Neubeginn für das Ehrwalder Hallenbad: Revitalisierung für 9,5 Millionen Euro geplant

Einleitung

Das beliebte Hallenbad in Ehrwald steht vor einem vielversprechenden Neubeginn. Nach der vorübergehenden Schließung im März 2023 aufgrund nicht tragbarer Kosten haben Verantwortliche des Tourismusverbandes und Gemeinderates am 6. Juni 2024 die nächste Projektphase für eine abgespeckte Version des Bades besprochen. Mit einem Investitionsvolumen von 9,5 Millionen Euro wurde das Revitalisierungsprojekt offiziell präsentiert. Diese Initiative, getragen von der Führungsspitze der Tiroler Zugspitz Arena in Zusammenarbeit mit den Freizeitbetrieben Tiroler Zugspitze und der Gemeinde Ehrwald, soll der Region frischen Schwung verleihen und den Einheimischen sowie Besuchern bald wieder ein modernes Freizeitangebot bieten.

Hintergrund: Schließung und Ausgangslage

Im März 2023 musste das Hallenbad in Ehrwald aufgrund nicht tragbarer Kosten vorübergehend seine Türen schließen. Ein jährlicher Abgang von 600.000 Euro hatte die Gemeinde Ehrwald vor diese schwierige Entscheidung gestellt. Diese Entscheidung bedeutete jedoch nicht das Ende, sondern den Beginn eines neuen Kapitels für das Schwimmbad.

Die Schließung erfolgte, als erhebliche Sanierungsarbeiten anstanden und der Gemeinde die notwendigen Mittel fehlten. Gleichzeitig war der Tourismusverband nicht bereit, die Kosten allein zu übernehmen. Diese Konstellation führte zur vorübergehenden Schließung des Bades, das für die Gemeinde und die Region eine wichtige Funktion erfüllt hatte.

Gemeinsam setzten sich jedoch die Führungsspitze des Tourismusverbandes unter Obmann Theo Zoller, Alexander Guem, Geschäftsführer der Freizeitbetriebe Tiroler Zugspitze, und Bürgermeister Markus Köck daran, eine Lösung zu finden. Nach gründlicher Prüfung verschiedener Alternativen wurde klar: Eine Neukonzeptionierung des Hallenbades ist die beste und wirtschaftlichste Option für die Zukunft des Bades.

Das Revitalisierungsprojekt: Konzept und geplante Maßnahmen

Das neue Projekt für das Hallenbad Ehrwald wurde als abgespeckte Version des ursprünglichen Konzepts entwickelt, mit einem geringeren Finanzierungsbedarf von 9,5 Millionen Euro. Dieses überarbeitete Konzept zielt darauf ab, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern, während dennoch wesentliche Bereiche des Bades modernisiert und revitalisiert werden.

Geplante Sanierungsmaßnahmen

Die Revitalisierung des Hallenbades umfasst folgende wesentliche Maßnahmen:

  1. Umfassende thermische Sanierung: Die gesamte Gebäudehülle soll energetisch saniert werden, um die Betriebskosten zu senken und die Nachhaltigkeit zu erhöhen.

  2. Installation einer neuen Hackschnitzelanlage: Als umweltfreundliche Heizlösung soll eine moderne Anlage zur Beheizung des Bades installiert werden, die nachwachsende Rohstoffe nutzt.

  3. Erneuerung der Sanitäranlagen: Die sanitären Einrichtungen werden vollständig modernisiert, um den aktuellen Standards und Anforderungen gerecht zu werden.

  4. Elektrische Anlagen modernisieren: Die gesamte Elektrotechnik des Gebäudes wird erneuert, um Sicherheit und Effizienz zu gewährleisten.

  5. Modernisierung des Kleinkinderbereichs: Der Bereich für unsere jüngsten Besucher wird vollständig überarbeitet und mit neuen, zeitgemäßen Einrichtungen ausgestattet.

