Einleitung
Die evangelisch-reformierte Dorfkirche in Wüsten steht derzeit im Mittelpatiner einer umfassenden Sanierung, die nicht nur das Gebäude selbst betrifft, sondern auch die über 400-jährige Geschichte der Gemeinde lebendig erhält. Mit Unterstützung des Bundes in Höhe von 230.000 Euro wird das Gotteshaus instand gesetzt, um auch zukünftigen Generationen als kulturelles und spirituelles Zentrum zu dienen. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte des Baudenkmals, die aktuellen Sanierungsmaßnahmen und die besonderen Herausforderungen bei der Erhaltung eines so alten und wertvollen Gotteshauses.
Geschichte der Dorfkirche Wüsten
Die Wüstener Kirche hat eine bewegte Geschichte, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Vor der Reformation gehörten die Höfe um die Wüste zum Pfarrbezirk Schötmar. Der beschwerliche und weite Weg über den Vierenberg, im Volksmund "Bum-Bam-Weg" genannt, weil die Kirchgänger von hier aus die Glocken der Kilianskirche in Schötmar läuten hörten, hielt viele Bewohner vom kirchlichen Gemeindeleben ab. Aus diesem Grund entschloss sich 1618 die kirchliche Behörde mit finanzieller Unterstützung des Grafen Simon VII. zum Bau eines eigenen Gotteshauses für die beiden Bauerschaften Ober- und Unterwüsten.
Noch während des Dreißigjährigen Krieges, im Jahre 1620, begann der Bau der Kirche. Bruchstücke einer kleinen Kirche oder Kapelle zu Bexten bildeten dabei den Grundstock. Am 17. Mai 1621 konnte bereits der erste provisorische Gottesdienst in der neuen Kirche gehalten werden. Ab 1623 erfolgte auch die Verwahrung der Sakramente. Der Friedhof wurde 1625 eingerichtet. Erst am 15. Januar 1628 erhielt die Wüstener Kirche ihre volle Selbständigkeit. Aufgrund der Kriegswirren zogen sich die abschließenden Bauarbeiten jedoch über mehr als zwanzig Jahre hin.
Nach der Fertigstellung blieb die Kirche, wie es die reformierte Tradition vorschrieb, namenlos. 1751 wird erstmals ein Turm bei der Kirche erwähnt, in dem eine 374 Pfund schwere, 1671 gegossene Glocke hing. Im Laufe der Zeit wurde die Kirche mehrmals erweitert, insbesondere in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Die Kirche ist im Kreis Lippe einmalig durch ihre betont schlichte Gestaltung. Sie folgt dem sogenannten Eisenacher Modell, bei dem Altar, Kanzel und Orgel sich in einer Fluchtlinie befinden. Diese Anordnung ist charakteristisch für reformierte Kirchen und unterstreicht die Predigtfunktion des Gotteshauses.
Im Mai 1971 wurde das auf einer roten Sandsteinplatte eingehauene Wappen des Grafen Simon VII. wiedergefunden und nach 130 Jahren, passend zur 350-Jahr-Feier, wieder an der Kirche angebracht. Es weist auf den Anfang der Kirche zurück und ist ein wichtiges Zeugnis der Bauzeit.
Die Kirche ist nicht nur ein religiöses, sondern auch ein kulturelles Zentrum der Gemeinde. Die Wüstener Kirchengemeinde hat die Geschichte ihrer Kirche und ihres Umfeldes (den Friedhof, den Krug usw.) durch das Autorenteam Roland Linde und Dr. Heinrich Stiewe erforschen lassen. Das Ergebnis ist ein großartiges Heft aus der Reihe "Lippische Kulturlandschaften", das einen wichtigen Beitrag zur Denkmalpflege leistet.
Aktuelle Sanierungsmaßnahmen
Die evangelisch-reformierte Gemeinde Wüsten hat ihr Gotteshaus anlässlich des 400. Jahrestages der Einweihung im Jahr 2021 umfassend saniert, insbesondere im Inneren. Die Maßnahme wurde stets in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege durchgeführt und konnte pünktlich zum Fest, das trotz der Corona-Pandemie stattfinden konnte, abgeschlossen werden. Das Ergebnis beeindruckt alle, die es seitdem gesehen haben.
Die Sanierung umfasst sowohl Außen- als auch Innenarbeiten. Bei den Außenarbeiten wurden die Natursteinbauteile aus Muschelkalk an den Fenstern ausgebessert, Risse und Abplatzungen repariert und die Fassade gereinigt, die einen neuen Anstrich erhalten hat. Besonders aufwendig ist die Arbeit am Turm: dessen Kuppel war oben undicht, außerdem wurden im Tragwerk einige Balken ausgetauscht. Das Turmkreuz ist derzeit abmontiert und wird mit Blattgold überzogen. Es soll Ende Juli vom Restaurator zurückkommen.
