Einleitung
Das Emma-Jaeger-Bad in Pforzheim steht seit Jahren im Mittelpunkt städtebaulicher Diskussionen und symbolisiert gleichzeitig einen komplexen Prozess der Stadtentwicklung. Die Anlage, die einst als erstes öffentliches Schwimmbad der Stadt galt, befindet sich heute in einem Zustand des Übergangs: Der historische Teil unter Denkmalschutz wurde zum Kreativzentrum umgewandelt, während der modernere Teil aus den 1960er Jahren aufgrund von Baufälligkeit seit 2018 geschlossen ist. Nach Jahren der Planungsunsicherheit hat sich die Stadt für eine Neugestaltung der Bäderlandschaft entschieden, die mit dem Abriss des maroden Teils des Emma-Jaeger-Bads beginnt. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte des Baus, die aktuellen Entwicklungen rund um den Rückbau und die zukünftigen Pläne für die Schwimmbadsituation in Pforzheim.
Geschichte des Emma-Jaeger-Bads
Die Anfänge und der Jugendstilbau
Die Geschichte des Emma-Jaeger-Bads ist eng mit der Entwicklung der städtischen Infrastruktur im frühen 20. Jahrhundert verbunden. Vor dem Bau des Bades existierte kein öffentliches Schwimmbad in Pforzheim. Die Finanzierung des Baus wurde maßgeblich durch die testamentarische Verfügung der Pforzheimer Mäzenatin Emma Jaeger (1830-1900) ermöglicht, die der Stadt eine Summe von rund 500.000 Mark hinterließ, um ein Volksbad zu errichten.
Der Bau des historischen Bads begann im Jahr 1909 und wurde 1911 in einer stilistischen Mischung aus Neorenaissance und Jugendstil eröffnet. Das Gebäude zählt heute zu den wenigen bedeutenden Jugendstilbauten der Stadt, die zumindest in Teilen erhalten sind. Nach schweren Bombenschäden im Februar 1945 wurde das Bad in verkleinerter Form nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut und konnte 1949 wieder in Betrieb genommen werden.
Erweiterung in den 1960er Jahren
In den 1960er Jahren entschied sich die Stadt für den Bau einer neuen Schwimmhalle, die 1965 eingeweiht wurde. Diese Erweiterung umfasste ein Nichtschwimmerbecken, ein Sportbecken mit Sprunganlage und eine Wasserrutsche. Im Jahr 2002 wurde diese neue Halle saniert und durch eine Saunalandschaft ergänzt.
Die Teilung des Bads in einen historischen und einen modernen Teil prägte die weitere Nutzung und letztlich auch das Schicksal der Anlage. Während der historische Teil unter Denkmalschutz steht und kulturelle Bedeutung besitzt, war der moderne Teil aus den 1960er Jahren jahrzehntelang der Hauptnutzteil für die Schwimmbadbesucher.
Schließung und aktuelle Situation
Die Trennung der Badsäulen
Im Jahr 2011 musste der historische Teil des Emma-Jaeger-Bads geschlossen werden. Dieser Teil wurde anschließend zum "Emma Kreativzentrum" umgewandelt und dient seitdem als kultureller Veranstaltungsort. Die Schließung des alten Teils war jedoch nur der erste Schritt in einer Entwicklung, die die Schwimmbadsituation in Pforzheim grundlegend verändern sollte.
Der zweite folgte 2018, als der aus den 1960er Jahren stammende Teil des Bads aufgrund seines maroden Zustands geschlossen werden musste. Diese Schließung markierte das Ende der Ära des Emma-Jaeger-Bads als funktionierendes Schwimmbad und hinterließ Pforzheim seitdem ohne großes öffentliches Schwimmbad. Seitdem stand das Gebäude leer und verfiel zunehmend, wobei es sich zu einem Lost Place mitten in der Stadt entwickelte.
