Einleitung
Die Renovierung und Modernisierung des eigenen Heims ist eine bedeutende Investition, die nicht nur den Wohnwert erhöht, sondern langfristig auch Energiekosten senken und den Wert der Immobilie steigern kann. Um diese Maßnahmen zu erleichtern, bietet der Staat verschiedene Förderprogramme an, die Hauseigentümer bei ihren Projekten finanziell unterstützen. Dieser Artikel gibt einen detaillierten Überblick über die wichtigsten Fördermöglichkeiten für die Renovierung und Modernisierung von Eigenheimen in Deutschland, einschließlich der Anforderungen, Antragsverfahren und spezifischen Programme für verschiedene Bedürfnisse.
Grundlagen der Wohnraumförderung
Die Wohnraumförderung in Deutschland richtet sich an Privateigentümer, die ihr selbst genutztes Wohneigentum bauen, erwerben oder modernisieren möchten. Die Förderprogramme werden sowohl von staatlichen Banken wie der KfW als auch von Bundesbehörden wie dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) angeboten.
Die Unterstützung umfasst verschiedene Maßnahmen: - Neubau von Wohnraum einschließlich Erstbezug - Erwerb vorhandenen Wohnraums - Modernisierungsmaßnahmen zur nachhaltigen Erhöhung des Gebrauchswerts - Maßnahmen zur dauerhaften Verbesserung der allgemeinen Wohnverhältnisse - Maßnahmen zur nachhaltigen Einsparung von Energie oder Wasser - Austausch von Bleileitungen in der Trinkwasserinstallation - Anpassung an geänderte Wohnbedürfnisse (z.B. altersgerechtes Wohnen) - Anpassung an die Folgen des Klimawandels
Nach einer Modernisierung muss der Wohnraum den allgemein üblichen Wohnbedürfnissen entsprechen. Bei energetischen Modernisierungen muss das Gebäude mindestens das energetische Niveau eines KfW-Effizienzhauses 70 erreichen.
Förderprogramme der KfW
Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) bietet eine Vielzahl von Förderprogrammen für verschiedene Modernisierungs- und Renovierungsbedürfnisse an. Diese Programme werden als zinsgünstige Kredite oder Zuschüsse bereitgestellt.
Energieeffizienz und erneuerbare Energien
Für Maßnahmen zur Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energien stehen folgende Programme zur Verfügung:
KfW-Programm 458: Heizungstausch
Dieses Programm fördert den Austausch von Heizungsanlagen. Die Antragsstellung erfolgt über die KfW, während die eigentliche Förderung vom BAFA administriert wird.
KfW-Programm 270: Erneuerbare Energien
Dieses Programm unterstützt die Nutzung erneuerbarer Energien für Strom- und Wärmeerzeugung im eigenen Heim.
KfW-Programm 159: Altersgerecht Umbauen
Dieses Programm bietet Kredite für den Abbau von Barrieren und eine Verbesserung des Einbruchsschutzes in Wohngebäuden. Es richtet sich speziell an Hauseigentümer, die ihre Immobilie an die Bedürfnisse älterer Menschen anpassen möchten.
KfW-Programm 296: Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment
Dieses Programm bietet Kredite für den Neubau von Wohngebäuden und Eigentumswohnungen im Niedrigpreissegment mit besonderem Fokus auf Klimafreundlichkeit.
KfW-Programme 297/298: Klimafreundlicher Neubau
Diese Programme bieten Kredite für den Neubau und Ersterwerb von klimafreundlichen Wohngebäuden und Eigentumswohnungen.
KfW-Programm 300: Wohneigentum für Familien - Neubau
Dieses Programm bietet Kredite für den selbstgenutzten Neubau und Ersterwerb von Wohngebäuden für Familien mit Kindern.
KfW-Programm 308: Wohneigentum für Familien – Bestandserwerb (Jung kauft Alt)
Dieses Programm bietet Kredite für den Kauf eines bestehenden Wohngebäudes oder einer Eigentumswohnung mit Sanierungspflicht für Familien mit Kindern.
Finanzierungsdetails der KfW-Programme
Die Finanzierung unterscheidet sich je nach Programm und Art der Maßnahme:
Für Neubau/Erstbezug oder Erwerb eines bestehenden Gebäudes:
- Darlehen bis zu 75.000 Euro
- Die Beträge erhöhen sich für jedes Kind um 7.500 Euro
- Für jeden zum Haushalt gehörenden Menschen mit Behinderung um 7.500 Euro
- Zusätzlich wird für jedes Kind oder jeden Menschen mit Behinderung ein Zuschuss in Höhe von 3.000 Euro gewährt
Beispiel: Ein Haushalt mit 2 Kindern kann insgesamt ein Darlehen von 90.000 Euro und einen Zuschuss von 6.000 Euro erhalten.