Ein weiteres besonderes Detail ist die Kugel, die sich unter dem Turmkreuz befindet. Sie wird demnächst von einem Flaschner geöffnet, da bei Sanierungen häufig Dokumente und kleine Gegenstände wie Münzen aus der jeweiligen Zeit hineingelegt wurden. Die Gemeinde ist gespannt, ob und was bei dieser Gelegenheit gefunden wird, und auch, was aus der heutigen Zeit hineingelegt werden soll, bevor die Kugel wieder verschlossen wird.
Das Gerüst an Fassade und Turm soll Mitte Juli abgebaut werden. Für die nächsten sechs Monate können die Besucher die Kirche dann gerüstfrei erleben, bevor Anfang 2026 das Gerüst für die Innensanierung aufgebaut wird, die voraussichtlich das gesamte Jahr dauern wird.
Herausforderungen bei der Innensanierung
Ein Hauptthema der Innensanierung wird das sehr feuchte Innenraumklima sein, das auch durch die vielen Kirchenbesucher befördert wird. Die Kirche hat leider wenig Möglichkeiten, die Feuchtigkeit auszulüften. Im Lauf der Zeit kam es daher vereinzelt zu Schimmelbildung an den Malereien und der Orgel. Dies stellt eine besondere Herausforderung für die Sanierung dar, da nicht nur die sichtbaren Schäden beseitigt, sondern auch die Ursachen für die Feuchtigkeitsprobleme behoben werden müssen.
Die Kirche ist im Kreis Lippe einmalig durch ihre betont schlichte Gestaltung. Sie folgt dem sogenannten Eisenacher Modell, bei dem Altar, Kanzel und Orgel sich in einer Fluchtlinie befinden. Diese Anordnung ist charakteristisch für reformierte Kirchen und unterstreicht die Predigtfunktion des Gotteshauses. Bei der Sanierung muss diese besondere Gestaltung bewahrt werden, während gleichzeitig moderne Anforderungen an den Klimaschutz und die Nutzung erfüllt werden.
Frühere Sanierungen
Die Kirche in Wüsten hat im Laufe ihrer Geschichte bereits mehrere Sanierungen erfahren. Nachdem im Jahr 1954 der Kircheninnenraum renoviert wurde, folgten 1968/69 eine Dachsanierung und 1984 die Drainierung der Fundamente. Diese Maßnahmen haben dazu beigetragen, dass das Gebäude bis heute erhalten geblieben ist.
Die aktuelle Sanierung ist jedoch die umfassendste seit der Erbauung. Sie betrifft nicht nur das Äußere des Gebäudes, sondern auch den Innenraum, der in den vergangenen Jahrzehnten unter den Feuchtigkeitsproblemen gelitten hat. Die enge Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege stellt sicher, dass die besonderen historischen und architektonischen Merkmale des Gotteshauses erhalten bleiben.
Bedeutung für die Gemeinde
Die Kirche ist nicht nur ein religiöses, sondern auch ein kulturelles Zentrum der Gemeinde. Sie ist Zeugin über 400 Jahre Geschichte und hat die Entwicklung der Gemeinde maßgeblich geprägt. Die Sanierung ist daher auch ein Akt der Bewahrung des kulturellen Erbes, das an zukünftige Generationen weitergegeben werden soll.
Die Wüstener Kirchengemeinde hat mit der Durchführung der Sanierung und der Erforschung der Kirchengeschichte einen wichtigen Beitrag zur Denkmalpflege geleistet. Dafür wurde ihr im Jahr 2021 die Rudolf-Günther-Medaille verliehen. Die Jury hatte zwei gute Gründe für diese Entscheidung: die gelungene Sanierung des Gotteshauses und die herausragende Publikation zur Kirchengeschichte.
Fazit
Die Sanierung der Dorfkirche Wüsten ist ein herausragendes Beispiel für den sorgsamen Umgang mit historischen Baudenkmälern. Die enge Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde, den Fachleuten der Denkmalpflege und den ausführenden Handwerkern hat dazu beigetragen, dass das über 400 Jahre alte Gotteshaus in neuem Glanz erstrahlt. Die Bewahrung der besonderen architektonischen Merkmale, wie des Eisenacher Modells, steht dabei im Mittelpunkt.
Die Herausforderungen bei der Sanierung, insbesondere die Bekämpfung der Feuchtigkeit im Innenraum, zeigen, wie wichtig es ist, bei der Erhaltung historischer Gebäude nicht nur das Äußere, sondern auch die inneren Gegebenheiten zu berücksichtigen. Die Kirche in Wüsten wird auch nach der Sanierung ihr einzigartiges Gepräge behalten und als lebendiges Gotteshaus und kulturelles Zentrum der Gemeinde weiterbestehen.
Die finanzielle Unterstützung des Bundes in Höhe von 230.000 Euro unterstreicht die Bedeutung dieses Projekts nicht nur für die lokale Gemeinde, sondern auch für die gesamte Region. Die Kirche in Wüsten ist ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes des Kreises Lippe und wird auch zukünftige Generationen beeindrucken und inspirieren.