  6. Sanierung des Solebeckens: Das Solebecken, ein beliebtes Merkmal des Bades, wird modernisiert und aufgewertet.

  7. Renovierung des Rutschturms: Der markante Rutschturm des Bades wird saniert und erhält ein neues, attraktives Design.

Abweichungen vom ursprünglichen Konzept

Das neue Betriebskonzept weicht in einigen Punkten vom ursprünglichen Plan ab:

  • Ohne Sauna und Fitnessstudio: Statt eines umfassenden Wellnessbereichs wird auf eine Sauna und ein Fitnessstudio verzichtet, um die Betriebskosten zu senken.

  • Mit Kiosk statt Restaurant: Anstelle eines Restaurants wird ein Kiosk eingerichtet, der einfache Speisen und Getränke anbietet, aber mit geringeren Personal- und Betriebskosten auskommt.

Diese Änderungen spiegeln die Bemühungen wider, ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept zu entwickeln, das dennoch die Kernfunktionen eines modernen Hallenbads für die Bevölkerung und den Tourismus bereitstellt.

Finanzierung des Projekts

Die Finanzierung des Revitalisierungsprojekts ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Akteure und Fördermöglichkeiten. Das Gesamtvolumen von 9,5 Millionen Euro wird durch mehrere Quellen gedeckt:

Kostenverteilung bei den Investitionen

  • Hälfte der Investitionssumme durch den Tourismusverband: Der Tourismusverband Zugspitzarena (TVB) übernimmt 50 % der Investitionskosten, was 4,75 Millionen Euro entspricht.

  • Förderung durch das Land Tirol: Der TVB erwartet zusätzliche Förderungen vom Land Tirol im Rahmen der Tiroler Bäderinitiative. Diese Fördermaßnahme wurde vom Land Tirol ins Leben gerufen, um die Sanierung und den Neubau von Schwimmbädern in der Region zu unterstützen.

  • Erwartete Übernahme durch die Gemeinde Ehrwald: Der Tourismusverband hofft, dass der Restbetrag von der Gemeinde Ehrwald übernommen wird. Die genaue Höhe dieser Leistung ist derzeit noch offen und hängt von den Förderzusagen des Landes ab.

Betriebliche Kosten nach der Sanierung

Nach Umsetzung des neuen Konzepts wird mit einem voraussichtlichen jährlichen Abgang von 350.000 Euro gerechnet. Auch diese Kosten sollen je zur Hälfte vom Tourismusverband und der Gemeinde Ehrwald getragen werden. Bürgermeister Markus Köck hofft zusätzlich auf eine jährliche Unterstützung des Landes Tirol bei den Betriebskosten, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit langfristig zu sichern.

Fördermöglichkeiten durch das Land Tirol

Seit diesem Jahr können Gemeinden und Planungsverbände beim Land Tirol um finanzielle Unterstützung für ihre Schwimmbäder ansuchen. Für Neubauten und Sanierungen ist dieser Topf bis 2030 mit 50 Millionen Euro gefüllt. Bisher sind drei konkrete Vorhaben bekannt – der Neubau des Hallenbads in Axams und die Sanierung des PitzPark Wenns sowie die Sanierung des Hallenbads in Ehrwald.

Bürgermeister Markus Köck bestätigt, dass man ein fixfertiges Sanierungskonzept in der Schublade habe, das ursprünglich rund 10,8 Millionen Euro schwer war und eine Sanierung der gesamten Außenhülle, des Rutschenturms sowie der Schwimmbadtechnik vorsah. Aus dem Bädertopf des Landes erwartet der Ortschef gute drei Millionen Euro für die Sanierung und in weiterer Folge jährliche Unterstützung bei den Betriebskosten. Nur dann sei die Sanierung umsetzbar, so der Bürgermeister im ORF Tirol-Interview.

Bedeutung für die Region

Das geplante Hallenbad Ehrwald hat eine besondere Bedeutung für die gesamte Region, die über die reine Freizeitnutzung hinausgeht. Theo Zoller, Obmann der Tiroler Zugspitz Arena, betont die entscheidende Bedeutung des Projekts für die Region:

Sportliche und pädagogische Funktion

„Die Umsetzung des neuen Alternativprojektes ist von entscheidender Bedeutung, da sich das nächste Hallenbad mit einem 25-Meter-Sportbecken erst in Telfs befindet und die Alpentherme Ehrenberg über kein derartiges Becken verfügt. Das neue Hallenbad in Ehrwald würde auch Schulklassen aus dem gesamten Bezirk Reutte den Schwimmunterricht ermöglichen."

