung und kulturellen Identität.
Fazit
Die Sanierung der Dominikanerkirche St. Blasius in Regensburg stellt ein herausragendes Beispiel für den Umgang mit denkmalgeschützter Bausubstanz dar. Das siebenjährige Projekt, das im April 2024 abgeschlossen wurde, beweist, dass es möglich ist, historische Bauwerke unter Berücksichtigung moderner Anforderungen zu erhalten. Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Staatlichen Bauamt Regensburg, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und zahlreichen Fachplanern war entscheidend für den Erfolg der Maßnahme.
Mit Gesamtkosten von 9,7 Millionen Euro wurde ein bedeutendes Kulturerbe für die Zukunft gesichert. Die Kirche, die nun wieder für Besucher zugänglich ist, wird als Meisterwerk der mittelalterlichen Architektur weiterhin ihre Wirkung auf Besucher aus aller Welt entfalten. Gleichzeitig bildet das Dominikanische Zentrum als Predigtstützpunkt einen wichtigen geistlichen und kulturellen Ankerpunkt in Regensburg.
Die Sanierung zeigt exemplarisch auf, wie wertvolle Baudenkmäler für zukünftige Generationen bewahrt werden können, ohne ihre historische Substanz und ihren künstlerischen Wert zu verlieren. Die Entdeckung der "Zeitkapsel" im Turmkreuz sowie die Hinzufügung einer neuen Zeitkapsel durch das Staatliche Bauamt Regensburg symbolisieren diesen Brückenschlag zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Quellen
- Staatliches Bauamt Regensburg - Dominikanerkirche St. Blasius - Instandsetzung
- Bistum Regensburg - Sanierung von St. Blasius fast abgeschlossen - Videorundgang durch die Dominikanerkirche
- Dominikaner Regensburg
- Dominikanisches Zentrum Regensburg
- Wikipedia - Dominikanerkirche St. Blasius (Regensburg)
- IDOWA - Regensburger Dominikanerkirche St. Blasius fertig renoviert