Der Verfall und die Folgen
Die Schließung des Emma-Jaeger-Bads hatte weitreichende Folgen für die Stadt und ihre Bewohner. Über sieben Jahre lang gab es in Pforzheim kein großes öffentliches Schwimmbad mehr, was zu erheblicher Unzufriedenheit in der Bevölkerung führte. Das marode Gebäude wurde zum Sinnbild des sogenannten "Bäderfiaskos" der Stadt und stand im Zentrum jahrelanger politischer Debatten.
In der Zeit der Schließung überwucherten Pflanzen das Außengelände stark. Besonders betroffen waren die Flächen um das frühere Außenbecken sowie die ehemalige Restaurant-Terrasse, die von Stauden, Hecken, Büschen und sogar Bäumen erobert wurden. Selbst eine Platane, die direkt an das Gebäude angrenzte, wuchs unkontrolliert und musste entfernt werden.
Beginn des Rückbaus
Vorbereitende Maßnahmen
Im Februar 2021 begann die Stadt Pforzheim mit den ersten Schritten des Rückbaus des maroten Teils des Emma-Jaeger-Bads. Zunächst konzentrierten sich die Arbeiten auf die Freiräumung der Außenflächen. Arbeiter beseitigten Stauden, Hecken, Büsche und Bäume, um das Grundstück für die notwendigen Untersuchungen zugänglich zu machen.
Diese ersten Arbeiten wurden laut Stadtverwaltung in enger Abstimmung mit dem Amt für Umweltschutz durchgeführt und umfassten eine ökologische Baubegleitung. Damit verbunden waren Ausgleichsmaßnahmen, um die Eingriffe in die Natur zu kompensieren. Die Arbeiten dauerten etwa eine Woche und führten zu Einschränkungen beim Parken sowie zu Lärmbelästigung, wofür der Eigenbetrieb Pforzheimer Verkehrs- und Bäderbetriebe (EPVB) um Verständnis bat.
Bodenuntersuchungen
Nach der Freiräumung der Außenflächen konnte mit den Bodenuntersuchungen begonnen werden. Die Stadt Pforzheim führte Kernbohrungen und Rammsondierungen durch, um die Bodenbeschaffenheit für den weitere Rückbau zu untersuchen. Diese Untersuchungen sind notwendig, um das weitere Vorgehen bei der Sanierung bzw. dem Abriss des Gebäudes planen zu können.
Parallel zu diesen Untersuchungen werden alle Spalten und Ritzen am Gebäude verschlossen. Diese Maßnahme soll verhindern, dass sich bei wärmerer Witterung Fledermäuse oder Vögel in dem verfallenden Bau einnisten. Die Versiegelung der Zugänge ist eine wichtige Vorbereitung für die eigentlichen Abrissarbeiten, die nach Abschluss der Untersuchungen beginnen sollen.
Politische Entscheidungen und Zukunftspläne
Die Diskussion um den Standort
Die Frage der Zukunft der Schwimmbäder in Pforzheim beschäftigte den Gemeinderat über Jahre hinweg. Im Jahr 2020 stimmte der Rat zunächst für die Errichtung eines kleineren Schwimmbads am Standort des Emma-Jaeger-Bads. Diese Entscheidung schien den Erhalt des zentral gelegenen Bads zu sichern.
Im Jahr 2023 wurde jedoch diese Entscheidung revidiert. Der Gemeinderat entschied sich stattdessen für eine sogenannte Kombi-Variante aus einem sanierten Freibad und einem neuen, großen Hallenbad auf dem Wartberg. Diese Entscheidung markierte eine Wende in der Planung und ebnete den Weg für den Abriss des maroden Teils des Emma-Jaeger-Bads.
Der Bau des Panoramabads
Mit der Entscheidung für den Wartberg-Standort konnte die Planung für das neue Panoramabad vorangetrieben werden. Im Frühjahr 2023 erhielt das Projekt das letzte "Go" vom Gemeinderat, der dem Bebauungsplan zustimmte. Damit stand dem Baubeginn nichts mehr im Weg.