Für Modernisierung oder energetische Modernisierung eines bestehenden Gebäudes:
- Darlehen bis zu 85 % der Gesamtkosten, jedoch nicht mehr als 75.000 Euro
- Zusätzlich wird für jedes Kind oder jeden Menschen mit Behinderung ein Zuschuss in Höhe von 3.000 Euro gewährt
Energetische Modernisierung
Die energetische Modernisierung stellt eine über eine Einzelmaßnahme hinausgehende bauliche Gesamtmaßnahme an oder in einem Wohngebäude dar. Ihr Ziel ist die Erreichung eines höherwertigen energetischen Standards. Dazu gehören insbesondere:
- Nachträgliche Wärmedämmung der Gebäudewände, des Daches, der Kellerdecke oder von erdberührten Außenflächen beheizter Räume
- Fenster und Außentürenerneuerung
- Erneuerung von Heizungstechnik
- Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energieträger
Nach einer energetischen Modernisierung muss das Wohngebäude mindestens das energetische Niveau eines KfW-Effizienzhauses 70 erreichen.
Förderprogramme des BAFA
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) administriert verschiedene Förderprogramme für energetische Modernisierungen:
BEG WG und BEG NWG
Diese Programme bieten Zuschussförderung für Kommunen und eine Kreditvariante für verschiedene Maßnahmen.
BEG EM (Anlagen zur Wärmeerzeugung)
Dieses Programm fördert Anlagen zur Wärmeerzeugung, mit Ausnahme der Errichtung, des Umbaus oder der Erweiterung von Gebäudenetzen.
Antragsberechtigte
Antragsberechtigt sind: - Hauseigentümer - Wohnungseigentümergemeinschaften - Contractor - Unternehmen - gemeinnützige Organisationen - Kommunen - Stadtstaaten sowie deren Einrichtungen
Antragsstellung
Die Antragstellung erfolgt online über das BAFA-Portal. Alle wichtigen Informationen und Links zur Antragstellung finden sich auf der Webseite des BAFA.
Energieeffizienz-Experten (EEE)
Für bestimmte Maßnahmen im Rahmen der BEG-Förderung ist die Einbindung eines Energieeffizienz-Experten (EEE) erforderlich:
Notwendig für: - Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle - Anlagentechnik (außer Heizung) - Errichtung, Umbau und Erweiterung eines Gebäudenetzes - Anträge mit einem iSFP-Bonus - Fachplanung und Baubegleitung
Für andere förderfähige Maßnahmen ist die Einbindung eines EEE optional.
Weitere BAFA-Fördermöglichkeiten
Beim BAFA können Hauseigentümer auch einen Zuschuss zu einer: - umfassenden Energieberatung ihres Wohngebäudes - einem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP)
erhalten.
Ergänzungskredite
Wenn Hauseigentümer eine Zusage für einen Zuschuss erhalten und noch weiteren Finanzierungsbedarf haben, können sie einen sogenannten Ergänzungskredit der KfW (Programm 358/359) nutzen. Diesen Kredit können sie über einen Finanzierungspartner, zum Beispiel ihre Hausbank, beantragen.
Weitere Fördermöglichkeiten des Bundes
Die Bundesregierung fördert über die KfW Bankengruppe zusätzlich: - klimafreundliche Neubauten - barrierefreien Umbau - Einbruchschutz von Gebäuden - Photovoltaikanlagen
durch zinsgünstige Kredite oder Zuschüsse.
Kumulation von Fördermitteln
Zuwendungen für Erwerb und/oder Modernisierung und/oder energetische Modernisierung dürfen kumuliert werden, sofern sich die Zuwendungen auf unterschiedliche bestimmbare förderfähige Kosten beziehen. Im Fall einer Kumulierung werden Zuschüsse jedoch nur für eine Maßnahme gewährt.
Landesbürgschaft
Eine Bürgschaftsübernahme ist als zusätzliche Förderung möglich. Dadurch kann die Gesamtfinanzierung gesichert und ein nachrangiges Darlehen zu den Zinskonditionen eines erststelligen Darlehens gewährt werden.
Den Antrag auf eine Landesbürgschaft können gemeinsam mit dem Kreditinstitut und dem Antrag auf Bewilligung der Fördermittel bei den Wohnraumförderstellen (WFS) der Landkreise, Städte bzw. Gemeinden gestellt werden.
Sicherheiten
Für die Förderdarlehen muss eine grundpfandrechtliche Sicherheit durch eine nachrangige Grundschuld gestellt werden. Bei Darlehen bis zu 20.000 Euro kann auf eine grundpfandrechtliche Absicherung verzichtet werden.
Auszahlung der Fördermittel
Das Darlehen wird entsprechend des Baufortschritts in Raten ausgezahlt, nachdem die Auszahlungsvoraussetzungen erfüllt sind. Der Zuschuss wird mit der ersten Darlehensrate ausgezahlt.
Fazit
Die Förderlandschaft für die Renovierung und Modernisierung von Eigenheimen in Deutschland ist vielfältig und bietet Hauseigentümern zahlreiche Möglichkeiten, ihre Projekte finanziell zu unterstützen. Ob es sich um energetische Modernisierungen, barrierefreie Umbauten oder den Erwerb einer Immobilie handelt – für fast jedes Vorhaben gibt es passende Förderprogramme.
Wichtige Aspekte bei der Beantragung von Fördermitteln sind: - Die frühzeitige Planung und Information über passende Programme - Die Einhaltung der spezifischen Anforderungen jedes Programms - Die korrekte und vollständige Antragstellung - Bei Bedarf die Einbindung von Energieeffizienz-Experten
Durch die strategische Nutzung dieser Fördermittel können Hauseigentümer ihre Modernisierungsprojekte nicht nur wirtschaftlicher gestalten, sondern auch einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Verbesserung der Wohnqualität leisten.