Dieses Alleinstellungsmerkmal ist von zentraler Bedeutung. Ehrwald wäre damit das einzige Bad in der Region, das über ein 25-Meter-Sportbecken verfügt. Der nächste vergleichbare Standort befindet sich im knapp 50 Kilometer entfernten Telfs. Auch die Alpentherme Ehrenberg, die größere Thermalbäder in der Region, verfügt über kein derartiges Becken.

Ergänzung zum bestehenden Angebot

Gemeinderat Peter Steger sieht im Hallenbad Ehrwald eine ideale Ergänzung zur Erlebnistherme in Reutte. Während die Alpentherme Ehrenberg vor allem auf Erlebnis und Wellness setzt, würde das Hallenbad in Ehrwald einen Schwerpunkt auf Sport und Schwimmen legen. Diese ergänzende Funktion ist besonders wichtig für den Schulsport, da in Ehrwald zusätzliche Kapazitäten für die Region geschaffen werden könnten.

Lösung von Verkehrsproblemen

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Erreichbarkeit des Bades. Bürgermeister Köck weist darauf hin, dass aufgrund der regelmäßig angespannten Verkehrssituation auf der Fernpassstraße das Bad in Reutte sehr oft nur erschwert erreichbar ist. Ein Hallenbad in Ehrwald würde dieses Problem für die lokale Bevölkerung lösen und eine alternative Freizeit- und Sportmöglichkeit direkt vor Ort bieten.

Wirtschaftliche Bedeutung für den Tourismus

Obwohl das neue Konzept auf eine Sauna und ein Fitnessstudio verzichtet, betonen die Verantwortlichen die Bedeutung des Bades für den Tourismus in der Region. Wir fänden es in jedem Fall schön, wenn ein mittelgroßes und relativ kostengünstiges Familienbad auch für den Tourismus weiterhin erhalten bliebe, so die einhellige Meinung im Gemeinderat von Ehrwald.

Kritik und Bedenken

Nicht alle Akteure in der Region sehen das Projekt für das Hallenbad Ehrwald positiv. Insbesondere aus Reutte kommen kritische Stimmen, die vor möglichen Konsequenzen für den bestehenden Badebetrieb warnen.

Perspektive aus Reutte

22 Kilometer von Ehrwald entfernt besuchen jährlich über 200.000 Menschen die Alpentherme Ehrenberg in Reutte, um dort zu schwimmen und zu saunieren. Der laufende Betrieb ist dadurch zwar gedeckt, jährliche Investitionskosten von rund einer halben Million Euro sind aber dennoch zu stemmen, so Bürgermeister Günter Salchner.

Er sieht die Pläne in Ehrwald aus mehreren Gründen kritisch:

  1. Wettbewerb: Ein saniertes Hallenbad in Ehrwald könnte eine direkte Konkurrenz für die Alpentherme Ehrenberg darstellen.

  2. Wirtschaftliche Tragfähigkeit: Salchner kann sich nicht vorstellen, wie die laufenden Kosten von Seiten der Gemeinde zu stemmen sein werden, insbesondere wenn das Land Tirol die erwarteten jährlichen Zuschüsse nicht oder nur teilweise gewährt.

  3. Weitere Konkurrenz: In Garmisch-Partenkirchen wird gerade um 30 Millionen Euro ein völlig neues Erlebnisbad gebaut. Dieses Projekt sei in der Tiroler Bäderstudie gar nicht berücksichtigt, werde aber für Ehrwald eine starke Konkurrenz darstellen, so Salchner weiter.

Position der Gemeinde Ehrwald

In Ehrwald ist man sich im Gemeinderat allerdings einig, dass das Hallenbad saniert werden soll. Man sieht das Bad als wichtige Infrastruktur für die Gemeinde und die Region, deren Bedeutung über reine wirtschaftliche Überlegungen hinausgeht. Die Verantwortlichen in Ehrwald betonen, dass das Bad einen wesentlichen Beitrag zum Lebenswert der Gemeinde leistet und für die sportliche Ausbildung der Jugend unerlässlich ist.