Der Bau des Panoramabads wird den Bauherren und der Stadt Pforzheim erhebliche Kosten verursachen, und bereits jetzt wird deutlich, dass das neue Schwimmbad immer teurer wird. Dennoch wird das Projekt als die Lösung des jahrelangen Bäderproblems in Pforzheim gesehen. Es soll das Ende des "Fiaskos" bedeuten und der Stadt endlich wieder ein modernes Schwimmbad bringen.
Architektonische und kulturelle Bedeutung
Der Jugendstilbau als Kulturerbe
Der historische Teil des Emma-Jaeger-Bads steht unter Denkmalschutz und wird als Jugendstilbau von architekturgeschichtlichem Wert eingestuft. Das Gebäude zählt neben dem Kollmar & Jourdan-Haus, dem Bezirksamtsturm und der Aussegnungshalle des Hauptfriedhofs zu den wenigen bedeutenden Jugendstilbauten der Stadt, die zumindest in Teilen erhalten sind.
Die Umwandlung des historischen Bads in das Emma Kreativzentrum nach seiner Schließung im Jahr 2011 sicherte den Erhalt dieses architektonischen Juwels. Die Nutzung als kultureller Veranstaltungsort bewahrt den bauhistorischen Wert des Gebäudes und macht ihn der Öffentlichkeit weiterhin zugänglich – wenn auch in anderer Funktion.
Der Kontrast zwischen Alt und Neu
Die Geschichte des Emma-Jaeger-Bads zeigt eindrücklich den Wandel der Bautradition im 20. Jahrhundert. Der historische Teil repräsentiert die repräsentative und stilbewusste Architektur der Wilhelminischen Zeit, während der in den 1960er Jahren hinzugefügte Teil die funktionalistische Ästhetik dieser Epoche widerspiegelt.
Der Kontrast zwischen diesen beiden Baustilen und ihre unterschiedliche Behandlung – Erhalt des einen, Abriss des anderen – spiegelt nicht nur technische und wirtschaftliche Überlegungen wider, sondern auch veränderte Vorstellungen von öffentlicher Infrastruktur und kulturellem Erbe im Laufe der Zeit.
Fazit
Das Schicksal des Emma-Jaeger-Bads in Pforzheim ist ein Beispiel für die Komplexität der Stadtentwicklung und die Balance zwischen Erhalt und Neugestaltung. Während der historische Teil als Kulturerbe erhalten und kreativ weitergenutzt wird, muss der marode Teil aus den 1960er Jahren einem neuen Projekt weichen. Die Entscheidung für den Bau des Panoramabads auf dem Wartberg markiert einen Wendepunkt in der jahrelangen Diskussion um die Zukunft der Schwimmbäder in Pforzheim.
Der Rückbau des maroten Teils ist ein notwendiger Schritt, um die Stadt mit einem modernen Schwimmbad auszustatten, das den Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht. Gleichzeitig bewahrt die Stadt mit dem Erhalt des historischen Bads einen Teil ihrer bauhistorischen Identität. Die Umwandlung des alten Bads in ein Kreativzentrum zeigt, wie veraltete Infrastruktur neue Funktionen erhalten und damit in die Stadt integriert werden kann.
Die Entwicklung des Emma-Jaeger-Bads von einem zentralen Ort des öffentlichen Lebens zu einem Symbol des städtischen Umbaus und schließlich zu einem Ausgangspunkt für die Neugestzung der städtischen Bäderlandschaft verdeutlicht, wie sehr sich die Anforderungen an öffentliche Einrichtungen im Laufe der Zeit verändern. Die Lösung, die Pforzheim nun mit dem Panoramabad auf dem Wartberg verfolgt, soll die Stadt nach sieben Jahren ohne großes öffentliches Schwimmbad endlich wieder mit einer zeitgemäßen Sport- und Erholungseinrichtung ausstatten.