Einleitung
Die Burgkirche in Dreieichenhain steht vor einer umfassenden Renovierung, die erste seit 1975. Dieses fast drei Jahrhunderte alte Gotteshaus soll nicht nur instand gesetzt, sondern behutsam in seinen ursprünglichen Zustand aus dem 18. Jahrhundert zurückversetzt werden. Gleichzeitig werden moderne Anforderungen wie Barrierefreiheit und zeitgemäße technische Ausstattung umgesetzt. Das Projekt, das vom Architekten-Duo Benjamin und Jochem Jourdan geplant wird, stellt eine besondere Herausforderung dar, da es den sensiblen Umgang mit einem historischen Baudenkmal erfordert. Dieser Artikel beleuchtet die geplanten Maßnahmen, die Herausforderungen bei der Umsetzung und die Bedeutung dieser Renovierung für die Gemeinde und die Erhaltung des kulturellen Erbes.
Historische Bedeutung der Burgkirche
Die Burgkirche in Dreieichenhain ist ein bedeutendes historisches Bauwerk, das seit fast 300 Jahren das Stadtbild prägt. Die Kirche ist nicht nur ein religiöser Ort, sondern auch ein Zeugnis der lokalen Geschichte und ein kulturelles Zentrum für die Gemeinschaft. Viele Einwohner Dreieichenhains haben persönliche Verbindungen zu diesem Gotteshaus, wie die Familie Jourdan, deren Vater Jochem dort konfirmiert wurde. Diese emotionale Bindung macht die Renovierung zu einem besonderen Anliegen für die gesamte Gemeinde.
Die Burgkirche repräsentiert eine architektonische Epoche, die es zu bewahren gilt. Gleichzeitig entspricht das Gebäude nicht mehr den heutigen Anforderungen an Barrierefreiheit und technische Ausstattung. Diese Spannung zwischen Erhalt und Modernisierung stellt die Herausforderung dar, die bei der aktuellen Renovierung gemeistert werden soll.
Planungsphase und architektonische Vision
Die Planungsphase der Burgkirchen-Renovierung war eine intensive Arbeit, die vier Monate dauerte. In dieser Zeit arbeiteten die Architekten Benjamin und Jochem Jourdan detailliert an Entwürfen für die umfangreichen Sanierungsarbeiten. Das Duo hat bereits mit namhaften Projekten wie dem Höchster Schloss, dem Frankfurter Städel-Museum oder der Documenta-Halle in Kassel Erfahrung gesammelt. Die Burgkirche stellt jedoch eine besondere Aufgabe dar, wie Benjamin Jourdan anerkennt: "Das ist ein malerischer und besonderer Ort, eine tolle Aufgabe."
Die Architekten verfolgen das Motto "Zurück zum Ursprung", das bei vielen Maßnahmen der Renovierung geleitet wird. Gleichzeitig soll die Kirche für zukünftige Generationen nutzbar bleiben und den Bedürfnissen einer modernen Gemeinde entsprechen. Diese Balance zwischen historischer Authentizität und zeitgemäßer Nutzung erfordert sorgfältige Planung und Abstimmung mit verschiedenen Instanzen.
Ein entscheidender Aspekt der Planung war die genaue Untersuchung der Bausubstanz und die Berücksichtigung denkmalpflegerischer Auflagen. Die Maßnahmen werden mit der Evangelischen Landeskirche in Hessen und Nassau sowie der Denkmalpflege abgestimmt, um die historische Bedeutung des Bauwerks zu bewahren.
Äußere Renovierungsarbeiten
Die äußeren Renovierungsarbeiten konzentrieren sich auf die Wiederherstellung und Erhaltung der historischen Bausubstanz. Dabei wurde bewusst auf eine Veränderung der Farbfassung der Kirche verzichtet, um das ursprüngliche Erscheinungsbild zu bewahren. Stattdessen erfolgten alle erforderlichen Erneuerungen an Putz, Holzgesimsen, Steingewänden und am Sockelputz gegen aufsteigende Feuchtigkeit.
Besonderes Augenmerk wurde auf die Strebepfeiler gelegt, die fehlende Blechabdeckungen erhielten. Auch das Holzwerk von Geländern und Vorbauten wurde sorgfältig ausgebessert und neu gestrichen, um die Langlebigkeit dieser Elemente zu gewährleisten. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, die äußere Erscheinung der Kirche zu erhalten und gleichzeitig ihre Widerstandsfähigkeit gegen Witterungseinflüsse zu erhöhen.