Zukunftsaussichten

Die Zukunft des Hallenbads Ehrwald hängt maßgeblich von mehreren Faktoren ab: der Genehmigung der Finanzierung, der erfolgreichen Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen und der langfristigen Wirtschaftlichkeit des Betriebs.

Erwartete Ergebnisse der Sanierung

Die geplanten Sanierungsmaßnahmen sollen das Hallenbad in mehreren Bereichen verbessern:

  • Energetische Effizienz: Durch die thermische Sanierung und die neue Hackschnitzelanlage wird der Energieverbrauch deutlich reduziert, was die Betriebskosten senkt.

  • Attraktivität für Besucher: Die Modernisierung der verschiedenen Bereiche, insbesondere des Kinderbereichs und des Solebeckens, soll die Attraktivität des Bades für Familien und Badegäste erhöhen.

  • Sicherheit und Modernität: Die Erneuerung der elektrischen Anlagen und sanitären Einrichtungen bringt das Bad auf den aktuellen Stand der Technik und erhöht die Sicherheit für die Besucher.

Langfristige Wirtschaftlichkeit

Das neue Konzept zielt darauf ab, die Wirtschaftlichkeit durch mehrere Maßnahmen zu verbessern:

  • Reduzierung der Betriebskosten: Durch den Verzicht auf kostenintensive Bereiche wie Sauna und Fitnessstudio werden die laufenden Kosten gesenkt.

  • Effiziente Betriebsführung: Der Betrieb eines Kiosks statt eines Restaurants reduziert den Personal- und Materialaufwand.

  • Optimiertes Angebot: Das Fokus auf die Kernfunktionen eines Hallenbades – Schwimmen und Sport – ermöglicht eine gezieltere Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Zielgruppe.

Mögliche weitere Entwicklung

Sollte das Projekt erfolgreich umgesetzt werden, könnte das Hallenbad Ehrwald in Zukunft wieder eine zentrale Rolle im Freizeitangebot der Region einnehmen. Je nach Entwicklung des Tourismus und der Nachfrage könnte das Bad in einem zweiten Schritt um weitere Bereiche ergänzt werden, um die Attraktivität weiter zu steigern.

Fazit

Die Revitalisierung des Hallenbads Ehrwald steht vor einem entscheidenden Wendepunkt. Mit einem Investitionsvolumen von 9,5 Millionen Euro und einem abgespeckten Betriebskonzept ohne Sauna und Fitnessstudio soll das Bad nach der Schließung im März 2023 wiedereröffnet werden. Das Projekt umfasst eine umfassende thermische Sanierung, die Installation einer neuen Hackschnitzelanlage, die Erneuerung der Sanitäranlagen und Elektrik sowie die Modernisierung des Kleinkinderbereichs und des Solebeckens.

Die Finanzierung des Projekts ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Akteure: Der Tourismusverband Zugspitzarena übernimmt 50 % der Investitionskosten, das Land Tirol soll zusätzliche Förderungen bereitstellen, und die Gemeinde Ehrwald soll den Restbetrag übernehmen. Nach der Sanierung wird mit einem jährlichen Abgang von 350.000 Euro gerechnet, der ebenfalls je zur Hälfte vom Tourismusverband und der Gemeinde getragen werden soll.

Das Projekt hat eine besondere Bedeutung für die Region, da Ehrwald mit seinem 25-Meter-Sportbecken das einzige Bad in der Region wäre, das Schwimmunterricht für Schulklassen aus dem gesamten Bezirk Reutte ermöglicht. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, insbesondere aus Reutte, die vor Konkurrenz für die Alpentherme Ehrenberg warnen.

Obwohl das Source Data die endgültige Entscheidung über das Projekt noch nicht bestätigt, zeigen die positiven Signale und die gemeinsame Anstrengung der Verantwortlichen, dass die Wiedereröffnung des Hallenbads Ehrwald in greifbare Nähe gerückt ist. Das Bad könnte damit wieder zu einem wichtigen Bestandteil des Freizeitangebots der Region werden und einen wesentlichen Beitrag zum Lebenswert der Gemeinde leisten.

Quellen

  1. Alpintreff
  2. Reutte Rundschau
  3. MeinBezirk
  4. ORF Tirol

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