Ein wesentlicher Aspekt der äußeren Umgestaltung ist die Schaffung eines barrierefreien Zugangs. Der bisherige Eingangsbereich wurde durch ein neues Bodenrelief mit Gefälle im Außenbereich ersetzt. Dabei wurden vorhandene Waschbetonplatten entfernt und eine ökologisch, nachhaltige Gestaltung umgesetzt. Diese Maßnahme verbessert nicht nur die Zugänglichkeit für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, sondern trägt auch zur Aufwertung des gesamten Eingangsbereichs bei.
Der Neubau: Sakristei und Behindertentoilette
Die Schaffung einer Sakristei und einer behindertengerechten Toilette war eines der zentralen Anliegen der Renovierung. Die Standortsuche gestaltete sich jedoch als äußerst komplex. Die Ostseite Richtung Weiher war aufgrund einer bereits geneigten Wand, die gestützt werden muss, für einen Anbau ungeeignet. Die Südseite wurde von der Denkmalschutzbehörde aus Platzgründen abgelehnt.
Letztlich blieb nur die Nordseite Richtung Burghof als möglicher Standort. Hier ist ein längliches Gebäude geplant, das sich an die rote Bruchsteinmauer schmiegt, die man zur Rechten sieht, wenn man aus der Eingangstür tritt. Der Entwurf sieht vor, das hölzerne Häuschen und den Müllraum des Geschichts- und Heimatvereins in den neuen Anbau zu integrieren. Eine Besonderheit des Designs ist die Verwendung farbiger Keramikfliesen, die das gut drei Meter breite Gebäude schmücken. Benjamin Jourdan schlug vor, dass Gemeindemitglieder eine oder mehrere Fliesen finanzieren könnten, "quasi als gemeinsames Kunstwerk".
Für den Anbau der Sakristei an die Burgkirche wurde die Südostecke des bestehenden Kirchenschiffes als einzig möglicher Standort identifiziert. Die Realisierung erfordert jedoch den Abriss des breiten Strebepfeilers aus den 1950er-Jahren auf der Ostseite. Da die Sakristei teilweise auf aufgeschüttetem Grund in der Burganlage geplant ist, wurde ein ausführliches Bodengutachten erstellt. Dieses festlegt, dass der Neubau auf kleinen Pfählen errichtet werden muss, die bis auf den festen Grund reichen, um die Standsicherheit zu gewährleisten.
Innengestaltung und Wiederherstellung des historischen Zustands
Die Innengestaltung der Burgkirche folgt dem Leitbild der weitgehenden Wiederherstellung der bauzeitlichen Gestaltung aus dem 18. Jahrhundert. Gleichzeitig soll der Altarbereich offener gestaltet werden, um dem lebendigen Gemeindeleben und den liturgischen Erfordernissen die benötigten Möglichkeiten zu geben.
Ein zentrales Element der Innenrenovierung ist die Rückkehr zur originalen Farbgestaltung. Der Innenraum soll in einen "hellen, warmen Ockerton" getaucht werden, wie er vor 300 Jahren bestand hat. Diese Farbwahl soll nicht nur die historische Authentizität wiederherstellen, sondern auch eine freundliche und einladende Atmosphäre schaffen.
Ein weiteres bedeutendes Projekt ist der geplante Neubau der Holzdecke. Nach den Plänen der Architekten soll der alte Zustand rekonstruiert werden. Fachlich handelt es sich dabei um eine "Kassettendecke", die in etwa wie viele Tafeln "Ritter Sport" aussehen wird. Diese Maßnahme wird die Akustik im Kirchenraum verbessern und ihm ein repräsentatives Aussehen verleihen.
Technische Modernisierung: Beleuchtung und Beschallung
Neben der Restaurierung historischer Elemente sieht die Renovierung auch die Modernisierung technischer Einrichtungen vor. Ein neues Beleuchtungskonzept soll dafür sorgen, dass die Kirche "heller und freundlicher" wirkt. Die Planung sieht eine Rückkehr zu Deckenleuchten vor, wie sie es früher einmal gab. Aktuell kommt das Licht fast ausschließlich von einigen wenigen Wandlampen und durch die farbigen Glasfenster, die nicht allzu viel Sonne durchlassen.
Die moderne Tontechnik ist ein weiteres wichtiges Element der technischen Ausstattung. Sie soll sicherstellen, dass Predigten und Konzerte im gesamten Kirchenraum gut hörbar sind. Diese Maßnahme ist besonders wichtig, da die Burgkirche nicht nur für Gottesdienste, sondern auch für kulturelle Veranstaltungen wie das Weihnachtsoratorium genutzt wird, das vom Evangelischen Dekanat Dreieich-Rodgau organisiert wird.
Herausforderungen bei der Umsetzung
Die Renovierung der Burgkirche stellt alle Beteiligten vor erhebliche Herausforderungen. Die größte Schwierigkeit besteht im sensiblen Umgang mit einem historischen Baudenkmal, das einerseits erhalten werden soll, andererseits aber auch den Anforderungen einer modernen Nutzung angepasst werden muss.
Die technische Umsetzung der geplanten Maßnahmen erfordert spezialisiertes Wissen und Erfahrung. Besonders bei der Rekonstruktion historischer Elemente wie der Kassettendecke oder der Farbgestaltung ist eine präzise Arbeit erforderlich, um den originalen Zustand wiederherzustellen.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Finanzierung des Projekts. Die Kirche ist auf Spenden angewiesen, wie der Pfarrer Buss deutlich macht: "Wir schaffen es nicht aus eigener Kraft." Diese Abhängigkeit von privaten Spendern erfordert eine transparente Kommunikation und die Organisation von Fundraising-Aktivitäten.
Fundraising und Gemeindebeteiligung
Um die erheblichen Kosten der Renovierung zu decken, hat die Burgkirchengemeinde eine umfassende Fundraising-Kampagne geplant. Unter dem pfiffigen Slogan "Geben Sie der Burgkirche den Rest" wurden in der ganzen Stadt verteilte Spendenboxen aufgestellt, etwa an der Kasse der Burgfestspiele. Ab September sollte eine intensivere Akquise erfolgen, mit dem Plan, alle Dreieicher Haushalte anzuschreiben und bei potentiellen Sponsoren vorstellig zu werden.
Der Pfarrer plant zudem regelmäßig Veranstaltungen, bei denen über den Stand der Renovierungsarbeiten informiert und um Spenden gebeten wird. Die erste Resonanz auf diese Initiativen war laut Buss "großartig", und er ist zuversichtlich, dass das Projekt "Schritt für Schritt gemeinsam realisiert" werden kann.
Eine besondere Form der Gemeindebeteiligung ist die Idee, Gemeindemitglieder an der Finanzierung der farbigen Keramikfliesen für den neuen Anbau zu beteiligen. Dies schafft nicht nur eine finanzielle Unterstützung, sondern auch eine emotionale Bindung der Gemeindemitglieder an das Projekt.
Zeitplan und Abschlussziele
Die Renovierung der Burgkirche ist ein langfristiges Projekt mit klaren Meilensteinen. Im September sollten der Kirchenverwaltung der endgültige Entwurf für die Renovierungsarbeiten sowie eine Kostenkalkulation vorgelegt werden. Die Bauarbeiten sollten im darauf folgenden Jahr beginnen und im Optimalfall pünktlich zum 300. Geburtstag der Kirche an Pfingsten 2018 beendet sein.
Dieser ambitionierte Zeitplan erfordert eine sorgfältige Planung und Koordination aller beteiligten Parteien. Die Architekten legen Wert darauf, keine ungesicherten Aussagen über die Kosten zu treffen, bevor nicht alle Pläne finalisiert sind: "Wenn wir jetzt etwas sagen, wäre es ohnehin falsch", erklärt Jochem Jourdan. "Wir wollen etwas Zuverlässiges sagen."
Fazit
Die Renovierung der Burgkirche in Dreieichenhain ist ein ehrgeiziges Projekt, das den sensiblen Umgang mit historischer Bausubstanz mit den Anforderungen einer modernen Nutzung verbindet. Die behutsame Modernisierung, die unter der Leitung der Architekten Benjamin und Jochem Jourdan geplant wird, soll das fast 300 Jahre alte Gotteschrift in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen, während gleichzeitig Barrierefreiheit und zeitgemäße technische Ausstattung umgesetzt werden.
Die Herausforderungen bei diesem Projekt sind erheblich - von der technischen Umsetzung bis zur Finanzierung. Die positive Resonanz in der Gemeinde und die engagierte Fundraising-Kampagne deuten jedoch darauf hin, dass die Burgkirche als kulturelles und religiöses Zentrum Dreieichenhains auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird.
Die Renovierung ist mehr als nur eine Sanierung des Bauwerks - sie ist eine Investition in die Identität und das kulturelle Erbe der Stadt. Wenn die Pläne erfolgreich umgesetzt werden, wird die Burgkirche ihren 300. Geburtstag nicht nur als instand gesetztes Gebäude, sondern als lebendiges Zentrum der Gemeinde feiern können, das Tradition und Modernität verbindet.